Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Tara:
Nervenaufreibend & systemkritisch
Up in Smoke - Was tust du, wenn die Wahrheit nicht zählt? von Nick Brooks
„Up in Smoke“ ist ein spannender Young-Adult Thriller des Autors und Filmemachers Nick Brooks.
Es geht direkt spannend los, der Autor wirft seine Leser*innen mitten ins Geschehen.
Während einer Protestaktion rauben vier Jugendliche einen Laden aus. Einen Block von ihnen entfernt wird währenddessen bei dem Protestmarsch eine junge Frau erschossen.
Jason, der Drahtzieher des Raubs, gerät als Täter des Mordes unter Verdacht und wird von der Polizei festgenommen. Cooper, der bei der ganzen Sache von vornherein ein ungutes Gefühl hatte, glaubt nicht, dass Jason der Täter ist und sieht nur einen Weg: Er muss den wahren Täter finden. Gemeinsam mit Jasons kleiner Schwester Mo begibt er sich auf die Suche, bei der es für die beiden nicht ungefährlich bleibt.
Der Schreibstil von Nick Brooks ist lebendig und mitreißend. Er erzählt in kurzen Kapitel und wechselt die Perspektive zwischen Cooper und Mo(nique). Jedes der Kapitel trägt eine kurze, prägnante Überschrift, die neugierig macht.
Die Charaktere wirken authentisch und auch, dass sich zwischen Cooper und Mo Gefühle entwickeln wird passend mit der Handlung verwoben.
Der Thriller bietet allerdings nicht einfach nur ein fesselndes Leseerlebnis und gute Unterhaltung, sondern regt auch zum Nachdenken an. Er ist system- und gesellschaftskritisch, behandelt aktuelle Themen wie Rassismus, Polizeigewalt und Racial Profiling.
Durch zahlreiche Wendungen wurde ich immer wieder auf eine falsche Fährte gelockt und habe durchgehend mitgerätselt. Das Ende hat mich überrascht. Ich denke, dass dieser Triller aufgrund seiner Aktualität und Spannung auch durchaus nicht ganz so leseaffine Jugendliche abholen kann.
Mutig & ehrlich - mitten im Leben
Alt genug von Ildikó von Kürthy
„Alt genug“ ist wieder ein lesenswerter Roman der in Hamburg lebenden Autorin und Journalistin Ildikó von Kürthy.
1999 habe ich das erste Buch der Autorin gelesen und fühlte mich damit direkt abgeholt. Seitdem habe ich keines ihrer Werke ausgelassen und festgestellt, dass ich im gleichen Tempo altere wie Ildikó von Kürthy.
Sie trifft immer wieder meine Situation und ich erkenne mich wieder.
Hier erzählt sie aus ihrem Leben.
Erlebnisse, Gefühle, Gedanken, Erinnerungen, Momente der Unsicherheit, Peinlichkeiten, Glücksgefühlen, alles, was das Leben sonst noch bereit hält und worüber man nicht immer gerne spricht oder sich Gedanken macht.
Der Schreibstil ist locker, witzig, warmherzig und lässt sich leicht lesen. Dabei stecken die Sätze voller Emotionen, manchmal auch voller Ironie und Humor. Es ist ein sehr mutiges und ehrliches Buch, das dazu auffordert sein Leben mit seinen Veränderungen anzunehmen und sich selbst zu akzeptieren.
Mich hat dieses lebenskluge Buch gut unterhalten und gleichzeitig hat es mir Stoff zum Nachdenken geliefert. Ich denke, dass sich hier viele Leser*innen wiederfinden können, auch wenn sie kein so öffentliches Leben wie Ildikó von Kürthy führen und in viele ihrer Situationen nicht hineinkommen. Es bleiben dennoch eine Menge Parallelen.
Wir müssen die Veränderungen, die das Leben mit sich bringt mit seinen Abschieden, Neuanfängen, Erkenntnissen, Möglichkeiten und Chancen annehmen und das Altern einfach akzeptieren.
Lebensnah & berührend
Was ist in meinem Alter sonst noch üblich? von Wencke Mühleisen
„Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?“ ist ein lebensnaher Roman der norwegischen Autorin und Genderforscherin Wencke Mühleisen.
Die 65-jährige Protagonistin Erika verbringt nach einer anstrengenden Zeit mit ihrem Mann Jan ihren Urlaub in Triest. Dort eröffnet Jan ihr vollkommen unvorbereitet, dass er seit anderthalb Jahren mit der 15 Jahre jüngeren Marie zusammen ist.
Erika ist geschockt und beginnt ihre Beziehung und ihr Leben zu reflektieren.
Die Handlung besteht aus 25 kurzen Kapiteln. Jedes ist sehr intensiv und gehaltvoll. Erzählt wird aus der Perspektive von Erika. Auch sie ist nicht ohne Fehler und hat ihren Mann vor 20 Jahren betrogen.
Jan und Erika haben schon früh geheiratet und einen gemeinsamen Sohn. Sie beginnt zu hinterfragen wann die Liebe zwischen ihnen verlorengegangen ist, an welcher Stelle, in welchem Moment die Anziehungskraft zwischen ihnen nachgelassen hat. Schließlich begeben sich die beiden gemeinsam zu einem Paartherapeuten.
Der Titel ist hier sehr treffend gewählt. Es geht immer wieder um die Frage, was das Alter und das Altern mit sich bringt und was üblich ist. Ich bin Erikas intensiven Gedankengängen gerne gefolgt und konnte ihre Gefühle und Sehnsüchte durchaus nachvollziehen. Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle, in der Erika verzweifelt, wütetet und sich fragt wo sie im Leben steht.
Obwohl das Buch sehr gehaltvoll ist, hatte ich es durch den eingängigen Schreibstil der Autorin schnell gelesen. Im Gedächtnis bleiben wird es mir aber bestimmt noch länger.
Unterhaltsam & amüsant
DUMONTs Unnützes Reisewissen Deutschland von Juliane Schader; Jens Bey
„Unnützes Reisewissen Deutschland - Über 100 kuriose Fakten und Geschichten“ ist ein aufschlussreicher Reisebegleiter von den Autoren Juliane Schader und Jens Bey.
Es gibt unzählige Reiseführer, in denen man reichlich Wissen über Land und Leute nachlesen kann. Auch in diesem Buch erfährt man viel über das Land, aber es ist kein klassischer Reiseführer.
Statt Informationen über Sehenswürdigkeiten und Vorschläge für Ausflugsziele gibt es Einsichten in die Mythen, die sich hartnäckig halten, ganz viel unnützes Wissen zum Angeben, kuriose Zahlen und Fakten.
Mich hat das Buch ganz wunderbar unterhalten. Ich habe gestaunt, gelacht und auch ungläubig weitere Nachforschungen angestellt. So unnütz wie der Titel vorgibt, ist es also gar nicht.
Ich hatte nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch meinen Spaß. Die Seiten sind mit vielen passenden Illustrationen abwechslungsreich gestaltet.
Egal ob man in Deutschland lebt oder als Tourist hierhin kommt, erst mit diesem Wissen kennt man unser Land so richtig. Ich habe ausgesprochen gerne in dem Buch gelesen und versucht mir so viel wie möglich zu merken, um es bei passender Gelegenheit anbringen zu können.
Unerlässlich: Lesen & schreiben
Lesen. Schreiben. Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander. von Bob Blume
„Lesen. Schreiben. Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander.“ ist ein wichtiges Buch des Autors, Lehrers, Podcasters, Bloggers und Bildungsinfluencers Bob Blume, der in den sozialen Medien als Netzlehrer bekannt ist.
Wichtig, weil er sich für das Lesen und das Schreiben einsetzt. Beides ist in unserer schnelllebigen Welt, dank fortschreitender Technik, deutlich auf dem Rückgang, aber für die Kommunikation und das Verständnis füreinander unerlässlich.
Das Buch beinhaltet eine Mischung aus Fakten, Meinung und persönlichen Eindrücken und Erlebnissen. Dadurch ist es interessant und liest sich ausgesprochen unterhaltsam.
Lesen und schreiben ist für unsere Gesellschaft wichtig, um einander zu verstehen, um zu diskutieren, Einblicke in andere Perspektiven und neue Ideen zu bekommen.
Dem Autor ist der bewusste Umgang mit Sprache, die als Grundlage für Zusammenhalt, Demokratie und Verständnis dient, ein Anliegen, das er hier – wie sollte es auch anders sein – gelungen in Worte gefasst hat.
Entschleunigend & eine Hommage an das Leben
Mathilde und Marie von Torsten Woywod
"Mathilde und Marie" ist der Debütroman des Autors Torsten Woywod.
Mitten in den Bergen, umgeben von wundervoller Natur liegt das Bücherdorf Redu in den Ardennen von Belgien. Redu hat gerade einmal 390 Einwohner, 13 Buchhandlungen und das Internet steht den Bewohner täglich nur eine Stunde zur Verfügung.
Hierhin verschlägt es die 25-jährige Studentin Marie als sie total ausgebrannt und unglücklich aus der hektischen Großstadt Paris fliehen will. Im Zug trifft sie auf die Isländerin Jónína, die sie dorthin einlädt. Jónína hat ein sehr feines Gespür für Menschen und die beiden freunden sich an.
Neben Marie und Jónína gibt es nur wenige weitere Charakter, wie die verbitterte Witwe Mathilde und den Bäcker Thomas. Diese werden so gelungen beschrieben, dass ich direkt das Gefühl hatte sie zu kennen.
Die Handlung ist sehr ruhig und viel entscheidender als diese sind die Botschaften, die zwischen den Zeilen stecken. Durch detaillierte Beschreibungen der Natur und der Landschaft hatte ich diese direkt vor Augen und hatte das Gefühl direkt in Redu zu sein und die Einwohner – samt liebenswerter Hündin Anneliese – kennenzulernen.
Ich habe gespürt, wie Marie in Redu an- und zur Ruhe kommt. Genauso bin ich beim Lesen zur Ruhe gekommen, es hatte auf mich eine sehr entschleunigende Wirkung.
Es geht um Achtsamkeit, Freundschaft, Liebe, Geheimnisse und vieles mehr - alles zeitlose, wichtige Themen, die zum Nachdenken anregen und mich auch nach Beendigung des Buches beschäftigen.
Für mich war es ein richtiger Wohlfühlroman, mit bedeutungsvollen Botschaften und liebenswerten Charakteren, deren Entwicklung ich gerne verfolgt habe. Es ist ein leises aber bedeutsames Buch mit einer angenehmen Atmosphäre.
Mit einem treffenden Vor- und Nachwort rahmt Torsten Woywod seinen Roman gelungen ein.
Ich kann diese Reise nach Redu jedem empfehlen, der einmal durchatmen möchte.
Ein richtiges Herzensbuch
Love and be loved von Cleo Wade
„Love and be loved: Meine Wünsche für dich“ ist ein zauberhaftes Buch der in Kalifornien lebenden Künstlerin und Autorin Cleo Wade.
So bunt wie das Cover ist auch jede einzelne Seite des Buches.
Cleo Wade hat diese mit viel Liebe zum Detail illustriert.
Auf jeder Seite sich zudem eine berührende und lebensbejahende Botschaft.
Dieses Bilderbuch für Erwachsene macht einfach gute Laune, ist bunt wie das Leben, gibt Zuversicht, Hoffnung und Mut, regt zum Träumen und zum Nachdenken an.
Es ist ein Buch voller guter Wünsche, das die Autorin für ihre Tochter geschrieben hat. Diesen Gedanken finde ich sehr schön, da ich mir genau das für meine Töchter wünsche.
Sicherlich passt das Buch nicht für jeden, aber ich bin mir sicher, dass jeder von uns Menschen kennt, für welche dies das perfekte Geschenk ist. Für mich ist es ein richtiges Herzensbuch, das verzaubert und ein warmes Gefühl hinterlässt.
Japanischer Büroalltag
Richtig gutes Essen von Junko Takase
„Richtig gutes Essen“ ist ein ungewöhnlicher Roman der in Japan lebenden Autorin Junko Takase.
Der Büroangestellte Nitani kann Essen nichts abgewinnen. Am liebsten würde er es komplett vermeiden und einfach nur eine Tablette zu sich nehmen. Da dies nicht möglich ist, gestaltet er es so einfach wie möglich und ernährt sich gerne von Instantramen.
Neben ihm arbeiten Oshio und Ashikawa in seiner Bürogemeinschaft. Während Ashikawa die gesellschaftlichen Normen perfekt erfüllt, ist Oshio eher unkonventionell. Mit ihr geht Nitani gerne trinken und erzählt ihr von seiner Leidenschaft für Literatur.
In dem Roman wird der Arbeitsalltag und die Arbeitskultur in Japan dargestellt. Dabei stehen drei sehr unterschiedliche Charaktere im Vordergrund, von denen mir leider keiner so richtig sympathisch war und zu denen ich auch keinen richtigen Zugang finden konnte.
Der Schreibstil der Autorin ist amüsant und durch zahlreiche Dialoge lebendig Manchmal erscheint das Verhalten der Charaktere allerdings einfach nur absurd. Die Darstellung der japanischen Arbeitskultur fand ich dabei durchaus interessant.
Die Handlung hat keinen Spannungsbogen und es gibt auch keine nennenswerte Entwicklung der Charaktere. Man folgt ihnen lediglich ein Stück durch ihr Arbeitsleben.
Insgesamt lässt sich das Buch gut und leicht lesen.
Wer sich für Japan, die japanische Kultur und seine Arbeitswelt interessiert, der liegt mit dem Buch richtig.
Wenn das Meer das Leben bestimmt
Sommer auf Perigo Island von Perry Chafe
„Sommer auf Perigo Island“ ist der Debütroman des kanadischen Autors Perry Chafe.
Die Handlung beginnt im Sommer 1991 auf der Insel Perigo Island die vor der Küste Neufundlands liegt. Der 12-jährige Pierce hat drei Jahre zuvor seinen Vater verloren. Dieser ist mit seinem Kutter zur See gefahren und nicht zurückgekehrt.
Seitdem lebt Pierce allein mit seiner Mutter, denkt aber noch täglich an seinen Vater. Im Moment sind Ferien und er verbringt seine Zeit mit seinen beiden Freunden Bennie und Thomas am Hafen. Als ihnen zu Ohren kommt, dass Anna - ein Mädchen mit dem Pierce ein Geheimnis, seine Angst vor Wasser teilt - verschwunden ist, begeben sie sich gemeinsam mit Bennies Cousine Emily auf die Suche.
Die Ereignisse werden aus der Perspektive des 12-Jährigen Pierce erzählt. Pierce ist ein liebenswerter Protagonist durch dessen Augen die Atmosphäre auf Perigo Island lebendig wird. Die Bewohner leben vom Fischfang, das Meer ist ihr Lebenselixier, aber durch die permanente Überfischung ist ihre Zukunft bedroht.
In 25 kurzen Kapitel auf 272 Seiten bin ich in die Vergangenheit und das Inselleben eingetaucht.
Dabei werden zahlreiche Themen angesprochen. Es geht um Verlust, Trauer, Freundschaft, die Umweltproblematik der Meere, damit verbundene gesellschaftlicher Veränderungen und das Erwachsenwerden. Verbunden wird dies alles durch eine spannende Handlung mit lebendigen Dialogen und authentischen Charakteren.
Mich hat das Buch gefesselt und ich hätte nur zu gerne noch weitergelesen. Aber mit seinem Epilog rundet der Autor sein Buch so gelungen ab, dass ich es zufrieden zuklappen konnte und nun gespannt auf weitere Werke des Autors bin.
Beklemmend und mitreißend
Die Insel meiner Schwester von Sara B. Elfgren
„Die Insel meiner Schwester“ ist ein spannender und mitreißender Roman der in Stockholm lebenden Autorin Sara B. Elfgren.
Die Handlung beginnt im August aus der Ich-Perspektive von Mirjam, die sich nach der Trennung von ihrem Freund Juan an einem ziemlichen Tiefpunkt befindet. Nach 10 Jahren Beziehung verlässt er sie ausgerechnet an ihrem 40.
Geburtstag wegen einer anderen Frau. Gerne hätte sie mit ihrer Schwester Nia gesprochen, aber von dieser hat sie seit über einem Jahr nichts mehr gehört, obwohl sie einmal ein sehr starke Bindung zueinander hatten. Die beiden sind Halbschwestern, haben sich erst mit 14 Jahren kennengelernt und trotz der innigen Beziehung aus den Augen verloren. Für Mirjam kommt es vollkommen überraschend, dass Nia sie zu ihrem 40. Geburtstag auf die Insel einlädt, auf der sie einen großen Teil ihrer Kindheit verbracht haben.
Die Ereignisse werden nicht chronologisch erzählt. Die Autorin springt zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, so dass ich erst nach und nach ein runderes Bild der Charaktere bekommen habe.
Während Mirjams Beziehung beendet ist, ist Nia mit Konrad verheiratet. Das Verhältnis zwischen den beiden ist toxisch und nur schwer zu ertragen.
Ohne zu viele Einzelheiten zu verraten, es geht um zwischenmenschliche Beziehungen, deren Veränderungen im Laufe des Lebens, Freundschaft, Liebe, Gefühle, Verlust, Abhängigkeiten, Gewalt, Verrat und wie diese Emotionen aus der Kindheit das weitere Leben beeinflussen.
Die Atmosphäre ist beklemmend und die Ereignissen sind dramatisch. Das Setting, die Schäreninsel ist dazu passend gewählt, da ein aufziehendes Unwetter die Stimmung unterstreicht.
Ich habe diesen dichten und intensiven Roman gerne gelesen. Wer gute Nerven hat und psychologische Spannungsromane, Dramen und Familiengeschichten mag, dem kann ich das Buch sehr empfehlen.











