Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Unendliche Weiten
Universum von Phillip P. Peterson
Mike Warnock, unehrenhaft entlassener Bomberpilot, verlässt in einem Shuttle die Erde Richtung Omicron. Zusammen mit Frau und Sohn. Insgesamt sind es 17 Passagiere inclusive eines Ex-Knackis + Crew. Die Warnocks erwartet ein karges Kolonistenleben auf einem fernen Planeten. Auf dem Weg dorthin gerät ihr Schiff vom Weg ab.
Beträchtlich.
Passagierflugschiffkapitänin Christine Dillinger ist erfahren und gewissenhaft, jedoch nicht wirklich sympathisch. Ihr Schiff ist alt und sollte abgeschrieben werden. Natürlich kommt es zu einer Katastrophe. In jeder Sekunde, die das Schiff mit rasanter Geschwindigkeit durch das All rast, vergeht auf der Erde viel Zeit; Jahre, Jahrzehnte und mehr. Zurück? Aber wie? Wie werden die Eingeschlossenen reagieren? Einige vielversprechende Rettungsansätze scheitern. Philipp P. Peterson fügt zahlreiche technische Erklärungen, die nicht derart ausführlich sein müssten, ein. Trotzdem verfolgt man die Handlung gebannt.
Spannende Science-Fiction Lektüre mit vielen packenden Momenten, unerwarteten Ereignissen, ein wahres Fest für Zeitreisefans.
Herausgegeben von Tor/Fischer.
In einem abgelegenen irischen Dorf ...
Der Sucher von Tana French
In einem abgelegenen irischen Dorf ...
Cal hat nach 25 Jahren Arbeit bei bei der Polizei von Chicago und einer Scheidung die Nase voll von Amerika und kauft im Westen Irlands ein marodes Häuschen, welches er ausbaut. Dann geschehen merkwürdige Dinge. Cal will es nicht, wird aber von einem Schützling angeheuert, eine verschwundene Person zu suchen.
Als Zivilist kann er nur sehr behutsam vorgehen.
Tana French hat einen anschaulichen, genau beschreibenden Stil. Ihre Figuren werden gut vorstellbar angelegt, haben alle Ecken und Kanten, können aber durchaus sympathisch sein. Auf Cal trifft das zu. Auch wenn er öfter den „Schwachkopf-Blick“ bekommt oder verschickt. Die Bewohner des abgelegenen irischen Dörfchens bilden eine verschworene Gemeinschaft, die Einmischung vehement ablehnt. Wer seine Nase zu tief in ihre Angelegenheiten steckt, lebt gefährlich. Derbe Späße und mehr sind an der Tagesordnung. Ob Cal sich davon abschrecken lässt?
Es geht auch um Etikette, Anstand und Manieren, zu denen Cal eine Meinung vertritt, die ich durchaus teile. Insgesamt ist er eine beeindruckende Person, über die ich gern mehr lesen würde.
Spannender und unterhaltsamer Krimi von Fischer Scherz, aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.
Schwere Zeiten
Der schwarze Winter von Clara Lindemann
Es ist das Jahr 1946. Rosemarie und Silke sind Flüchtlinge, wollen unbedingt nach Hamburg. In der kriegszerstörten Stadt ist das Leben hart. Nur wer auf dem Schwarzmarkt etwas anbieten kann, kommt durch. Das ist gefährlich, Verhaftungen, Betrug, Diebstahl sind zu erwarten. Als Frau hat man es oft doppelt so schwer.
Elternlose Kinder werden in Kinderheimen misshandelt und zur Prostitution gezwungen. Zum Glück finden die Schwestern Freunde, die ihnen helfen. Schiefhannes ist häufig Retter in der Not. Ungewöhnliche Lösungen sind ein Schritt auf dem Weg in ein besseres Leben. Eine emotionale und packende Schilderung. Leider schleicht sich ein belehrender Unterton ein, das hätte es in dieser Ausführlichkeit nicht gebraucht.
Clara Lindemann entwirft ein glaubhaftes und anschauliches Bild einer kaputten, aber dem Neuen entgegen fiebernden Stadt. Den Bensdorf-Schwestern nimmt man den Hunger aufs Leben, den Willen, ein erfülltes Dasein zu führen, unbedingt ab. So unterschiedlich sie sind, so sympathisch werden sie gezeichnet. Vor allem dürfen sie mutig, couragiert und entschlossen handeln. Das kommt gut an, liest sich spannend. Gut geschrieben ist es auch, ein interessanter historischer Roman aus dem HarperCollins-Verlag.
Grübchenface und Teufelsbraten
Vergissmeinnicht - Was man bei Licht nicht sehen kann von Kerstin Gier
Eine coole Party, ein blauhaariges Mädchen, eine rasante Verfolgungsjagd - ein fulminanter Beginn einer wahrhaft spannenden Story. Warum nur wird Quinn von einem Riesenvogel und einem Wolf gejagt? Und nebenbei: warum mag Mathilda diesen arroganten Fatzken? Dabei bezeichnet er sie als Posaunenengel, biblische Plage oder Schlimmeres.
Kerstin Gier lässt ihre Helden abwechselnd zu Wort kommen. Das tut sie in gewohnt genialer Weise: lebendig, unterhaltsam und in Jugendsprech. Das Szenario ist geschickt ausgearbeitet, detailreich, stimmig. Herrlich, wie Quinn und Grübchenface sich ergänzen. Sie erleben fantastische, spannende Abenteuer. Dabei sind sprechende Friedhofsstatuen oder lebende Tattoos noch die harmloseren Begegnungen. Und die Namen erst: Petze-Mariechen, Zwiebacktütengesicht, Karamellbäckchen.... Hilfreiche Tanten, eine beste Freundin, überaus nervige Verwandte und lebendige Wasserspeier runden die Geschichte ab. Riesenspaß und eine Liebesgeschichte dazu, bestens zu Lesendes aus dem Fischer Verlag.
Warnung: Nicht in der Öffentlichkeit lesen. Kaum zu verhindernde unvermittelte Lachflashs stoßen meist auf Unverständnis. Band zwei und drei werden ungeduldig erwartet!
Entscheidungen
Kinderklinik Weißensee - Jahre der Hoffnung von Antonia Blum
1914: Marlene Lindow setzt erfolgreich ihr Studium zur Kinderärztin fort, als ihr Verlobter Max seinen Wehrdienst als Arzt in einem Lazarettzug antreten muss. Nach dem sehr erfolgreichen Abschluss des Studiums tritt sie 1918 ein Praktikum in der Kinderklinik Weißensee an und trifft dort alte Bekannte, die sie während ihrer Schwesternausbildung kennengelernt hat.
Dank den Schwestern bekommt man einen guten Einblick sowohl in die ärztlichen als auch die pflegerischen Tätigkeiten in der Klinik. Das Schicksal der kleinen Patienten ist oft tragisch.
In den eilig errichteten Lazaretten spielen sich Dramen ab. Es gibt unzählige Tote und Verwundete, dazu die an der Spanischen Grippe Erkrankten. Auch sie werden im Kinderkrankenhaus untergebracht, chaotische Zustände brechen aus.
Antonia Blum schildert diese schwere Zeit anschaulich und eindrucksvoll. Sie beschreibt die Gefühle und das Engagement der Lindow-Schwestern glaubhaft, fügt geschickt historische Hintergründe ein. Auch die Liebe spielt eine wichtige Rolle.
Ein ausgesprochen gut zu lesender Roman aus dem Ullstein Verlag, der den dritten Teil gespannt erwarten lässt.
Kluftinger fast allein zu Haus
Morgen, Klufti, wird's was geben von Volker Klüpfel; Michael Kobr
Wenn die Frau mal weg muss, ist Klufti ein wenig überfordert. Ein bissle Chaos richtet er an, ganz knapp vor Weihnachten. Als besonderes Ereignis kündigt sich auch noch der japanische Schwiegervater an. Der liebt es ordentlich und aufgeräumt. Dann ist da noch der Wohltätigkeitsmarkt ... . Das bayerische Urgestein steckt tief in der Bredouille.
Klüpfel und Kobr lassen den Herrn Kommissar gewohnt schlitzohrig und effektiv agieren. Grantig, tollpatschig, liebevoll, jedoch immer authentisch, interagiert er mit seinen Mitmenschen. Seine Frau weiß ihn zu nehmen. Wenn sie denn da ist. Die Autoren kennen keine Gnade mit ihrem Helden. Er muss sogar Joschis Neuinterpretation der Weihnachtsgeschichte sowie eine Busladung Chinesen ertragen. Es trifft ihn hart. Ist Weihnachten noch zu retten? Wieder ein unterhaltsamer und höchst amüsanter Lesespaß aus dem Ullstein Verlag.
Gemeinsam macht es mehr Spaß
Morgen, Klufti, wird's was geben von Volker Klüpfel; Michael Kobr
Gemeinsam macht es mehr Spaß
Auf einer Wiese treffen sich viele Tiere, sie wollen zusammen spielen. Aber was? Jeder hat seine Vorlieben, aber es gibt zunächst nichts, was allen gefällt. Doch! Eine gute Idee: Wir spielen Zirkus und jeder führt vor, was er am besten kann. Tanzen, Gewichte heben, Quatsch machen oder Einrad fahren.
Nur das Schaf möchte nichts zeigen. Soll es traurig daneben stehen?
Miriam Zedelius lässt ihre Helden eine sehr schöne und gerechte Lösung finden. Es macht Spaß, dieses Buch mit den lustigen Tieren anzuschauen. Manches Kind wird eigene Verhaltensweisen oder die seiner Freunde wieder erkennen. Die Zeichnungen sind farbenfroh, witzig, übersichtlich. Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft wirken positiv auf die Kleinsten.
Für Kinder ab vier Jahren, herausgegeben vom Hummelburg Verlag.
Einsamkeit und Mut
Das geheime Leben des Albert Entwistle von Matt Cain
Einsamkeit und Chancen
Albert liebt seinen Job als Postbote im kleinen Toddington. Es ist nicht ganz das, was er als Jugendlicher wollte: Menschen mit Briefen glücklich machen. Er ist aber zufrieden, sein Leben verläuft geordnet. Kurz vor seiner unwillkommenen Pensionierung wird ihm seine Einsamkeit bewusst.
Warum hat er nie eine Familie gegründet, warum meidet er jegliche Kontakte? Albert hinterfragt sein Leben. Flashbacks blitzen auf.
Nicole Ashton ist junge Single-Mom, lebt in einer Sozialwohnung und macht eine Weiterbildung zur Kosmetikerin. Mobbing ist ihr nicht fremd, sie musste einige Enttäuschungen verkraften.
Können sie sich gegenseitig helfen?
Matt Cain zeigt seinen eigenbrötlerischen Albert sehr authentisch, schildert seine Gedanken nachvollziehbar. Man versteht seine Ängste und Empfindungen gut und nimmt teil an seinem Leben, das anders hätte laufen können, ja, sollen. Nach und nach wird alles anders. Gut zu lesen, nachdenklich machend und gleichzeitig eine Aufforderung, sich Problemen zu stellen. Manche Reaktionen auf Alberts Entscheidungen finde ich allerdings überzogen.
Interessant zu lesen, gefühlvoll geschrieben, ein Wohlfühlroman aus dem Hause Ullstein.
Übersetzt aus dem Englischen von Marie Rahn.
Starke Frauen
Ein Koffer voller Schönheit von Kristina Engel
Anne ist Hausfrau, kümmert sich um die 13-jährigen Zwillinge und möchte mehr. Sie hat Geschick im Umgang mit Farben und Formen im Frisiersalon ihre Schwiegermutter bewiesen und kann sich einen Beruf als Kosmetik-Beraterin vorstellen. Dazu braucht sie die Zustimmung ihres Mannes. Ein sehr konventioneller Gatte, der sogar wöchentlich das Haushaltsbuch vorgelegt haben möchte.
Unvorstellbar! Natürlich weigert er sich zunächst, gibt aber nach monatelangem Streit nach und hofft auf das Scheitern seiner Frau. Nix da! Mit Geschick, Lernwillen und guten Ideen bringt Anne als erste Avon-Beraterin in Deutschland ihre Produkte an die Frau, verschafft ihnen Erfolgserlebnisse und hilft ihnen, sich attraktiver und gepflegter zu fühlen.
Kristina Engels beschreibt die Zustände in Westdeutschland Ende der 50er Jahre. Das Wirtschaftswunder ließ die Menschen von mehr Wohlstand und Anschaffungen träumen, Frauen wollten gleichberechtigter leben und auch Annehmlichkeiten und Schönheit selbst erarbeiten. Sie beschreibt Sorgen und Nöte der Frauen, gibt aber auch Einblicke in die Gedanken des Ehemannes, verurteilt nicht, sondern macht verständlich, dass er auch Probleme hat.
Ein interessant erzählter historischer Roman, der Einblick in die Verhältnisse der 60er Jahre gibt, sich sehr gut liest und sogar Schminktipps vermittelt.
Verlegt von Droemer Knaur.
Herr Schmidt ist nicht Barbara
Barbara stirbt nicht von Alina Bronsky
Herr Schmidt findet seine Frau befremdlicherweise nicht bei der Kaffeezubereitung, sondern im Bad liegend. Er bereitet den Kaffee also selber zu, wie, liest man mit Grausen. Dass seine Frau sehr krank ist, bekommt er gar nicht mit, will es nicht wahrhaben. Seine Meinung über sie: „Aber sie tat einfach nie, was sie sollte und vor allem wann sie sollte.
“
Herr Schmidt ist als Partner lange Zeit ein Totalausfall. Zudem ist er ein notorischer Besserwisser, Ignorant und Despot. Jagte die Kinder selbst am Wochenende um sieben aus dem Bett. Aber nun macht Herr Schmidt sich so seine Gedanken. Man merkt, bisher hat er sich nie gefragt, wie ein Haushalt funktioniert. Jetzt aber läuft gar nichts mehr. Er muss umdenken.
Wie er das macht, schildert Alina Bronsky witzig, bitterböse und ironisch. Der Leser darf teilhaben an Herrn Schmidts Lernprozess, an seinen ersten Schritten online, als er sich traut, um Hilfe zu fragen (er ist der naive Unterhaltsame im Kochchat), an der Erkenntnis, dass Barbaras Lebensmitteleinkäufe mehr waren als planlos Dinge in den Wagen zu werfen. Frau Bronsky schafft es, dass der schrullige Herr Schmidt Verständnis findet. Ja, er hat seine Macken, aber immerhin merkt er, was er an seiner Barbara hat. Er gibt sich wirklich Mühe, das verdient Anerkennung. Sehr schön erzählt, glaubhaft, authentisch, echt, herzzerreißend. Tolles Buch, das mit Humor und wichtigen Erkenntnissen punktet.
Bitte mehr davon!
Verlegt von Kiepenheuer und Witsch.










