Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Annabell95:
Enttäuschend
Bachelorette Party von Camilla Sten
Eine junge Frauengruppe reist für einen scheinbar perfekten Junggesellinnenabschied auf eine abgelegene Schäreninsel. Doch die Idylle kippt schnell ins Bedrohliche. Die Journalistin Tessa erinnert der Ort an einen ungelösten Fall, bei dem vor Jahren vier Frauen verschwanden. Als das Boot der Gruppe plötzlich verschwindet, sitzen die Freundinnen fest, und alte Spannungen brechen auf.
Schließlich wird eine Teilnehmerin tot aufgefunden, und Tessa erkennt, dass jemand auf der Insel einen Racheplan verfolgt.
Das erste Drittel besteht aus Feiern, Yoga, Alkohol und Gruppendynamik. Dadurch wirkt es sehr langatmig. Die Handlung plätschert über weite Strecken einfach vor sich hin. Erst im letzten Drittel passiert etwas, doch selbst dann bleibt vieles vorhersehbar und ohne echte Überraschungen. Die Rückblicke ins Jahr 2012 sollen Hinweise liefern und die damaligen Erlebnisse der verschwundenen Frauen mit den aktuellen Ereignissen verknüpfen. Leider wirken diese Flashbacks eher konstruiert als spannend.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, sodass man schnell durch die Seiten kommt. Aber er bleibt komplett spannungsarm. Es gibt so gut wie keine Gänsehautmomente und auch keine unerwarteten Twists. Keine Szenen, die einen jetzt wirklich gepackt und gefesselt haben.
Durch die Vielzahl an Charakteren kann man leicht durcheiander kommen. Zudem bleiben sie sehr blass und ohne wirkliche Tiefe, sodass man auch kaum eine emotionale Bindung aufbauen kann.
Das Setting mit der einsamen kleinen Schären-Insel ist mit das Beste an diesem Buch. Abgeschnitten vom Festland ist es ein Ort, der eigentlich wie gemacht ist für einen beklemmenden Thriller. Die Idee der Isolation ist nicht wirklich was Neues, aber trotzdem wollte ich dem Thriller eine Chance geben. Leider wurde das Potenzial hier nicht voll ausgeschöpft.
Mein Fazit:
Dank des flüssigen Schreibstils lässt sich das Buch schnell runterlesen, aber man vergisst es ebenso schnell wieder. Dieser Thriller konnte mich leider absolut nicht überzeugen. Ich hatte hier mehr erwartet, aber konnte keinen wirklichen Zugang zur Handlung finden. Daher kann ich leider keine Leseempfehlung aussprechen.
Was ist Juli passiert?
Weil sie lügt von Caroline Seibt
Anna versucht, für ihre trauernde Mutter, den unter Verdacht stehenden Vater und den hoffnungsvollen kleinen Bruder stark zu bleiben. Als die Polizei eine neue Spur präsentiert, wächst kurz Hoffnung, aber nur um sich sofort in etwas noch Schlimmeres zu verwandeln. Sie erkennt, dass das Verschwinden ihrer Schwester nicht das Ende war, sondern der Anfang eines noch dunkleren Kapitels.
Dieser Thriller hat eine solche Sogwirkung entwickelt, dass man ihn kaum aus der Hand legen mochte. Der flüssige, sehr schnelle Schreibstil macht das Buch zu einem echten Pageturner, und die abwechselnden Ich-Perspektiven von Anna und der Ermittlerin Katharina sorgen dafür, dass man ständig zwischen emotionaler Nähe und kriminalistischer Distanz pendelt. Genau dieser Perspektivwechsel treibt das Tempo an und hält die Spannung über weite Strecken hoch.
Besonders stark gemacht ist die Menge an offenen Fragen. Kaum wird eine beantwortet, tauchen gefühlt drei neue auf. Dieses permanente Rätseln erzeugt ein intensives Mitfiebern, unterstützt durch Cliffhanger an fast jedem Kapitelende, die einen immer wieder zum Weiterlesen zwingen. Dazu kommen unerwartete Wendungen, überraschende Enthüllungen und ein ständiges Hin und Her, das die Handlung in hohem Tempo vorantreibt. Man verdächtigt wirklich alles und jeden, weil jede Figur potenziell etwas verbirgt.
Allerdings wurde aus den Cliffhängern oft nicht so viel gemacht. Sie verlieren sich ins Leere, Situationen, die eigentlich Spannung versprechen, werden später nur beiläufig aufgelöst. Dadurch fällt die Intensität im Mittelteil etwas ab, und der Nervenkitzel verliert an Kraft.
Das Finale hingegen wurde wieder spannender. Die Auflösung wirkt schlüssig, aber dennoch kristallisieren sich hier einige Logikfehler heraus, wo sich die offenen Fragen nicht ganz logisch aufgeklärt haben.
Mein Fazit:
Ein rasanter, wendungsreicher Thriller mit starkem Perspektivspiel, vielen Fragen und hohem Tempo - ein absoluter Pageturner. Trotz kleiner Spannungseinbrüche im Mittelteil konnte mich dieser Thriller überzeugen. Ich hätte gerne auch 5 Sterne gegeben, aber dafür waren mir die Logikfehler und die im Sande verlaufenen Cliffhänger zu präsent. Trotzdem eine klare Leseempfehlung für alle, die Nervenkitzel, Cliffhanger und überraschende Twists lieben.
Suche nach der Wahrheit
Home Before Dark von Eva Björg Ægisdóttir
Marsi lebt seit einem Jahrzehnt mit dem Schmerz über das rätselhafte Verschwinden ihrer Schwester. Der Fall schien längst verloren, bis ein unerwarteter Brief neue Spuren legt und Marsi zwingt, sich erneut der Vergangenheit zu stellen. Ihre Suche nach Antworten führt sie zurück in ein altes Verbrechen, das nie abgeschlossen wurde und macht deutlich, dass die Gefahr noch immer präsent ist.
Ihre eigenen Ermittlungen werden damit nicht nur zu einer Reise in ihre eigene Vergangenheit, sondern zu einem Wettlauf gegen jemanden, der weiterhin im Verborgenen agiert.
Die Spannung in Home Before Dark entfaltet sich nicht sofort, sondern entwickelt sich langsam, stetig und entfaltet eine Sogwirkung, die sich festsetzt. Die Handlung wird in wechselnden Perspektiven zwischen den beiden Schwestern Marsibil und Stina jeweils aus der Ich-Perspektive erzählt. Maribil begleitet wir in der Gegenwart (1977) bei ihrer Suche nach der Wahrheit um Stinas Verschwinden. In der Perspektive von Stina sind es Rückblenden (ins Jahr 1966/67) in ihr Leben vor ihrem Verschwinden. Durch diese zwei Ich‑Perspektiven entsteht ein intensiver Sog, weil man ständig zwischen Wahrheitssuche und Erinnerungsschatten pendelt. Mit jedem Kapitel fügt sich das Puzzle auch Stück für Stück zusammen bis man endlich versteht, was in jener verhängnisvollen Nacht wirklich passiert ist.
Die Atmosphäre ist beklemmend, dunkel, voller unausgesprochener Wahrheiten. Jede Figur wirkt seltsam, verschlossen und irgendwie verdächtig. Niemand ist leicht zu greifen, jeder trägt seine eigene Last mit sich herum. Man fängt an jedem zu misstrauen. Das hält die Spannung konstant hoch und man will unbedingt wissen, was mit Stina vor zehn Jahren geschehen ist.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die isländischen Namen und Orte könnten allerdings Stolpersteine sein und ein wenig den Lesefluss hemmen, aber sie gehören einfach zu diesem Setting und verstärken die nordische Stimmung.
Ein bisschen störend und nervig war die extreme Alkohlpräsenz. Zumindest ist es mir stark aufgefallen, dass ständig über Alkohol gesprochen wurden bzw. viele der Figuren sehr oft Alkohl getrunken haben.
Mein Fazit:
Ein langsam anschwellender, atmosphärisch dichter Thriller, der mit seinen Perspektivwechseln, seinen Geheimnissen und seinen unerwarteten Wendungen fesselt. Düster, verwirrend, intensiv und es entwickelt eine Sogwirkung, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Das Buch ist auf jeden Fall eine Leseempfehlung.
Wer hat Beth getötet?
Beth is dead von Katie Bernet
Beth wird tot aufgefunden und die Ermittlungen richten sich sofort auf ihre Schwestern. Jede von ihnen trägt ein mögliches Motiv mit sich herum: Jo, die ehrgeizige Autorin, deren Erfolg von einem dramatischen Skandal profitieren könnte; Amy, die für ihren Traum vom Kunststudium Geld braucht, das eigentlich Beth zugestanden hätte; und Meg, die selbst unschuldig wirkt, aber ihren Freund um jeden Preis schützen würde.
Gleichzeitig gibt es weitere Verdächtige, denn die Familie wurde schon zuvor unfreiwillig berühmt, nachdem ihr Vater ein kontroverses Buch über seine Töchter veröffentlicht hatte.
Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Handlung wird in wechselnden Perspektiven zwischen den Schwestern jeweils aus der Ich-Perspektive erzählt. Das schafft nicht nur die Nähe zu den einzelnen Schwestern, sondern zeigt auch wie unterschiedlich Jo, Amy und Meg mit Beths Tod umgehen. Hinzu kommen einige Rückblicke in die Zeit vor Beths Tod, die wie kleine präzise gesetze Puzzleteile funktionieren. Sie geben Hinweise, werfen neue Fragen auf und verbinden Vergangenheit und Gegenwart zu einem stimmigen Gesamtbild.
Es gibt hier keine Spannung durch Schockmomente, eher ist die Spannung permanent unterschwellig präsent. Beim Lesen rätselt man konstant mit, wer für den Tod von Beth verantwortlich ist und verdächtigt immer wieder wen anders. Dazu tragen die vielen falschen Fährten und unerwarteten Wendungen bei. Bis zum Schluss bleibt es undurchsichtig und wird dann in einem spannenden Showdown logisch aufgelöst.
Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen, sodass man recht schnell durch die Seiten kommt. Zudem ist alles sehr bildlich dargestellt, dass man sich die einzelnen Szenen und Figuren sehr gut vorstellen kann. Durch die vielen Handlungsorte sowie den unterschiedlichen Figuren ist es abwechslungsreich gestaltet.
Anfangs war es kurzzeitig herausfordernd, die drei einzuordnen (wer studiert, wer geht zur Schule, wer ist die Älteste, die Jüngste usw.), weil alle drei ziemlich gleichzeitig in der Handlung aufgetreten sind. Das legt sich jedoch recht schnell, weil jede von ihnen eine eigene, unverwechselbare Persönlichkeit hat. Jede von ihnen hat ihre eigenen Stärken und Schwächen. Zwischen ihnen wurde eine tolle Dynamik geschaffen. Man merkt bei den Schwestern auch wie toll ihr Zusammenhalt ist, aber auch die typischen geschwisterlichen Reibereien und Geheimnisse. Das macht sie so authentisch und lebendig.
Mein Fazit:
Ein sehr spannender und fesselnder Young-Adult-Thriller, bei dem man ständig miträtselt. Es hat mich so gefesselt, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte. Daher gibt es dafür eine ganz klare Leseempfehlung.
Wettkampf um die Krone
Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain von Sasha Peyton Smith
London, 1848: Zur Heiratssaison versuchen viele Adlige, durch einen gefährlichen Handel mit der Fae-Königin Macht, Schönheit und Reichtum zu erlangen. Als der Kronprinz ankündigt, in dieser Saison eine Braut zu wählen, wird überraschend auch Ivy, die eigentlich in Ungnade gefallen ist, unter die sechs Anwärterinnen aufgenommen.
Was wie ein höfischer Wettbewerb beginnt, entwickelt sich rasch zu einem brutalen Kampf ums Überleben. Intrigen, Magie und tödliche Prüfungen bestimmen den Alltag der Kandidatinnen. Gleichzeitig muss Ivy unbedingt Abstand zu Emmett, dem Bruder des Prinzen, halten, denn jede Nähe zu ihm könnte nicht nur ihr Herz gefährden, sondern auch ihr Leben.
"The Rose Bargain" ist der erste Band der "Hof der Dornen"-Dilogie.
Die Handlung hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Der flüssige, bildhafte Schreibstil sorgt dafür, dass man sich jede Szene sehr bildlich vorstellen kann. Erzählt wird die Handlung in der Ich‑Perspektive aus Sicht der Hauptprotagonistin Ivy. Dadurch erlebt man ihre Gedanken und Gefühle so intensiv, dass man automatisch mit ihr mitfiebert. Hin und wieder gibt es Einschübe aus Sicht ihrer Konkurrentinnen, die einen näheren Einblick in den Wettkampf um Prinz Bram geben.
Es bleibt von Beginn an durchgehend rätselhaft und spannend. Ivy ist sehr mutig, aber auch gleichzeit sehr naiv. Sie muss sich mehreren Herausforderungen stellen, wächst an ihnen und findet Stück für Stück ihre eigene Stärke. Auch wenn das Ende teilweise vorhersehbar scheint, wird man mit einer unerwarteten Wendung noch einmal komplett überrascht.
Das Love-Triangle ist gut gemacht. Es ist emotional glaubhaft, intensiv und so geschrieben, dass man sich kaum für eine Seite entscheiden kann.
Ein absolutes Highlight ist das Setting im viktorianischen England um 1848. Eine gelungene Mischung aus historischer Atmosphäre, höfischer Gesellschaft, politischen Spannungen und dunkler Magie, die sich perfekt miteinander verweben. Die Welt wirkt greifbar, elegant und gleichzeitig bedrohlich.
Mein Fazit:
Ein atmosphärischer, magischer und überraschender Roman, der historische Eleganz mit düsterer Fae‑Magie verbindet. Perfekt für alle, die starke Heldinnen, Intrigen, romantische Spannung und immersive Welten lieben. Für mich eine absolute Leseempfehlung.
Ohne viel Action
Dunkelmann von Lars Findsen; Jacob Weinreich
Eine chinesische Delegation soll nach Kopenhagen reisen, doch der Geheimdienstanalyst Daniel Hartmann entdeckt, dass ein Delegierter unter falschem Namen einreisen will. Um herauszufinden, was dahintersteckt, wird die noch angeschlagene Agentin Maja Birk auf den Fall angesetzt. Bald zeigt sich, dass die Delegation ein besonderes Interesse an einem Forschungsprojekt im Nordpolarmeer hat.
Maja erkennt, dass diese Mission möglicherweise mit ihrem letzten gefährlichen Auslandseinsatz verknüpft ist und dass mehr auf dem Spiel steht, als zunächst sichtbar war.
"Dunkelmann" ist der Auftakt in eine neue Spionagethriller-Reihe mit den Geheimdienstagenten Daniel Hartmann und Maja Birk.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und lässt sich daher recht angenehm lesen, sodass man auch mühelos durch die einzelnen Kapitel gleitet. Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven der einzelnen Protagonisten erzählt und wechselt auch relativ oft die einzelnen Handlungsorte. Das bringt Abwechslung, aber trägt nicht so wirklich zur Handlung bei. Insgesamt bleibt die Handlung über ziemlich weite strecken sehr ruhig und es plätschert mehr vor sich hin.
Durch die vielen beteiligten Parteien ist es recht undurchsichtig und man bekommt kaum einen Überblick. Die Zusammenhänge bleiben sehr lange verworren. Das erzeugt zwar eine gewisse Geheimdienst‑Atmosphäre, lässt aber kaum Raum zum Miträtseln, weil man wenig Hinweise bekommt, die man selbst zusammensetzen könnte. Erst auf dem letzten Drittel wird es spürbar spannender aber Nervenkitzel will leider auch dann nicht so recht aufkommen.
Sehr gut gemacht sind auf jeden Fall die realistischen Einblicke in die Arbeit der Geheimdienste. Auch das politisch brisante Thema rund um Großmacht China und Interesse an Grönland verleiht dem Buch Relevanz und Tiefe.
Die Figuren sind gut gezeichnet, mit klaren Charakterzügen und glaubwürdigen Einblicken in ihr privates Leben. Allerdings nehmen die Beziehungsprobleme der beiden Hauptfiguren so viel Raum ein, dass sie den Thrillerfluss immer wieder ausbremsen und teilweise als echter Spannungskiller wirken. Ein bisschen unrealistisch fand ich zudem, dass Maja so angeschlagen nach ihrem vorherigen Auslandseinsatz direkt wieder so intensiv eingesetzt wurde.
Mein Fazit:
Unter diesem Spionage- / Agententhriller hatte ich mir ein wenig mehr Spannung erhofft. Es war zwar sehr undurchsichtig und das Motiv und das Ziel nicht wirklich klar, aber dennoch fehlte mir der Durchblick in der ganzen verworrenen Handlung und dadurch kam nicht so wirklich die Spannung auf.
Walküre-Spiele
Darkly von Marisha Pessl
Dia ergattert ein begehrtes Praktikum bei der geheimnisvollen Veda Foundation – doch statt Büroarbeit landet sie mit sechs anderen Jugendlichen auf einer isolierten Insel. Dort werden sie in ein tödliches Darkly-Spiel gezwungen, bei dem niemand weiß, wem er trauen kann und wer die Fäden zieht.
Die Grundidee des lebendigen Brettspiels fand ich großartig.
Sehr originell, atmosphärisch, und mir sehr viel Potenzial. Aber leider war die Umsetzung nicht so überzeugend wie erhofft. Der Einstieg in die Handlung war noch sehr gut mit den humorvollen Schreibstil. Doch je weiter die Story voranschreitet, desto mehr verliert sich dieser Ton. Die Handlung wird zunehmend sprunghaft, Szenen wechseln abrupt, und oft hatte man das Gefühl, dass wichtige Zwischenschritte fehlen. Dadurch wirkt vieles unlogisch, fast so, als würde die Struktur unterwegs auseinanderfallen. Es ist zu verworren, zu chaotisch und sehr undurchschaubar, was einerseits gut ist, doch die Rätsel waren nicht so packend und die Spannung baute sich nicht richtig auf. Vieles wirkt eher abgedreht als fesselnd. Statt Nervenkitzel gab es eher Verwirrung.
Die Handlung wird in der Ich-Erzählform aus der Sicht von Dia erzählt. Durch die Ich‑Perspektive bekommt man tiefe Einblicke in ihre Gedanken. Dia ist eine starke Protagonistin und sehr speziell mit ihren ungewöhnlichen Hobbys und ihrer Faszination der Darkly-Spiele. Zudem ist sie clever, neugierig und hat einen starken Willen. Die anderen Teilnehmer wirken ebenfalls eigenartig, aber blieben im Gegensatz zu Dia sehr blass und entwickeln kaum Tiefe.
Sehr schön gestaltet sind die bildlichen Extras in der Handlung. Hin und wieder gab es Einschübe von Abbildungen, Fotografien, Plänen und Briefe. Sie haben perfekt zur Atmosphäre gepasst und haben zum Fortgang der Handlung den ein oder anderen Hinweis geliefert.
Die Auflösung fand ich ebenfalls nicht ganz überzeugend. Sie kam zu plötzlich und es war irgendwie nicht so ganz rund um die nötige Klarheit zu bekommen.
Mein Fazit:
Der Story hat viele kreative Ansätze und eine starke Hauptfigur, verliert sich aber in einer übermäßig sprunghaften, chaotischen Erzählweise. Die Extras sind toll, die Idee originell, doch die Umsetzung bleibt zu verworren, um wirklich zu fesseln.
Bernstein-Opfer
Strandopfer von Frank Goldammer
Lena Schuldt wird an die polnische Ostseeküste geschickt, weil ein deutscher Urlauber tot am Strand liegt. Was wie ein Unfall aussieht, wird sofort rätselhaft, als man einen großen Bernstein im Mund des Toten findet. Nur kurze Zeit später wird die zehnjährige Luisa, die Tochter einer Bekannten des Verstorbenen, als vermisst gemeldet.
Gemeinsam mit dem polnischen Ermittler Adam Krawczyk nimmt Lena die Urlaubergruppe in einer Villa ins Visier. Alle wirken nervös, jeder hat Geheimnisse, und niemand sagt die ganze Wahrheit. Als ein zweiter Mensch unter denselben mysteriösen Umständen stirbt, wird klar, dass ein Täter gezielt zuschlägt und dass die Zeit knapp wird, um Luisa zu finden.
"Strandopfer" ist der Auftakt in eine neue Krimi-Reihe mit dem deutsch-polnischen Ermittler-Duo.
Die Grundidee mit dem deutsch-polnischen Ermittler-Duo, kulturellen Reibungspunkten und der Ostsee-Atmosphäre ist sehr interessant, doch leider war die Handlung selbst etwas durchwachsen und Potenzial ging verloren.
Ansich lässt sich der Schreibstil ganz gut und flüssig lesen. Da die Handlung sich an der polnischen Ostseeküste abspielt, werden auch polnische Ausdrücke und Sätze eingebaut, die aber leicht zum Stolperstein werden und dadurch den Lesefluss hemmen.
Die Handlung wird hauptsächlich aus der Perspektive von Lena erzählt. Es plätschert eher vor sich hin, als dass wirklich ermittelt wird. Viele Szenen verlieren sich in Nebensächlichkeiten, Wiederholungen ziehen sich durch das Buch, und die Entscheidung, ausschließlich aus Lenas Perspektive zu erzählen, nimmt der Geschichte auf Dauer die nötige Spannung. Ein Perspektivwechsel hätte hier viel Dynamik bringen können.
Sehr geprägt wurde die Handlung von Vorurteilen gegenüber Polen. Sie nahmen etwas überhand und irgendwann haben sie nur noch genervt.
Über die Hauptprotagonistin Lena erfährt man in diesem Band schon sehr viel. Ihre schwierige Kindheit macht sie greifbar, aber ihre Vergangenheit wird so ausführlich und so oft wiederholt erzählt, dass der eigentliche Fall immer wieder in den Hintergrund rückt. Adam dagegen bleibt noch sehr blass. Man erfährt kaum etwas Privates über ihn, was die Dynamik des Duos unausgewogen wirken lässt.
Mein Fazit:
Ein Krimi mit interessanter Grundidee und atmosphärischem Stil, der sich aber zu sehr in Vorurteilen, Wiederholungen und Lenas Vergangenheit verliert. Die Spannung bleibt auf der Strecke, was sehr schade ist, denn das Ermittler-Duo hätte viel Potenzial.
Rache
Revenge von Svenja Diel
Die drei Jugendlichen, Liv, Sara und Vince, werden durch ein plötzliches Gewaltverbrechen aus ihrem normalen Leben gerissen und müssen sich danach mit Angst, Schuldgefühlen und den Folgen traumatischer Erfahrungen auseinandersetzen. Während die Polizei versucht, den Täter zu finden, geraten Liv, Sara und Vince in einen Strudel aus Misstrauen, gefährlichen Wahrheiten und der Frage, ob ihre Freundschaft stark genug ist, um all das auszuhalten.
Jede Entscheidung bringt sie näher an die Wahrheit oder tiefer in die Abgründe der eigenen Vergangenheit.
Die Story entfaltet sich über drei Perspektiven - Liv, Sara und einem myteriösen "ER". Das sorgt für Abwechslung und Dynamik der Handlung. Durch die wechselnden Perspektiven bekommt man intime Einblicke in Gedanken und Motive der Charaktere. Man pendelt zudem ständig zwischen Nähe, Zweifel und Misstrauen. Mit jedem Kapitel wächst das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Die Sichtweise des unbekannten Erzählers wirft immer neue Fragen auf, und man ertappt sich dabei, wie man jede Figur infrage stellt.
Die Handlung entwickelt sich stetig weiter, die Spannung steigt kontinuierlich, und immer wieder tauchen unerwartete Wendungen auf, die das Bild neu zusammensetzen. Das Ende hingegen kam nicht ganz mit und blieb etwas schwächer zurück, aber dennoch blieb es spannend und man wollte wissen, wie alles zusammenhängt.
Die Figuren selbst wirken teilweise etwas blass, was die emotionale Bindung erschwert. Dennoch gibt es Nebencharaktere, die sofort Sympathie wecken und andere, die bewusst Distanz erzeugen. Die Hauptprotagonistin Liv bleibt dabei die stärkste Figur. Sie ist entschlossen, loyal und bereit, alles für ihren Bruder zu tun.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, leicht zu lesen.
Mein Fazit:
Ein sehr spannender YA-Thriller mit vielen überraschenden Wendungen. Er ist auch sehr gut für Erwachsene geeignet. Daher gibt es von mir eine Leseempfehlung.
Persönliche Verstrickungen
Vega Varg - Das Schweigen der Insel von Åsa Hellberg
Auf der Insel Südkoster wird ein junger Mann ermordet aufgefunden. Die Ermittlerin Vega Varg ist als Erste vor Ort und sie kennt den Toten bereits, seitdem er ein kleiner Junge war. Zusammen mit ihren beiden Polizisten-Söhnen beginnt sie zu ermitteln. Als eine wichtige norwegische Zeugin verschwindet, holt Vega Unterstützung von ihrem Freund Leopold Posse aus Oslo.
Die Spur führt sie zurück zu einem alten Fall: dem Mord an ihrem Ehemann im Jahr 1998.
"Vega Varg - Das Schweigen der Insel" ist der Auftakt in eine neue Krimi-Reihe, die im Grenzbereich zwischen Schweden und Norwegen spielt.
Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, inklusive Rückblenden in Vegas Vergangenheit und in Fredde’s letzte Tage. Gerade Fredde’s Kapitel funktionieren gut, weil man Stück für Stück erfährt, was wirklich passiert ist und welche Hintergründe zu seinem Tod geführt haben. Trotzdem bleiben einige der anderen Charaktere noch sehr blass.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Dennoch ist er leider nicht so bildgewaltig, sodass sich die typische nordische Atmosphäre mit der Düsternis & Kälte nicht ausbreitet. Das Setting mit der abgelegenen Insel war dafür gut geschaffen.
Die Spannung entwickelt sich eher verhalten. Es plätschert lange vor sich hin, man wartet darauf, dass etwas passiert, doch es bleibt ein ständiges Hin und Her ohne klaren Spannungsbogen. Die Ermittlungsarbeit fällt knapp aus, die Auflösung kommt überraschend schnell und ohne greifbare Beweise, sodass kaum Raum zum Miträtseln entsteht. Einige Twists sorgen zwar für kurze Spannungsmomente, aber da war noch recht viel Luft nach oben. Einiges bleibt am Ende noch offen, sodass hier Raum für eine Fortsetzung geschaffen worden ist.
Mein Fazit:
Dieser Auftaktband hatte für mich noch recht viel Luft nach oben. Bei mir wollte sich einfach nicht die typische nordische Spannung einstellen. Im Großen und Ganzen fand ich diesen Krimi einfach viel zu ruhig, ohne dass etwas Großartiges passiert wäre. Ob ich die mögliche Fortsetzung lesen werde, bin ich mir noch nicht sicher. Da es mir eindeutig zu ruhig war, gebe ich nur eine Leseempfehlung für diejenigen, die sehr ruhige Krimis mögen.











