Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lovely90:
Mehr ein Buch für Erwachsene als für Kinder
Ella, die schlaue Kuh von Marc-Uwe Kling; Astrid Henn
Dieses Kinderbuch lässt mich zwiegespalten zurück. Nach dem ersten Durchlesen und Anschauen ohne Kind war ich zunächst begeistert: Tolle Reime, sehr schöne Illustrationen mit kleinen Details, die mich schmunzeln ließen. Als mein Neffe (5 Jahre alt), das erste Mal durch das Buch blätterte, war auch er noch sehr angetan, was vor allem daran liegt, dass er Tiere liebt (in einem Ausmaß, das über das übliche kindliche ‚sich für Tiere interessieren‘ hinausgeht).
Reime findet er wie andere Kinder auch super. Hier gab es jedoch immer mal wieder Begriffe, die er noch nicht kannte; das Erklären stört beim Reimen natürlich etwas, aber das gehört beim Vorlesen ja nun mal dazu.
Doch gerade beim mehrmaligen Lesen fiel auch ihm auf, dass die anderen Tiere unglaublich gemein zu Ella sind und zwar in einem Ausmaß, dass dies fast das gesamte Buch einnimmt. Dies gilt sowohl für die Tierkinder als auch für die Erwachsenen. Dass Ella in die Hochschule aufgenommen wird, nur, damit sich andere auf ihre Kosten amüsieren können, war der Höhepunkt. Im Vergleich dazu nahm der ‚positive‘ Aspekt der Geschichte, in dem Ella schließlich dort angelangt war, wovon sie geträumt hatte, nur einen winzigen Teil.
Als Erwachsener kann man all die Gemeinheiten gut einordnen und über die fiesen Sprüche auch mal schmunzeln. Die Kombination aus beidem finde ich für Kinder aber vermutlich noch etwas zu kompliziert. Ich hätte mir mehr Positives im Buch gewünscht, dann würde es auch leichter fallen, über die lustigen Dinge gemeinsam mit dem Kind zu lachen.
Pageturner mit Tiefgang – absolute Leseempfehlung!
Der Clan - Die Straße von Pascal Engman
Ich hatte mich bereits sehr auf diesen Thriller gefreut, da mich das Debüt von Pascal Engman ‚der Patriot‘ vor einigen Jahren bereits völlig umgehauen hatte. Ich kann bereits vorwegnehmen: auch den aktuellen Thriller werde ich mit Sicherheit wieder vielen Leuten weiterempfehlen und ausleihen! Der Clan – das ist im Wesentlichen die Familie Mansour – hat das Sagen in einem Vorort von Stockholm.
Wie es zu dieser Macht kam, wird in verschiedenen Zeitebenen erzählt. Der Autor lässt uns aber auch spüren, was dies für die mittellosen und verzweifelten Bewohner der Gegend bedeutet, welchem Druck sie täglich ausgesetzt sind. Einer von Ihnen ist der Protagonist Josef, welcher von seiner Mutter alleine großgezogen wurde und welcher mir rasch ans Herz gewachsen ist. Ich habe diesen cleveren Jungen und später jungen Erwachsenen sehr gerne durch das Buch begleitet. Dass es auch Missstände in der Mittelschicht in Schweden gibt, zeigt der parallel verlaufende Erzählstrang um die hübsche Antonia, welche sich vor allem Mobbing in der Schule ausgesetzt sieht. Der ein oder andere lässt sich vielleicht von der Aufmachung des Buches abschrecken – doch es handelt sich hierbei nicht um einen stupiden Actionthriller wie etwa auf den ersten Blick ähnlich anmutende Filme. Dieses Buch kann so viel mehr. Es gibt kaum schwarz und weiß; es wird durch Monologe und Gedankengänge häufig nachvollziehbar warum die Personen so handeln wie sie es tun. Die bedrückende Stimmung, in der sich auch die Nebenfiguren befinden, wird extrem gut vermittelt. Gedanken, welche man selbst entwickelt wie ‚dann zieh doch weg und fange woanders neu an‘ werden entkräftet. Die verschiedenen Erzählstränge sind ausnahmslos interessant und haben das richtige Maß an Berührungspunkten. Die Geschichte in diesem ersten von drei Teilen ist rund erzählt und schließt nicht mit einem Cliffhanger, was mir persönlich gut gefällt. Dennoch freue mich schon jetzt sehr auf die weiteren beiden Bände.
Eine Geschichte, die mit jedem Kapitel berührender wird.
Ein ganz normales Wunder von Woody Brown
Dieser besondere Roman von Woody Brown hat mich mit jedem Kapitel mehr eingenommen. Es wird das Leben mit den üblicherweise geregelten Tagesstrukturen verschiedener Menschen mit einer Behinderung (u.a. infantile Zerebralparese, Autismus) in einer Tagesstätte geschildert. Hierbei wechselt in jedem Kapitel die Perspektive, aus der erzählt wird.
Mal erfahren wir von den Gedanken und Ansichten eines nicht-sprechenden Menschen, mal von den Hintergründen eines Mitarbeiters der Tagesstätte. An diese Erzählweise musste ich mich in den ersten Kapiteln noch gewöhnen. Doch mit jeder weiteren Perspektive – teils mit Zeitsprüngen vor oder zurück – fügte sich die Geschichte immer mehr zusammen. Es gibt wunderbar warmherzige Charaktere, aber auch weniger sympathische, welche dennoch erahnen lassen, wie sie denken und warum sie so handeln, wie sie es tun. Zwischendurch war ich traurig, wenn ein Abschnitt zu Ende ging; es gab einzelne Erzählstränge, von denen ich so gerne noch ein ganzes Buch gelesen hätte. Wie authentisch die Denk- und Handlungsmuster der nicht-sprechenden Protagonisten in der Geschichte wiedergegeben werden, kann ich nicht beurteilen. Der Autor schafft es in jedem Fall, dies so zu erzählen, dass es sich ‚echt‘ anfühlt.
Insgesamt habe ich diesen besonderen Roman sehr gerne gelesen und freue mich auf weitere Bücher des Autors (vielleicht wird es ja einen Spin-off zu Tom geben?).
Sprachlich gute Geschichte, leider ohne Tiefgang und Spannung
Die Auster von Yael Inokai
Nachdem ich den Klappentext und eine Leseprobe schmökern konnte, hatte ich mich riesig auf dieses Buch gefreut. Ein Kriminalroman mit interessanten Figuren, ein trubeliges großes Kaufhaus mit all seinen Geschäften, Angestellten und Kunden und ein Mord! Bei all dem dürfen wir die Protagonistin und Mittsiebzigerin Leonora Bloch begleiten.
Doch leider entpuppte sich der Roman als etwas anderes, als ich erwartet hatte. Ich würde auch behaupten, dass der Klappentext etwas anderes erwarten lässt und verspricht, als das Buch letztlich bieten kann.
Zu Beginn des Romans wird eine Leiche aufgefunden, die Spuren wurden beseitigt von der eifrigen Reinigungskraft Leonora (hier dachte ich noch, sie hätte ‚Dreck am Stecken‘). Doch wer glaubt, dass nun Ermittlungen, Spurensuche, Verdächtige, Wendungen oder gar Spannung folgen – es ist ja eine Kriminalgeschichte! – Fehlanzeige.
Auch vom Kaufhaus gibt es nur hier und da Anekdoten, kein Trubel, kein Glamour, nichts im Stile von ‚Grand Budapest Hotel‘. Im Wesentlichen wird ein bisschen die Vergangenheit von Leonora beleuchtet, jedoch sehr oberflächlich; es werden einige Personen erwähnt, jedoch nichts mit Tiefgang beschrieben. Alle Personen – die Protagonistin eingeschlossen – blieben bis zum Ende blass für mich.
Was sich von all dem inhaltlichen Missfallen abhebt, sind die Sprache und die Wortwahl. Diese haben mir die ganze Lesezeit über gut gefallen. Die Beobachtungen der Protagonistin finde ich häufig treffend in Worte gefasst.
Dennoch kann ich insgesamt keine Leseempfehlung für diesen tristen und oberflächlichen Roman aussprechen.





