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Rezensionen von verhei:
Thriller mit Horrormovie-Elementen
Verbrenn das Negativ von Josh Winning
Das Remake eines berühmt berüchtigten Horrorfilms wird in L.A. gedreht und Journalistin Laura Warren von ihrem Magazin beauftragt darüber zu berichten. Doch was eigentlich nur ihre Familie weiß, ist, dass Laura Warren vor dreißig Jahren die Hauptrolle in diesem Film spielte - ein Mädchen, dass die Fähigkeit hatte den Tod vorherzusagen.
Im Laufe der Jahre haben acht Mitglieder der Produktion auf dem ein oder anderen Weg den Tod gefunden. Der Film scheint verflucht zu sein. Als Lauren mit ungutem Gefühl den Weg zum Filmstudio antritt stürzt ein Mann hinter ihrem Wagen von der Brücke. Als weitere außergewöhnliche Ereignisse passieren, ist sie sicher, dass das Unglück von vorne beginnt.
Das Buch ist vereint (Mystery)Horror, Thriller und ein wenig klassische Suche nach dem Täter. Auch einen gewissen Dokumentationscharakter kann man dem Werk zuordnen, da vor jedem Kapitel Elemente des Ursprungsfilm „The Guesthouse“ bzw. des Mythos um diesen- im Stile einer Dokumentation präsentiert werden. Interessant ist auch, auf wie viele berühmte Horrorfilme der 1980er und 1990iger hier Bezug genommen wird wie Poltergeist oder der Exorzist.
Der Spannungsbogen bleibt meiner Meinung nach, über große Teile flach mit kleinen Peaks und steigert sich erst im letzten Drittel, zum Showdown. Der Mittelteil schwächelt allerdings etwas. Die Spannung ergibt sich aus der Frage, was tatsächlich passiert und welcher Ereignisse sich rein in Lauras Kopf abspielen. Man befindet sich, obwohl man im sonnigen, perfekten L.A. ist, dauernd in dunkler Stimmung. Lauras Vergangenheit als Kinderstar bricht immer wieder durch, und man ahnt bald, dass nicht alles eitel Wonne war. Kurzum man fängt an alles zu hinterfragen, bis einem ein doch etwas turbulentes und abgedrehtes Ende präsentiert wird, dass allerdings doch schlüssig ist.
Figurentechnisch sticht Lauren Warren, der ehemalige Kinderstar und jetzt Journalistin hervor. Sie wird von ihrem Kindheitsruhm und den Schwierigkeiten als Kindheitsstar verfolgt, genauso wie von den Ambitionen, die ihre „Eislaufmutter“ mit ihr hatte. Man kann all ihr Unbehagen gut nachempfinden, auch wenn die Schilderung teilweise sehr repetitiv auftreten. Allerdings landet man auch nicht so schnell am Grund aller Problemen. Den Charakter ihrer Schwester Amy fand ich auch gut gelungen, denn auch sie trägt ihr Päckchen als Schwester des Filmstars, der ihren Traum lebte.
Einen Thriller, den ich so noch nicht kannte, der mich allerdings gut mitnahm, auch da er sehr atmosphärisch ist und gut konstruiert war. Definitiv etwas, das Liebhaber des Horrorgenres versuchen sollten.
aufwühlende Suche nach den eigenen Wurzeln
Die Magnolientochter von Tessa Collins
Magnolia, die in London lebt und sich privat und beruflich sehr für den Umweltschutz engagiert, kehrt wieder einmal zum Haus ihrer Großeltern zurück um dort Zeit mit ihrer weitern Familie zu verbringen. Man findet in den Unterlagen der Großmutter eine alte Rechnung und ein Flugticket – beides mit Bezug zu Neuseeland – der Heimat von Magnolias Mutter.
Getrieben durch diese Funde und der Tatsache, dass es Magnolias Mutter neuerlich sehr schlecht geht, macht sie sich auf den Weg nach Neuseeland. Ihr Ziel dort, ist neben der Suche nach den Geheimnissen um ihre Familie, auch mehr über den Umweltschutz in Neuseeland zu erfahren, wobei sie sehr engagierte und sympathische Mitstreiter findet.
Die Geschichte wird abwechselnd in zwei Zeitebenen erzählt – der Ebene von Magnolia in der jetzt Zeit, die den Hinweisen folgt und Neuseeland entdeckt. Die zweite Ebene folgt ein junger Maori mit den Namen Amiri in den 1960er Jahren, die auf einer Farm arbeitet. Wie man natürlich von Beginn an erahnen kann, hängen beide Geschichten zusammen, jedoch rätselt man natürlich wie.
Speziell der Erzählstrang von Magnolia, ist natürlich der Suche nach Hinweisen gewidmet. Es ist allerdings auch viel mehr – man merkt auch an Magnolia eine Entwicklung, die sie in diesem Land vollzieht – sie wird zugänglicher und legt ihre doch eher dogmatischen Ansichten immer mehr ab. Die Entfernung zur Heimat, das neue Land und die Bekanntschaften verändern eben den Blick auf so manches. Wie nebenbei entwickelt sich auch eine Liebesgeschichte.
Die Geschichte um die Suche nach Hinweisen ist realistisch, wie ich meinen würde – immer wieder durch Rückschläge und Zufälle gekennzeichnet. Man jagt durchs ganze Land und lernt dadurch – nebenbei- die schöne Landschaft Neuseelands und einige Sitten der Maori kennen. Generell ist es eine sehr berührende Geschichte, die wenn auch fiktiv, sicher auch so passieren hätte können. Auch gibt die Geschichte Hoffnung – dass man Traumata überwinden kann. Man kann sein Glück finden, auch wenn es unwahrscheinlich scheint.
Auch wenn dies bereits der vierte Band um die Kinder bzw. Enkelinnen der Familie Carter ist, lässt sich der Roman auch ohne Probleme allein lesen. Bei der Übersicht hilft der Stammbaum zu Beginn durch die ersten Szenen.
Für mich war es definitiv ein Ansporn auch weiter Bände der Serie zu lesen, da es ein kurzweiliger und schön gestalteter Roman war.
schlagfertiger, britischer Politkrimi
Bad Actors von Mick Herron
Das aktuelle Regierungskabinett in London ist anders als bisherige – ein Berater des Regierungschefs, der alles anders macht als Bisherige – er holt eine Superforcasterin ins Team. Doch eines Tages verschwindet diese. Über Umwege wird der ehemalige MI5 Chef Claude Wheelan mit der Untersuchung beauftragt.
Er nimmt die Untersuchung bei seiner Nachfolgerin Diana Taverner auf, derzeitige Chefin des MI5 – auch weil der Verdacht laut wird, dass der Geheimdienst mit einem illegalen Programm am Verschwinden beteiligt sein soll. Die Spur schließlich zum legendären bzw. berüchtigten Jason Lamb – Chef der Slow Horses. Einer Abteilung des MI5 bei dem in Ungnade gefallene Agenten landen.
Man findet sich rasch in einem Strudel aus Irrungen und Wirrungen, Intrigen und Überraschungen. Die Handlung ist komplex, verstrickt und gut konstruiert. Geschickt sind aktuelle Ereignisse – gemessen am ursprünglichen Erscheinungstermin- eingeknüpft- der Brexit, die Nachwirkungen der Covid-Pandemie, ein Premierminister mit spannenden Post-Brexit-Visionen. Sollte man sich etwas mit der britischen Politik beschäftigt haben, hat man auch rasch ein entsprechendes Bild im Kopf.
Die Charaktere sind sehr speziell- scharf gezeichnet und unterhaltsam – auch wenn man sie nicht unbedingt alle ins Herz schließt. Vor allem ihre weniger liebenswürdigen Charakterzüge werden gut dargestellt. Man hat eine eher intrigante Chefin des MI5. Jason Lamb, einen Spion, der nicht sehr umgänglich mit den meisten Personen ist, speziellen Charm besitzt und messerscharf kombiniert. Slow Horses die koksabhängig sind, weltfremde Nerds sind und noch so einige spannende Macken haben.
Wichtig ist es der Geschichte aufmerksam zu folgen, da es rasche Szenenwechsel bzw. Blickwinkelwechsel gibt. Eine Einteilung in ordentliche Kapitel gibt es nicht. Auch wird nicht linear erzählt – die Zeitebenen wechseln, richtig klar wird dem Leser das aber erst später.
Das vorliegende Buch – Bad Actors – ist mittlerweile der achte Band einer Serie um Agent Jason Lamb und seinem Team von Agenten – den Slow Horses. Für mich war es der erste Band der Serie den ich gelesen habe, jedoch kannte ich das Thema von der entsprechenden Serie. Grundsätzlich lässt sich die Geschichte auch so verstehen, jedoch profitiert man denke ich, wenn man die Bände entsprechend der Reihenfolge liest und Zusammenhänge und Hintergründe besser zu verstehen.
Ich werde mich definitiv in die Vorgängerbände stürzen, denn es war für mich ein gelungener Politkrimi. Mit schlagfertigem, bösen ja britischen Humor.
eine unerwartete Erbschaft in Argentinien - mit einer emotionalen Vergangenheitsebene
Die verlassene Tochter von Soraya Lane
Die verlassene Tochter ist der sechste Band der Serie „Die Verlorenen Töchter“ von Soraya Lane. Jedes Buch greift das Schicksal eines Mädchens auf, dass in einem Londoner Frauenhaus vor vielen vielen Jahren geboren wurde, und dann zur Adoption freigegeben wurden – als Hinweis nur eine kleine Schachtel mit persönlichen Dingen.
Jedoch wurde diese kleine Schachtel nicht planmäßig zum einundzwanzigsten Geburtstag überreicht, sondern erreicht jetzt nachfolgende Generationen.
So auch hier – Rose, die in London lebt, verliert ihre Mutter nach einer Zeit der Pflege. Bald erreicht sie ein Brief, der an ihre Mutter adressiert war, und erklärt, dass diese Erbin eines Anwesens in Argentinien ist. Sie tritt die Reise nach Argentinien an, um diesen Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen und erfährt, dass sie Nachfahrin von Valentina Santiago ist, einer Förderin des Polosports und Besitzerin einer Ranch. Auf der Suche nach Hinweisen zu ihrer Urgroßmutter und deren Geschichte, lernt sie unter anderem den charmanten Reiter Benjamin kennen. Rasch erfahren sie, dass die Geschichte ihrer beiden Familien eng verwebt ist.
Wie die Vorgängerbände der Reihe lässt sich auch dieser sehr gut als Stand Alone lesen. Auch die Erzählweise entspricht der der Vorgängerbände – im Wechsel werden Szenen aus der Gegenwart mit welchen aus der Vergangenheit verknüpft. Stück für Stück taucht der Leser damit in die Geschichte ein, den Protagonisten oft doch ein Stückchen voraus.
Die Geschichte aus der Vergangenheit und die Schicksale sind emotional sehr aufwühlend und für die damalige Zeit auch gut gewählt. Etwas verblasst für mich im Vergleich dazu die Geschichte der Gegenwart, vielleicht weil die Vergangenheit oft viel emotionaler geschildert wird. Beide Charaktere Rose und Valentina sind auch hier sympathisch und reagieren verständlich. Roses Erzählstrang beschränkt sich aber sehr darauf nach Argentinien zu gehen und den charmanten Benjamin kennen zu lernen. Natürlich muss sie den Verlust ihrer Familie überwinden und steht vor einem kompletten Umbruch in ihrem Leben, jedoch ist diese Ebene für mich etwas zu vorhersehbar.
Nichtsdestotrotz habe ich auch diesen Band genossen, auch auf Grund des verstrickten Erzählstils. Ein kurzweiliger doch auch sehr emotionaler Roman, über Frauengeschichten in der Vergangenheit die durchwegs so passiert sein könnten.
intensive, emotionale Geschichte im zweiten Weltkrieg
Die Welt in unseren Händen von Emily Walton
Ein -fiktiver- historischer Roman, der sich dennoch an einer realen Lebensgeschichte orientiert, nämlich der der Großmutter der Autorin.
Emma besucht ihre neunundachtzig Jährige Großmutter in ihrer Wohnung in einer betreuten Einrichtung. Die Enkelin findet ein ihr bisher unbekanntes, älteres Buch, dass eine besondere Widmung enthält – und so erzählt ihre Großmutter ihr von ihrem Leben zur Zeit des Krieges.
June, die aus ärmlichen und komplizierten Familienverhältnissen, aus einem Ort in Essex stammt, meldet sich zur WAAF, einer Frauenunterstützungseinheit für die britische Luftwaffe. Sie hofft damit etwas zu bewirken, ihrem bisherigen Leben zu entkommen und vielleicht auch das ein oder andere Abenteuer zu erleben. Die Grundausbildung ist nicht einfach, sie trifft aber inspirierende Kolleginnen in der Grundausbildung. Auch um der trostlosen Büroaufgabe in der nähe von London zu entkommen, meldet sie sich für eine Auslandseinsatz. Sie landet dabei in Kairo, wo sie den charmanten Südafrikaner Ken kennenlernt, der für die Kriegsberichterstattung zuständig ist. Doch darf sie so fern ab der Heimat ihr leben genießen, während ihre Kollegen und Freunde in London zittern.
Spannend in all dem ist die Tatsache, dass wir zu Beginn -in der Gegenwart- eine ältere, gebrechlichere Frau vorgestellt bekommen. Man ist umso überraschter welche Geschichten und Geheimnisse sie preisgibt. June ist zu Beginn des Buches eine ängstliche an sich selbst zweifelnde Frau, natürlich auch durch ihre Umstände. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater Alkoholiker, der ihren Lohn einsteckt. Sie hat zwar einen netten Freund, der sie auch heiraten möchte, jedoch fürchtet sie dann auch wieder in einer wirtschaftlich unsicheren und eher öden Zukunft zu landen. Man begleitet June durch verschiedene Etappen ihres Lebens bzw. vor allem während ihrer Tätigkeit bei der WAAF. Es ist ein Wechselbad der Gefühle: zwischen Freude und Gemeinschaftssinn mit ihren Freudinnen Dotty und Peggy, und Abschiedsschmerz kombiniert mit Vorfreude und der Angst vor dem Unbekannten. Schließlich entwickelt sie sich zu einer starken, weniger ängstlichen Frau, die einen neuen Blick auf ihr Leben bekommt.
Bei all dem ist der Leser dabei- hautnah, mitfiebernd und teilweise mit zerrissenem Herzen. So gelungen ist die Schilderung der Szenen und die erzeugte Sogwirkung.
Hervorzuheben ist auch mit welcher Genauigkeit, die verschiedensten Tätigkeiten der WAAF, die June durchläuft, geschildert werden. Büroarbeit in London und Kairo zu unterschiedlichem Zweck und auch die schwere körperliche Arbeit beim Errichten von Ballonsperren. Traurig war es zu sehen, mit welchen Vorurteilen Frauen zu kämpfen hatten – sie mussten trotz aller Kriegswirren nett und adrett aussehen und trotz aller Bemühungen, waren sie dennoch immer den Männern untergeordnet, die sich nicht immer Gentleman- like benahmen.
Ich kann dieses Buch jedem ans Herz legen, der einen historischen Roman sucht, der sich mit etwas künstlerischer Freiheit – an einer wirklichen Lebensgeschichte orientiert. Es war definitiv mitreißend und herzerwärmend.
neuerliche Herausforderungen in den 1920ern am Land
Der Dorfladen - Wie das Schicksal spielt von Anne Jacobs
„Der Dorfladen – wie das Schicksal spielt“ ist der dritte Band einer Reihe um den Ort Dingelbach, die im Jahr 1927 spielt. Im Mittelpunkt steht der Dorfladen von Marthe, die ihre drei Töchter Herta, Frieda und Ida allein aufgezogen hat, nachdem sie ihren Mann im Krieg verloren hat. Frieda wirkt als Schauspielerin an einem Theater in Bochum.
Ida pendelt von Dingelbach nach Frankfurt auf die Schiller Schule und arbeitet auf das Abitur hin und trifft sich nebenbei mit ihrem Freund Florian, der Sympathien für die KPD hegt. Herta bleibt in Dingelbach und hilft ihrer Mutter im Laden. Doch die sonst so brave und unscheinbare Herta sorgt mit einem unehelichen Kind von einem Handelsvertreter für Unruhe im Dorf.
Generell konnte ich dem Text einfach folgen, auch wenn die Sprache für manche gewöhnungsbedürftig sein dürfte – befinden wir uns doch auf dem Dorf und Dialekt und Redewendung auch typisch für die Region gewählt. Man darf sich auf hessischen Dialekt freuen.
Das Buch wartet mit einer ausführlichen Beschreibung des Dorfes auf (unterstützt durch eine Skizze des Dorfes) und mit einer Fülle an Charakteren. Die Dorfbewohner -inklusive der Fabriksbesitzerin am Dorfrand, Friedas Kollegen und Bekannte am Theater in Bochum, Idas Schulkollegen und Lehrer in Frankfurt und der weiteren Familie der Fabriksbesitzerin. Manchmal ist es gar nicht so einfach den Überblick zu behalten. Eine Liste wäre da hilfreich, auch um Verwandtschaftsverhältnisse und sonstige Verstrickungen zu verstehen.
Jedes Kapitel des Buches wird aus einer anderen Perspektiven erzählt, die sehr gut ineinander übergehen. Ida, Frieda, Marthe, der Fabriksbesitzerin Ilse und Heinz Schütz, Sohn des Bauern und Bürgermeisters Otto Schürz, tragen das Buch. Das gesamte Werk hat 600 Seiten und schildert alles sehr detailliert und auch atmosphärisch. Passend zur Realität erleben auch nicht alle Personen immer eine entsprechende Entwicklung und kommen nicht gleichmäßig ihn ihrem Handlungsstrang voran. So entspannend das Lesen für mich auch war – an manchen Stellen taten sich dann doch Längen auf. Hat man es im ersten Teil viel mit atmosphärischen Schilderungen zu tun, nimmt die Handlung so ca. im letzten Drittel dann Tempo auf und man schließt die Figuren umso mehr ins Herz.
Ich fand in die Geschichte, obwohl ich die Vorgängerbände nicht kannte. Jedoch würde ich die Bände mit jetzigem Wissen chronologisch lesen, um die Figuren besser zu verstehen.
ein Fall im Fall und ein typischer Horowitz
Tod zur Teestunde (Susan Ryeland ermittelt 3) von Anthony Horowitz
Die ehemalige Lektorin Susan Ryeland kehrt nach einem Beziehungsende wieder nach London zurück und soll für ihren Verlag nun mit einem jungen Autor zusammenarbeiten. Dieser plant sich an die Fortsetzung einer berühmten Krimireihe zu versuchen. Besonders brisant wird die Geschichte als bekannt wird das dieser junge Autor – Eliot Grace- der Enkel einer berühmten Kinderbuchautorin ist, die vor etlichen Jahren starb.
Laut Eliot soll sie vergiftet worden sein – so wie auch das Opfer in seinem fiktiven Fall. Susan taucht immer tiefer in die Geschichte ein, Eliot Grace verhält sich immer unverständlicher, eigener, aggressiver. Dann kommt es zu einem Autounfall und Eliot Grace stirbt. Nun wird Susan verdächtigt, denn war es wirklich ein Unfall?
Eines vorneweg – dies ist der Dritte Band einer Reihe um Susan Ryeland von Anthony Horowitz. Grundsätzlich lässt sich dieses Werk auch gut eigenständig lesen, es gibt allerdings ein paar Antworten auf Band eins dieser Reihe. Man sollte daher vielleicht überlegen, diesen davor zu lesen.
Die Geschichte wird als Krimi im Krimi erzählt. Susan erkennt, dass der Plot des jungen Autors ein reales Mysterium, nämlich dem Tod seiner Großmutter, der Krimibuchautorin, ähnelt. Hinter vielen Personen im fiktiven Buch, finden sich ähnliche Personen in der Familie Grace. Man ist konstant mit Verstrickungen konfrontiert und fragt sich wie Susan, ob dies Zufall ist. Hinweise sind gut gesetzt und der Fall geschickt und komplex konstruiert. Für mich war die Auflösung auch nachvollziehbar.
Der Schreibstil ist für mich Anthony Horowitz typisch, gut lesbar, mit gewissem Witz und genial erfundener Storyline, die viele Wendungen und Überraschungen bereithält. Lesern von Agatha Christie werden auch entsprechende Verweise auffallen. Gut gelang es ihm die beiden Geschichten zu verweben. Gut gelungen sind die Charaktere, allen voran Susan Ryeland, die sehr scharfsinnig und mit Witz agiert.
Etwas überwältigend war die Länge des Buches, da es teilweise auch etwas zu Längen in der Geschichte kam, verständlich bei über 500 Seiten. Auch die Fülle an Charakteren, die sich ergeben, wenn es eine „echten Fall“ und einen entsprechenden „fiktiven Fall“ gibt, fühlt sich manchmal etwas überwältigend an.
Man versteht, warum Anthony Horowitz Werke immer wieder mit Agatha Christie verglichen werden, denn die Krimis sind gut gemacht.
Auch dieser Band war für mich definitiv lesenswert, weil ich bisher von Anthony Horowitz noch nie enttäuscht wurde. Es ist allerdings kein rasches Buch für zwischendurch, schon auf Grund der Länge und der zwei Kriminalfälle. Für Krimifans der old school Krimis aber definitiv ein Muss.
Das Zwillingstauschthema im modernen Umfeld
Belladonnas von Liann Zhang
Alles startet mit einem Paar Zwillingsmädchen, deren Eltern sterben. Julie Chan wird von ihrer Tante aufgezogen, in bescheidenen und eher traurigen Bedingungen in Kanada. Ihre Schwester Chloe wird adoptiert und lebt ihr Leben nun als Tochter eines reichen Paars in New York. Weiters ist Chloe auch noch bekannt, da sie ein Leben im Licht der sozialen Medien führt und Influencerin ist.
Chloe schickt Julie eine sehr mysteriöse Nachricht, woraufhin sie sich auf den Weg zu Chloes Wohnung macht. Julie findet Chloe tot vor, und ergreift die Chance und übernimmt Chloes Rolle und taucht in diese Welt ein. Sie wird Teil der Influencer Elite, der „Belladonnas“. Doch bei einem Treffen der „Belladonnas“ auf einer einsamen Insel, vollziehen sie ein seltsames Ritual und alles gerät ins Wanken.
Die Geschichte wird aus der Perspektive von Julie erzählt in einem für ihr Alter sehr passenden direkten, flotten, ja doch eher frechen Ton. Besonders gut geeignet um sich in die Gedankenwelt von Julie hineinzufühlen.
Reizvoll war die Tatsache für mich, wie es möglich ist, dass ein Zwilling die Rolle eines anderen übernimmt – eben ein bisschen wie im Kinderbuch Klassiker „das doppelte Lottchen“. Hier war das ganze nur etwas endgültiger – und zu meiner Überraschung funktioniert es erstaunlich gut. Julie kann nun als Chloe ein luxuriöses Leben führen und bekommt die Aufmerksamkeit, Wertschätzung und das „Gesehenwerden“, dass ihr in ihrem bisherigen Leben verwehrt war. Man sieh auch wie die Influencerwelt sie verändert – während sie zu Beginn noch sehr kritisch ist, und sich auch mal darüber lustig macht, steckt sie am Ende mitten drinnen. Der Leser lernt, dass in dieser Welt lang nicht alles Friede Freude Eierkuchen ist, wie oft dargestellt wird.
Während man im ersten Teil des Buches, vor allem die Lebensumstände der beiden Zwillinge kennen lernt und später in die Influencer Welt eintaucht, nimmt das Buch gegen Ende dann doch sehr Tempo auf. Man darf sich auf Plot Twists und doch eher „eigene Handlung“ einstellen, jedoch mit sehr detaillierter Schilderung.
Ein Buch, dass die Prämisse des Doppelten Lottchens aufgreift und in einen modernen Influencerhintergrund setzt, mit all seinen Schattenseiten. Die Spannung kommt allerdings doch eher spät.
Turbulent und empathisch- passender Abschluss der Triologie
Bussi Bussi - Kein Kind von Traurigkeit von Laura Roth
Der dritte Band um eine Dreiergruppe von Frauen, die sich seit ihren Zwanzigern kennen. Begleiteten die Vorgängerbände Herz verfehlt – Arsch getroffen, Eva, und Lecko Mio, Marina, auf in ihren Dreißigern, widmet sich Bussi Bussi, der dritten im Bunde- Carmen.
Carmen, Anfang 40ig, ist Chefin der Eventagentur the Verve, einem doch noch etwas unbekannteren Player am Eventmanagementhimmel in Wien.
Doch man bewirbt sich um den Opernball, nicht zuletzt, um auch finanziell aus den roten Zahlen zu kommen. Privat ist Carmen eher mit „kurzen Projekten“ beschäftigt. Auf einer Vernissage eines bekannten Künstlers kommt sie mit einem Unbekannten ins Gespräch, versteht sich und verbringt die Nacht miteinander – doch es nimmt ein doch eher rasantes Ende. Carmen fühlt sich danach verflucht, da die Sache mit den Männergeschichten nicht mehr so gut funktionieren und auch die Sache mit der Opernballbewerbung ist nicht einfach.
Es ist ein Roman, der mit viel Charme und Herz aufwartet. Die Geschichte trägt weiteres der scharfzüngige Witz mit Wiener Färbung und ein bisschen Spice. Doch es ist auch so viel mehr als leichte, witzige Unterhaltung, denn man begleitet Carmen als Leser bei einer Zeit, in der sie mit ihrem bisherigen Lebensentwurf hadert. Sie ist nicht nur unabhängig und stark, sondern bekommt von ihrem „Unbekannten“ auch einen Spiegel vorgehalten, der zur Reflexion anregt. Langsam wird sie sich den Auswirkungen ihrer Vergangenheit und den Schattenseiten ihres bisherigen Lebensentwurfs bewusst und hadert damit. Man leidet und fühlt mit und wundert sich teilweise, all dies, weil die Geschichte und die Entwicklung der Personen sehr authentisch sind.
Daher kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen, so wie die Vorgängerbände. Wichtig ist auch anzumerken, dass man sie nicht der Reihenfolge nach lesen muss.
eine abgeschiedene Insel und ihre Geheimnisse
Wolfskälte von Laura McCluskey
Auf Eilean Eadar, einer Insel der äußeren Hebriden, wurde am Fuße des Leuchtturms ein junger Inselbewohner aufgefunden. Zwei Polizisten vom Festland Georgina – George- und ihr Partner Richie sollen Ermittlungen aufnehmen, und klären, ob es der erwartete Selbstmord ist, oder doch mehr dahintersteckt.
Doch die Ermittlungen gestalten sich nicht so einfach, da sie Außenstehende sind, denen mit großer Skepsis begegnet wird. Auch die Insel hat so ihre Tücken – kaltes Wetter, viel Wind, Abgeschiedenheit. Sie werden mit dem größten Vermisstenfall der Vergangenheit der Insel konfrontiert – die Besatzung des Leuchtturms, die vor hundert Jahren einfach verschwand. Weiters treffen auf besondere Symbole überall und George meint eine Gestalt mit Wolfskopf zu sehen.
Eines zeichnet diesen Roman durchwegs aus, die beklemmende Stimmung, die einem die gesamte Erzählung durch folgt. Man taucht in das Inselgefühl ein, so wie ich es mir in so einem Fall vorstellen würde. Man fühlt sich schlichtweg wie auf einer wenig bewohnten Insel, weit draußen im Meer, wo einem fast jeder Einheimische -eben eine verschworene Gemeinschaft- feindlich gesinnt scheint und froh wäre, wenn man wieder den Heimweg antreten würde. Man merkt wie viele Entbehrungen das Leben auf so einer Insel mit sich bringt. Gänsehaut ist ein konstanter Begleiter.
Im Ermittlerteam tritt Georgina als der wesentlichere Charakter rasch hervor. Sie hat einige schwierige letzte Monate hinter sich, durch einen Zwischenfall im Dienst. All dies überschattet die Arbeitsbeziehung zu ihrem Partner Richie, der doch sehr konträr ist. Georgina war mir trotz all ihrer Stärken und Schwächen sympathisch und nahe. Richie verblasst für mich im Gegensatz dazu und verkommt zur Nebengestalt. Manche weiteren Charaktere werden im Gesamten doch sehr gut gezeichnet, nur kommt man diesen wie die Ermittler erst sukzessive auf die Spur.
Etwas enttäuschend war für mich, wie langsam die Ermittlungen voranschreiten und wie sehr man sich teilweise in Alltäglichkeiten verstrickt. Besonders ist aber dennoch, wie gut sich eine latente Spannung durch die beklemmende Stimmung und die undurchsichtigen Strukturen ergibt. Jedoch darf ich versprechen, dass das Ganze nicht so banal ist wie man über manche Strecken des Romanes glauben mag. Das Ende ist überraschend, spektakulär aber schließlich doch schlüssig.
Für mich ein Roman, der die bedrückende Stimmung perfekt transportiert und etwas anders als andere Krimis, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Ich würde mich auf eine Fortsetzung des Krimiduos freuen.











