Kunden em pfehlungen
Rezensionen von annaja:
Ein großer Familiengenerationenroman
Ein weites Leben von M. L. Stedman
Von annaja
Blauer Himmel über roter Erde verkörpert hier Australien, ein passendes Cover.
Eine Familiengeschichte, die sich über drei Generationen hinweg zieht. Im westaustralischen Outback befindet sich die Schaffarm der Familie Mac Bride. Ihr gepachtetes Land verfügt über einen riesige Fläche.
Es beginnt mit einem Unfall, bei dem der Vater und der ältere Sohn ums Leben kommen. Der jüngere Sohn Matt überlebt, schwer verletzt und benötigt längere Zeit, bis er wieder ein normales Leben führen kann und sein Gehirn weitgehend normal funktioniert. Die Mutter und Schwester Rose helfen ihm bei der Rehabilitation. Nachdem Rose nach der Geburt ihres Sohnes Andy Selbstmord begangen hat, müssen Matt, seine Mutter und Andy die Farm alleine weiterführen.
Man erfährt viel über das harte, recht einsame und entbehrungsreiche Leben auf der Schaffarm, die Rückschläge durch Naturereignisse, die naturbelassene Landschaft, Hitze und Dürre, das oft fehlende Wasser, das mühsam hochgepumpt werden muss, damit die Tiere überleben können und über die geringe Bevölkerungsdichte in dieser Wildnisregion. Ebenso wird über die geologischen Untersuchungen berichtet, um eventuelle Bodenschätze aufspüren zu können.
Ein atmosphärisch wunderbar konstruierter Roman mit Tiefgang, der sehr packend und mit Intensität geschrieben wurde und mit seinen familiären Verstrickungen für Spannung und gute Unterhaltung bis zum Ende sorgt.
Im fremden Land zuhause
Zugwind von Iryna Fingerova
Das Cover wirkt unaufgeregt und schlicht.
Die junge Protagonistin Mira ist mit ihrem Ehemann und der kleinen Tochter aus der Ukraine in eine deutsche Stadt gezogen, um dort als Ärztin zu praktizieren und das bereits vor Beginn des Ukraine-Krieges.
Nach Kriegsbeginn begegnen ihr nun vermehrt in der Hausarztpraxis viele Geflüchtete, die sie medizinisch behandelt, aber auch als Trostspenderin und Hilfsanlaufstelle fungiert.
Die Situationen in der Arztpraxis werden realitätsnah beschrieben, man kann gut nachvollziehen, in welchen Konflikten sich Mira befindet. Es ist schwer, ohne Schuldgefühle, die Menschen aus der Heimat in deren kaputten Situationen zu unterstützen. Die Patientengeschichten zermürben sie und machen sie auch wütend.
Gleichzeitig aber muss sie für sich selbst Frieden finden, eine Normalität spüren und den Zustand akzeptieren, wie er eben gerade ist. Sie hat ein schlechtes Gewissen, wenn sie Freunde in der Ukraine besucht, wenn sie mit der Familie Urlaub macht, wenn sie mit Kollegen und Freunden lacht und ausgelassen feiert und flirtet.
Das Buch wurde aufrichtig und gefühlvoll, manchmal mit einem witzigen Unterton geschrieben, die Autorin verfügt über genug Selbstironie und das erleichtert das Lesen sehr.
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Weitere Rezensionen
Ein Konstrukt namens Familie
Die Probe von Katie Kitamura
In dem Roman von Katie Kitamura geht es um eine verheiratete, nicht mehr ganz junge Schauspielerin, die sich bemüht, ihre Rollen perfekt zu spielen, doch beim aktuellen Fall zweifelt sie, ist in den Proben sehr unzufrieden mit sich. Dann tritt ein junger Mann namens Xavier in ihr Leben, er bewirbt sich am Theater, bekommt später auch einen Job als Regieassistent und er behauptet schlicht, ihr Sohn zu sein, was sie entschieden zurückweist, sie hat doch nie ein Kind geboren.
Doch nun nimmt die Geschichte eine seltsame Wandlung, der junge Xavier zieht mit Erlaubnis der Protagonisten plötzlich in das Appartement des Ehepaares und sie finden, dass diese neue, alltägliche Gemeinschaft allen Beteiligten guttut. Tomas, der Ehemann blüht regelrecht auf und sie lassen sich auf das Spiel mit einer fiktiven Elternschaft ein, genießen diese geradezu. Dann stößt auch noch die Freundin Xaviers dazu, wodurch es turbulent im Haushalt wird.
Man hat während des Lesens den Eindruck, im ersten Teil etwas überlesen zu haben, es fühlt sich auf einmal unwirklich an, weil sich alle so gut aufeinander einlassen.
Eine außergewöhnliche Geschichte, bei der Realität nicht unbedingt notwendig erscheint. Die Atmosphäre, die Erzählung, alles fließt dahin wie ein Rollenspiel, eine Inszenierung auf der Bühne und die Zuseher sind hier die Leser, die den Ausgang des Stücks selbst mitbestimmen dürfen.




