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Rezensionen von Alo:

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Ruhig, nachdenklich, eindringlich

Der Krabbenfischer von Benjamin Wood


Ich habe Der Krabbenfischer von Benjamin Wood als Hörbuch gehört. Das Buch erscheint im Oktober und ich durfte es vorab über NetGalley hören. Besonders im Hörbuch hat mir die ruhige Art und die Atmosphäre der Geschichte gut gefallen.

Die Handlung ist eher still und langsam erzählt. Manche empfinden das als zu ruhig, doch ich konnte es sehr genießen und in die besondere Atomsphäre abtauchen.

Große Empfehlung für den Herbst!

Im Mittelpunkt steht ein Krabbenfischer, der mit seinem Leben nicht zufrieden ist. Er hat zwar Träume, aber er schafft es nicht, ihnen nachzugehen. Alles ändert sich, als ein Regisseur in die Stadt kommt, um am Strand einen Film zu drehen. Der Fischer soll ihn als Guide begleiten, und diese Begegnung bringt eine Veränderung in sein Leben.

Der Hörbuchsprecher Raschid Daniel Sidgi ist übrigens die perfekte Besetzung, er macht einen ganz tollen Job.

Fazit: Der Krabbenfischer ist ein ruhiges, nachdenkliches Buch. Es braucht Geduld, entfaltet aber eine eigene Wirkung, wenn man sich darauf einlässt.

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Ruhig, nachdenklich, eindringlich
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Im Schatten der Vergangenheit

Das Geschenk des Meeres von Julia R. Kelly


„Das Geschenk des Meeres“ spielt um 1900 in einem kleinen Dorf an der schottischen Küste. Eines Tages wird ein kleiner Junge an den Strand gespült, wie durch ein Wunder hat er überlebt. Das Merkwürdige: Er sieht einem anderen Jungen sehr ähnlich, der vor einiger Zeit im Meer verschwunden ist.

Die Mutter dieses verschwundenen Jungen nimmt den neuen Jungen bei sich auf. Dadurch kommen in der Dorfgemeinschaft alte Erinnerungen, Verletzungen und Fragen, die nie beantwortet wurden, wieder an die Oberfläche.

Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Man braucht ein bisschen Zeit, um sich zurechtzufinden. Es gibt Rückblicke in die Vergangenheit und Kapitel in der Gegenwart. Aber gerade das macht die Geschichte spannend und vielschichtig. Die Atmosphäre ist sehr stark. Man spürt beim Lesen fast die raue Küste, den Wind, die Kälte, aber auch die Wärme und Enge des kleinen Dorfs. Das Cover passt perfekt zur Stimmung.

Die Hauptprotagonistin, eine Frau mit harter Schale und gezeichnet von ihrer Vergangenheit, hat es mir nicht immer leicht gemacht. Sie ist nicht unbedingt sympathisch und ich hatte öfters das Gefühl sie schütteln zu wollen. Ihre Entwicklung und das Mitfühlen mit ihr sorgen dafür, dass einem diese Geschichte unter die Haut geht.

Fazit: Das Geschenk des Meeres ist eine eindringliche, klug erzählte Geschichte über Verlust, Gemeinschaft und Heilung. Emotional fordernd, sprachlich stark und atmosphärisch dicht – eine klare Empfehlung. Im Übrigen ist auch das Hörbuch gelungen, es ist sehr gut und stimmungsvoll eingesprochen

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Ein fesselndes Abenteuer mit Mystery und Magie

Irida 1. Irida und die Stadt der Geheimnisse von Markus Heitz

Meine Tochter und ich haben zusammen Irida und die Stadt der Geheimnisse gelesen und können diesen Reihenauftakt nur weiterempfehlen!

Irida lebt in Hohenburg und führt ein ganz normales Leben, bis plötzlich unheimliche Dinge passieren: nachts schleichen Schatzgräber durch die Stadt, nur um spurlos zu verschwinden.

In den dunklen Schlossberghöhlen wird jemand vermisst. Irida und ihre Freunde, die sich selbst „die Furchtlosen“ nennen, beginnen zu ermitteln.

Besonders gut gefallen haben uns die Figur Jinjin. Sie ist klug, mutig und bringt mit ihrer halb chinesischen Herkunft eine besondere Perspektive in die Geschichte. Überhaupt sind die Figuren sehr lebendig und verschieden, was das Lesen spannend macht.

Auch die Welt, die Markus Heitz erschaffen hat, hat uns beeindruckt. Jeder Ort, ob groß oder klein, wirkt durch die detailreiche Beschreibung lebendig und wichtig für die Geschichte. Man hat beim Lesen richtig Bilder im Kopf.

Die Handlung ist gleichzeitig spannend und an vielen Stellen auch humorvoll. Wer Fantasy liebt, gewürzt mit viel Spannung und jeder Menge Abenteuer, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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Podcast trifft auf Demenz

Himmelerdenblau von Romy Hausmann

In „Himmelerdenblau“ will Liv Keller, sie ist zusammen mit ihrem Lebensgefährten Podcasterin, über einen Cold Case Fall berichten. Zum 20. Jahrestag des Verschwindens von Julie Novak möchte sie Julies Vater Theo interviewen. Julie war damals 16 Jahre alt und ist verschwunden. Theo leidet aber an Demenz, was alles sehr schwer macht.

Als Liv auf einen neuen Hinweis stößt, packt sie der Ehrgeiz und die Zwei versuchen zusammen den Fall zu lösen.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Vieles wird aus Theos Sicht beschrieben. Das fand ich an sich interessant, auch wenn ich schon bessere Bücher zum Thema gelesen habe, aber auch sehr anstrengend. Er ist dement und oft ist nicht klar, was wirklich passiert und was nur in seinem Kopf ist. Manche Kapitel musste ich zweimal lesen, um überhaupt zu verstehen, was gerade passiert. Gerade das erste Drittel war für mich sehr zäh. Aber auch später kam für mich keine richtige Spannung auf. Den versprochenen „gnadenlosen Thriller“ habe ich nicht gefunden. Für mich eher ein Buch über die Krankheit, was ihr ja auch ein Anliegen war.

Gut fand ich aber die Kritik an True-Crime-Podcasts. Das Ende hat mir auch gefallen, die Auflösung war gelungen. Aber leider konnte das die mühsamen Teile davor nicht ausgleichen. Insgesamt hat mich das Buch leider nicht richtig überzeugt. 2,5/5 Sterne

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Podcast trifft auf Demenz
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Müde vom Leben

Der Schlaf der Anderen von Tamar Noort

Schlafprobleme – klingt erst mal banal? Wer hat nicht schon mal ein oder zwei Nächte schlecht geschlafen. Doch wer länger nicht schlafen kann, für den wird das schnell existenziell. Schlaf ist lebenswichtig. Im Schlaf arbeitet unser glymphatisches System, die Putzkolonne fürs Gehirn, ohne es geraten wir gesundheitlich in echte Schwierigkeiten.

Der Schlaf der Anderen geht diesem Thema auf sehr eindringliche Weise nach. Dabei ist es kein Sachbuch über Schlafmedizin, sondern ein Roman, der zeigt, was Schlafentzug mit Menschen macht – persönlich und gesellschaftlich. Es geht um die Frage, wie Schlafmangel nicht nur das eigene Leben, sondern auch Arbeit, Familie und soziale Beziehungen verändert.

Die Handlung ist auf den ersten Blick schlicht: Zwei Frauen treffen aufeinander. Sina muss ins Schlaflabor, weil sie schon lange nicht mehr richtig schlafen kann. Jannis arbeitet dort als Nachtwache. Beide sind erschöpft, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch, müde vom Leben. Ihre Begegnung verändert etwas in ihnen.

Das Buch ist dabei klar feministisch und systemkritisch. Es wirft Fragen auf, etwa wie Gesellschaft und Arbeitswelt mit menschlichen Bedürfnissen wie Schlaf umgehen. Mir hat das sehr gefallen. Obwohl „nicht viel passiert“, hat der Roman enormen Tiefgang. Er hat mich beim Lesen zum Nachdenken gebracht und ich finde, genau das sollte Literatur tun.

Ich möchte dieses Buch allen empfehlen, die sich für feinfühlige, gesellschaftskritische Themen interessieren. Klare Leseempfehlung, auch das Hörbuch ist sehr gelungen.

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Ein Lied voll Poesie und Schmerz

Durch das Raue zu den Sternen von Christopher Kloeble

„Ich nenne solche Leute Pentatoniker. Sie können in fünf Tönen denken. Alles jenseits dieser Töne ist für sie fremd oder, wie die Jungs sagen würden, kacke.“ (S.40)


Arkadia Fink, Moll genannt, ist 13 Jahre alt und laut eigener Aussage musikalisch hochbegabt. Eines Tages wird eine weltberühmte Sängerin aus ihr werden.

Die Liebe zur Musik hat sie von ihrer Mutter vermittelt bekommen, die vor acht Monaten „kurz weggegangen“ ist. Damit ihr Mutter zurückkommt, um sie zu hören, will Arkadia in einem weltberühmten Knabenchor mitsingen. Das Problem ist nur sie ist kein Knabe, allerdings hält Arkadia auch nicht viel von Konventionen.


Der Schreibstil ist wunderschön poetisch und dabei oft humorvoll. Man muss beim Lesen immer wieder schmunzeln. Aber es gibt auch viele traurige und ernste Stellen, die wirklich sehr berühren, es hat mir ganz poetisch das Herz gebrochen.

Besonders toll fand ich die Protagonistin. Sie ist eine Figur, die man einfach ins Herz schließen muss. Sie ist wunderbar klug, verletzlich und charmant und gibt nie auf, obwohl es das Leben nicht gut mir ihr gemeint hat. Egal, welche Mauern ihr in den Weg gestellt werden, sie geht mit dem Kopf voran hindurch. Ich werde sie und ihre Geschichte noch sehr lange mit mir tragen.

Besonders schön ist auch, wie viel Musik in diesem Buch steckt. Es geht nicht nur um Musik, das Buch „spricht“ auch durch Musik. Für mich als ehemalige Chorsängerin war es perfekte Lektüre. Jeder Abschnitt ist wie ein Satz in einem Musikstück aufgebaut, mit Tempoangaben, die man auch beim Lesen spürt. Das macht das Buch besonders und sehr musikalisch – fast so wie Moll, aber auf eine eigene, liebevolle Art.

Leseempfehlung!

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Neues Lieblingsbuch

Atmosphere von Taylor Jenkins Reid


Ich bin ohne Erwartungen und ohne den Klappentext zu lesen in das neue Buch von Taylor Jenkins Reid gestartet und wurde mit einem spannenden, tiefgründingen und wahnsinnig emotionalen Buch überrascht. Ein echtes Lesehighlight!


In „Atmosphere“ begleiten wir Joan Goodwin, eine ehrgeizige Astrophysikerin, die 1980 als eine der ersten Frauen am Space-Shuttle-Programm der NASA teilnimmt.

Der Weg ins All ist nicht leicht, besonders nicht mit den Herausforderungen von Familie, Beruf und plötzlich auch der Liebe.

Taylor Jenkins Reid schafft es, mit Zeitsprüngen Spannung zu halten und Joans berufliche Erlebnisse gekonnt mit ihrem Privatleben zu verweben. Joan ist eine starke, empathische und inspirierende Hauptfigur. Ihre Zielstrebigkeit und ihr Umgang mit anderen haben mich sehr berührt. Besonders schön fand ich ihre enge Beziehung zu ihrer Nichte Frances, die für viele emotionale Momente sorgt.

Auch wer sich bisher nicht für Raumfahrt interessiert hat, wird durch die faszinierenden Einblicke in die NASA-Welt mitgerissen. Die Geschichte zeigt: Manchmal hilft der Blick aus der Ferne, ob aus dem All oder einfach mit Abstand, um zu sehen, was im Leben wirklich zählt.

Ein bewegender, kluger und herzerwärmender Roman.

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Freundschaft am Rand der Welt

Der Kaiser der Freude von Ocean Vuong

Ocean Vuongs neuer Roman entfaltet sich leise, voller Tiefe und großer Menschlichkeit.

In der tristen Kleinstadt East Gladness trifft der junge Hai, kurz vor dem Abgrund, auf die demente Grazina. Eine Begegnung, die ihr beider Leben völlig verändert. Mit zarten Worten erzählt Vuong von Freundschaft, Einsamkeit, Zusammenhalt mitten in einem grauen Amerika voller Schmerz und Hoffnung.

Die Sprache ist klar, fast schon zärtlich und gleichzeitig poetisch. Ich habe beim Lesen oft innegehalten, weil mich manche Sätze so begeistert haben. Manchmal ist das Buch traurig, aber nie hoffnungslos. Schön ist, dass nicht die großen Helden, sondern die leisen, verletzlichen Menschen im Mittelpunkt stehen. Underdogs, die trotz aller Widrigkeiten zueinander finden. Eine große Empfehlung für alle, die berührende Erzählungen und poetische Sprache lieben!

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Was wäre wenn?

Im Leben nebenan von Anne Sauer

„Kann denn dann eine Mutter auch nicht aufhören, Mutter zu sein? Mutter sein. Es klang bedeutend, schön und bedrohlich. „Das wächst du rein“, beteuerten sie, wenn man sagt: „Das ist mir zu groß“ “ (Im Leben nebenan, S.87)


Anne Sauers Debütroman spielt mit dem Gedanken, wie ein Leben mit der Entscheidung für oder gegen Kinder aussehen könnte.

Sie erzählt davon, wie das Leben verlaufen könnte, wenn man sich an einer Weggabelung anders entschieden hätte. Ein Buch, das mich noch lange beschäftigen wird.

Wir begleiten im „Leben nebenan“ zwei Versionen derselben Frau. In einem Leben lebt Toni mit ihrem Partner in der Großstadt, beruflich erfolgreich, noch kinderlos. Im anderen wacht sie als Antonia plötzlich mit einem Neugeborenen auf ihrer Brust auf. Mutter, Ehefrau ihrer Jugendliebe, gefangen in einem Leben, das sich vertraut und gleichzeitig fremd anfühlt. Wie wäre ihr Leben verlaufen, wenn sie Mutter geworden wäre?

Anne Sauer gelingt mit diesem Roman ein sensibles, ehrliches Porträt weiblicher Lebensrealitäten. Schonungslos und gleichzeitig tröstlich beleuchtet sie Themen wie Kinderwunsch, Muttersein, Rollenbilder und die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen. Dabei vermeidet sie einfache Antworten und öffnet Raum für Reflexion.

Im Leben nebenan ist ein leises, tiefgründiges Buch, das schmerzt und Hoffnung schenkt. Es zeigt, wie viel Mut es braucht, Frau zu sein und wie wertvoll es ist, das eigene Leben mit all seinen Brüchen anzunehmen.

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Fast vergessenes Trauma

Am Meer ist es schön von Barbara Leciejewski


„Wir haben unsere Narben davongetragen, und die bleiben uns bis ans Ende unseres Lebens. Ich will Gerechtigkeit. Ich will, dass man davon weiß.“ (S.309/310)

In „Am Meer ist es schön“ begleiten wir Susanne, deren Mutter im Sterben liegt. Dieses Ereignis reißt alte Wunden auf. Als Kind wurde Susanne aufgrund ihres geringen Gewichts ohne ihre Eltern in ein Kurheim geschickt.

Was sie dort erleben musste, verfolgt sie bis heute und auch ihre Mutter trägt die Schuld noch in sich.

Die Geschichte springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, was grundsätzlich gut funktioniert, aber teilweise den Lesefluss hemmt, vor allem die Gegenwartskapitel wirken mitunter etwas zäh, die Rückblicke sind teils eindringlich, teils auch etwas schleppend. Dadurch hat auch die emotionale Tiefe gelitten. Trotz der dramatischen Erfahrungen hat mich das Buch nicht so berührt, wie es dieses wichtige Thema eigentlich sollte.

Besonders erschütternd ist die Schilderung der Zustände in den sogenannten "Verschickungsheimen", ein Thema, das fast vergessen scheint und das das Buch trotz mancher Schwächen lesenswert macht. Der Stil ist typisch Leciejewski: etwas kitschig, aber noch im Rahmen. Insgesamt liest sich der Roman zügig, die Umsetzung bleibt jedoch hinter dem wichtigen Thema zurück.

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