Kunden em pfehlungen
Rezensionen von beavielleser :
Unglaublich wie man sich in einem Menschen täuschen kann
Fremde von Belle Burden
Belle und ihre Familie fahren zu Beginn der Corona-Pandemie in ihr Haus auf Martha's Vineyard. Sie führen eine glückliche Ehe, meint Belle, bis zu dem Anruf eines fremden Mannes, der ihr erzählt, dass ihr Mann James und seine Frau eine Affäre haben.
Belle konfrontiert James mit diesem Anruf, der alles zu gibt und verharmlost.
Kurz darauf teilt er ihr mit, dass er sich trennen will.
Im Stil eines Berichts schreibt Belle über die Zeit danach. Sie schämt sich, ist wütend, will verstehen was passiert ist. Von ihrem Mann bekommt sie keine Antworten. Verzweifelt blickt sie in die Vergangenheit und sucht nach irgendwelchen Anzeichen.
Bei all ihren Kämpfen mit sich und ihrem Umfeld ist sie bemüht, dass die Kinder nicht den Kontakt zu ihrem Vater verlieren, der auf das Sorgerecht verzichtet und auch nicht will, dass die Kinder länger bei ihm sind.
Belle Burden hat ein eindringliches Buch geschrieben, dass zeigt, dass man sein eigenes Leben nie in die Hände eines anderen legen darf, auch wenn man ihn noch so sehr liebt und vertraut.
Der Schreibstil ist sehr flüssig. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen.
Familienepos mit Längen
Buckeye von Patrick Ryan
Cal ist mit Becky verheiratet, Margaret mit Felix. Als Cal und Margaret sich kennenlernen, kriselt es gerade bei Cal und Becky und Felix ist seit 2,5 Jahren im Krieg. Cal und Margaret beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die endet als Felix aus dem Krieg zurück kommt. Kurz danach ist Margaret mit Tom schwanger.
Ich habe lange gebraucht, um herauszufinden was mir an dem Buch nicht gefällt, denn die Geschichte und der Schreibstil sind gut. Tatsächlich ist es das unregelmäßige Erzähltempo.
Am Anfang wird ausschweifend über die Leben von Cal und Margaret erzählt. Dann nimmt das Tempo zu, um später wieder langsamer zu werden. Überrascht war ich dann über das schnelle, zeitraffende Tempo der letzten 100 Seiten.
Fazit:
Ich kann den Hype um dieses Buch nicht verstehen. Ich war zweimal kurz davor das Buch abzubrechen, dann wollte ich aber trotzdem wissen wie es weiter geht.
Drei Frauen auf der Suche nach neuen Wegen
Die Regenschwimmerin von Romy Fölck
Marga lebt seit ca. 30 Jahren auf der Insel. In einer abgelegenen, sehr einfachen Hütte im Wald hat sie einen Ort gefunden, an dem sich ihr grosser Schmerz um den Verlust von Mann und Kind aushalten lässt.
Judith ist auf die Insel geflüchtet nachdem ihr Mann ihr eröffnet hat, dass er sich nach 20 Jahren Ehe von ihr trennen will.
Evi ist eine bekannte Malerin und will auf der Insel herausfinden, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll, da sie aufgrund einer Krankheit nicht mehr malen kann.
Evi und Judith waren als Teenager beste Freundinnen. Wegen einem dummen Streit haben sich damals ihre Wege getrennt. Nach Jahren stehen sie sich wieder gegenüber und haben nun die Chance ihre Freundschaft zu erneuern.
Ein unglaublich warmherziges Buch, mit einem fesselnden Schreibstil. Ich mochte das Buch nicht aus der Hand legen.
Ich habe mich mit den drei Frauen sehr wohl gefühlt und auch auf dieser schwedischen Insel, deren Natur und Landschaft von Romy Fölck sehr bildlich beschrieben wurde.
Dieser Satz spiegelt für mich die Stimmung des Buches sehr gut wider:
"Für den magischen Moment des Sonnenaufgangs saßen sie schweigend zusammen. Drei Frauen, die sich nicht gesucht, aber dennoch gefunden haben." (Seite 298)
Widerstand in den 70er Jahren
Sonnenberg von Brigitte Glaser
Johanna und Luzie sind seit der Schule Freundinnen. In den letzten Monaten sind sie sich jedoch fremd geworden.
Johanna hat nach dem überraschenden Tod des Vaters ihr Studium aufgegeben und führt nun das Weingut und muss sich um ihre kleine Tochter kümmern.
Luzie war in dieser Zeit in Marokko und hat dort einiges erlebt, was sie auch noch beschäftigt, als sie nach Deutschland zurück kehrt.
Nach ihrer Rückkehr findet sie Unterschlupf bei Johanna, aber den beiden gelingt es nicht so recht an der alten Freundschaft anzuknüpfen. Ein Grund dafür ist, dass Luzie Johanna das ein oder andere verschweigt, vorallem die Wolfie-Geschichte.
In einem sind sich die beiden jedoch einig, der Bau des geplanten Kernkraftwerkes muss verhindert werden und so unterstützen sie die Protestierenden tatkräftig.
Die Schilderungen der Proteste und der Stimmung auf dem Gelände des geplanten Kernkraftwerkes fand ich toll. Man konnte die Kraft der Gleichgesinnten spüren, die aus dem großen Zusammenhalt resultierte.
Ein sehr gutes Buch über die 70er Jahre, das vielschichtig über den Kampf gehen Atomkraft erzählt und wie schwierig es für Frauen war, ernst genommen zu werden.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, vorallem die Kapitel, wo es um den Kampf gegen das AKW ging. Eine klare Leseempfehlung!
Allerdings finde ich, dass weder Cover noch Titel den Inhalt des Buches widerspiegeln.
Ein paar Seiten mehr wären schön gewesen
Der Flug des Kondors von Miguel Bonnefoy
Eine aussergewöhnliche Familiengeschichte. Über vier Generationen und zwei Weltkriege folgen wir der Familie Lonsonier von Frankreich nach Chile und ihrem Werdegang dort.
Der Roman ist poetisch geschrieben mit vielen mystischen Passagen. Die langen, verschachtelten Sätze erfordern Konzentration, stören den Lesefluss aber nicht.
Manches kam mir jedoch zu kurz. Die Figuren sind interessant, aber ihre Leben werden nicht wirklich auserzählt. Hier hätte ich mir ein paar Seiten mehr gewünscht, um tiefer in ihre Schicksale eintauchen zu können.
Von mir 3,5 Sterne.
Für mich kein Thriller, eher ein Krimi
Wie ein Fluss in der Nacht von Tana French
Cal hat sich mittlerweile in Ardnakelty eingewöhnt und auch die alteingesessenen Einwohner akzeptieren ihn großteils.
Als Rachel, ein junges Mädchen aus dem Dorf verschwindet, beteiligt er sich am Suchtrupp und findet auch ihre Leiche.
Die Untersuchung und der offizielle Dorfklatsch gehen von Selbstmord aus.
Doch irgendwie scheint es da noch mehr zu geben und Cal, Lena und Trey werden immer mehr in etwas hinein gezogen, was ungeahnte Folgen für sie hat.
Ich habe mir mit dem Buch etwas schwer getan. Das liegt nicht am Schreibstil von Tana French, sondern eher an der Geschichte.
Ich kann schwer erklären warum ohne zu spoilern.
Es war streckenweise ziemlich beklemmend. Viele der Protagonisten waren unsympathisch, ihre Machenschaften waren mir zuwider.
Cal blieb mir fremd und Lenas Verhalten habe ich nicht verstanden. Trey dagegen fand ich toll.
Das Buch ist zwar ein wenig langatmig, aber auf diese Art lernt man die Bewohner des Dorfs ganz gut kennen und bekommt auch ein Gespür für die Stimmung und Dynamik im Ardnakelty.
Ich würde dieses Buch jedoch nicht als Thriller bezeichnen, es ist eher ein Krimi.
Obwohl dies der dritte Teil ist, kann man das Buch auch lesen, wenn man die anderen Teile nicht kennt.
Keine einfache Frau
Ellen von Franziska zu Reventlow
Ellen hat schon als Kind einen großen Freiheitsdrang. Sie will lieber in die Natur und Zeit mit ihrem liebsten Bruder Detlev verbringen, als zu lernen.
Um so älter sie wird, um so schwerer wird es für sie. Die Eltern verstehen sie nicht und im Mädchenpensionat hat sie große Schwierigkeiten. Und dabei will sie nur zwei Dinge: frei sein und malen.
Nach ihrem Studium ist es endlich so weit, sie geht nach München, um zu malen. Geld hat sie keines, aber endlich kann sie das machen was sie schon immer wollte. Für diese Freiheit ist sie bereit vieles in Kauf zu nehmen. Sie hat viele Männerbekanntschaften, lange hält sie es jedoch bei keinem aus.
Der Schreibstil ähnelt einem Tagebuch. Nicht alles wird direkt ausgesprochen. Ihre Rastlosigkeit und ihr Kampf um ein freies Leben kommen gut rüber. Ellen war mir nicht immer sympathisch, da ihr Egoismus auf der Suche nach ihrem Selbst, oft keine Rücksicht auf andere nahm. Aber sie tat mir auch leid, hat sie sich ihr Leben doch selbst so schwer gemacht.
Ein tolles Buch
Eine Liebe bis an das Ende der Welt von Heather Rose
Jacques-Louis war ein angesehener Apotheker, aber einige Schicksalsschläge haben sein Leben verändert. Warum er eines Tages eine Frau umbringt, bleibt unklar. Er wird auf die Norfolkinsel deportiert, um dort seine Strafe abzusitzen. Dort haben die Engländer eine Strafkollonie eingerichtet, in der schreckliche Zustände herrschen.
Zurück lässt er seine Tochter Caroline. Nach der Verhaftung ihres Vaters nimmt sie den Mädchennamen ihrer Mutter an und wandert nach Van Diemens Land aus. Durch die geschickten Unternehmungen ihrer Tante hat Caroline genug Geld zur Verfügung, um dort sorgenfrei zu leben. Sie baut sich ein unabhängiges Leben auf und gibt nur wenig von sich Preis.
Der historische Hintergrund über die Strafkollonie der Engländer war gut recherchiert. Nicht immer einfach zu lesen, aber aufschlussreich und interessant.
Ein kraftvoller Roman mit einer spannende Geschichte, flüssig geschrieben. Auf keiner Seite ist Langeweile aufgekommen. Die Charaktere sind glaubwürdig und sympathisch. Besonders Caroline mit ihrer intelligenten und liebevollen Art habe ich sehr gemocht.
Von mir eine klare Leseempfehlung!
Radio als Balsam für die Seele
Wellenlänge von Wolfgang Böhm
Das Cover des Buches spricht mich leider nicht an und deshalb hätte ich nie danach gegriffen. Erst die Kommentare im Forum haben mich darauf aufmerksam gemacht und darüber bin ich jetzt sehr froh.
Zum Inhalt:
Felix ist 11 Jahre und wächst während der Kriegsjahre bei seinem Vater auf.
Er liebt es Radio zu hören, vorallem Sender, die bei den Nazis als Feindsender gelten. Die Moderatorin Eva Seeger hat es ihm besonders angetan. Egal wohin es ihn die nächsten Jahre verschlägt, immer ist er auf der Suche nach ihrer Stimme im Radio. Oft muss er lange warten bis er sie wieder hören kann, denn Eva Seeger flüchtet von Luxemburg nach New York, später geht sie nach London und nach Kriegsende kehrt sie wieder nach Luxemburg zurück.
Eindrücklich erzählt Wolfgang Böhm die Geschichte von Felix und Eva und wie die Nazis auf die öffentliche Meinung Einfluss genommen haben. Auch die Judenverfolgung und der Umgang mit Homosexualität kommt zur Sprache. Es ist ihm sehr gut gelungen eine fiktive Geschichte mit Zeitgeschehen zu verknüpfen.
Eine etwas andere Zugfahrt
Die Mitternachtsreise Roman. 21.05.2026. BB. von Matt Haig
Wilbur stirbt mit 82 Jahren, oder doch nicht?
Statt einfach von der Welt zu verschwinden, wartet ein Zug auf ihn mit dem er sein Leben noch einmal erlebt. Dabei sieht er wo und wann er in seinem Leben entscheidende Fehler begangen hat. Und dann beschließt er sein junge Version auf die Reise im Mitternachtszug mitzunehmen, obwohl das eigentlich strengstens verboten ist.
Ein angenehmes, ruhiges Buch, das nachdenklich macht und Hoffnung gibt.











