Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ele:
Rom - die dreckige Wahrheit
Dirty Rome von Michael Sommer
Dirty Rome, Sachbuch von Michael Sommer. EBook CH. Beck – Verlag
Das alte Rom als eine Mischung aus Weltmetropole und stinkendem Müllhaufen
In diesem Buch zeigt der Bestseller-Autor Michael Sommer nicht wie Rom glänzte, sondern wie und warum es funktionierte. Er zeigt nicht nur die römische Elite, sondern führt uns auch mitten hinein ins laute, dreckige und gefährliche Leben der einfachen Leute im Römischen Reich.
Schon von Augustus heißt es er hat ein, aus Ziegeln gebautes Rom vorgefunden und eine strahlende Metropole aus glänzendem Marmor daraus gemacht. Doch Michael Sommer lässt uns hier einmal hinter die Kulissen blicken. Ein populärwissenschaftliches Sachbuch des Althistorikers und Bestseller-Autors.
Ganz am Anfang sieht man eine Karte die das ganze Römische Reich in seiner größten Ausdehnung darstellt. Die nächste Karte zeigt die Stadt Rom während der Kaiserzeit, gerade die erste Karte ist schon beeindruckend. Das Buch umfasst zehn umfangreiche Kapitel, mit lateinischen Bezeichnungen, die sich in kleinere Abschnitte aufteilen, die zusätzlich mit einer Überschrift versehen sind. Insgesamt sind viele lateinische Begriffe verwendet worden, Sommer nutzt konsequent die Originalbegriffe der antiken Quellen, nicht alle konnte ich frei übersetzen und verstehen, musste im Anhang nachschlagen. Zum Teil sind Erklärungen beigefügt, der gesamte Schreibstil ist wissenschaftlich, also eigentlich keine Lektüre zur leichten Unterhaltung. Dadurch wird sehr viel Wissen vermittelt, mehr als ich eigentlich vom Buch erwartet habe. Etwas unterhaltsamer hätte ich es mir schon gewünscht, dementsprechend habe ich lange daran gelesen.
Ich hätte mir mehr Einblicke über die Lebensumstände, Krankheiten, Alltags- und Arbeitswelt der einfacheren Bevölkerung gewünscht, d. h den Alltag der Unterschicht. In den Bereichen in denen es physisch schmutzig und ärmlich war, viel zu viel habe ich jedoch über die dreckigen Intrigen und schmutzigen Geschäfte der Elite erfahren. Sommer greift Themen wie Korruption, Vetternwirtschaft, Verbreitung von Fake News und Gerüchten im antiken Alltag auf. Durch die Zeitsprüngen in den dargestellten Geschehnissen, habe ich mich schlecht orientieren können.
Der umfangreiche wissenschaftliche Anhang belegt die historischen Quellen, das zeugt von einer umfangreichen und gründlichen Recherche, ich war erstaunt, als ich am Ende angekommen bin, dass die Quellenangaben soviel Seiten im Buch umfassen.
Die Argumentation folgt einer klassischen geschichtswissenschaftlichen Struktur. Der Titel und das Cover versprechen ein leicht verdauliches True-Crime-Format aus der Antike. Tatsächlich erfordert das Buch jedoch Konzentration und Lesearbeit. Mir war das Buch zu trocken um es flüssig durchzulesen.
Inhaltlich hochspannend sprachlich jedoch harte Arbeit. Meine Empfehlung für Geschichtsbegeisterte, Studierende und Leser, die Wert auf echte wissenschaftliche Quellenarbeit legen.
3 Sterne
Zwei Freunde die es wissen wollen
Nase & Weis - Wieso falle ich eigentlich immer nach unten? von Michael Engler
Nase & Weis, Sachbuch für Kinder, Michael Engler und Martina Matos 32 Seiten, Baumhaus – Verlag
Zwei Freunde auf acht Pfoten erobern die Welt
Eisbär Weis lebt am Nordpol. Er liebt das Forschen & Experimentieren. Aber manchmal fühlt er sich auch etwas einsam. Eines Tages entdeckt er Nase die kleine neugierige Maus, die alles ganz genau wissen will.
Das ist der Beginn von Freundschaft, Neugier und Experimentierfreude. Die beiden beantworten Fragen, die Kinder zum Staunen bringen.
Zuerst ist mir, die liebevolle Bebilderung dieses Buches aufgefallen, ein Buch welches fesselt durch die niedlichen Bilder, wenn man den Text vorgelesen bekommt. Das Lesealter ab 5 Jahren ist passend, ich könnte mir vorstellen, dass Kinder mit passenden und beigefügten Erklärungen eines Erwachsenen, den Ausführungen des Buches folgen können. Hier wird Wissen altersgemäß dargestellt und vermittelt.
Das Buch ist so gegliedert, als ob ein Wissenschaftler systematisch an ein Problem herangehen würde. Auch die Vorgehensweise wissenschaftlicher Arbeit wird erläutert. Fragen und Vermutungen anstellen, Durchführen von Experimenten, Beobachten Ergebnisse auswerten. Nebenbei werden Grundlagen erklärt, Über den Mond, die Erde, auch Isaak Newtown wird vorgestellt, ebenso der Nordpol. Das ganze auf richtig süße, kindgerechte Weise, aber wissenschaftlich und altersgemäß korrekt. Die inneren Umschlagseiten sind auffallend gestaltet, hier sind Bilder gedruckt, mit Erläuterungen und Erklärungen wie an einer Pinnwand angeheftet.
Ich habe am Wochenende, das Buch mit meinem neugebackenen Schulkind aus der Nachbarschaft getestet. Es hat ihn gefesselt, das meiste hat er auch verstanden, die Anziehungs- und Fliehkraft habe ich weiter erläutert, das ist ein wenig schwierig. Wir waren einen ganzen Nachmittag beschäftigt und mein Nachbarsjunge will jetzt natürlich Forscher werden. Ich finde das Thema Anziehungskraft ein schwieriges Thema, gerade was die Erde/Mond Anziehung betrifft, da war er noch ein wenig überfordert. Insgesamt hat das Buch auf jeden Fall überzeugt. Natürlich durfte er das Buch dann behalten.
Eine sehr lehrreiche und liebevoll, altersgerecht gestaltete Reihen, hier Band Nr. 1. Man kann niemals früh genug beginnen Kinder für die MINT-Fächer zu interessieren. Absolute Empfehlung und 5 Sterne
Was zwischen den Zeilen steht
Wolkenberührpunkt von Christoph Kramer
Wolkenberührpunkt, Roman von Christoph Kramer, 288 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
Die bewegende Geschichte zweier unterschiedlicher Leben und der Suche nach dem Glück.
Christoph Kramer ist am Ende seiner Fußballkarriere angekommen. An diesem Punkt schreibt er sein Buch: „Das Leben fing im Sommer an“ Am Erscheinungstag begibt er sich in die Buchhandlung um zu beobachten, wer sein Buch kauft.
Der erste ist Roman und er bezahlt das Buch mit abgezählten Münzen. Kramer spricht ihn an und einen ganzen Tag lang erzählt Roman seine Lebensgeschichte. Dieses Schicksal lässt Kramer nicht mehr los.
Dieser Roman, der über das Zusammentreffen unterschiedlicher Lebenswege und Schicksale erzählt, greift atmosphärische Elemente des Erwachsenwerdens und der Lebenssuche auf. Es ist eine bewegende Geschichte zweier unterschiedlicher Leben, die die Suche nach Glück in den Mittelpunkt stellt. Das Buch besteht aus 8 Kapiteln, mit zweigeteilten Erzählperspektiven, die Hauptgeschichte aus der Sicht von Roman und am Ende jedes Kapitels in anderer Schrift, Reflexionen, die Kramer mit seinem Leben zieht. Eintragungen aus „Niemands“ Tagebuch erscheinen in Schreibschrift, so werden die einzelnen Ansichten deutlich in Szene gesetzt. Der Schreibstil ist sehr sensibel und unaufgeregt. Die Geschichte verzichtet auf allzu lautes Drama und transportiert Gefühle eher zwischen den Zeilen. Der Text vermittelt eine nachdenkliche Grundstimmung.
Die Charaktere handeln authentisch und nachvollziehbar, Roman ein schwermütiger junger Mann, der keine leichte Kindheit hatte. Er ist zerrissen, hinterfragt die Welt und seine Familie. Mira die Schlüsselfigur aus Romans Leben, nach der er stets eine leise Sehnsucht verspürt, als an seinem 18. Geburtstag der nächste ungeahnte Wendepunkt eintritt, war ich komplett überrascht, ich dachte immer da hätte es Möglichkeiten gegeben, auf die ich hier wegen Spoilergefahr nicht eingehen möchte, um die Sache zu klären. Es ist eine schöne aber auch sehr traurige Geschichte finde ich. Vorliegendes Buch kann man mit Kramers Debütroman nicht vergleichen. Wolkenberührpunkt ist auf eine andere Art schön und zeigt die schriftstellerischen Fähigkeiten des Ex-Fußballprofis.
Es handelt sich hier um ein sensibles Porträt zweier völlig ungleicher Figuren, zum einen der gefeierte Fußballstar der in einer intakten Familie und geliebt aufwuchs. Zum anderen der Junge der sich immer fehl am Platz und fremd in seiner Familie vorkam.
Kramer hat es wieder geschafft mich gut zu unterhalten und zu fesseln. Ich hoffe, dass er weiterschreibt. Eine Lese- und Kaufempfehlung an alle, die nachdenkliche Geschichten mögen. Von mir 5 Sterne
Vom Wissen und Wegschauen
Und mittendrin der Birnbaum von Ute Mank
Und mittendrin der Birnbaum, Roman von Ute Mank, 334 Seiten, erschienen im dtv-Verlag.
Ein Mädchen dessen Spur sich verliert, eine Freundin die sich erinnert
Dora kehrt nach dem Tod ihres Mannes und nach vielen Jahren in ihren Heimatort zurück, in eine Seniorenresidenz. Auf ihren Streifzügen durch den Ort entdeckt sie vor einem Haus, das ehemals in jüdischen Besitz war, vier Stolpersteine eingelassen.
Doch eigentlich sollten es fünf sein, der Stein für ihre frühere Schulkameradin und beste Freundin Fanny fehlt. Zusammen mit der Enkelin der ehemaligen Käufer, Pina macht sie sich auf die Suche um zu erfahren was mit Fanny geschehen ist.
Schon im Prolog fühlte ich mich in der Geschichte angekommen. Auch die ersten Abschnitte sind so interessant geschildert, dass sich sofort Lesefluss eingestellt hat, dann konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen, denn erst am Ende wird das Schicksal von Fanny offenbar. Die Autorin erzählt ihren Roman in zwei Zeitebenen. Zurück in die dunkelste Vergangenheit deutscher Geschichte, abwechselnd mit den Geschehnissen in der Gegenwart, das hält den Leser nah dran an der Geschichte, erst nach und nach baut sich Fannys Schicksal, Stück für Stück für den Leser auf, der Spannungsbogen ist gleichbleibend hoch, erzählt aus der Sicht Doras bekommt man das Gefühl mittendrin im Geschehen zu sein. Der Schreibstil ist ruhig, tiefgründig und voller leiser Zwischentöne. Die Hausnamen der Dorfbewohner und Eigennamen sind kursiv hervorgehoben, das hat mir gefallen denn auch bei uns im Ort gibt es noch Hausnamen, die Bedeutung dahinter ist oftmals spannend. Das Setting ist gut beschrieben, ich konnte mir den Ort und auch die Personen perfekt vorstellen.
Die Figuren sind brillant charakterisiert, ihre Handlungen sind glaubhaft und nachvollziehbar. Die Protagonistin Dora ist eine, von der Vergangenheit, belastete Frau, manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie sich hier eine Schuld einredet, für die sie m. M. nach wirklich nicht verantwortlich ist, sie waren zu der Zeit noch Kinder, die Schuld liegt hier bei anderen. Pina war mir sehr sympathisch die junge empathische Frau hilft Dora hartnäckig, die verdrängte Vergangenheit freizulegen. Fanny symbolisiert das Schicksal der Opfer. Dass es damals auch Menschen mit Mitgefühl gab, zeigt die Familie Schomber. Die Szene auf dem Dorfplatz als die Juden abgeholt wurden, und die Bevölkerung dann, also ob nichts geschehen ist, in die Kirche ging, hat mich zu Tränen gerührt. Tief berührt hat mich der Roman zurückgelassen. Es zeigt, dass die Jugend die Erinnerung der Alten braucht und auch die Alten auf die Unvoreingenommenheit der Jugend bauen können.
Auch in unserem Garten wächst eine „Köstliche von Charneux“, sie wird mich noch oft ans Buch erinnern.
Ute Mank gelang hier ein tiefgründiger und emotionaler Roman über Schuld und Vergebung. Eine absolute Lese- und Kaufempfehlung und 5 Sterne
Versteckte Kamera
Molka von Monika Kim
Molka, Psycho-Thriller von Monika Kim, Ebook Kiwi space
In diesem Spiel gibt es keine Zeugen - nur Täter und eine Frau, die nichts zu verlieren hat.
Dahye wird von Junjoung einem Kollegen beobachtet, durch eine versteckte Kamera auf der Toilette in der Firma, Doch Dahye beachtet ihn kaum, denn sie ist mit Hyukjoon zusammen, der zur Upperclass von Korea gehört, vermögend und einflussreich.
Sie denkt es ist die große Liebe, doch er nutzt sie nur aus und spielt Spielchen mit ihr. Bis es eines Tages eskaliert, Junjoung beobachtet sie und entdeckt was Dahye getan hat. er hat sie in der Hand.
Da Buch besteht aus 28 kurzen Kapiteln, nüchtern und flüssig erzählt. Der Schreibstil ist atmosphärisch dicht und in dualer Perspektive, zum Teil aus der manipulativen, paranoiden Gedankenwelt Junyoungs und zum anderen aus der Sicht Dahyes schüchtern und devot bis sie sich in eine Art Blutrausch steigert, ausgelöst durch die paranoiden und gruseligen Erscheinungen ihrer toten Schwester. Dieser doppelte Blickwinkel lässt den Leser nur so durchs Buch fliegen ich habe das Buch an einem Tag ausgelesen. Die eingearbeiteten Horrorelemente haben mir Gänsehaut ausgelöst, die Mordszenen sind schonungslos, also nichts für zartbesaitete Gemüter.
In dieser Geschichte gibt es allerdings wirklich nur Täter, Mörder, Geister die sich rächen, Eltern die ungerecht handeln, Vorgesetzte die Angestellte ausnutzen, Spanner, Erpresser, Vergewaltiger und Betrüger. Das Hauptthema ist Molka, koreanisch, für mollae-kamera, die Abkürzung bezeichnet das heimliche Platzieren von versteckten Minikameras in privaten Räumen, um Personen ohne deren Zustimmung zu filmen oder zu fotografieren. Diese Praxis ist in Südkorea zu einem weit verbreiteten Problem geworden.
Die Figuren konnte ich mir erschreckend gut vorstellen, anfangs mochte ich Dahye eine junge vielleicht etwas naive junge Frau, tüchtig bei der Arbeit, eine gute Freundin, die mit den Eltern ein schlechtes Verhältnis hat. Durch den Verrat von Hyukjoon und die Trauer um ihre Schwester steigert sich die Protagonistin in eiskalte Wut. Da war ich nicht mehr bei ihr.
Junyoung ist geprägt von Misogynie, die er schon als Junge von seinem Vater eingetrichtert bekam, ein mieser Voyeur und gemein zu seiner Mutter, Hyukjoon spielt mit den Frauen, er benutzt und quält sie, macht Videos mit denen er vor seinen Freuden renommiert, dann ghostet er die Opfer. Alle Männer kommen hier im Buch nicht sehr gut weg, die weiblichen Charaktere fand ich aber auch nicht besonders sympathisch. Das düstere Ende war mir zu verworren und schnell abgehandelt.
Wer gerne Fitzek liest, mag dieses Buch genießen, mir waren die Horror-Elemente zu viel. Obwohl ich das Buch schnell gelesen hatte und auch spannende und fesselnde Elemente dabei waren, hat es mich insgesamt aber eher verwirrt. Dafür 3 Sterne
Furchtbares Szenario
Wenn die Bienen schweigen von Caryl Lewis
Wenn die Bienen schweigen, Dystopie von Caryl Lewis, 302 Seiten, erschienen im dtv-Verlag.
Der Mensch hat es geschafft, mit Ignoranz, Maßlosigkeit und Gleichgültigkeit die Erde endgültig zu zerstören.
Es gibt keine bestäubenden Insekten mehr, die letzte Biene ist schon lange verstummt. Junge Mädchen müssen die Obstbäume mit dem Pinsel bestäuben, dafür werden sie in Camps gehalten, zu wenig Nahrung, unterdrückt, Lesen und Schreiben, bzw.
eine Schule besuchen ist nicht mehr wichtig. Nur noch ein paar Mächtige haben alles, die Mädchen profitieren noch nicht einmal vom Obst. Das wird gegen Waffen, Treibstoff und Chemikalien getauscht. Doch Jess ist eine Visionärin, sie kennt die Welt wie sie früher war noch aus Büchern. Und ihre verbotenen Bilder wiegeln zur Rebellion auf. Der Wunsch nach Freiheit lässt sich nicht mehr unterdrücken.
In 41 interessanten Kapiteln zeichnet Caryl Lewis eine postapokalyptische Dystopie, die mir eine Gänsehaut nach der anderen beschert hat. Sie schreibt so bildhaft und flüssig, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Am meisten haben mich diese patriarchalischen Strukturen aufgebracht. Frauen sind fürs Kinderkriegen und zu Sklavenarbeiten gut genug. Musik, Kunst, Kultur ist nicht notwendig, solange es den Reichen und Mächtigen gutgeht. Doch noch schlimmer ist, dass die einfachen Menschen unfrei sind, noch nicht einmal den zukünftigen Partner darf man frei wählen, nur die Gene sollen perfekt zusammenpassen. Keine Bildung, keine Freiheit, Menschen werden wie Tiere gehalten und ausgenutzt, und sie werden mangels Bildung dumm gehalten, um die Mächtigen nur immer noch einflussreicher zu machen. Mich hat die Lektüre wütend gemacht, wütend darauf, dass es selbst in einer zerstörten Welt noch Menschen gibt denen es besser geht. Diese sozialen Unterschiede sind so gut dargestellt, dass es fast wehtut. Das Buch ist spannend von Anfang bis Ende. Eine Lieblingsperson ist kaum auszumachen, denn es gibt im Camp sehr viele starke Mädchen authentisch und glaubhaft echt. Allen voran natürlich Jess die Visionärin, die Rebellin. Sie kann noch lesen, sie kennt Geschichten und sie ist mutig und hat ein gutes Herz. Charmian ist intrigant und böse, deshalb konnte ich sie nicht leiden. Trotzdem hat auch sie eine Verwandlung durchgemacht.
Im Buch geht es nicht nur darum was passiert, wenn Nahrung und Wasser knapp wird, wenn die Erderwärmung die Erde vertrocknet und es immer heißer wird. Es hat mir die Augen geöffnet, dass es auch da noch Menschen geben wird, die andere benutzen, die es sich gutgehen lassen und andere ausnutzen. Dass es aber hoffentlich auch immer kluge und menschliche, barmherzige Mitmenschen gibt, die sich um andere kümmern, und etwas zum Besseren ändern wollen, auch wenn es gefährlich wird.
Eine Motivation, dass es die Menschheit nicht soweit kommen lassen darf, dieses Buch sollte Pflichtlektüre an den Schulen werden. Auch eine Hommage an Kunst, Literatur und an das Wissen, die Fantasie, dass dies unbedingt immer allen Menschen zugänglich sein muss, ohne Ausnahme. Damit zumindest die Hoffnung niemals verloren gehen kann.
Das Buch wird mich lange nicht loslassen, deshalb 5 Sterne
Was gibt es Neues in Loisbichl?
Johannifeuer von Susanne Betz
Johannifeuer, Heimatroman aus dem Werdenfelser Land von Susanne Betz, 304 Seiten C. Bertelsmann Verlag
Wie es mit Vroni und dem Rosl weitergeht.
Vroni hat Anton geheiratet, den Sohn der reichen Huberbauerin. Obwohl jetzt Geld und zusätzliche helfende Männerhände auf den Hof kommen ist es noch immer ein hartes und schweres Auskommen auf dem Grasegger Berghof.
Vroni schuftet noch immer bis zum Umfallen. Als sie ihre Schwiegermutter nach München zu einem Arzttermin begleitet, kommt es zu einer folgenschweren Begegnung. Und als in der Johannisnacht die Feuer brennen, gibt es auch für Vroni ein Wunder.
Der Roman besteht aus 13 ausführlichen Kapiteln. Susanne Betz erzählt wortgewaltig und unglaublich bildhaft im auktorialen Schreibstil. Diese karge und raue Landschaft prägt die Figuren, die auch rau, ja fast grob sind. Lesefluss hat sich unmittelbar eingestellt, Johannifeuer schließt sich nahtlos an Heumahd an. Ich hatte den Roman an knapp zwei Nachmittagen gelesen, denn ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Eine hervorragende Recherchearbeit liegt dem Werk zugrunde, das merkt man in jeder Zeile.
Die gerade hier beschriebene brutal harte Knochenarbeit, auch für die Frauen, erschütterte mich, wie auch im ersten Band schon. Niemand hat hier in die Möglichkeit sich zu schonen, besonders beim Heumachen ist es offensichtlich was diese Gegend den Bewohnern abverlangt. Mich hat erschüttert, dass selbst die Bäuerin nach der Entbindung noch am selbigen Tag ihre Arbeit verrichtet, so wie jeden Tag, kein Wochenbett kein Mutterschutz, dazu kommt auch noch die hohe Kindersterblichkeit.
Knochenarbeit bei der Ernte, im Stall, beim Holzmachen und auch bei der Hausarbeit, den Jahreszeiten ausgesetzt, was mussten die Menschen damals zur Zeit des Prinzregenten aushalten und es rentiert sich immer weniger. Doch auch im Gebiet um Mittenwald etabliert sich ganz langsam der Tourismus, nicht nur die Sommerfrischler, sogar von den ersten Skifahrern habe ich voller Freude gelesen. Vergnügungen sind selten, die Kirchenfeste bestimmen den Jahresablauf. Deshalb habe ich mich auch so sehr für Vroni gefreut, dass sie sich auch mal ein wenig Glück stehlen konnte.
Die Figuren sind wie aus Holz geschnitzt oder aus Stein gemeißelt, mit Anton konnte ich leider nicht so richtig warm werden. Vroni ist zumeist auch hart und verbittert. Meine Lieblingsfigur war die „Huberin“ Vronis Schwiegermutter, die mit dem Geld wie keine andere umzugehen weiß, geschäftstüchtig und resolut. Sie meint es wirklich gut mit Vroni und mag sie sehr, das hat man gemerkt.
Die Geschichte vom Rosl hätte ich gerne noch etwas genauer beschrieben gehabt. Sie war mir im ersten Band so lieb geworden. Da hoffe ich, dass es noch eine Fortsetzung geben wird, die Geschichte finde ich, ist noch lang nicht zu Ende erzählt. Was ist mit Anton, wie geht es auf dem Hof weiter? Was wird mit Rosl und wird Vroni letztendlich so richtig glücklich und zufrieden? Fragen die mir keine Ruhe mehr lassen.
Wer Geschichten aus dem ausgehenden 19 Jahrhundert mag und Heumahd gerne gelesen hat, der sollte unbedingt hier zugreifen. Ich bin begeistert. Von mir gibt es 5 Sterne
Was mir die Nonnen sagen wollen
Convent Wisdom von Carmen Urbita; Ana Garriga
Convent Wisdom, Ratgeber von Carmen Urbita und Ana Garriga 272 Seiten im Gutkind-Verlag.
Wie Nonnen aus dem 16. Jahrhundert dein Leben verändern können.
Hinter den Klostermauern des 16. Jahrhunderts lebten nicht nur fromme Ordensfrauen und Märtyrerinnen. Ich persönliche kenne viele Ordensfrauen, da meine Lieblingstante katholische Ordensfrau war, ich war oft und gerne bei den Schwestern, als willkommener Gast.
Und habe bei meiner Tante und den Schwestern, öfter gewohnt. Deshalb habe ich mir von diesem Buch sehr viel versprochen. Ich habe dort Schwestern kennengelernt, die nicht heilig waren, sondern sehr weltlich. Ärztinnen, Krankenschwestern, Managerinnen sogar eine ehemalige Tänzerin war dabei. Ganz viel Lebensweisheit und absolut keine Weltfremdheit gab es da. Denn wer im Leben draußen nicht fertig wird, kann auch im Kloster nicht bestehen. Zusätzliche gute Ratschläge und Tipps habe ich mir aus der Lektüre erhofft.
Leider bin ich von der Lektüre enttäuscht, mit diesen angeblichen Ratschlägen konnte ich nichts anfangen. Tipps die mein Leben verändern, habe ich keine entdeckt. Ich hatte sogar Probleme damit zu verstehen, was mir die Autorinnen mit diesem Buch eigentlich vermitteln wollen. So richtig habe ich gar nicht verstanden, was der Vergleich mit den historischen Schwestern im Leben der Autorinnen verändert hat.
Das einzig Informative waren die einzelnen im Buch beschriebenen Nonnen, die im Anhang einzeln aufgeführt sind. Ich habe außerdem nirgendwo eine Rezension oder Meinung zu diesem Buch gefunden, wurde es überhaupt gelesen und beurteilt? Witz und Tiefgang war m. M. nach nicht vorhanden. Antworten auf moderne Fragen von Frauen die vor 400 Jahren lebten auch nicht.
Für mich war es ein Fehlgriff, und ich kann mir nicht vorstellen, wer einen Nutzen aus der Lektüre ziehen sollte. Es hat mich nicht erreicht. Schade.
Die Botschaft habe ich wohl nicht verstanden. Deshalb 1 Stern
Renate im Wahlkampf
Ihr habt es gut, ihr habt ja mich von Renate Bergmann
Ihr habt es gut, ihr habt ja mich. Humoristischer Roman von Renate Bergmann alias Torsten Rhode, 254 Seiten, ein Ullstein-Taschenbuch.
Die Online-Omi lässt sich wählen.
Im 21. Buch erzählt Renate Bergmann von ihrer Kandidatur zur Gemeinderätin. Stefans Schwiegermutter hat sich beide Arme gebrochen, deshalb muss Ariane im Sanitärgeschäft und auch im Haushalt ihres Vaters einspringen, tatkräftig wie die Leser die Online-Omi kennen, kümmert sie sich um ihren Neffen Stefan und die beiden Mädchen.
Dazu zieht sie ins Brandenburgische, sie entdeckt, dass es auf dem Lande, nicht nur Friede Freude Eierkuchen gibt. Ein Dorn im Auge ist ihr besonders Bürgermeister Brummer, nach dessen Pfeife in Spreeweide schon jahrelang getanzt wird. Renate merkt, dass es für den Ort und die Bewohner Einiges zu verbessern gibt, das will sie als Gemeinderätin anpacken und stellt sich zur Wahl.
Das Buch teilt sich in übersichtliche Kapitel in idealer Leselänge, die mit einem, den Inhalt zusammenfassenden Titel versehen sind. Die Story ist flüssig, voller Humor und ist im Ich-Stil aus der Sicht der Protagonistin geschrieben. Besonders gut gefallen haben mir wie in jedem Band, die Wortneuschöpfungen von Renate. Mit Fäßbock, Finstergramm und Wickipeter kennt sie sich aus. Auf ihrem Läptop ein Abdät machen kein Problem, den Renate ist „muttitaskingfähig“. Da ich alle Renate Bücher kenne, benutze ich gerne mal aus Spaß die Wortneuschöpfungen der Protagonistin. Immer wieder musste ich schmunzeln oder habe laut gelacht. Die Situationskomik war manchmal nicht zu überbieten. Renate ist wirklich eine Nummer. Die gutgemeinten Ratschläge aus ihrem Erfahrungsschatz, sind manchmal sogar hilfreich.
Ich wohne auch auf dem Land und auch in unserer Gemeinde gibt es politische Seilschaften, Vetternwirtschaft und langjährige Bürgermeister, die nicht angezweifelt werden. Ich habe mich köstlich darüber amüsiert und viele Parallelen ziehen können. Aber Renate lässt sich nicht unterkriegen, macht seriösen Wahlkampf und verbessert, die Situation der Dorfgemeinschaft mit guten Ideen und tatkräftigen Aktionen, schon im Vorfeld. In diesem Band ist auch Spannung vorhanden, denn ob es Renate geschafft hat, das erfährt der Leser erst ganz am Ende.
Die Charaktere sind hauptsächlich stark überzeichnet. Das macht sie aber hier charmant, keiner mag auf Ilse und Kurt mit dem Koyota oder auf Gertrud und Gunter mit Norbert verzichten. Tatkräftig unterstützen sie die Kandidatin, und Renate lächelt bald von den Plakaten, im schicken Blazer aber ohne Raute, denn Renate weiß, wie der Hase läuft.
Es war wieder ganz toll mit der resoluten Oma und ich hoffe, dass es bald wieder etwas Neues von Renate zu lesen gibt. Ein rundherum gelungener neuer Band, ich werde nicht müde immer weiter zu lesen. Das Schöne daran ist, die Bücher müssen nicht in Reihenfolge gelesen werden.
Eine Leseempfehlung an alle die gerne beim Lesen schmunzeln, oder sogar lachen. Ich vergebe 5 Sterne.











