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Rezensionen von gabiliest:
Eine Liebesgeschichte mit Neufundländer Samson
Pfotenglück und Sommerwellen von Petra Schier
Die bekannte Autorin Petra Schier hat mit ihren neuen Roman “Pfotenglück und Sommerwellen” Band acht ihrer Lichterhaven-Reihe vorgelegt. Schon das fröhliche Cover, das sofort Urlaubsfeeling vermittelt, zeigt neben wunderschönem blauen Himmel Samson, einen liebenswerten und gutmütigen Neufundländer, der in dieser Geschichte noch eine wesentliche Rolle spielen wird.
Eigentlich dreht sich dieser gefühlvolle Roman um Max, einen Bauer aus dem Dorf Lichterhaven, dessen Hof kurz vor dem Ruin steht. Nach einer unglücklichen und vor allem teuren Scheidung musste Max den Großteil seiner Tiere verkaufen und sieht keine Perspektive. Doch seine Mutter hat bereits Isalie engagiert, eine Hamburger Stadtpflanze, bekannte Influencerin und Unternehmensberaterin. Auch wenn Max Vorbehalte gegen sie hat, fühlt sich Isalie auf dem Hof gleich wohl. Besonders mag sie die Kinder Lilly und Jonathan, an denen die Mutter kein Interesse mehr hat. Doch nicht nur Hof, Kinder und Familie gefallen Isalie, eines Tages sitzt Samson vor dem Hühnerstall, ein trauriger, schwarzer Neufundländer. Er hat das Vertrauen zu den Menschen verloren, denn er wurde ausgesetzt. Wird Samson seine Lebensfreude wiederfinden und auf dem Hof bleiben dürfen?
Isalie bemüht sich weiterhin, Max von ihren Vorschlägen, den Hof wirtschaftlich zu führen, zu überzeugen. Vorerst bleibt Max skeptisch, doch zwischen Max und Isalie knistert es sehr bald, der Roman enthält auch einige spicy Szenen. Dennoch, zwei verschiedene Lebenswelten, zwei völlig unterschiedliche Charaktere- ist ein gemeinsames Leben denkbar?
Mit “Pfotenglück und Sommerwellen” hat Petra Schier ein fröhliches, aber auch berührendes Buch geschrieben, das immer wieder die Frage stellt: “Was ist Glück und ist es so einfach zu erkennen? Die Hauptcharaktere des Buches sind sehr eindrücklich beschrieben. Isalie ist eine kluge und erfolgreiche Geschäftsfrau, die aber das Gefühl hat, dass ihr dieses Lebensmodell gar nicht liegt und dass Geld nicht alles ist. Max ist der skeptische Bauer, der im Monet keinen Ausweg sieht, aber seinen Hof unbedingt erhalten möchte. Auch die Kinder Jonathan und Lilly haben Isalie bereits in ihr Herz aufgenommen. Dieser lebhaft und bildhaft erzählte Roman macht es den Lesenden leicht, in die Atmosphäre von Lichterhaven einzutauchen, mit den Protagonisten mitzufühlen und ihre Handlungen nachzuempfinden.
Doch der eigentliche Star der Geschichte ist Samson. Aus Trauer und Resignation von Isalie herausgeholt, entwickelt er sich zu einem klugen und treuen Familienhund. der mit Hundestimme alles kommentiert und dessen Gedankenwelt eindrücklich dargestellt wird. Die Geschichte des Buches aus der Hundeperspektive zu verfolgen ist ein sehr gelungenes und oft auch berührendes Stilmittel.
Dieses Buch ist eine wunderbare Wohlfühllektüre, die Lust auf den nächsten Urlaub macht, aber auch darauf, wie es in Lichterhaven weiter gehen wird. Denn die Geschichte von Max, Isalie und Samson ist noch lange nicht zu Ende und diesem gelungenen Buch wird hoffentlich bald eine Fortsetzung folgen. Anzufügen ist, dass alle Bände der Lichterhaven- Reihe unabhängig von einander gelesen werden können und immer Romantik und ein Happy End bieten. “Pfotenglück und Sommerwellen” ist ein Buch, das ideal zum Entspannen ist und das ich gerne weiterempfehle.
Vom Grauen des Krieges und der Kraft der Liebe
Eine Welt nur für uns von Claire Deya
Das Romandebüt von Claire Deya “Eine Welt nur für uns” lässt, auch durch das idyllische Hardcover, einen Liebesroman vermuten. Natürlich kommt Liebe vor, unendlich, tief und besitzergreifend. Doch der Schauplatz der Geschichte und die Protagonisten sind ganz anders.
Die Strände der Cote d´ Azur sind vermint, es ist kurz vor Kriegsende.
Vincent, ein Franzose, der aus deutscher Kriegsgefangenschaft geflohen ist, kehrt zurück, besessen nur von einem Gedanken: Er muss seine Geliebte Ariane wiederfinden, die seit zwei Jahren verschwunden ist und zuletzt auf einem Fest der deutschen Feinde gearbeitet hat. Daher braucht er Kontakt zum Kriegsgefangenenlager, in dem Deutsche interniert sind. Vincent schließt sich dem Trupp von Minenräumern an, neben Franzosen müssen Deutsche hier Zwangsarbeit leisten. Vincent ist sicher, von ihnen etwas über Arianes Schicksal erfahren zu können und besessen von dem Gedanken, Rache zu nehmen, wenn ihr etwas zugestoßen ist. Doch die Deutschen sind verhasst und jeder Kontakt mit ihnen kann gefährlich sein, genau wie das sorgsame Aufspüren und Entschärfen der Minen. Nichts jedoch wird Vincent von seinem Vorhaben abbringen.
Claire Deya beschreibt in ihrem Roman, der ein Aufschrei gegen die Unmenschlichkeit des Krieges ist, alle Menschentypen, die dieses Wüten hervorgebracht hat. Da sind die Gaffer, wenn die Minenräumer ihrer lebensgefährlichen Arbeit nachgehen, die Menschen, die nur verharmlosen und vergessen wollen, die sich nach einem normalen Leben sehnen und die Denunzianten, die jüdische Familien um ihr Hab und Gut und oftmals auch um ihr Leben gebracht haben.
Einer der Hauptcharaktere des Buches ist Saskia, die aus einem deutschen Konzentrationslager entkommen ist und feststellen muss, dass ihr Haus von einer fremden Familie bewohnt wird. Freundlich empfangen wird sie nicht, bei den Behörden wird sie vertröstet. Doch sie begegnet Vincent, der sie einlädt, in seinem Haus zu wohnen. Saskia, traumatisiert und in ständiger Panik, nimmt das Angebot an. Doch sie sucht jeden kleinen Hinweis auf ihre Familie, die im Konzentrationslager umgekommen ist. Wer hat sie damals denunziert?
Claire Deya beschreibt in dieser aufrüttelnden und berührenden Geschichte, dass der Krieg mit der Kapitulation der Deutschen noch längst nicht vorbei war, die Franzosen hassten die deutschen Zwangsarbeiter weiterhin. Erst langsam gelingt es, den Menschen im Feind zu erkennen.
In der bildhaften Sprache der Autorin entsteht im Kopf der Lesenden eine Szenerie aus Mut und Verzweiflung. Mut, das Lager überleben zu wollen, was nur gelingen kann, wenn man dem Leben trotzdem einen Sinn abgewinnt. Verzweiflung, wenn man über das Schicksal der Angehörigen nicht Bescheid weiß, monatelang keine Post bekommt und unter Hunger, Gewalt und Demütigungen leidet. Der Gedanke an Flucht ist bei den Kriegsgefangenen allgegenwärtig, besonders bei Lukas, einem feinsinnigen Deutschen, der eigentlich in Paris eine Buchhandlung eröffnen wollte. Und Vincent ist überzeugt, dass Lukas etwas über den Aufenthaltsort von Ariane weiß.
Dieser Roman von Claire Deya ist mit erzählerischer Konzentration geschrieben und bietet keine einfachen Wendungen. Die subtile Schilderung der einzelnen Charaktere lässt die Lesenden mitfühlen und mitleben, froh, dieses Grauen nicht selbst erleben zu müssen. Entsetzen und Unverständnis entsteht, wenn man beobachtet, dass Menschen ungeheuer niederträchtig und grausam sein können, andererseits aber auch liebende Familienväter, die abends nichts dabei finden, ihre Fröhlichkeit im Umkreis der Zerstörung und Verzweiflung auszuleben.
Ich kann der Autorin nur zustimmen, wenn sie schreibt, dass man den Frieden planen müsse, um den Krieg zu vermeiden. Man merkt, dass die Autorin akribisch recherchiert hat, im Anhang des Buches findet sich ein Quellenverzeichnis. Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt, ich empfehle es gerne weiter und bewerte es mit verdienten fünf Sternen.
Hurra, endlich Schule!
Tschüss, Kindergarten! Ich bin bald ein Schulkind von Katrin Pokahr
Die bunten Vorlesebücher der Baumhausbande haben ein neues Mitglied bekommen. “Tschüss Kindergarten- Ich bin bald ein Schulkind” ist ein farbenfrohes Vorlesebuch, das den Kindern viele Fragen dazu beantworten kann, was sie in der Schule erwartet und wie der Abschied vom Kindergarten gut gelingt.
Schon auf dem fröhlichen Hardcover dieses hochwertig mit Lesebändchen ausgestatteten Buches tummeln sich die Kinder mit großen Schultüten und ihren neuen Schulranzen.
In vierzehn Kapiteln, deren Länge genau auf die Altersgruppe der Schulanfänger zugeschnitten ist, erleben die Kinder des Kindergartens Holterdiepolter, was es bedeutet, bald ein Schulkind zu sein. Sie dürfen in eine Gruppe nur für die Großen, besuchen die Polizei und dürfen sich endlich ihre Schultasche aussuchen. Das ist gar nicht so einfach, denn es gibt so viele verschiedene Modelle. Zum Abschluss des Kindergartens feiern alle ein buntes Fest und die Kinder übernachten im Kindergarten. Was für ein Abenteuer!
Natürlich lernen die Kinder auch ihre neue Schule bei einer Schnitzeljagd kennen, erleben den aufregenden ersten Schultag und finden sich doch noch nicht so ganz im neuen Gebäude zurecht. So ist nicht alles eitel Wonne, denn in der Tagesbetreuung ist es oft zu laut oder Schulkameraden geben den Kindern Spitznamen, was nicht jedem gefällt. Auch schreiben lernen ist gar nicht so einfach, da muss man schon viel üben, bis die Buchstaben gelingen.
Sehr gut sind die einzelnen Charaktere der Kinder dargestellt sowie die verschiedenen Kulturen, aus denen die Kinder kommen. Hier erkennen die kleinen (Mit)Lesenden sicher einige ihrer Freunde wieder und können über ihre eigenen Erlebnisse in Kindergarten und Schule berichten. In heiteren Erzählungen lernen die Kinder wie wichtig Freundschaft und gegenseitige Hilfe sind und dass manchmal ein Neuanfang auch ein bisschen holprig verlaufen darf.
Autorin Katrin Pokahr hat dazu sehr nette und kindgerechte Geschichten erfunden, die durch die gelungenen und phantasievollen Illustrationen von Jutta Berend wunderbar ergänzt werden und so die Freude am Lesen oder vorgelesen bekommen erhalten. Durch die bildhafte und lebendige Erzählweise und die große Schrift werden die Kinder- Vorschulkinder und Schulanfänger- noch lange Freude an diesem Buch haben. Das dicke Papier trägt dazu bei, dass auch mehrere Kinder aus unterschiedlichen Altersgruppen diese bunten Geschichten immer wieder gerne lesen. Am Ende des Buches gibt es einen tollen Aktivteil. Hier finden sich neben Bastelideen auch Rezepte, Rätsel und Übungen für Vorschulkinder. Ein Bilderbogen vervollständigt die gelungene Ausstattung.
“Tschüss Kindergarten- Ich bin bald ein Schulkind” ist ein leicht lesbares, liebevoll gemachtes Buch und damit bestens als Geschenk zum Eintritt in die neue Welt der Schule geeignet. Meinem kleinen Mitleser und mir hat das Buch sehr gut gefallen, wir empfehlen es gerne weiter und vergeben dafür verdiente fünf Sterne.
Bücher, die die Seele heilen
Die geheime Sehnsucht der Bücher von Nina George
Mit “Die geheime Sehnsucht der Bücher” hat die Spiegel Bestseller-Autorin Nina George einen wunderbaren Roman vorgelegt, der beschreibt, wie Bücher geeignet sind, ihre Leser zu finden und je nach deren Gemütszustand auch zu heilen. Schon des gut gezeichnete Hardcover vermittelt einen Eindruck von Paris, in dem Pauline, eine junge Auszubildende, die Bücher- oder besser die Heilmittel für Herz und Seele- ausliefert.
Monsieur Perdu hat sein Bücherschiff am Quai der Seine angelegt. Er ist literarischer Apotheker und verschreibt seinen Kunden und Kundinnen als Medizin Bücher, die sie brauchen, um das innere Gleichgewicht wiederzufinden. Eines Tages erhält er Besuch von Francoise, von ihrer Mutter genannt Frankie, ein Namen, den sie nicht leiden kann. Frankie ist fast 12 Jahre alt, ein erwachsenes Kind, das heimlich liest und sonst hofft, die Situation ihrer Familie verbergen zu können. Denn Frankies Mutter ist einmal himmelhoch jauchzend, einmal zu Tode betrübt und trägt sich mit Selbstmordgedanken. Daher lügt Frankie ständig und versucht den Schein der Normalität aufrecht zu erhalten, denn sie hat Angst, dass sie in ein Heim und ihre Mutter in eine Anstalt gebracht wird. Um mit ihrer Situation fertig zu werden, hat sich Frankie angewöhnt, Synonyme zu verwenden. So wird “lügen zu “tagträumen”.
Als Frankie Monsieur Perdu aufsucht, von dem sie Hilfe erhofft, kann sie ihn einfach nicht belügen, sie läuft davon. Monsieur Perdu fragt Pauline, ob er etwas falsch gemacht habe. Erst als auch Frankies Mutter- nach langem Zweifeln- zu Monsieur Perdu kommt, erkennt dieser die Situation, denn Frankies Mutter versucht sich in die Seine zu stürzen. Und doch, diese Frau hat etwas an sich und er beginnt, ihr von seinem eigenen Leben zu erzählen, das bis vor kurzer Zeit nicht glücklich war, denn Monsieur Perdu war überzeugt, nicht lieben zu können und nicht geliebt zu werden, er war wie eine Axt aus Eis. Wird es ihm gelingen, Frankie und ihrer Mutter zu helfen?
Nina George hat mit “Die Sehnsucht der Bücher” einen berührenden und tiefgründigen Roman geschrieben, der das Schicksal von Kindern beleuchtet, die eigentlich die Elternrolle übernehmen. So muss Frankie ihrer Mutter, die die Außenwelt fürchtet und nicht mit ihr umgehen kann, die alltäglichsten Sachen erst beibringen, wie kochen und bügeln. Doch langsam kommt die Mutter in ihrer Rolle an, besonders als Frankies Vater auftaucht, der schöne Mann, wie ihn Frankie nennt. Darf Frankie nun endlich Kind sein und Bücher auch zu ihrem Vergnügen lesen und nicht nur, um sich Rat zu holen?
Die Autorin hat jedem Kapitel den Namen einer der handelnden Personen vorangestellt und die Charaktere feinsinnig und sensibel gezeichnet. Ein besonderes Stilmittel ist, dass Frankie bei ihren Synonymen immer auch mitdenkt, welche Wörter vor dem eigentlich gesuchten im Lexikon stehen. So relativieren sich Frankies Lügen und es gelingt ihr besser, die absurde Familiensituation zu ertragen. Doch unerwartet ergibt sich für Frankie eine Chance, zusammen mit Marie, einem elternlosen und genau so einsamen Mädchen, Bücher in der Öffentlichkeit vorzustellen. Bücher, die, wie viele meinen, dem Alter der Mädchen nicht angepasst sind. Die Eltern protestieren. Wird es Pauline und Jean Perdu gelingen, den Unmut zu ersticken und die Wahrhaftigkeit und Einzigartigkeit der Bücher zu verteidigen?
In ihrem Roman greift Nina George viele Probleme auf: Pauline, die wegen ihrer Abstammung angefeindet wird, hat Probleme, sich zwischen zwei Männern zu entscheiden. Eltern, die Jugendlichen Verantwortung, auferlegen, die sie eigentlich nicht tragen können und nicht tragen sollten. Engstirnigkeit von Eltern, die glauben, dass ihre Kinder von Büchern verdorben werden können. In fast poetischer Schreibweise schildert die Autorin sehr real, was Menschen bedrückt oder an einem erfüllten Leben hindert. Der eingängige, aber auch sensible und tiefschürfende Schreibstil zieht die Lesenden sehr schnell in seinen Bann, in den Bann dieses besonderen Buches.
“Die Sehnsucht der Bücher” ist ein Buch für Menschen, die Bücher lieben, die in einer Buchhandlung, die nicht nur aus Regalen bestehet, zwischen den Tischen mit den einzelnen Genres flanieren, mit suchendem Blick, und wenn sie ihre Lieblinge gefunden haben, diese verstohlen streicheln. Ein bisschen nur, das genügt. Sollten wir einander einmal in dieser Buchhandlung begegnen, beachten Sie mich bitte einfach nicht, ich bin auf der Suche nach “Die Sehnsucht der Bücher“, um es heimlich zu streicheln. Ganz kurz nur, denn das genügt.
Eine engagierte Pädagogin in bitterer Nachkriegszeit
Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung von Beate Maly
In ihrem bewegenden Roman “Die Trümmerschule-Zeit der Hoffnung” hat die Spiegel Bestseller Autorin Beate Maly ein Bild des Nachkriegsösterreich gezeichnet, das sich vor allem mit der Not und der Armut der Kinder, schwarzer Pädagogik und dem immer noch schwelenden Judenhass beschäftigt.
Der Roman beleuchtet die unmittelbare Nachkriegszeit im Jahr 1946.
Die junge Jüdin Stella Herzig kehrt aus dem Londoner Exil in das besetzte- oder befreite, je nach politischem Standpunkt und mit den Besatzern gemachten Erfahrungen- Österreich zurück. Stella hat alles verloren: Eltern und Schwester in der Gaskammer, das Vermögen und die Wohnung wurden arisiert. Trotzdem möchte Stella als überzeugte Sozialistin den Wiederaufbau ihres geliebten Wien nicht ehemaligen Nazis überlassen.
Unterstützt von ihrer Freundin Feli findet sie eine Stelle als Professorin für Deutsch und Englisch. Ihr Direktor ist fortschrittlich und unterstützt moderne Lehrmethoden. Doch in der Kollegenschaft ist schwarze Pädagogik, Demütigung der Schüler und der Rohrstock noch präsent. Stella schließt die von Hunger und Armut gezeichneten Kinder in ihr Herz. Vor allem bemüht sie sich, auch schwächeren Schülern zu helfen. Eine fast unlösbare Aufgabe?
In ihren Roman “Die Trümmerschule- Zeit der Hoffnung” zeichnet Beate Maly ein realistisches Bild des damaligen Unterrichtswesens und hebt besonders die Grausamkeit hervor, mit der manche Lehrer die Schüler und Schülerinnen behandelten. Viele Menschen- selbst geprägt durch Krieg, Hunger und Elend- vertraten die Auffassung, dass man Kinder besonders hart erziehen müsse, um sie lebenstüchtig zu machen. Dagegen kämpft Stella mit ganzer Kraft, aber wird sie auch Erfolg haben?
Natürlich beleuchtet der Roman auch das zerstörte und in Besatzungszonen geteilte Wien und schildert nicht nur die materielle Not, sondern auch die körperlichen und seelischen Verletzungen der Bevölkerung. Stella hat ihren Verlobten verloren, ihre Freundin Feli ist mit einem in russischer Kriegsgefangenschaft internierten Mann verlobt. Die Angst, ob die Männer aus der Gefangenschaft als körperlich und seelisch Invalide zurückkommen, ist unter den Frauen allgegenwärtig.
Trotz dieser schlimmen Zeit gibt es Hoffnung und Träume. So beginnt Stella eine zarte Beziehung zu knüpfen und sich auch in der Schule um einen verantwortungsvollen Posten zu bewerben. Doch sie hat mächtige Gegner mit guten Verbindungen in die höchsten Kreise. Hat eine jüdische junge Frau hier überhaupt Chancen?
In eindrücklicher und bildhafter Sprache, oftmals sehr berührend, beschreibt der Roman ein realistisches Szenario der frühen Nachkriegszeit und der damaligen Gesellschaft anhand des persönlichen Schicksals der jungen jüdischen Lehrerin Stella. Nationalsozialisten, ehemalige oder noch immer von der Ideologie des dritten Reiches überzeugte Menschen, die plötzlich vergessen haben, dass sie ein Parteibuch besaßen, stehen jungen, aufbauwilligen Leuten gegenüber. So bemüht sich Stella gegen alle Widerstände in der Kollegenschaft, den Kindern selbständiges Denken beizubringen und ihnen Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu vermitteln.
Der Roman orientiert sich am Leben der österreichischen Politikerin und Pädagogin Stella Klein-Löw und leistet einen bedeutenden Beitrag wider das Vergessen und Verdrängen der damaligen Zeit. Auch gibt er der Hoffnung Ausdruck, dass es gelingen kann, aus der Geschichte zu lernen. Dieser Roman ist absolut lesenswert und verdient fünf Sterne.
Böse Schwester
Die Inselschwimmerin von Lorraine Kelly
In ihrem neuesten Roman “Die Inselschwimmerin” behandelt die bekannte Autorin Lorraine Kelly ein schwieriges Thema. Kann gelebte Schuld ein ganzes weiteres Leben beeinflussen oder ist es möglich, sich selbst zu verzeihen und Vergebung von seinem Umfeld zu erhalten?
Schon auf dem gelungenen Hardcover dieses hochwertig ausgestatteten Buches sieht man Evie und ihren größten Schrecken- Wasser.
Denn als Kind wäre sie beinahe ertrunken Auch in ihrem weiteren jungen Leben spielt das Meer eine wichtige Rolle und hat Anteil an der Schuld, die ihr Leben zu zerstören droht.
Nach langen Jahren in London kehrt Evie auf die schottischen Orkneyinseln zurück, ihre Heimat, die sie vor zwanzig Jahren überstürzt verlassen hat. Ihr Vater liegt im Sterben und Evie hofft, rechtzeitig zu kommen. Doch dann ist alles anders: Evie erbt sein Haus. Bei der Testamentseröffnung trifft sie auf ihre Schwester Liv. Liv hasst Evie seit ihrer Kindheit und will nur eines von ihr: Geld. Denn sonst wird sie Evies Geheimnis verraten. Glücklicherweise wird Evie von der warmherzigen, großmütigen Freya unterstützt. Sie war die Einzige, die Evies Aufenthaltsort kannte. Jetzt möchte Freya, dass Evie bleibt. Doch Evie weiß: Wenn sie bleibt, muss sie reinen Tisch machen und ihr Geheimnis preisgeben. Dann kann Evie auch den letzten Wunsch ihres Vaters erfüllen, ihr Elternhaus renovieren und schwimmen lernen.
Mit” Die Inselschwimmerin” hat Lorraine Kelly ein Thema aufgegriffen, das die Frage stellt, ob man vor Schuld- sei sie tatsächlich oder eingebildet- davon laufen kann. Evie, die unter dem traumatischen Ereignis ihrer Jugend leidet, macht sich beständig Vorwürfe. Sie ist überzeugt, kein Glück zu verdienen und nimmt daher ein langweiliges Arbeitsleben und sogar eine toxische Beziehung in Kauf. So wird Evie das Opfer ihrer Vorstellung und ihrer hinterhältigen, boshaften und verkommenen Schwester Liv, die Evie erpresst und sie bedroht. Wird Evie genug Rückhalt finden, um aus der Opferrolle herauszutreten, sich selbst zu ermächtigen und ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen?
Die Autorin hat Evie bemerkenswerte Protagonisten an die Seite gestellt. Freya, die ursprünglich Magnus hieß, ist ein liebvoller Mensch und eine wundervolle Freundin. Sie ermutigt Evie, zu bleiben und sich mit den Freunden ihrer Jugendjahre auszusöhnen. Besonders hat mich in diesem Buch die Großmut, Hilfsbereitschaft und selbstverständliche Toleranz beeindruckt, mit der die Inselbewohner miteinander umgehen. Trotzdem- Evie muss warten, bis ihre Freunde die Ereignisse, die vor zwanzig Jahren alles verändert haben, bewältigt haben. Und wenn sich herausstellt, dass doch alles ganz anders war?
Neben Evies schwieriger Familiengeschichte hat Lorraine Kelly noch eine zarte Liebesgeschichte in das Geschehen verwoben. Hier können alle Inselbewohner helfen, ein Paar glücklich zu machen, das vielleicht nicht mehr viel Zeit miteinander verbringen wird. Und jetzt erkennt auch Evie, wie wichtig es ist, jeden Augenblick im Leben zu genießen und die Vergangenheit ruhen zu lassen.
In klarer, manchmal tiefgründiger Sprache und flüssigem Erzählstil führt uns die Autorin auf wechselnden Zeitebenen durch das Leben von Evie und ihrer Familie, detailliert entsteht hier einerseits ein Bild von wunschlosem Unglück und Selbstverleugnung bei Evie, andererseits bleibt das eigentliche Rätsel um Vergangenes lange im Dunklen. Dadurch erhält dieser gut ausgearbeitete Roman die Spannung, denn letztlich erscheint das Geschehen in völlig neuem Licht.
“Die Inselschwimmerin” ist ein bemerkenswertes Buch, das dazu anregt, Schuld zu hinterfragen und mit gelebter Schuld abzuschließen. Lorraine Kelly, die als Sachbuchautorin bekannt ist, hat mit “Die Inselschwimmerin” eine bewegende Erzählung geschrieben, die im Jahr 2024 unter den Top 10 der Sunday Times Bestsellerliste war. Auch ich gebe für diesen Roman eine absolute Leseempfehlung ab und verdiente fünf Sterne.
Die Entliebte
Alice und das Blau des Wassers von Katja Keweritsch
Da war etwas, etwas das Alice längst hätte merken müssen, als ihr Mann Michael an ihrem Geburtstag frühmorgens das Haus verlässt. Etwas, das Alice längst hätte sehen müssen, als ihre junge, schwangere Kollegin Laura in der Firma zusammenbricht und Michael sie ins Spital begleitet, Laura und sein ungeborenes Kind.
Und als er Alice noch am selben Tag verlässt. Was war da noch?
Das Aus einer Ehe, das Aus des bisherigen Lebensentwurfes. Das ist das Thema in “Alice und das Blau des Wassers” der bekannten Autorin Katja Keweritsch. Alice ist neunundvierzig, Mutter zweier erwachsener Kinder und im Wechsel. Und plötzlich auch die Verlassene, die Entliebte, die nichts fühlt als Trauer, Leere, aus der Welt und aus der Zeit gefallen. Die aus dieser Situation, die an einen schlechten Film erinnert, heraustreten möchte. Tochter Mia schlägt einen Haustausch vor und so findet sich Alice auf Guernsey wieder, im Haus von Vivian, einer Künstlerin.
Auf Guernsey beginnt Alice zu schwimmen, das kalte Meerwasser betäubt die Schmerzen, körperlich und seelisch. Langsam erkundet sie die Insel, trifft Menschen, die ihr Trost bieten, findet Arbeit als Gärtnerin bei James im Herrenhaus. Und sie trifft wunderbare Frauen, die ihr ihre Freundschaft anbieten und allmählich bewirken, dass Alice mit ihrem Kummer umgehen lernt. Doch da ist etwas, eine Beziehung zu Louis, die Alice wieder daran erinnert, als Frau begehrenswert zu sein und ihren Körper anzunehmen.
Katja Keweritsch hat in ihrem Roman ein genaues und sehr realistisches Bild einer Frau gezeichnet, die in der Mitte ihres Lebens plötzlich vor den Trümmern ihrer Ehe, aber auch ihrer Existenz steht. Die versucht, der Trauer zu entkommen, obwohl das anfangs nicht gelingen mag. Erst ihre Beziehung zu Louis, einem jungen Maler, gibt ihr Zuversicht und auch Selbstvertrauen zurück. Louis, der ein guter Liebhaber ist, allerdings zwar Lust und Nähe sucht, aber sich gegen jede Verbindlichkeit in der Beziehung sträubt, bietet Abstand zu Michael und dem bisherigen Leben. Doch kann Alice mit dieser Unverbindlichkeit umgehen? Würde sie es ertragen, nochmals verlassen zu werden?
“Alice und das Blau des Wassers” ist ein flüssig geschriebener Roman, den man manchmal nicht aus der Hand legen mag, so eindringlich, wenn auch eher beobachtend werden die Gefühle der Hauptfigur Alice geschildert. Als Lesende*r kann man ihren Kummer, ihre Trauer und ihren Schmerz nachvollziehen und bewundert sie gleichzeitig dafür, dass hier kein Hass entsteht, weder dem untreuen Ehemann noch der Geliebten gegenüber. Ist Alice ein Opfer oder ein weiblicher Mensch in der Mitte des Lebens, der sich auf das Selbst, einen neuen Entwurf der Zukunft einlassen kann?
Auch die weiteren Charaktere sind lebensnah geschildert. Elsie, ein junges Mädchen, noch Schülerin, die mit Alice gemeinsam im Garten arbeitet und die das Herz von Alice gewinnt. Mia, ihre liebevolle Tochter, die Alice unterstützt und sich in Vivian verliebt. James, ihr Arbeitgeber, bestimmend und patriarchalisch, der Alice zwar zu mögen scheint, aber immer wieder in Konflikte mit ihr gerät und Martha, eine wunderbare, alte Frau, die erkannt hat, dass die Schönheit eines gelebten Lebens nicht in einem perfekten Körper zu finden ist.
Anschaulich beschreibt die Autorin die beeindruckende Landschaft der Insel Guernsey, ihre Sehenswürdigkeiten sowie Flora du Fauna. In diesem detaillierten Bild stehen immer wieder mitfühlende, starke Frauen, die Alice einen neuen Blick auf ihr Leben ermöglichen, die sie auch noch nach ihrer Rückkehr von der Insel ermutigen, einen neuen, eigenen Weg einzuschlagen. “Alice und das Blau des Wassers” ist ein kluger und oftmals in die Tiefe gehender Roman, der Mut machen kann und den Klischeebildern von Frauen in ihrer Lebensmitte Zuversicht und den Glauben an ein selbstbestimmtes Leben entgegensetzt. Daher von mir eine absolute Leseempfehlung und verdiente fünf Sterne.
Dein Spiel- dein Einsatz
Game of Noctis - Spiel um dein Leben von Deva Fagan
Mit ihrem Buch “Game of Noctis- spiel um dein Leben” hat die bekannte Autorin Deva Fagan einen Roman vorgelegt, der vor allem Kinder ab zehn Jahren begeistern wird, die gerne spielen. Schon das einprägsame Hardcover zeigt die Heldin der Geschichte, Pia, in ihrem gefährlichsten und herausforderndem Spiel.
Pia ist zwölf Jahre alt, als sie zur Spielerin wird, genau wie alle gleichaltrigen Kinder in Dantessa, einer Stadt, wo es nur darauf ankommt, zu spielen und zu gewinnen. Denn nur dann hat man Segna, also Geld, um zu überleben. Der Rang der Spieler bestimmt ihre Wichtigkeit, wer alle Spielpunkte verloren hat, wird Magd oder Knecht und auf die Gesindeinseln verbannt. So auch Pias Großvater. Die einzige Möglichkeit, ihm zu helfen sieht Pia darin, sich am gefährlichsten Spiel in Dantessa zu beteiligen, um dort viele Segna zu gewinnen. Aber in diesem Spiel- Noctis- geht es auch um etwas viel Wichtigeres- das eigene Leben.
Mit “Game auf Noctis- spiel um dein Leben” hat die Autorin einen phantasievollen, in einer magischen Welt spielenden Roman geschrieben, in dem sich alles um das Spielen, das Gewinnen und die Folgen des Verlierens dreht. Es gibt Regeln, an die Pia fest glaubt und die sie sich bemüht, einzuhalten. Doch mit der Zeit erkennt sie, dass diese Regeln manipuliert werden und die mächtigen Familien der Stadt das Spiel beeinflussen können. Es gibt keine Chancengleichheit zwischen dem Team von Pia, das aus einem armen Viertel stammt und ihrem Gegner, einem Team, das von einem reichen Elternhaus unterstützt wird. Auch die Schiedsrichter sind nicht unparteiisch. Spät erkennen Pia und ihr Team, dass die Möglichkeit besteht, die Regeln im Buch der Spiele neu zu schreiben. Doch der Einsatz ist hoch- ihr Leben!
Die Geschichte dieses Kinder- und Jugendromans ist flott und eindringlich erzählt, alle Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Pia wird durch materielle Not und die Liebe zu ihrem Großvater gezwungen, sich auf das waghalsige Spiel einzulassen. Auch die anderen Mitglieder ihres Teams haben persönliche Gründe, ein so großes Wagnis einzugehen. Obwohl sich die Geschichte vorrangig um das Spiel- Noctis- dreht, werden auch ernste Themen behandelt, wie Intrigen und Machtspiele durch Reiche und Politiker sowie mangelnde Chancengleichheit. Ebenso zeigt diese Fantasy- Erzählung, dass Mut und Freundschaft etwas verändern können, wenn man sich anstrengt und klug handelt. Die Spielewelt ist bunt und einprägsam beschrieben, der Spannungsbogen wird bis zum Schluss des Buches- und damit zum Ausgang des Spieles- gehalten. Kinder, aber auch ältere Jugendliche, die die Herausforderung von jeder Art von Spielen mögen, werden mit den Figuren des Buches sicher mitleben. Für diese Gruppe junger Leser und Leserinnen ist Game of Noctis ein interessantes und empfehlenswertes Buch.
Fazit:
Wer gerne spielt, sich für Strategie interessiert und Abenteuer in einer magischen Welt mag, ist hier richtig. Phantasie, erzählerischer Reichtum und gut ausgearbeitete Charaktere kommen nicht zu kurz. Auch wenn das Cover eher Mädchen ansprechen wird, sind auch viele interessante männliche Protagonisten Teil dieses spannenden Romans. Daher bietet das Buch eine gut ausgearbeitete Fantasygeschichte, die durchaus auch Tiefgang hat und die ich gerne empfehle.
Wenn Liebe den Tod überwindet
Für immer an deiner Seite von Sarah Martens
Mit “Für immer an deiner Seite” hat die bekannte Autorin Sarah Martens ein feinfühliges, menschlich berührendes Buch über eine große Liebe und ein unerbittliches Schicksal geschrieben.
Emma und Daniel sind das ideale Paar. Sie verbindet eine innige und tiefe Liebe, im Sommer soll geheiratet werden.
Doch schon vorher erkrankt Daniel und stirbt. Zurück bleibt die tief traurige Emma, die in ihrem Schmerz versinkt. Aber Daniel hat vorgesorgt. So bekommt Emma von ihm nicht nur Briefe, die ihr Mut machen sollen, sondern zu ihrem Geburtstag erhält sie posthum ein Geschenk von Daniel, Sam, einen Mischlingshund aus dem Tierheim. Als Sam bei ihr einzieht, ist Emma anfangs überfordert. Dennoch ist Sam der Grund, am Morgen aufzustehen. So kämpft sich Emma langsam und mit Hilfe von Familie und Freunden ins Leben zurück. Hilft ihr der fröhliche Sam vielleicht auch, ihr Herz wieder für eine neue Beziehung zu öffnen?
“Für immer an deiner Seite” ist ein Buch über das Leben und die Liebe, über Trauer und Hoffnung, über die Macht der Erinnerung und unverbrüchliche Treue. Durch seine Briefe ermutigt Daniel seine Emma, das Schöne im Leben zu sehen, wieder Mut zu fassen und zu erkennen, dass auch nach einem so schmerzlichen Verlust das Leben weitergeht. Gelingt es Emma, mit gelebter Trauer abzuschließen und ihr Herz für neue Begegnungen zu öffnen?
Die Autorin hat geschickt den Fokus des Themas nicht auf das schlimme Schicksal, auf Krankheit und Tod gelegt, sondern in den Mittelpunkt ihrer Geschichte einen kleinen, frechen und unerzogenen Mischlingshund, Sam, gestellt. Er gewinnt nicht nur das Herz von Emma, bringt sie dazu, sich um ihn zu kümmern und ihr Leben weiterzuleben, sondern sein Charme und die auch aus Hundeperspektive erzählten Begebenheiten bezaubern auch die Lesenden. Emmas Gefühle wirken echt und lebensnah, manchmal weint man mit ihr und besonders wenn es um Sam geht, muss man einfach schmunzeln und fühlt sich vielleicht an Begebenheiten mit dem eigenen geliebten Hund erinnert. Und trotzdem ist dieses Buch nicht nur für Hundefreunde gedacht. Es bietet viel inhaltliche Tiefe, ganz große Gefühle und weckt das Bedürfnis, Emma, die man oft so gut verstehen und ihre Reaktionen und Verhaltensweisen nachvollziehen kann, einfach in die Arme zu nehmen. Doch glücklicherweise hat die Autorin Emma ein so liebevolles Umfeld gegeben, dass man sich auch ohne Gewissensbisse den Streichen von Sam zuwenden kann und sich einfach freut, dass Emma nun einen Begleiter hat, der sie nie verlassen wird und der ihr Leben bereichert.
Dieses warmherzige und liebevolle Buch, sehr lebensnah geschrieben und gut lesbar, nimmt die Lesenden mit in eine Situation, die schmerzlich ist und von der man sich wünscht, sie nie selbst erleben zu müssen. Und doch scheint immer wieder Fürsorge, Liebe und Hoffnung ein Weiterleben zu ermöglichen, das zwar so nicht geplant war, aber dennoch nie vergessen lässt, dass das Leben unendliche Möglichkeiten und schöne Momente bereithält. Man muss sie nur sehen und wieder Glück und Freude zulassen. “Für immer an deiner Seite” ist ein Roman, um zu lachen und zu weinen und zu erkennen, dass die Zeit zwar nicht alle Wunden heilt, aber die entstandenen Narben ein Teil der eigenen Geschichte sind. Und natürlich, um mit Sam über die Auslaufwiese zu tollen und die Hundeschule zu besuchen, denn das hat er wirklich nötig. Daher eine absolute Leseempfehlung von mir und verdiente fünf Sterne für dieses tolle Buch.
Drachenstark und mutig: Der Kampf um die Freiheit der Drachen
Smaragour - Der Bund der Drachen von Anja Habschick
Mit “Smaragour-Der Bund der Drachen” hat die bekannte Autorin Anja Habschick den zweiten Band der Drachenreiter- Fantasy- Reihe vorgelegt. Das eindrucksvolle Hard Cover zeigt den Held der Geschichte, Jamie, der “der Eine der Einen” ist und damit die Kraft hat, die Welt der Drachen und der Menschen zusammen zu bringen.
Denn in früheren Zeiten gab es einen Bund zwischen Drachen und Menschen zum gegenseitigen Nutzen. Aber dieser ist in Vergessenheit geraten. Nunmehr werden die Drachen auf Smaragour, einer Insel im Nordmeer, auf der sich drei berühmte Drachenreiterschulen befinden, mit Calmern ruhiggestellt. Doch Jamie, der Drachenpfleger ist, ist überzeugt, dass die Drachen damit manipuliert und unglücklich gemacht werden. Als einige Drachen erkranken, geht Jamie dem Geheimnis über die Calmer nach und vermutet, dass Rönrök, ein ehemaliger Drachenreiter, hinter dieser perfiden Erfindung steckt. Und Rönrök ist nicht nur Jamies Feind, auch dem Smaragddrachenweibchen Big Blue, Jamies Drachen, die von Rönrök einmal schwer verwundet wurde, trachtet er nach dem Leben.
Jamie ist überzeugt, dass es möglich ist, den Bund zwischen den Menschen und den Drachen zu erneuern. Mit Hilfe seiner Freunde und des geheimnisvollen Mädchens Emine entspinnt sich ein Kampf auf Leben und Tod gegen den machtgierigen Rönrök. Wird es Jamie und seinen Freunden gelingen, die Drachen zu befreien?
Mit “Smaragour- Der Bund der Drachen” erzählt Anja Habschick eine phantasievolle, beeindruckende Geschichte über die magische Welt der Drachen und die Abläufe auf der Drachenreiterschule. Hier herrscht neben Freundschaft auch Missgunst und Neid, vor allem zwischen den Drachenreiterschülern und den Dockern, den Pflegern der Drachen. Doch Jamie, der die Drachen liebt und zu Big Blue eine besondere Verbindung hat, ist entschlossen, alles für das Wohl der Drachen zu tun. Nicht nur er ist mutig und einfallsreich, auch seine Freunde unterstützen in tatkräftig. Als sich Emine mit ihrem goldenen Drachen als Unterstützerin anbietet, ist unklar, ob die Freunde ihr trauen können. Freundschaft oder Verrat? Erst im alles entscheidenden Kampf wird sich das Rätsel um Emine lösen.
In einer bildhaften und gut lesbaren Erzählweise schreibt die Autorin über die Welt der Drachen, in die man sich leicht hinein versetzen kann. Besonders gelungen sind neben den unterschiedlichen Charakteren von Jamie und seinen Freunden die genauen Beschreibungen der Drachen und ihrer Eigenschaften. Junge Lesende ab zehn Jahren werden sich sofort mitten im Geschehen finden. Empfehlenswert wäre es, auch den ersten Band von Smaragour und damit die Vorgeschichte zu kennen, notwendig ist es aber nicht, denn der Kampf gegen den Bösewicht Rönrök und für die Freiheit der Drachen ist eine in sich abgeschlossene Geschichte.
Ich kann dieses actionreiche Buch, dass die Spannungskurve bis zum Schluss hält, allen Drachenfreunden wirklich empfehlen. Neben dem spannenden Kampf um die Freiheit der Drachen wird der Wert der Freundschaft betont und wie viel Mut es braucht, um für die eigenen Überzeugungen einzutreten. Daher von mir verdiente fünf Sterne.











