Persönliche Lese- tipps
Robert Renk empfiehlt:
Kiras Version
Kiras Version von Emil Hakl
Emil Hakl ist wohl eine der eigenwilligsten Stimmen der aktuellen tschechischen Literatur. Er, der unter Pseudonym schreibt, die Schule erst nach einer 10jährigen Pause, wegen Drogenkonsums, abgeschlossen hat, legt nun mit „Kiras Version“ ein modernes Robotermärchen vor. Ein sich recht motivationsfrei durchs Leben schlängelnder Typ wird auserwählt, den Prototyp einer künstlichen Frau zu testen.
Was künstlich beginnt wird schnell all zu menschlich. Flott zu lesen!
Fähre nach Manhatten
Fähre nach Manhattan von Armin Thurnher
Das neue Buch von Armin Thurnher ist autobiografisch und fiktional zugleich. Der Roman „Fähre nach Manhattan“ reflektiert die reale Reise des Autors in die USA kurz vor dem symbolträchtigen 68er Jahr, aber Thurnher besteht darauf, dass der Protagonist, der im Präsens erzählt, kein Alter Ego sei.
Wir wollen das gerne glauben, auch weil ein Buch vorliegt, das witzig, klug und liebevoll den kurzen Studienaufenthalt in den USA schildert. Ein Buch, das bei der Lektüre Spaß macht, eines, das man am Ende ungern weglegt.
Uneingeschränkte Leseempfehlung!
Frau im Dunkeln
Frau im Dunkeln von Elena Ferrante
Leda beobachtet am Strand ihres süditalienischen Urlaubsorts eine neapoletanische Großfamilie, besonders die junge Nina und ihre Tochter Elena. Die eigene Vergangenheit drängt sich heftig in ihre Erinnerung, und sie begeht eine Tat, die ihr selbst unerklärlich ist. Der Roman ist ein elegantes Meisterwerk schonungsloser und kristallscharfer Offenlegung der Schönheit und Grausamkeit in den Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern.
Spannung bis zum letzten Satz bekommt man als Draufgabe dazu.
Rechtswalzer
Rechtswalzer von Franzobel
Österreich 2024, türkis-blau ist Vergangenheit, LIMES verpasst dem Land ein orbanitäres Antlitz. Bobo Malte Dinger stolpert über eine Fahrscheinkontrolle in 25 Jahre Häfn, Kommissar Groschen über eine innerlich verbrühte Leiche in korrupte Machenschaften. Georgische Kriminelle, hysterische Buschenschaftlerinnen, Neonazis und Anarchisten treffen sich schließlich zum Finale infernale am Opernball.
Stilsicher, sprachgewandt, wort- und lautverdrehend setzt Anzfrobel eine neue Muftdarke in die kottaneske Limikrandschaft.
Identität. Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet
Identität von Franzobel
Dieses Buch, so bekennt der Autor gleich zu Beginn, gäbe es nicht, wäre Donald Trump nicht zum Präsidenten gewählt worden. Für einen gestandenen Liberalen wie Francis Fukuyama wohl ein Alptraum. Dennoch ist es keine Abrechnung des US-Politologen, sondern eine unaufgeregte Analyse, die bei der Erklärung gegenwärtiger Phänomene bis in die Antike und Frühe Neuzeit zurückgeht, ohne akademischen Ballast aufzutürmen – eine überaus anregende und fundierte Kritik rechter wie linker Identitätspolitik.
Elena Ferrante - meine geniale Autorin
Elena Ferrante - meine geniale Autorin von Franzobel
»Wen könnte es interessieren, was von mir übrig bleibt, außerhalb der Bücher« hat Elena Ferrante einmal auf die Frage geantwortet wer sie sei. Nicola Bardola versucht dennoch mit diesem Buch durch die Analyse ihrer Texte, ihrer Sprache und anhand verschiedener „Interviews“, die sie gegeben hat, E.
Ferrante eine fassbare Identität zu geben. Ohne sich auf einen der kursierenden, aber nicht bestätigten Namen festzulegen. Warum eigentlich? Weil Bücher alleine nicht immer für sich sprechen können.
Durch deine Augen
Durch deine Augen von Peter Høeg
Seit Fräulein Smilla hat Peter Høeg einen Fixplatz im Literaturuniversum. Der nun vorgelegte neue Roman gefährdet diesen Fixplatz nicht. Es geht um Simon, Lisa und Peter, um ihre Kinderfreundschaft und ihre heutige Beziehung und um Neurowissenschaft. Vermutlich bringen nur wenige andere AutorInnen das alles unter einen Literatenhut.
Høeg kann das. „Durch deine Augen“ ist unglaublich poetisch und lehrreich zugleich. Dabei spannend und ein echter „pageturner“. Was will man mehr?
Markus Renk empfiehlt:
Das Verschwinden der Stephanie Mailer
Das Verschwinden der Stephanie Mailer von Peter Høeg
Bereits seit seinem ersten Buch "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" bin ich ein großer Fan von Joël Dicker. Er versteht es meisterlich die Abgründe der sogenannten besseren Gesellschaft aufzuzeigen. Ein idyllischer Badeort in den Hamptons wird durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert.
Jahrzehnte später gibt es Zweifel an der Schuld des Täters. Raffiniert zieht uns Joël Dicker in ein Netzt aus Intrigen. Joël Dicker ist zurück!
Der wilde Detektiv
Der wilde Detektiv von Jonathan Lethem
Ein Tycoon wird Präsident. Und tagsdarauf stirbt ein Poet. Ein Mädchen verschwindet. Eine Freundin macht sich auf die Suche, engagiert einen Detektiv. Die Ermittlung verläuft sich im „waste land“ Kaliforniens. Die Sonne brennt. Es brodelt. „Der wilde Detektiv“ ist „hard-boiled“. Und überdreht.
Absolut undurchsichtig und unnachahmlich gescheit. Der Irrsinn feiert Urstände. Ein Staat kollabiert. Vereinigte Staaten kollabieren. „Die ganz normale beschissene Wirklichkeit“. Mit „Der wilde Detektiv“ lässt Lethem Dampf ab. Literatur als Ventil. Befreiende Lektüre in besch…eidenen Zeiten.
Der Stotterer
Der Stotterer von Charles Lewinsky
Eigentlich müsste er einem leid tun, säße er nicht im Gefängnis, da er mit Briefen alte Damen um ihr Geld betrog. Denn Stärckle stottert, ein störungsfreier Satz kam nie über seine Lippen. Folglich schreibt er, anfänglich Aufsätze für den Klassenschläger, später Manipulatives, Hochstaplerisches & Kriminelles.
Auch in Haft schreibt er: An den Pfarrer, Tagebuch, schriftstellerische Fingerübungen, an den Verleger, vor allem aber sein Leben neu und um. Dichtung & Wahrheit, sprachlich virtuos – eine literarische Wohltat.











