Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bisco:
Die Ärztin die weiß, was wir wissen müssen
Light my Fire von Sheila de Liz
Mit dem Sexualratgeber "Light my Fire" will Dr. med. Sheila de Liz zeigen, dass Sex nicht mit den Wechseljahren aufhören muss. Für Frauen im Alter davor, mittendrin und danach, wird in diesem Buch sehr ausführlich erklärt, wie sehr ein Zusammenspiel aus Hormonen, körperlichen Eigenschaften und der Psyche dazu beitragen, dass wir guten Sex haben.
Sie baut im Buch auf die Dreifaltigkeit auf: biologisch, medizinisch und seelisch und zeigt in Beispielen aus ihrer persönlichen beruflichen Erfahrung, wie wenig weit verbreitet das Wissen dazu bei uns Frauen aber zudem auch beim eigenen Berufsstand vorliegt. Das viel zu viele Gynäkologen noch nicht ausreichend und verbindend mit Sexualpsychologen reden und darüber hinaus die Reichweite von Hormonen, Stress und dem Wunsch nach Sex ab 50 verstehen.
So erfahren wir über die Geschichten von Patienten, wie wichtig ein hormonelles Gleichgewicht ist und über Hormonersatztherapie gesteuert werden kann, dass das Testosteron (als Männerhormon) auch für uns wichtig ist, dass Alltagsstress viel ausmacht und wie wichtig es ist, dass wir ernst genommen werden müssen und die Antwort nicht immer nur mit einer oberflächlichen Untersuchung getan ist.
Sehr schön erklärt ist, dass wir Frauen eine reaktive Lustentwicklung haben, die auf Erinnerungen, auf Berührung, auf den richtigen Moment reagiert. Das wir nicht, einfach so und immer, Lust empfinden und das auch in Ordnung ist. Das unser Gaspedal langsamer als beim Mann schaltet die Bremse dafür aber umso schneller. In tollen Kurvendiagrammen ist erklärt, wie der Orgasmus in unterschiedlichen Wegen von 0 auf 100 aussehen kann und dass diese nicht immer nur ein Feuerwerk sein müssen. Das „ich schau meinen Mann an und hab Bock“ eher selten ist und dann der Kuss im Nacken, die Erinnerung an das letzte Mal auslöst und dann die Lust aufkommt.
Die Klitoris als die Stranger Things der Medizin erhält ein umfangreiches Kapitel, welches viele Mythen aufdeckt (ich halte mich für aufgeklärt und war selbst verwundert). War der Person, welche dies liest, bekannt, dass der Bauchnabel sehr viele erregende Nerven hat? So finde ich auch Sätze wie: „Du hast einen Job während des Sex: deine Erregung zu genießen“ oder „genitale Herzschlag“ ganz wunderbar formuliert.
Mit viel Humor, Verständnis und sehr einfühlsam schafft es die Autorin ihr Fachwissen zu überbringen. Für mich wäre es die nächste Gynäkologin der Wahl, wäre mein Arzt nicht mehr. Denn die Reichweite der Erfahrung, der Offenheit sich weiterzubilden, dass Gesamtbild zu sehen und dies auf diesem Wege auch weiterzugeben, finde ich wunderbar.
Ich kann jedem, auch jungen Menschen, nur zu diesem Buch raten. Es geht nicht alleine um die Gruppe der 45+, da viele Themen die Gesamtheit von uns ansprechen.
Sehr schwache Story mit unsympathischer Hauptfigur
Dragon Cursed - Zeig keine Gnade (Deluxe-Ausgabe) von Elise Kova
Isola war 12 Jahre, als, als sie und ihre Mutter von einem Drachen angegriffen wurden. Seitdem gilt sie als besonders, mit ihren beiden goldenen Augen. Sie gilt daher als die Reinkarnation des Drachentöters Valor (Siegfried 2.0) und soll verborgene magische Fähigkeiten haben.
Sechs Jahre lang durfte sie nicht in die Nähe ihrer Mutter und wurde hart ausgebildet als Kriegerin zu dienen.
Diese ist eine Gefahr für die Politik und dem Glauben, welcher über die Drachen verbreitet wird. Denn sie forscht, will die Wahrheit erfahren und hat Isola in diesem Denken auch leicht angesteckt.
Die Handlung spielt in Vingard, der so ziemlich letzten verbliebenen Bastion der Menschheit. Die Stadt ist von riesigen Mauern umgeben, die Schutz vor der Außenwelt bieten. Da sich Vingard geografisch nicht ausdehnen kann, wächst die Metropole gezwungenermaßen extrem eng in die Höhe und in die Tiefe. Hierzu gibt es auch eine sehr schöne Karte im Buch.
Die Gesellschaft brauch eine magische Energiequelle zum Überleben. Diese ist jedoch zugleich schwer zu handhaben und kann immer auch negativ wirken. Und da wäre noch der Drachenfluch. Menschen, die mit diesem Fluch infiziert werden, verwandeln sich schleichend in blutrünstige, unkontrollierbare Bestien. Wer Symptome zeigt, wird von der tyrannischen Regierung rigoros gejagt und hingerichtet.
So wird die 18-jährige Isola, nach außen mutig wirkt und innerlich jedoch von der ständigen Angst zerfressen wird, selbst den Fluch in sich zu tragen, zum Mittelpunkt der Geschichte. Sie wird zusammen mit Ihrer besten Freundin Saipha und Lucan in die sadistischen Prüfungen geschickt. Personen, wo der Fluch ausschlägt, werden getötet. Alle anderen zu Drachentötern ausgebildet.
Drei Wochen sollen die Prüflinge im Kloster eingesperrt sein. Isola erhält nicht mehr das geheime Mittel, welches ihre Kräfte unterdrückt und sie hat Angst zum Drachen zu werden. Lucan, den sie hasst und für sie immer wie ein Spion wirkte, entwickelt Gefühle zu ihr und bittet um Ihr Vertrauen.
Ein tägliches Überleben zwischen Magie, Technik, Glauben und schnell gezogenen Schwertern beginnt für die drei.
Leider konnte mich die Geschichte so gar nicht überzeugen. Bei 50 % war gerade mal die erste Prüfung geschafft. Isola glaubt den Gefühlen von Lucan nicht. Glaubt nicht an ihre eigene Stärke und jammert in ihren Gedanken ständig vor sich hin, hat aber in den richtigen Augenblicken die Supergirl-Kräfte am Start.
Die Liebesgeschichte hat für mich nicht hineingepasst und hätte auch draußen bleiben können. Nach 220 Seiten kam schon kaum noch was Neues in meine Notizen, was nicht als Spoiler noch hätte erwähnen können. Für mich eine Geschichte die nicht in Schwung kommt, keinen Tiefgang hat und eine viel zu verängstigte Hauptperson, die nicht von sich überzeugen kann auf keiner Ebene.
Der Knall der Sektkorken ist noch das stärkste am Buch
Bachelorette Party von Camilla Sten
2012, eine kleine Schäreninsel in Schweden (winzige Inseln mit meist nur ein bis zwei Häuser und in ner halben Stunde einmal umrundet), ein Junggesellinnenabschied von vier Freundinnen.
2022, seit zehnt Jahren gelten die vier Frauen vom JGA aus 2012 als verschwunden. In diesem Jahr treten die nächsten Frauen dort einen JGA an.
Auf der Insel, wo mittlerweile ein brandneues Hotel eröffnet hat, mit Schwerpunkt Yoga, Ernährung und Ganzheitlichkeit. Nur die fünf Frauen, die Inhaberin und der Koch. Es soll eine Party werden mit Spaß, Alkohol und ein letztes Mal so richtig die Freiheit für die Braut.
Doch es soll anders kommen als sie dachten.
Tessa, eine der Teilnehmerinnen im Jahr 2022 hat so gar keine Lust auf den JGA. Die Braut kennt sie noch aus ihrer Studienzeit, sie würde aber lügen, würde sie sagen sie ständen sich so extrem nahe. Doch Tessa betrieb bis vor kurzen einen True-Crime-Podcast und ist fasziniert von dem, was vor zehn Jahren auf dieser kleinen Insel passiert ist. Aus ihrer Sicht lesen wird die Geschichte.
Auf die regelrecht Nebenfiguren, von der Braut über Tessas Schwester und die “Neue“ im Team brauch ich nicht viel zu schreiben, da alle keine wirkliche Tiefe für die Geschichte bringen. Interessant ist nur Irene, denn sie ist die Inhaberin des Hotels. Und sie ist die Schwester der toten Matilda, welche damals schwanger war und eine der verschwundenen Teilnehmerinnen ist.
Die Geschichte spielt hauptsächlich in der Gegenwart mit dem Besuch der Insel, dann des Öfteren im Jahr 2012, wo es um die Zeit vor dem JGA geht und ein paar wenige Male um die Zeit dazwischen.
Die Autorin machte es selbst mir, die ich mir Notizen machte, wer in welche Zeitschiene gehörte und mit wem verwand, war nicht immer ganz leicht. Zu viele Namen, zu oberflächlich und viele Zeitsprünge haben mich so manches mal verwirrt.
Zu schnell war aber offensichtlich, welches Katz- und Mausspiel in der heutigen Zeit stattfindet. Zu schnell offensichtlich das schon zum Anfang etwas nicht stimmt und wer dahintersteckt. Leider gab es für mich keine wirklich interessante Geschichte. Zu sehr kann man sich schnell einen Großteil der Gründe für die Rache zusammenreimen und wer hinter den meisten Taten steckt. Bei einer Insel von nur wenig Fläche, mit null Versteckmöglichkeit (was oft genug betont wurde) auch kein Wunder.
Das Buch war in sich flüssig und schnell zu lesen, auch wenn man zu oft über die Namen stolpert und Zusammenhänge nochmal in den Notizen nachlesen musste. Aber leider ist es für mich keine Geschichte, die von Spannung erfüllt ist. Für jemanden, der schnell mal was zur Hand braucht ok, aber ansonsten wenig lesenswert.
Einmal entschlacken, weniger Wiederholungen und stärkere Charaktere bitte
The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro
Was ist es für ein wunderschönes Buch, vom Cover über den Buchschnitt. Aber leider konnte mich die Geschichte nicht ansatzweise genauso überzeugen.
Die Geschichte umfasst nicht mal 3 Tage wird aber auf 640 Seiten in die Länge gezogen. Mit ständigen Wiederholungen, ausschweifenden Erklärungen und teilweise Szenen, geschrieben für Menschen die eine Merkfähigkeit eines Goldfisches haben.
Alleine die Einleitung von gut 200 Seiten hat mich schon gruseln lassen, wo die Geschichte noch hingehen wird.
Warum müssen Gedankengänge zu lesen sein und im nächsten Abschnitt erklärt Person A Person B seine Gedanken, um den Leser somit diese doppelt zu präsentieren.
Dann kommt leider auch die zu große Anzahl an Charaktere, die alle keine wirkliche Tiefe mit sich bringen. Gerade der jüngste mit dem 10-Jährigen Haru, der Kronprinz, konnte ich mich nicht anfreunden.
Toshiko muss dafür kämpfen, dass sie mit ihren 17 Jahren als erwachsen betrachtet wird. Dann kommt der 10-Jährige der sich über ein Schatteneichhörnchen als Freund erfreut und dann an anderer Stelle wie ein Erwachsener agiert und denkt. Er wird dann für Szenen benutzt, um die Welt zu erklären, wie man es hätte schöner machen können (z.B. die Sonnengeister).
Gefühlt hatte die tote Tante Reiko mehr Tiefgang als die meisten Charakter und das ist schon heftig bei einer Person, über die man nur spricht und selbst nicht mehr aktiv wirken kann. Kater Mochi war für mich mein Highlight aller Lebewesen.
Die Sprache ist bildhaft und bunt. Man hat immer das Gefühl in einem Garten voller Kirschbäume zu sein, egal wie dunkel die Szene auch ist. Die Stimmung hat immer etwas von einem Film. Leider ist sie aber auch stellenweise zu einfach und zu langweilig und man möchte den Szenen mehr Drive geben.
Die Welt, welche an eine Vermischung aus Fantasy mit Sci-Fi Elementen erinnert, konnte mich leider nicht überzeugen. Gerade zum Ende musste ich queer lesen, da ich nicht mehr den Nerv fand mich durch die Story zu beißen. So schwerfällig war es nach 500 Seiten geworden.
Wenn Übergriffigkeit die Story überdeckt
Enigma - Wahrheit, Begehren, Dunkelheit von RuNyx
Enigma – Wahrheit, Begehren, Dunkelheit - Die perfekte Mischung aus Liebe, Verrat und dunklen Intrigen so lautet der Titel des Buches, welches für mich ganz klar in die Kategorie Dark Love gehört.
Ich habe eine Geschichte erwartet, die mich mitnimmt, die mich mitfiebern lässt, welche mich miträtseln lässt warum Salems Schwester und so viele andere Leute sterben mussten.
Den wir erfahren recht früh das Salem nur an die Mortimer, der Eliteuni, geht, um herauszufinden was dort im Geheimen passiert. Schnell erfahren wir von ihrem Interesse am Tod (Wissenschaftlich), dem Willen zu erfahren was zu den Schicksalsschlägen Ihrer Familie führte und wie sie als Person ist.
Verschlossen, abweisend und das Gefühl nie geliebt wurden zu sein verfolgen die junge Frau. In einer Familie, wo nur noch Ihre Mutter lebt, diese sich aber nie als die „Kuschelmutter“ präsentierte, die wir doch alle brauchen konnten.
Jetzt beginnt die 20-Jährige ihr Studium zur Forensik, findet Bekanntschaften, die zu Freunden werden und nähert sich dem geheimnisvollen Caz. Dieser hat viele dunkle Geheimnisse und ist natürlich der optische Halbgott in Schwarz. Als „Wunderkind“ im Studienfach Kunst, wird er bewundert, andere haben Angst vor seiner Ausstrahlung.
Schnell findet sie raus, dass ihr Professor nicht unschuldig am Tod ihrer Schwester ist und eine geheime Gesellschaft ihre Finger mit im Spiel hat. Wer jetzt eine Story erwartet mit Rätsel raten, Leute beobachten, Indizien sammeln, Verdachtsmomenten und Beweise auswerten wie in Geschichten von Holly Jackson wird leider sehr enttäuscht.
Die Story zieht sich zu 80% nur um das Seelenleben von Salem und ihre körperlichen Aktivitäten mit Caz und dem seinen Antiaggressionsproblem und das er nicht versteht, dass Menschen kein Eigentum sind.
Sexuelle Passagen sind beschrieben, wie ein Porno in Bildern aufgebaut ist. Von Erniedrigung ihrer Person, was als Lust beschrieben wird (Penetration mit einem Gegenstand mitten während der Vorlesung, Schmerzhafte Berührungen, ohne vorher zu fragen, ob das gewollt ist, über sie herfallen, wo es nur geht) über Penisvergleiche (er stand ihr hoch bis ins Kreuz – 40cm?) und seinen Gedanken gegenüber Revalern („er hat schon verloren, denn ich weiß ich habe den größeren Schwanz“) dominieren die Geschichte.
Die Geschichte möchte sich in eine Lovestory mit Suche nach dem Mörder verpacken und beim Öffnen der Verpackung kommt eine Dark Lovestory mit leider fast null Inhalt herum. Zum Ende es Buches, nach fast 500 Seiten, wird mal ganz kurz erklärt, warum die Menschen alle tot sind, als ob man es noch schnell zwischen zwei Quickies erklären müsste.
Wer auf ein Buch mit sehr wenig Story und viel detailreichem Sex steht mag es was sein, mir persönlich fehlte das, was der Klappentext versprach mit Spannung und Lovestory.
Eher ein Gesellschaftsdrama
Tokyo von Tokuro Nukui
1993 erschien „Schwarzer Sommer“ in Japan unter dem Originaltitel **„慟哭“ (Dōkoku / „Scream“) **. Jetzt hat es seinen Weg in den deutschen Buchhandel gefunden und versucht seinen Erfolg von 500.000 Exemplaren bei uns weiterzuführen.
Der Autor führ uns ins Japan der frühen 90er Jahre, wo die Polizei versucht, herauszufinden, wo die zwei vermissten Mädchen aus Oktober und November des Vorjahres geblieben sind.
Wie eines der Mädchen tot aufgefunden wird, wird eine SoKo zusammengestellt, um den Mörder aufzuspüren.
Wir erleben den Leiter des Dezernat für Tötungsdelikte Saeki. Dieser gilt als typischer Behördenpolizist, welcher über ein Studium in den Polizeidienst kam und recht schnell befördert wurde. Auf der Straße musste er noch nie seinen Dienst verrichten. Er gilt als eigen, sehr introvertiert, streng und verschlossen, wenn es um sein Privatleben geht. Er ist der Polizist, den kaum jemand mag.
Okamota ist wiederrum der „kleine“ Polizist, welcher die Ausbildung von ganz unten begonnen hat und dessen Aussichten so erfolgreich weit zu kommen wie sein Chef, eher schlecht stehen.
Die Spannung im japanischen Polizeidienst lesen wir immer wieder. Die Polizisten, welch es von klein auf lernen (klassische Ausbildung) hacken hinter vorgehaltener Hand auf die Karrierebeamten rum (Studierten und über Connection), welche mehr geschafft haben und dies bei meist weniger Einsatz. Dennoch lesen wir, egal wieviel gedisst und gemobbt wird, es immer bei der typischen Höflichkeit bleibt.
Der andere Geschichtsstrang handelt von einem Mann in den 30ern, welcher von Anfang an zu verstehen gibt, dass er einen Verlust erlitten hat. Ein großes, schwarzes Loch in seiner Brust, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Keine Arbeit, Frust, Einsamkeit und Suche nach Erlösung lassen ihn durch den Tag streifen. Bis er auf eine junge Frau trifft, welche für ihn betet. Einfach so. Er findet seinen Weg in eine der sehr vielen Glaubensgesellschaften Japans (die Summe wird im Buch erwähnt und ist unvorstellbar hoch) und findet dort nach und nach Hilfe für sein Empfinden. Doch der Preis in solchen Religionsgemeinschaften sind sehr schnell sehr hoch.
Wir verfolgen also eine ratlose Polizei und einen Menschen, den wir nicht wirklich greifen können. Beide Geschichtsstränge führen zum Ende hin zusammen und geben eine klare und ersichtliche Auflösung, die man jedoch so nicht zu hundert Prozent erahnt, sondern nur ein bisschen bis dahin. Zu oft wird dafür im Buch auf die Probleme in Saekis familiäre Situation hingewiesen und auch Wiederholungen in der täglichen Sicht unseres Gläubigen.
Der Schreibstil ist unserem westlichen nicht viel anders, so dass man sich nicht umstellen muss. Die Namen kann man schnell zuordnen, und sonst einfach mal nen Zettel schreiben. Die Geschichte ist eher sehr langsam mit einem zu ruhigen Mittelteil, bevor das Ende wieder richtig anzieht.
Alles in allem war es für mich jedoch weniger ein Thriller als ein Gesellschaftsdrama, was zeigt, wo Menschen mit ihren emotionalen Problemen verbleiben, wenn die eigene Welt untergeht und niemand einen aufzufangen bereit ist.
Eine schöne Aufarbeitung des Märchen vom Schwanensee
Verrat der Schwäne von A. B. Poranek
Das Buch ist ein Retelling von Schwanensee und greift viele der bekannten Motive und Symbole auf (Eule, Schwan, See oder Krone etc.). Gleichzeitig erzählt das Buch aber seine ganz eigene Version der Geschichte und entwickelt daraus etwas Eigenständiges.
„Verrat der Schwäne“ ist ein Retelling von Schwanensee.
Bekannt als das weltberühmte russische Ballett, ist die Grundlage ein Märchen bzw. alte Volkssagen, welche noch älter sind. Die Grundlegende Geschichte ist daher eine junge Liebe, Magie, Gut gegen Böse. Die Symbole des Originals in Form von Eule (Odile), Schwan (Marie) und der Krone sind gegeben.
Die Junge Odile ist als Kind von ihrem Ziehvater, dem Magier des Theaters, aufgezogen wurden. In einer Welt wo Magie verschwunden ist und Zauberer gejagt und getötet werden, darf niemand wissen, dass sie über goldenes Blut verfügt und somit eine Zauberin ist (wenn auch ohne Magie).
Bis vor 5 Jahren war sie noch mit der zukünftigen Königin Marie befreundet. Eine unschöne Geschichte in der Vergangenheit, hat die Freundschaft jedoch beendet. Ziel ist es nun für Odile an die Krone zu kommen. Denn ihr Ziehvater will die Magie wieder freisetzten und der Welt wieder Farbe und Leben schenken. Denn das ist die Welt: Kahl, keine Blumen, keine Farben, trostlos.
So wird sie in den Palast geschmuggelt. Nur kurze Zeit später wird der König ermordet und Marie und Odile geraten zwischen dir Fronten. Wie in der Originalgeschichte, wird Marie zu einem Schwan und Marie muss ihr helfen und zugleich an die Krone gelangen.
Die Grundgeschichte ist nicht neu, sondern es macht die Idee aus, was man damit macht. Ich fand die Geschichte angenehm zu lesen. Es hat in seinem Schreibstil viel von einem Märchen und weniger von einem klassischen Fantasy-Buch. Dies ist ein absoluter Pluspunkt. Genauso, wie dieses wunderschöne Cover, welches meinen Blick immer wieder auf sich zieht.
Die Charaktere spielen ihre Rollen. Wobei Odile die treudoofe Tochter immens gut rübergebracht hat. Sie glaubt ihren Ziehvater jedes Wort und das, obwohl sie immer wieder selbst sagt, dass sie keine klassische Vater-Tochter-Beziehung haben, geschweige Liebe erfahren hat. Sie sieht, wie ihr Vater sie wie ein Puppenspieler manipuliert und lässt sich dennoch immer wieder drauf ein.
Marie die schöne Adelige, die den Prinzen heiraten soll, zeigt wie sehr sie sich gefangen fühlt und als Schwan, dass erste Mal im Leben Freiheit verspürt. Ihre Beziehung zu Odile gefiel mir sehr gut. Ich mochte sie auch bei weitem mehr als Odile.
Die weiteren Figuren sind mehr Nebenfiguren als Hauptakteure und machen ihren Job.
Die Geschichte ist nicht neu, aber sie ist schön verpackt. Vom Cover wie auch in ihrer Erzählung. Es gibt keine Überlängen, keine Wiederholungen und ein sauberer roter Faden. Eine schöne märchenhafte Geschichte, die man gut lesen kann.
Anstrengend, widersprüchlich und zu verzettelt
Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell
Am 27.08.1992 war der 4. Geburtstag der Eve Shaw. Ein Tag welcher der kleinen Eve Freude bringen sollte, welcher sie jedoch Ihr ganzes Leben lang negativ verfolgt und ihr unentwegt Schuldgefühle vermittelt. An diesem Tag starb ihre nicht mal zweijährige Schwester, weil diese durch das offene Gartentor auf die Straße gelaufen ist.
Die heute 27-jährige Kunstsachverständige hat in der Vergangenheit zwischenzeitlich ihr Studium abgebrochen, sich therapieren lassen und für sich die Liebe zu Oktopussen gefunden. Sie zeichnet diese Tiere und sie beginnen auf ihren Papieren zu leben. So wie ihr Tattoo, welches sich über ihren Körper bewegt.
Das Verhältnis zu Ihrer Mutter ist sehr schwierig, da die niemals den Verlust ihrer Schwester überstanden hat.
Eines Tages taucht dann aufs Eve Arbeit ihr Lieblingsmusiker Max. Dieser wäre heute über 100 Jahre alt und kann es nicht sein. Aber warum sieht er aus wie auf den Fotos von damals? Warum ist er so erschrocken sie zu sehen? Er gibt ihr einen Oktopus aus Holz und erzählt ihr von dem mysteriösen Hotel. Eve recherchiert und erfährt von den drei Zimmerschlüsseln der Zimmer 7, 17 und 27 und das man mit diesen in dem heutigen verlassenen Hotel zurück in dessen Vergangenheit reisen kann. Dort will sie ein Briefpapier des Hotels erhaschen, mit dem Sie einen Brief schreiben kann und sich selbst in die Vergangenheit schickt, um dann das Unglück zu verhindern.
Wir erleben recht kurz die heutigen 2016 und dann hauptsächlich die Vergangenheit von 1918 und 1934. In beiden Fällen findet die Geschichte im Hotel statt, aber auch in Teilen an der Front, wo wir das Geschehen durch Max erleben.
Der magische Teil im Hotel, mit besonderen Spiegeln, lauschenden „Menschen?“, Telefonen mit Toten am anderen Enden, Geisterhafte Begegnungen usw. war echt interessant zu lesen. Wir lesen von Menschen, welche uns sehr ähnlich sind, aber wir nicht zuordnen können. Wir versuchen den Gründer des Hotels zu erwischen, der uns immer wieder entwischt. Wir reisen mit Hilfe der Türen und der speziellen Zimmerschlüsseln durch die Zeit.
Bis hierhin hört sich das richtig gut an. Und bis etwa 30% im Buch, kam ich auch noch gut mit. Und dann wurde es wild. Durch die Wechsel zwischen den Zeiten und das man erfährt, dass in 1918 Dinge geschehen, welche noch gar nicht passieren können und ebenso in 1934 Erinnerungen existieren, die nicht möglich sind, machte es mir schwer den Faden nicht zu verlieren.
Ich konnte mir mit der Zeit zusammenreimen, was es mit der ein oder anderen Person im Hotel auf sich hat, und viele Vermutungen wurden auch bestätigt. Aber leider verrennt sich die Autorin hier in den nicht immer stimmigen Zusammenhängen einer Zeitreisegeschichte. Es kann in der Vergangenheit nun mal etwas nicht stattfinden, wenn die Zukunft dafür erstmal geschaffen wurden sein muss. Und sehr störte mich die folgende Aussage: „Wenn man mit dem Schlüssel in eine andere Zeit zurückgeht, verliert man sämtliche Erinnerungen“ und genau das passierte im gesamten Buch nicht und ermöglicht somit auch nicht das Ende.
Es ist eine interessante Geschichte, mit viel Selbstdrama, weil Eve ständig depressiv und niedergeschlagen wird. Sich selbst kein Glück zuspricht und das Gefühl hat, sie dürfe niemals glücklich werden, weil sie am Tod ihrer Schwester schuld ist. Das aber die Aufsicht in der Verantwortung der Eltern liegt, wurde nie mit einem Wort gesagt und man lies sie somit im Glauben, der sich so heftig in sie reingefressen hat, dass sie ihr eigenes Leben für ihre Schwester hergeben würde. Mir ist das Buch daher etwas zu melodramatisch gewesen, mit einer zu sehr fehlerhaften Zeitreiseidee, welche zu überladen war.
Mit der Abhänigkeit kommt die Gewalt - ein starkes Debüt
Gelbe Monster von Clara Leinemann
„Gelbe Monster“ enthält eine Geschichte, wo wir sehen wie eine zunächst perfekt wirkende Beziehung nach und nach eine zerstörerische Dynamik entwickelt. Die Mathematik-Studentin Charlie mit dem Weg zum Doktortitel lebt neben dem Studium in den Tag hinein. Ihre Wohnung nur rudimentär eingeräumt und eher vom Alltag überfordert, hat nur Elan, wenn es um ihr Studium geht.
So ist es kein Zufall das sie noch den Bolzenschneider vom Baumarkt bei sich hat, welcher nur eine Leihgabe ist. Sie trifft bei ihrem Stammkiosk in Köln-Ehrenfeld (der Bezirk wird zwar nicht erwähnt, aber am Ende vom Buch erwähnt das Buch die Stadt Köln und die Venloer Straße ist in Ehrenfeld) den jungen Literaturstudenten Valentin. Das ist der Beginn einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte mit sehr schwierigen Zeiten für beide Protagonisten.
Wir lesen auf zwei Zeitebenen die Gegenwart, wo sie bei ihrer besten Freundin Ella wohnt. Weil ihre Wohnung ein Trümmerhaufen ist. Warum dem so ist, dass wird erst später im Buch geklärt.
Ihre beste Freundin drängt sie zu einem Anti-Aggressionstraining für Frauen und einer therapeutischen Behandlung. Aber wie kommt es, dass diese intelligente Frau mit gebrochener Hand und blauen Auge dahin soll. Immerhin sagt sie immer wieder, dass sie das Opfer in dieser Beziehung sei.
In Rückblenden enthüllt die Geschichte die Entwicklung der Beziehung zu Valentin und warum Charlie gewalttätig wurde. Die Beziehung entwickelte sich von einer normal beginnenden zu einer obsessiven, emotional abhängigen Geschichte. Es treffen Charlies Unsicherheit, Wut und Verlustangst auf die Beziehung und setzen somit auch Valentin unter Druck. Dies schlägt mit der Zeit in eine physische und psychische Gewalt um. Nich immer ist für den Leser sofort ersichtlich wer von wem abhängig ist und wer von beidem wem „mehr“ antut.
Das Frauen in Beziehungen Gewalt, psychisch und physisch ausüben, ist nicht untypisch wird aber als Thema noch sehr selten behandelt. Die Autorin hält sich dabei sehr zurück, wenn es um moralische Wertung geht und überlässt es uns zu entscheiden, wer die Fehler hier macht und wer sein Verhalten hätte ändern müssen.
Man liest immer nur am Rande, dass Charlie große Schwierigkeiten in ihrer Kindheit erlebt hat. Das Verhältnis zu ihrer Mutter muss immens gestört sein. Diese gab Charlie immer zu verstehen das sie hässlich sei und zu nichts nützlich. Tief scheinen hier die Wunden aus dieser Zeit zu sein, werden aber nur am Rande thematisiert, um den Lesern keine „Grundlage“ für ihr Verhalten zu geben, sondern Charlie selbst einzusortieren.
Und hier bekommt sie nicht den Preis für die Sympathieträgerin des Jahres. Man versteht in Teilen ihr Verhalten und teilweise hasst man sie regelrecht für ihr Verhalten. Symbolisch spiegelt sich Charlies innerer Zustand auch im Titel wider. Die „gelben Monster“ erinnern an das Blumenmuster der alten gelben Tapete in ihrer Wohnung, dessen Formen wie kleine Monster wirken – ein Bild für die inneren Konflikte, Erwartungen und Ängste, die Charlie begleiten. So sitzt sie in der Gruppe und sieht um sich herum nur Schwerverbrecherinnen und präsentiert ihre gebrochene Hand, als Zeichen dafür, dass sie das Opfer ist.
Sprachlich erzählt Frau Leinemann in einer klaren und flüssigen Sprache, welche das Buch sehr schnell lässt. Es ist kein leichtes Buch und hat nicht das klassische Happy End was man erwartet. Es hinterlässt einen faden Beigeschmack. Denn alleine schon die Ereignisse der Anti-Aggressionsgruppe, welche zeigen warum die Frauen dort gelandet sind, zeigen wie unterschiedlich Gewalt ist und wie oft in dieser Geschichte Frauen es als Rechtfertigung nutzten.
Es ist intensiv und ungewöhnlich und somit ein Debüt, welches lange nachwirkt.
Eine Erzählung voller Gewalt, Drama und Längen. Kein Fantasy, mehr historische Geschichte
The Poet Empress von Shen Tao
Yin Wie aus Lu´an, aus dem Bezirk Guishan. Tochter von Yin Hunag, Reisbauer, Sechzehn Jahre lebt ein hartes Leben. Ihre Geschwister sterben an Krankheit oder Hunger, ihre Eltern haben selbst kaum zum Überleben und es geht Ihnen nicht gut. Dabei leben sie in einem Kaiserreich, dem es an sich überhaupt nicht schlecht geht.
Aber wie überall wird hier unten geschuftet und oben geschlemmt.
Der Kaiser mit seinen 5 Söhnen, von seiner Kaiserin und Konkubinen, geboren. Der zweite Thronfolger Terren soll nun verheiratet werden und Kinder zeugen. Denn er gilt als derjenige Sohn, welcher den Thron besteigen soll. So wird im Kaiserreich nach einer passenden Frau für ihn ausgeschrieben und alle kommen in die Hauptstadt.
Wei macht sich selbst keine Hoffnung das zu schaffen. Doch gegen aller Hoffnung, wird sie auserwählt. Gegen den absoluten Unwillen der aktuellen Kaiserin und nur weil Prinz Terren für sich seinen eigenen Kriegszug darin sieht. Verständnis fehlt dafür am politisch schwachen Kaiserhoff und auch die anderen Anwärterinnen zur Konkubine und somit künftigen Kaiserin können diese Entscheidung nicht nachvollziehen.
Wei sieht nun ihre Hoffnung mit der Auswahl ihrer Person ihrem armen Dorf und gerade ihrer Familie zu helfen. Doch es soll anders kommen als sie sich dies überlegt hat.
Sie kommt an einen Hof wo sie schnell den Hass und Neid der anderen Konkubinen zu spüren bekommt. Im Rangsystem der Konkubinen steht sie nun ganz oben. Was nicht bedeutet, dass sie die alleinige Frau ist, welche Terren´s Bett teilen wird. Zumindest nicht wenn man die Planung der Gelehrten betrachtet, welche die Nächte nach den Mondphasen einteilen. Aber so viel Angst Wei vor dem ersten Akt hat, entwickelt sich eine ganz andere Furcht. Jede Nacht wird sie von Terren misshandelt. Er schlägt sie, malträtiert sie mit seinen Messern und im Anschluss heilt er mit Magie ihre Wunden.
„Ich muss aufhören, wie ein Dorfmädchen zu denken. Ich muss anfangen wie eine Kaiserin zu denken.“
Terren mit seiner Affinität zu Klingen, dessen Grausamkeit keiner Logik folgt und der schon in jungen Jahren erst Fische und dann Bedienstete tötete. Als Kind mit seinem Bruder Maro noch lieb und begeistert für die Welt war, auf Bäume kletterte und gute Laune hatte. Familiärer Entzug, keine Liebe, Entzug von seinem Bruder brachte ihn dazu immer verschlossener zu werden und nach und nach zu einem Tyrannen werden ließ.
Sein Bruder Maro, der Erstgeborene, der mit seiner Fähigkeit Flüsse, Wege und Tunnel durch Berge erschafft, um die Hauptstadt und die Wirtschaft anzukurbeln, ist jedoch nicht für einen Krieg gedacht und wird vom Kaiser daher auf den zweiten Platz degradiert. „Wir sind eine Familie. In der Familie gibt man aufeinander acht“ waren in jungen Jahren die Worte zu seinem Bruder Terren und wir erfahren was passiert ist, dass dies nicht mehr der heutigen Zeit entspricht.
Das Buch lebt von seiner Grausamkeit, viel Blut, Manipulation und einer in sich traurigen Geschichte von Familienentzug und Bestrafung an Kindern. Kinder, die mit gerade mal 10 Jahren davon reden, dass sie nun erwachsen sind und ein Land verändern sollen. Kinder, die im gegenseitigen Kampf miteinander stehen, angestachelt von den Erwachsenen. Viele Opfer von Tieren über Menschen stehen zwischen den Fronten und müssen täglich um ihr Leben bangen.
Die Geschichte spielt in der Gegenwart aber auch in der Vergangenheit. Wir erleben Weis Alltag am Hofe, wie sie ihre Rolle als Konkubine zu leben hat und jede Nacht der Folter ausgesetzt ist. Wie sie versucht sich aus dieser Situation zu retten. Im Wechsel lesen wir aus der Erzählerperspektive, was in der Vergangenheit vorgefallen ist, dass zwei Brüder, die sich über alles liebten, sich auf einmal tödlich gegenüberstehen.
Das Buch ist im Genre Fantasy eingereiht, was für mich jedoch absolut nicht passend ist. Der Magieanteil ist eher gering. Wir lesen von Katzen mit Blättern, erleben Heilung durch Magie und die Siegel, welche die Prinzen schützen. Ihr persönliche Magie und die der Schriften ist mir zu wenig präsent gewesen. Es ist zwar Teil der Geschichte, aber die Politik, die Gewalt, das Drama stehen absolut im Vordergrund. Für mich wäre das Buch daher eher im Bereich „Historisches Drama“ einzuordnen, basierend auf einer fantastischen Geschichte.











