Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Petra Sch.:
fesselnder zweiter Fall für Kommissar a.D. Stahl - diesmal auf einer Nordseeinsel
Düster von Ivar Leon Menger
Oktober 1987. Kommissar a.D. Hans Jörg Stahl, 73, ist nun fix zu seiner Lebenspartnerin, der Wirtin Geli, in das kleine Dörfchen Katzenbrunn in den Odenwald gezogen.
Doch Geli will unbedingt mit Hans in den Urlaub fahren, egal wohin. Doch Stahl hasst Urlaub - bis er einen Anruf aus dem hohen Norden erhält: Die Hotelchefin des Grandhotels auf der Nordseeinsel Liekenoog bittet ihn im Fall einer verschwundenen Mitarbeiterin um Hilfe.
Sie hat nämlich von seinem Erfolg im Fall der vom "Greifer" entführten Jugendlichen im letzten Jahr gelesen und hofft, dass er den jungen und unerfahrenen Inselpolizisten Jochen Böhm unterstützen kann. Stahl nimmt natürlich an und schwindelt Geli einen Luxusurlaub vor.
Man fühlt sich wieder lebendig in die 80er zurückversetzt - Ivar Leon Menger versteht es, die damaligen Gepflogenheiten so realistisch wiederzugeben, und man kann alles so gut nachvollziehen. Vor allem an das viele Rauchen kann ich mich selbst noch gut erinnern - fast jeder hat geraucht, ständig und vor allem: überall!
Stahl ist mir mit seiner leicht grummeligen Art schon im vorigen Band sehr ans Herz gewachsen; und ich fand witzig, wie er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollte: das Ermitteln, das ihm immer noch im Blut liegt, obwohl er schon in Rente ist; und seiner Freundin Geli einen Luxusurlaub zu bieten (den er allerdings kostenlos bekommen hat. Und sie soll natürlich nicht mitbekommen, aus welchem Grund er eigentlich auf die Insel gereist ist).
Ich fand auch die Ermittlungsarbeit wieder realistisch und spannend dargestellt. Und wie Stahl dem jungen und unerfahrenen Inselkommissar seine Erfahrung in Mordfällen näherbringen will, fand ich sehr herzlich. Denn Böhm ist motiviert und Stahl findet ihn sympathisch und will ihm unter die Arme greifen.
Diesmal sind die Mordfälle sehr brutal und es gibt viele Leichen von jungen Frauen mit ausgestochenen Augen, brrr.
Der Autor präsentiert etliche mögliche Täter, die sich auch teilweise sehr verdächtig verhalten haben, und man kann super miträtseln.
Immer wieder gibt es auch Rückblicke in die 60er aus Sicht des kleinen Berti, wobei sich hier bald sehr klar herauskristallisiert, wie dies mit den aktuellen Geschehnissen zusammenhängt.
Diesmal hatte ich schon so ein Gefühl, was den Täter betrifft. Leider bin ich damit nicht ganz so glücklich, da mich die Motivation des Täters nicht so ganz überzeugen konnte; auch wenn ich es später besser verstehen konnte. Im vorigen Band war die Aha-Überraschung besser gelöst. Deshalb gebe ich diesmal 'nur' 4 Sterne und freue mich schon sehr auf einen - hoffentlich! - weiteren Fall mit Kommissar a.D. Stahl, der mir, ebenso wie dem Autor selbst, sehr ans Herz gewachsen ist.
Fazit:
Ein wieder ungewöhnlicher und sehr fesselnder (aber auch brutaler) Fall für den Kommissar a.D. Hans Jörg Stahl, den ich mit Spannung verfolgt habe, und wo man gut miträtseln konnte. Leider hat mich die Auflösung diesmal nicht ganz so überzeugt.
beklemmende Spannung
Totensee von Sophie Czerny
Wien, Dezember 2002: Die suspendierte Kommissarin Ada Sabel vom LKA Wien läuft am Zahnfleisch: vor einem halben Jahr wurde ihre 14jährige Tochter Mara entführt, doch niemand glaubt ihr die Entführung, da die beiden zuvor einen Streit hatten.
Bis eines Tages Anfang Dezember eine kopflose Leiche im Donaukanal auftaucht, die Adas Vornamen eingeritzt hat.
Somit ist Ada sofort klar, dass Maras Verschwinden etwas mit ihrer schlimmen Vergangenheit zu tun hat. Doch bis sie endlich die richtigen Fäden verknüpft, vergeht viel Zeit - und Maras Zeit läuft ab - denn am 11. Dezember erhält Ada das Ultimatum, Mara innerhalb von 3 Tagen zu finden, sonst stirbt ihre Tochter.
Die gesamte Stimmung ist sehr düster, denn Ada ist eine gebrochene Frau, die sich auch dementsprechend selbstzerstörerisch verhält. Sie gibt sich die Schuld an Maras Verschwinden. Je mehr sich aus ihrer Vergangenheit aufdeckt, desto besser kann man ihr Verhalten verstehen. Sie hatte es wirklich nicht leicht. Und was damals geschehen ist, ist einfach unfassbar und erschütternd. Somit kann man auch das Verhalten des Mörders nachvollziehen - denn die kopflose Leiche in Wien bleibt nicht die einzige.
Auch das Setting im kalten Dezember mit Eis und Schnee ist passend gut gewählt.
Es gibt sehr viele schnelle Sprünge zwischen verschiedenen Zeiten, Orten und Personen. Obwohl ich Perspektivwechsel gerne mag, weil sie das Geschehen vorantreiben, war das hier irgendwie zu viel, weil man auch zu Beginn überhaupt nicht wusste, worum es im Einzelnen geht bzw. wie alles zusammenhängt. Auch später habe ich mir damit teilweise noch schwer getan.
Der actionreiche Showdown war für meinen Geschmack dann fast zu schnell vorüber; aber die Auflösung war nachvollziehbar und wie gesagt, ich konnte das Verhalten des Täters durchaus verstehen.
Der Roman hinterlässt also nicht nur ein beklemmendes Gefühl ob der düsteren Atmosphäre, sondern hallt auch lange nach und lässt einen über viele erschütternde Dinge, die in den 80ern so passiert sind, nachdenken.
PS: Ich liebe "Hund"! Das Tier mit dem passenden Namen lockert die doch sehr brutale Geschichte stellenweise immer wieder auf - nicht nur für die Leser, sondern ist besonders für Ada eine große emotionale Stütze. Obwohl sie doch nie nie einen Hund haben wollte. Doch wie so oft im Leben kommt es anders, als man man sich so vorgestellt hat.
Fazit:
Ein beklemmender Thriller mit düsterer Atmosphäre und einer gebrochenen Protagonistin, die ihre Tochter sucht. Hallt nach und lässt einen über Vieles nachdenken.
eine Familie mit vielen Geheimnissen
Eine zu viel von Samantha Hayes
3,5 Sterne
Mutter Connie fährt nach dem Tod ihres Mannes Ray mit ihren drei Töchtern Kate, Darby und Bea samt deren Familien ins Ferienhaus der Familie in die schottischen Highlands.
Sie will dort noch vor der öffentlichen Verlesung des Testaments mit ihren Töchtern über den letzten Willen deren Vater sprechen, denn es ist etwas delikat.
Und wird ein längst vergangenes Geheimnis ans Tageslicht bringen.
Und jemand wird sterben.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was es spannend macht und die Story vorantreibt. Doch lange Zeit ist es mehr Familiendrama als Spannungsroman. Nach und nach deckt sich das dunkle Geheimnis aus Rays Vergangenheit auf.
Die Charaktere konnten mich leider nicht so ganz überzeugen - denn wirklich jeder in dieser Familie hat was zu verbergen, sogar die Ehemänner und Stiefkinder, was unglaubwürdig war. Doch dadurch konnte man gut miträtseln.
Das Setting ist toll gewählt: ein Ferien-Cottage in der wilden Landschaft an einem schottischen Loch, das trübe Wetter. Und das seltsam-gruselige Verhalten der Personen lässt düstere Stimmung aufkommen.
Und wieder einmal mein Mantra: warum reden die Leute nicht miteinander? Gerade in einer Familie ist Ehrlichkeit sooo wichtig. Denn nicht aufgearbeitete Probleme führen nur zu weiteren Problemen, die ein ganzes Leben prägen können.
Im Nachhinein fand ich allerdings total unlogisch, warum die Mutter mit all ihren Kindern (plus deren Familien) in die Urlaubshütte gefahren ist. Allerdings hätte sich sonst keine Geschichte ergeben...
Gegen Ende gibt es einen dramatischen Showdown - und endlich eine Leiche. Doch das Ende empfand ich als etwas konstruiert und unlogisch.
Fazit:
Tödliches Familientreffen in den Highlands. Toll zum miträtseln, aber die Auflösung war mir etwas zu konstruiert.
zwei Kriminalfälle in einem
Kein Zurück von Stephen King
Die Geschichte vereint zwei Einzel-Kriminalgeschichten, bei denen man sich zu Beginn fragt: warum hat der Autor diese beiden Geschichten in einem Buch zusammengefasst?
Denn einerseits ist da der "Stellvertretermörder", der unschuldige Menschen, stellvertretend für Jury, Richter und Staatsanwalt des Alan Duffrey-Prozesses, umbringt.
Denn Duffrey wurde verurteilt und 3 Jahre später im Gefängnis ermordet, obwohl er immer seine Unschuld beteuert hat. Und vor einem Jahr sogar derjenige, der ihm gefälschte Beweismittel untergeschoben hat, aufgrund einer unheilbaren Krebserkrankung die Wahrheit gesagt und dem Staatsanwalt in einem Brief geschrieben hat.
Und dann ist da noch die feministische Rednerin Kate McKay, die sich dafür einsetzt, dass Abtreibung nicht verboten ist, die massiv bedroht wird. Und auf deren Assistentin sogar ein Anschlag verübt wurde, aufgrund einer Verwechslung.
Man denkt sich die ganze Zeit: warum diese beiden Geschichten? Wie hängt das zusammen? Zuerst in Form von Holly Gibney, eine Privatermittlerin, die als Personenschützerin für Kate McKay engagiert wurde und die mit Izzy Jaynes befreundet ist - jene Polizistin, die bei den Stellvertretermorden ermittelt.
Erst nach und nach decken sich die wahren Zusammenhänge auf.
Izzy fand ich anfangs eine starke Persönlichkeit, doch sie gerät mit der Zeit in den Hintergrund, denn Holly wird zum "Star". Sie wird nicht umsonst von Izzy "Sherlock Holmes" genannt, denn sie hat ein super Auffassungs- und Kombinationsgabe. Sie ermittelt nicht nur im Falle der Stalkerin von Kate, sondern denkt auch immer wieder über die Stellvertretermorde nach. Und SIE ist es, der einige Puzzlestücke auffallen. Nicht Izzy (oder anderen offiziellen Ermittlern - denn wie es so ist, streiten sich die Behörden darum, wer zuständig ist.)
Diese Geschichte ist der mittlerweile vierte Teil, in dem Holly eine (Haupt-)Rolle spielt. Ich kenne die anderen Bände nicht, aber das stört überhaupt nicht. Einiges wird erwähnt, sodass man Lust bekommt, das ein oder andere Buch noch zu lesen.
Die Auflösung gipfelt in einem fulminanten Showdown, der mir dann doch ein bisschen zu viel war.
Fazit:
Ich mag es, wie die anfangs scheinbar unzusammenhängenden Fälle dann zusammenlaufen und dass mit Holly eine taffe Protagonistin die Zügel in die Hand nimmt.
so mitreißend, emotional und wundervoll
Der Club der Unbeugsamen von Kathryn Stockett
Die Geschichte spielt von Juli bis Oktober 1933 in Oxford, Mississippi. Man liest abwechselnd aus Sicht der 24jährigen, unverheirateten Birdie Calhoun und der 11jährigen Meg Lafleur, die im Waisenhaus untergebracht ist.
Birdie lebt mit ihrer Mama und Meemaw im Delta, und besucht ihre Schwester Frances in Oxford, die dort mit ihrem wohlhabenden Ehemann und ihrer Schwiegermutter lebt, um sie um Geld anzubetteln.
Die soziale Darstellung der damaligen Zeit (Prohibition, niemand hat Geld, sehr viele Familien verlieren ihre Häuser, weil sie die Grundsteuer nicht mehr zahlen können, überall wird angeschrieben usw.) und die Stellung der Frau, sowie der POC, wird authentisch und eindrücklich dargestellt. Die ganze Geschichte hat so viel Lebendigkeit und Authentizität, man fühlt sich mitten in der damaligen Zeit in Mississippi. Auch die Ausdrucksweisen, Bezeichnungen unterstreichen dies. Besonders hat mir gefallen, dass die direkte Rede oft in Umgangssprache der niedrigeren Bildungsschichten verfasst war, das hat alles noch glaubwürdiger gemacht. Es war einfach alles so heuchlerisch zur damaligen Zeit, einfach nur schrecklich, und ich habe mit den Frauen (und Mädchen) so sehr mitgelitten. Auch wenn ich Birdie manchmal einfach hätte schütteln können: warum steht sie nicht für sich ein? Warum traut sie sich manche Dinge nicht? Aber so war es wohl damals...
Anfangs fragt man sich, warum genau diese beiden Menschen ihre Geschichte erzählen. Sie haben ja nichts gemein. Doch nach und nach ergeben sich Verknüpfungen, die mitreißend und emotional sind.
Meg ist so ein aufgewecktes, intelligentes Mädchen, das mit dem Verlust seiner Mutter nur schwer klarkommt. Denn ihre Mutter Charlie wollte nur kurz etwas einkaufen und ist nie wieder aufgetaucht. Und Meg versucht nun einfach, bestmöglich im Waisenhaus klar zu kommen. Was ihr dessen Leiterin jedoch nicht leicht macht.
Birdie ist so liebevoll und empathisch, sie versucht immer das Beste für alle. Auch für ihre Schwester Frances, die sich sehr oft wie ein richtiges Biest verhält, was ihr gar nicht auffällt. Manchmal hat sie aber auch liebevolle Seiten.
Und so überrascht es nicht, dass nach einer (für mich nicht ganz so überraschenden) schicksalhaften Wendung viel Kreativität und Courage gefragt ist, für die Umsetzung einer gefährlichen Idee, um das Leben wieder in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken - und dabei hat Birdie unerwartete Hilfe. Es war einfach sooo lustig zu lesen, als die Mieterinnen im Haus eingezogen sind!
Ich fand es etwas befremdlich, dass bei so einem Buch - wo man ja anhand der Inhaltsangabe genau weiß, worum es geht - in heutigen Zeiten trotzdem eine editorische Notiz abgedruckt werden muss, in der vermerkt ist, dass die an manchen Stellen vorkommende rassistische und diskriminierende Sprache nur der korrekten historischen Darstellung des Alltagsrassismus zur damaligen Zeit in den USA geschuldet ist - das sollte ja wohl selbstverständlich sein, da die Geschichte nunmal in den 1930ern spielt und es damals eben genau so war.
Und ich bin einfach nur begeistert von dieser mitreißenden und bewegenden Geschichte der beiden mutigen Frauen, die authentisch die Gesellschaftsstruktur der 1930er in Mississippi, die riesengroße Schere zwischen Arm und reich, weiß und farbig, Männern und Frauen, wiedergibt.
Fazit:
Eine authentische, mitreißende und emotionale Darstellung der sozialen Gefüge im Mississippi der 30er, als Frauen kaum Rechte hatten und alles einfach nur heuchlerisch war. Mit zwei wahnsinnig sympathischen, empathischen und mutigen Protagonistinnen.
Grusel-Comic zum Miträtseln
Licht ins Dunkel von Steffen Gumpert
Rupert ist ein Außenseiter. Seine Familie ist im Kammerjäger-Business, sein Vater vor einiger Zeit verschwunden - und am nervigsten ist, dass er Geister sieht. Was ihm niemand glaubt.
Eines Tages macht er sich mit seinem Kater Igor auf die Suche nach seinem Vater, denn er hat Hinweise erhalten.
Es macht Spaß, Rupert kennenzulernen.
Er ist etwas eigen, aber sehr sympathisch und steht zu seiner Gabe. Die Geister helfen ihm auch. Es gibt witzige Augenblicke, und dann gruselt man sich wieder.
Die Hinweise, die Rupert erhält, lassen die jungen Leser/innen mit ihm gemeinsam miträtseln. Es gibt Fehlersuchbilder, Buchstabenrätsel, Labyrinthe und vieles mehr.
Die Comic Bilder sind ansprechend, und für den Grusel-Effekt in gedeckten, eher dunklen Farben, gehalten. Manchmal finde ich es jedoch zu düster.
Fazit:
Abenteuer, Humor und Grusel: ein mitmach-Comic mit einem sympathischen Protagonisten und jeder Menge Rätsel.
Kann man als Mordopfer seinen Tod aufklären?
Noch fünf Tage von Helena Falke
Eigentlich sollte es ein unvergesslicher Silvesterabend für die schwerreiche Familie Harman am Davoser Familiensitz werden. Immerhin hat die Privatköchin Lis Castrop, die mit ihrer 12-jährigen Tochter Cosima bei den Familie lebt, ein perfektes Menü kreiert.
Doch es kommt zur Katastrophe: das Ehepaar Harmann und die beiden Kinder sterben in der Nacht - es befand sich Gift im Menü.
Lis, die einzige andere Person im Haus zur Tatzeit, ist auch vergiftet, hat aber noch fünf Tage zu leben. Somit ist sie Opfer und Zeugin zugleich. Und wird logischerweise zur Verdächtigen, immerhin ist sie die einzige (noch) Überlebende.
Um ihre Tochter Cosima zu schützen, will sie den Mord unbedingt aufklären, bevor die fünf Tage um sind: ein tödlicher Countdown.
Die Geschichte wird aus Sicht von Lis in ich-Form erzählt, somit kann man sich gut in sie hineinversetzen.
Man lernt auch ihre Vergangenheit kennen und wie sie zur Starköchin aufgestiegen ist und wie sie zur Familie Harmann gekommen ist.
Manchmal fragt man sich, wie diese Dinge mit den aktuellen Ereignissen zusammenhängen, doch nach und nach klärt sich alles auf. Lis Überlegungen und Ermittlungen hab ich mit Spannung verfolgt, und man bekommt einige Täter serviert.
Ich war über die Auflösung, auch wenn mir bald klar wurde, wer es war, doch über das warum sehr überrascht. Und habe tief in die Abgründe menschlich-charakterlichen Abschaums geblickt.
Und die Art, wie das Gift ins Essen gekommen ist, war richtig perfide.
Dieser Teil hat mir gut gefallen, weniger gut, weil unglaubwürdig, fand ich Lis' persönlichen Countdown - sie hat die Minuten bis zu ihrem Tod gezählt. Sooo genau kann man das doch gar nicht vorhersagen!?
Und ihr Verhalten ihrer Tochter gegenüber fand ich nicht gut. Bzw. nicht fair, indem sie ihr den Tod verschwiegen hat.
Fazit:
"Noch fünf Tage" ist mal ein ganz anderer Thriller: Lis, die ein sterbendes Opfer ist, hilft, ihren Mord aufzuklären. Leider konnte mich der Charakter der Protagonistin nicht mitreißen.
brandaktuell: Terrorismus mit KI
Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln von Florian Schwiecker
Sonntag, 12. April, 16:05 Uhr. Für einige Sekunden fällt in Berlin das Navigationssystem aus, was fast zu einem schrecklichen Unfall geführt hätte. Dahinter steckt die Terrorgruppe "Timeout", die die EU erpressen will mit der Drohung, dass sie noch mehr Schaden anrichten kann, denn sie haben sich ins Galileo-Satellitensystem gehackt.
Lukas Philips und die Ermittler von CSA5, einer geheimen Spezialeinheit gegen Cyberterrorismus, stoßen an ihre Grenzen.
Doch sie haben Glück: Charlotte (Charlie) Engel, eine der besten Programmiererinnen, hat sich privat auf die Suche nach dem Navi-Fehler gemacht, denn sie war unmittelbar davon betroffen. Und findet dabei mehr heraus, als die Behörde. Klar, dass sie engagiert wird und bald in Gefahr gerät.
Die Protagonistin Charlie ist ein IT-Genie. Und trotz ihrer leichten sozialen Probleme schließt man sie sofort ins Herz. Sie ist sympathisch, authentisch und herzensgut. Manchmal aber auch etwas naiv.
Ihre selbst entwickelte KI namens KIM kommt - natürlich unerlaubt - auch zum Einsatz.
Hier merkt man, wie hilfreich KI sein kann, denn KIM ist natürlich zigmal schneller als die besten Hacker.
Ich fand auch die politischen Verstrickungen sehr spannend zu verfolgen, wie es möglich sein kann, dass die EU erpresst wird, und welche Mechanismen und Behörden zur Bekämpfung eingeschalten werden.
Sämtliche handelnden Personen polarisieren und man rätselt mit Charlie und Lukas mit, wer wohl dahinterstecken könnte.
Auch die Ermittlungsarbeit ist sehr authentisch dargestellt, nur bei den IT/KI-Dingen fand ich (als Laie) einiges etwas zweifelhaft.
Doch auch wenn manches sehr unglaubwürdig erscheint, ist es doch in diesen Zeiten, wo KI immer mehr überhand nimmt, aktueller denn je und ja - es könnte möglich sein. Diesen Hintergedanken hat man immer wieder und dadurch ist es so beklemmend und angsteinflößend.
Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf den nächsten Fall von Charlie und KIM (und hoffentlich auch Lukas, denn zu Dritt sind sie ein super Team)!
Fazit:
Reihenauftakt: brandaktueller KI-Thriller, der umso beängstigender ist, als dass die Bedrohung von Cyberterroristen mittels KI in diesen Zeiten sehr realitätsnah ist. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall der sympathischen Programmiererin Charlie und ihrer Künstlichen Intelligenz KIM.
gute Plotidee; aber mit Luft nach oben
Bachelorette Party von Camilla Sten
Mai 2012: eine Gruppe von vier Freundinnen befindet sich zum jährlichen Treffen auf der kleinen, privaten schwedischen Schäreninsel "Isle Blind", doch alle vier verschwinden spurlos.
Zehn Jahre später: Tessa nimmt nur ungern an der Junggesellinnenabschiedsfeier ihrer ehemaligen Freundin Anneliese teil, mit der sie schon länger kaum mehr Kontakt mehr hat.
Doch Tessa hat nur zugesagt, weil die JGA in einem neuen, exklusiven und noch nicht offiziell eröffneten Yoga Retreat stattfindet - welches sich auf Isle Blind befindet! Und der Cold Case der vor 10 Jahren verschwundenen Frauen geht ihr nicht aus dem Kopf, daher will sie unbedingt auf diese Insel und nimmt, fast schon widerwillig, an der Bachelorette Party teil.
Der Prolog mit den Geschehnissen aus 2012 hat mich richtig mitgerissen. Man kann sich in die vier Frauen hineinversetzen, und man fiebert mit ihnen mit.
Die Geschehnisse im April 2022 konnten mich hingegen nicht so fesseln, auch nicht bis zum Schluss. Die Frauen haben sich teilweise unlogisch verhalten und keine der Charaktere spricht mich wirklich an.
Und zu Tessas großem Geheimnis gibt es leider immer nur kurze Andeutungen, aber nichts Greifbares. So etwas mag ich leider gar nicht so gerne. Noch dazu, wenn sich dann herausstellt, dass das Ganze überdramatisiert wurde. Ich konnte wirklich nicht nachvollziehen, warum alle Tessa so herablassend behandelt haben; wie wenn sie eine Schwerstkriminelle wäre oder so. Diese "Freundschaften" fühlten sich einfach nur falsch an.
Dann ist da noch Tessas wahnsinnige Angst, die absolut nicht nachvollziehbar ist. Ja, vor 10 Jahren sind vier junge Frauen (von dieser Insel) verschwunden, mutmaßlich ermordet. Doch warum hat Tessa so wahnsinnige Angst; Todesangst? Außer, dass eine der damals Verschwundenen vor vielen Jahren mal bei ihr und ihrer Schwester gebabysittet hat, hat sie doch keinerlei Verbindung zu ihr oder einer der anderen Frauen. Und was glaubt sie, nach 10 Jahren noch zu finden; noch dazu, wo erst kurz zuvor eine Baustelle auf der Insel war.
Auch gibt sich Tessa zuerst extrem mutig, dann zeigt sie ein egoistisches überängstliches Verhalten; das passt nicht zusammen.
Leider gibt es auch viel langatmiges Füllmaterial (Infos zu Yoga, das Partyleben der Mädels bzw. deren sexuelle Ausschweifungen), was gerne hätte eingekürzt werden können.
Einen Teil der Auflösung konnte ich bald enträtseln, der Rest hat mich zwar überrascht, konnte aber auch nicht überzeugen.
Fazit:
Eine gute Plotidee, die mich leider nur teilweise mit den Geschehnissen aus 2012 überzeugen konnten. Im Jahr 2022 gab es zu viele Unstimmigkeiten.
Was ist vor 10 Jahren geschehen?
Home Before Dark von Eva Björg Ægisdóttir
Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen: einerseits im November 1967, als die 15-jährige Stina auf dem Heimweg von Freunden im ländlichen Island verschwindet - zurück bleibt nur ihre blutige Jacke.
Und dann 10 Jahre später, als Stinas um zwei Jahre jüngere Schwester Marsibil wieder in ihr Heimatdorf zu ihren Eltern anlässlich Stinas verschwinden zurückkehrt.
Doch ihr lässt es immer noch keine Ruhe, und sie beginnt zu recherchieren. Denn sie hat immer noch Schuldgefühle - sie hatte vor 10 Jahren einen Brieffreund, mit dem sie sich genau an jenem Ort treffen wollte, an dem Stina verschwunden ist.
Beide Zeiten werden aus den unterschiedlichen Perspektiven der beiden Schwestern in ich-Sicht erzählt, sodass sich die Geschehnisse nach und nach aufdecken.
Mir haben besonders die Ermittlungen von Marsi im Jahr 1977 gefallen, man konnte sich gut in sie einfühlen.
Die typische Nordic Noir Atmosphäre kommt toll rüber, es ist alle so düster und trostlos; und dann spielt es auch noch im Winter.
Auch die psychischen Probleme von Marsi tragen dazu bei, denn sie ist sich oft nicht sicher, was tatsächlich passiert ist, und was sie nur geträumt hat. Das fühlt sich sehr beklemmend an.
Die sozialen Gefüge der damaligen Zeit sind authentisch dargestellt - was man (v.a. als junges Mädchen) alles nicht durfte; man musste den Schein nach Außen wahren; und man hat nicht offen über alles gesprochen, auch innerhalb der Familie nicht. Und diese Geheimnisse haben, wie so oft, zu Fehlentscheidungen geführt.
Die Auflösung hat mich leider nicht so ganz zufriedengestellt. Einen Teil konnte ich sehr bald erahnen, andere Dinge haben mich überrascht - aber das Motiv konnte ich nicht so wirklich nachvollziehen.
Fazit:
Nordic Noir Psychothriller mit düsterer Atmosphäre, man fiebert mit Marsi mit. Die Auflösung hat mich leider nicht so ganz zufriedengestellt.











