Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Murksy:
Wie gestalte ich einen Comic
Der Comic-Club von Scott McCloud
Ich bin mit Comics aufgewachsen. Natürlich habe ich auch normale Bücher gelesen, aber die Faszination für die gezeichneten Geschichten hatte mich lange im Griff. Mittlerweile ist, im Gegensatz zu vielen anderen Erwachsenen, der Reiz bei mir etwas verschwunden. Vielleicht noch ab und zu ein Heft über die renitenten Gallier, mehr aber auch nicht.
Beim Lesen des Comic-Clubs wurde etwas dieser Faszination wiederbelebt. Obwohl natürlich das Buch eine andere Altersgruppe anspricht. Vor mir hat allerdings mein knapp 9jähriger Sohn das Buch kritisch gelesen. Genau wie mir gefielen im die Zeichnungen und die farbige Gestaltung sehr gut. Das Buch erklärt wunderbar, wie ein Comic entsteht, wie er aufgebaut wird und welche Tricks man einbauen kann, um einen solchen Comic interessant und witzig zu gestalten. Da mein Sohn auch schon eigene kleine Geschichten malt, hat er das sehr aufmerksam verfolgt. Sehr gut hat ihm der Abschnitt gefallen, in dem Gefühle erklärt werden und wie man sie darstellen kann. Nach dieser Lektüre werde ich mir vielleicht unter diesem Gesichtspunkt meine alten Comics noch einmal anschauen. Es sind doch erstaunlich viele Feinheiten, die man vielleicht einfach so überfliegt, die aber im kreativen Schaffen viel Nachdenken und künstlerisches Können verlangen. Was meinem Sohn nicht immer so gut gefallen hat, waren die schwierigen Wörter. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass das Buch aus dem amerikanischen Raum kommt. Die Namen werden natürlich anders gesprochen, als gelesen. Als Beispiel sei der Name Gene genannt. Außerdem wurden Neopronomen wie xiem erwähnt, damit konnte mein Sohn nichts anfangen. Viele andere Begriffe aus dem Comicbereich sind englisch. Die werden zwar mit Masse erklärt, aber Aussprache wird für die meisten jüngeren Leser eher ein Problem darstellen. Es gab also einige Fragen zum Text, die de Lesefluss bremsten.
Die Verständlichkeit der Geschichte war allerdings sehr gut. Auch die sozialen Botschaften, also dass man sich ruhig an etwas heranwagen soll und es nicht so wichtig ist, alles perfekt zu machen, werden gut transportiert. Der Comic ist übersichtlich gestaltet und nicht überladen. Ein weiterer Höhepunkt des Buches ist das Interview mit den Autoren und der Abschnitt im hinteren Teil des Buches, der die verschiedenen Berufe und Schritte zum fertigen Comic zeigt, inklusive der Werkzeuge, sprich Software, die dazu genutzt werden. Ein Glossar rundet das gute Gesamtbild ab.
Rundherum ein Buch, das also nicht nur genau zeigt, wie das Medium Comic entsteht, welche Arbeit dahintersteckt, sondern auch ein Buch, das Kinder dazu ermutigt, sich auszuprobieren, sich etwas zu trauen, ohne Angst davor zu haben, zu scheitern.
Dies ist eine Privatrezension ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen unterliegt dem Urheberrecht.
Lost places, lost people
Giftiger Grund von Thomas Knüwer
Eine junge Frau, die Videos von lost places, verlassenen Orten dreht, ein Häftling, der frisch entlassen versucht, wieder ins normale Leben zurück zu finden und ein Mädchen, das nachts in eine alte Tankstelle flüchtet dies sind die Hauptdarsteller in diesem realistischen, harten Krimi. Die Härte kommt allerdings weniger von der durchaus vorhandenen und gezeigten Gewalt, als vielmehr von der psychologischen Darstellung der Situation.
Diese ist sehr authentisch und glaubhaft darstellt, was auch dazu führt, dass das Buch einige Stellen enthält, die durchaus empfindliche Personen triggern können. Für Freunde der sogenannten Cosy-Crime-Szene ist dieses Buch ganz sicher nichts. Dem Autor gelingt es bedrückend gut, die Verzweiflung der Personen darzustellen, ihre Ängste, Hoffnungen und Verlorenheit in einer Welt, weit ab der bunten Fassade unserer Gesellschaft. Das tut manchmal weh, man will ins Geschehen eingreifen und die Personen retten, auch vor sich selbst. Die Hilflosigkeit der Personen im Buch überträgt sich auf die Leser. Beinahe schmerzhaft verfolgt man die agierenden Figuren, wenn sie das Richtige tun wollen, aber an der Realität scheitern. Der giftige Grund des Covers ist viel mehr, als der ölgetränkte Boden an der alten Tankstelle. Vielmehr ist es die Schattenwelt, die so gerne ignoriert wird. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Wir leben doch in einer zivilisierten Gesellschaft, oder nicht? Kein einfaches Buch, aber ein fesselndes, das neben aller Trostlosigkeit auch einen Funken Hoffnung versprüht. Man kann sich ändern, man kann zusammen etwas bewirken, nicht alles ist verloren, wie in den lost places. Und es gibt das Gute im Menschen, das vielleicht manchmal erst aus seiner Wohlfühlzone gelockt werden muss.
Das Einzige, das mir persönlich nicht wirklich zugesagt hat, war der Erzählstil, der die jeweilige Hauptperson der einzelnen Kapitel in der Ich-Form agieren lässt. Dieser Kniff, der den Charakter und die Sichtweise der Personen durchaus verstärkt, irritierte mich teilweise im Lesefluss.
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Layout geht vor Funktionalität
National Geographic Kids Weltatlas - Fremde Kulturen, großartige Naturwunder und wilde Tiere entdecken: Kinderatlas für Kids ab 8 Jahren von
Schaut man den schön aufgemachten Atlas oberflächlich an, liest ein wenig quer und blättert kurz durch, gefällt das Ganze recht gut. Betrachtet man allerdings die Dinge, auf die es bei einem Atlas ankommt, dann zeigen sich die Einschränkungen. Beginnen wir vorne auf dem Cover. dort steht ganz oben das Wort Kids.
Die Altersangabe für das Buch beginnt bei acht Jahren. Wer Kinder im Schulalter hat, den Stoff der Klassen kennt, der wird mir zustimmen, das dieser Atlas eher für weiterführende Klassen und ältere Kinder ist. Das Buch enthält viel Text, einiges an Informationen und vor allem schwierige Wörter, mit denen Grundschüler weder lese technisch noch verstandesmäßig zurechtkommen. Urban, konisch, azimutal, Tools, Decoder usw. Die Liste lässt sich fortsetzen. Auch sind die Seiten mit den kleinen Kästchen und der entsprechend kleinen Schrift anstrengend zu lesen. Diese Überfüllung der Seiten führt auch dazu, dass das Wichtigste zu kurz kommt, nämlich die Karten. Diese sind leider nicht seitenfüllend angelegt und oft über die Seitenmitte gedruckt, damit schwer zu lesen. Natürlich ist es nett, diverse Informationen über Land und Leute zu erfahren. Aber die Auswahl dieser Fakten wirkt teilweise sehr wahllos. Gleiches gilt für die Tiere, die ja such auf Cover beworben werden. Es sind sehr wenige Tiere im Buch zu finden. Sinnvoller und nützlicher wäre es gewesen, je Kontinent vier bis fünf Tiere mit einem kleinen Steckbrief vorzustellen. Bei Afrika findet man zum Beispiel das Bild eines Elefanten, die dazugehörigen Fakten kaum vorhanden. Ja, die Fotos sind toll. Aber genauso wahllos und mehr oder minder uninteressant beschrieben. Das Buch bietet auf der einen Seite zu wenig, will auf der anderen Seite zu viel. Vor allem der einleitende Teil ist vermutlich sogar für viele Erwachsene eine Herausforderung. Das Werk ersetzt also keinen Schulatlas und ist für Kids eine Nummer zu anspruchsvoll. Es wurde mehr Wert auf das Layout, als auf die Funktionalität gelegt. Für einen Atlas zu unübersichtlich, für ein Lexikon zu wenig Informationen. Dass am Ende auf Internetadressen verwiesen wird, ohne diese genau zu benennen, setzt dem Ganzen die Krone auf. Ich erwarte und will auch von meinen Kindern nicht, dass sie im Grundschulalter im Netz surfen und nach ergänzenden Informationen suchen. Vielleicht sollten bei der nächsten Ausgabe verstärkt Pädagogen am Buch mitarbeiten. Ich hatte bei den Seiten das Gefühl, dass die Gestalter sich darin überbieten wollten, immer noch mehr reinpacken zu wollen.
Dies ist eine Privatrezension, ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen, unterliegt dem Urheberrecht.
Ende ohne Anfang oder Anfang ohne Ende
Schwarzer September von Sandro Veronesi
Ein 12jähriger, frühreifer Junge verbringt wie gewöhnlich seine Ferien am Meer. Doch dieses Mal wird der Urlaub anders verlaufen, als gedacht. Da ist die frische Liebe zu einem hübschen Mädchen nur der Auftakt.
Nun, wie bezeichnet man dieses Buch? Familiengeschichte? Oder eine dieser Coming-of-age Erzählungen.
Irgendwie von allem etwas. Ganz nebenbei wird auch das Jahr 1972 reflektiert, Musik, die gehört wurde, Sportler, die berühmt waren und natürlich die dramatische Olympiade in München. All das erzählt der Autor aus Sicht des Jungen, der versucht, mit all dem klar zu kommen. Mir persönlich wirkte der Junge mit gerade einmal 12 Jahren zu erwachsen. Was mir auch erschwert hat, die Dramatik in der Geschichte ernst zu nehmen. Denn während der ersten Kapitel reizt der Autor immer wieder zum Weiterlesen, indem er ein schreckliches, alles veränderndes Ereignis vorhersagt. Selbstverständlich ist das, was dann passiert für ein Kind dramatisch. Aber irgendwie auch nicht so, dass ich nach Luft schnappend und mit zittrigen Händen das Buch weiterlesen musste. Der Stil ist gut, es macht Spaß in Erinnerungen an die alte Zeit, die tolle Musik zu schwelgen. Trotzdem wirkte das Buch auf mich irgendwie zu offen, ohne mir wirklich eine Erklärung zu liefern, warum ich jetzt die 280 Seiten gelesen habe. Für mich persönlich irgendwie nicht Halbes und nichts Ganzes.
Dies ist eine Privatrezension, ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen, unterliegt dem Urheberrecht.
Abhängigkeiten
Liefern von Tomer Gardi
Das Buch ist aufgeteilt in verschiedene Geschichten, die mehr oder weniger direkt zusammenhängen. Dabei führt uns der Autor in verschiedene Regionen dieser Welt. Was die Erzählungen verbindet, sind die sogenannten Rider, also die Menschen, die die Straßen säumen und alles liefern, was der Kunde bestellt.
Egal ob Indien, Deutschland oder Israel, überall hetzen die Lieferanten mit Rädern, Rollern oder Motorrädern halsbrecherisch von Adresse zu Adresse, um möglichst zeitnah die gewünschten Güter auszuliefern. Hier zeigt das Buch sehr genau, was das Problem dabei ist. Es sind die Abhängigkeiten. Die Lieferanten sind abhängig von den Kunden und dem Lieferservice. Zusätzlich gibt es noch Personen, die die Lieferanten gegen Provision an die Dienstleister vermitteln. Die Kunden sind abhängig von den Lieferanten, hoffen auf pünktliche und vollständige Zustellung. Und alle sind abhängig vom Mobiltelefon. Das Gerät, das alle überwacht, Bestellungen ermöglicht, Orte anzeigt, Routen ermittelt oder im Notfall Hilfe holt. Das Buch hält hier schonungslos den Spiegel vor. Wie oft bestellen wir aus Bequemlichkeit etwas zu essen? Machen wir uns Gedanken, unter welchen Bedingungen die Lieferanten arbeiten müssen, teilweise mit anderen Identitäten für mehrere Anbieter. Hier greift die nächste Abhängigkeit. Alle wollen und brauchen gute Bewertungen. Eine negative Bewertung zu viel, und der Zusteller ist seinen Job los. Nachschub gibt es genug. Bekommt ein Anbieter zu viele negative Bewertungen, wird weniger bestellt und wieder werden nicht benötigte Zusteller entlassen. Machen wir uns Gedanken, wie es sein kann, dass zum Valentinstag rote Rosen im Winter zu kaufen sind? Unter Zeitdruck werden die Rosen in Afrika gezüchtet und geschnitten, gekühlt nach Deutschland transportiert und von schlecht bezahlten Minijobbern verkauft. So zeigt das Buch sozialkritisch die Tücken des globalen Dorfes auf ohne allerdings eine Lösung aufzuzeigen. Diese Ratlosigkeit spiegelt sich auch in den Geschichten des Buches wieder. Teilweise sind die Enden so offen, dass ich mich teilweise gefragt habe, was ich aus dem Buch mitnehme. Gibt es eine Lösung für diese Liefergesellschaft? Auf der einen Seite die, die es sich leisten können, sich alles liefern zu lassen. Natürlich gibt es auch Menschen, die aus diversen Gründen auf solche Lieferdienste angewiesen sind. Aber würde es etwas bringen, weniger zu bestellen? Eine provokante These ist, dass dann viele Menschen kein Einkommen mehr hätten. Deutlich wird dieser Zwiespalt am Flüchtlingsproblem. Durch solche Jobs wie im Zustellbereich, finanzieren sich viele Menschen ihr Leben und ihre Flucht mit Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Das Buch regt zum Nachdenken an. Ob es eine Änderung der Gewohnheiten, der Arbeitsbedingungen und all der anderen Probleme geben wird, bezweifle ich. Dazu ist der Mensch sich selbst am nächsten. So lässt mich das Buch genauso ratlos zurück, wie das eine oder andere Kapitel.
Dies ist eine Privatrezension ohne KI erstellt. Kopie, auch in Teilen, unterliegt dem Urheberrecht.
Durchschnittlicher Krimi
Polarblut - Tödliches Leuchten von Tuva Bro
In Norwegen wird ein Mord verübt. Der beliebte Geschäftsmann wird vor seiner Wohnung erschossen, kurz darauf findet man in einer Hütte eine zweite Leiche, erstochen. Die Polizei, die mit solchen Verbrechen sonst nichts zu tun hat, beginnt mit den Ermittlungen.
Nun, was sich dann weiter entwickelt, ähnelt einer Unmenge von Abendkrimis im Fernsehen oder eben der Massenware in Buchform.
Die Ermittlergruppe wird psychologisch durchleuchtet, jeder hat so seine kleinen Macken und Probleme, alles ganz normal. Familiäre Probleme sind auch hier an der Tagesordnung. Manchmal artet der Krimi eher in ein Psychodrama ab. Die Sportsucht der Leiterin dieser Gruppe wird detailreich, meiner Meinung nach übertrieben ausgeweitet. Etwas weniger wäre mehr gewesen. Der eigentliche Krimi kommt da stellenweise zu kurz. Der Spannungsgehalt ist sehr überschaubar. Es gibt die üblichen falschen Fährten und Verdächtigen. Motive gibt es auch genügend. Irgendwann löst sich dann der Fall in gewohnter Manier auf. Das ganze ist nicht spektakulär, angenehm unblutig und so gut wie triggerfrei. Etwas mehr Spannung und weniger Psychoanalyse hätte dem Buch gut getan. Die Handlung tanzt auf zu vielen Hochzeiten.
Für geübte Erstleser
Kleine Lesehelden: Wir sind erste Klasse! von Daniela Kulot
Das Bunt bebilderte Buch animiert schon vom Cover an, darin zu blättern. Die vielen Zeichnungen lockern das Ganze auf. Denn auch wenn als Altersangabe 6 Jahre gemacht wird, ist Kind nicht gleich Kind. Für reine Erstleser sind manche Wörter noch schwer. Zum Beispiel „schlagartig, Herbstblätter, Atemzug, Käsegeruch, Piroggen oder zickzack“ sind für ältere Kinder kein Problem, die wirklichen Erstleser brauchen da Unterstützung.
Erstleser brauchen wirklich einfache Texte, sonst entsteht schnell Frust. Das kenne ich von meinen Kindern. Auch hätte ich bei einem reinen Erstleserbuch auf Wortverlängerungen wie bei siiiiie verzichtet. Das verwirrt nur beim Lesenlernen. Auch einen Satz wie „Und Futsch ist sie“, der zweimal vorkommt, hätte ich zumindest einmal mit der Beschreibung „sie ist weg“ ersetzt.
Ansonsten ist das Buch gut gestaltet, die Schrift ist groß und auch die Rätsel lockern etwas auf, zusätzlich werden erste Schreibfähigkeiten getestet. Das Niveau des Buches ist meiner Meinung nach gehobener Erstleser, also in die zweite Klasse hineinreichend. Das hat mein größerer Sohn auch so gesehen. Leider ist ja das Leseniveau auch von Bundesland zu Bundesland und von Klasse zu Klasse verschieden. Pauschale Empfehlungen sind hier schwer zu treffen. Die Geschichte mit der Maus hat unserem Jüngsten gut gefallen. Positiv ist, dass das Buch auch über die Antolin-App bearbeitet werden kann. Diese App unterstützt nach meiner Erfahrung die Lesefähigkeit und fördert die Aufmerksamkeit. Unsere Kinder arbeiten gerne damit und werden zum Lesen animiert.
Dies ist eine Privatrezension ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen, unterliegt dem Urheberrecht.
Große Erzählkunst
Lola im Spiegel von Trent Dalton
Gelber Einband, rosa Schrift. Obwohl ich wenig auf die Aussagekraft von Covern gebe, muss ich gestehen, dass ich das Buch vermutlich nicht weiter beachtet hätte. Doch welch ein Versäumnis wäre dies gewesen, unfassbar. Es ist immer zweifelhaft, wenn Autoren mit großen Werken der Weltliteratur verglichen werden.
In diesem Fall neige ich selber dazu. Dickens, Irving oder Updike, Vergleiche fallen einem ein, auch wenn diese immer etwas hinken. Was Dalton mit diesen auf jeden Fall vereint, ist die großartige Erzählkunst. Die Sätze, manchmal kurz und abgehackt, ergänzen sich, ergänzen die Geschichte um das namenlose Mädchen in der Schattenwelt der von der Gesellschaft abgehängten Menschen zu einem Epos voller Hoffnung, Trauer, Verlust, Liebe, Gewalt und Verzweiflung. Und über allem thront trotzdem der Glaube, dass es so etwas gibt wie ein Schicksal, das wir bestimmen können und nicht ein Schicksal, das uns bestimmt. So wie das Mädchen an seine Zukunft als Künstlerin glaubt, auch wenn alles dagegen spricht, so glauben diverse Personen in dem Buch an ihre persönliche Zukunft. Diese Zukunft, die sich aber trotz dem Glauben daran nicht für alle erfüllen wird. Aber genau dies ist für mich die Botschaft dieser wunderbar erzählten Geschichte. Glaube an deinen Traum und versuche, ihn zu verwirklichen. Denn dies macht uns aus. Wer sich ergeben fügt und alles hinnimmt, wird nicht einmal die Chance haben, etwas zu verändern oder vielleicht sogar sein Stück vom Glück zu bekommen.
Das Mädchen ohne Namen, das so talentiert zeichnet, ist auf der Suche nach ihrer Identität und ihrem Ziel zugleich. Manchmal scheint alles gegen sie zu sprechen. Die Welt, mit ihrer grausamen Härte, frisst Hoffnungen und Mut wie eines der Monster, dass sie auf manchen Zeichnungen festhält. In diese scheinbar ausweglosen Dunkelheit blitzen aber immer wieder Fünkchen von Menschlichkeit auf, die einen auf dem tobenden Fluss des Lebens wie Bojen oben halten. Das Buch fesselt auf eine teilweise grausame Weise. Einerseits kann man nicht davon ablassen. Andererseits hält man immer wieder inne, versucht das Gelesene zu verarbeiten. Das Buch hat düstere Seiten, Seiten voller Gewalt, aber auch Seiten von der Leuchtkraft eines hundertfach überzeichneten Sonnenaufgangs. Das Buch nur als Coming-of-age-Roman abzutun, greift deutlich zu kurz. Vielmehr ist es eine Metapher auf das Leben, wie sie die oben genannten Autoren ebenso grandios erschaffen haben. Die teilweise schaurig-schönen Zeichnungen des Illustrators Paul Heppell ergänzen perfekt und führen in die Kapitel ein. Explizit muss ich die herausragende Übersetzung von Rita Gravert erwähnen, ein wahrer Genuss. Und auch betonen will ich, dass im Gegensatz zu vielen neueren Veröffentlichungen auf dem Büchermarkt, keinerlei Druck- oder Rechtschreibfehler zu entdecken sind. Ja, leider ist auch das mittlerweile erwähnenswert.
Dies ist eine Privatrezension, ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen, unterliegt dem Urheberrecht.
Der ewige Bowie
Spaceboy von Frank Schätzing
Über Bowie wurde schon unendlich viel geschrieben und interpretiert. Über seine Kunstfiguren, seine vielfachen Persönlichkeiten, seine Mode und natürlich seine Musik. Bowie war und ist immer noch einer der einflussreichsten Gestalten im Musikgeschäft. Er setzte Trends und Maßstäbe, veränderte Stile und beeinflusste Generationen von Künstlern.
So auch Frank Schätzing, ein künstlerisches Multitalent, der mit seinen Büchern mit das erfolgreichste geschrieben hat, was auf dem deutschen Markt zu finden ist. Genauso umstritten wie die Platten von Bowie, sind aber auch die Bücher von Schätzing. Manchmal haben beide den Bogen überspannt. Bowie durch seine Experimente, Schätzing durch seine vor Wissen strotzenden Texte, die manchmal etwas zu besserwisserisch klingen mögen. Spuren dieser, nennen wir es Arroganz, sind auch in diesem durchaus unterhaltsamen Buch zu finden. Wenn er über eine Seite lang nur Musikrichtungen aufzählt, wirkt das doch etwas penetrant. Auch etwas ermüdend ist seine wiederholte Darstellung des jungen Schätzing, der gehemmt ist, keinen Zugang zu Mädchen findet und sich als Einzelgänger fühlt. Das geht vielen Kinder und Jugendlichen so, muss man das allerdings über Kapitel hindurch breittreten? Im Kontext vielleicht schon, aber etwas weniger Nabelschau hätte dem Buch gut getan. Schätzings Seelenverwandtschaft zu Bowie ist die Kernbotschaft des Buches. Wäre der Autor dort gelandet, wo er heute ist, ohne Bowie? Vermutlich schon. Vielleicht auf anderem Wege, aber Talent hat man, oder nicht. Und genau wie Bowie hat Schätzing viel davon. Die Erzählweise ist amüsant und intelligent. Die Interpretationen zu Bowies Werk lesenswert, wenn natürlich jeder einen anderen Blickwinkel hat. Ich bewerte manche Platten von Bowie durchaus anders. Was das Buch aber sehr gut darstellt, ist die kulthafte Verehrung, die mancher Künstler erfährt. Vor allem wenn die betroffenen Personen unsicher sind, Kontaktschwierigkeiten haben und ihren Platz im Leben suchen. Idole können hier helfen. Können aber auch in ein Nichts führen, vor allem, wenn das Idol plötzlich verschwindet oder nicht die Erwartungen erfüllt. Bei Schätzing war das Erlebnis eher positiv prägend. Sein großes Vorbild hat ihm den Weg gewiesen und seine Laufbahn unterstützt. Das Buch ist somit eine Mischung aus Biografie über Bowie, eine Spur Autobiographie über Schätzing und auf jeden Fall eine gute Unterhaltung für die Fans beider Lager.
Zeitreise
Wings von Paul McCartney
Meine große Liebe zur Musik begann mit den Beatles. Als ich meinen ersten Kassettenrekorder von meinen Eltern bekam, saß ich dauernd vor dem Radio und habe auf Songs gewartet. Frank Laufenberg hatte damals im Radio eine Oldies-Sendung, immer Sonntags von 8 – 12 Uhr. Eines Tages war eine Sendung nur mit den Beatles angekündigt.
Ich nahm alle Lieder, die innerhalb der vier Stunden gespielt wurden auf, führte akribisch Buch und legte später ein Karteikartensystem an, das ich über Jahre führte und alles notierte, was ich auf unzähligen Kassetten aufgenommen hatte. Die Sendung mit den Beatles war der Startschuss für meine anhaltende Musikbegeisterung. Das vorliegende Buch ist somit für mich so etwas wie eine Zeitreise. Die oral history, also eine Sammlung von Interviews kann eine Biographie nicht ersetzen, will sie auch gar nicht. Das Buch ist eine hervorragende Ergänzung für alle Paul McCartney-Fans und solche, die es werden wollen. Viele Musiker und Zeitgenossen kommen zu Wort und schildern ihre Sicht auf die einzigartige Karriere des Musikers und berichten von teilweise kuriosen Erlebnissen. Der Weg vom Ex-Beatle zum Solokünstler, der auch mit über 80 Jahren noch Stadien füllt, wird über die Wings-Ära begleitet. Es ist ein Genuss, zu beobachten, wie McCartney seine Musik erschafft und welche Einflüsse in inspirieren und prägen. Ein großer Teil der Erzählung dreht sich natürlich um Linda und die Familie, ohne die vermutlich die Geschichte eine andere gewesen wäre. Ergänzt werden die Interviewausschnitte durch tolle Fotos und Zeitdokumente. Außerdem werden zu den Zeitabschnitten einige der meistverkauften Alben erwähnt und mit timelines bedeutende Ereignisse der Jahre aufgelistet. Die Auswahl hier erscheint manchmal etwas willkürlich, aber ich sehe dies als nette Beigabe. Da ich zwar ein McCartney-Fan bin, ihn auch schon live erlebt habe, kenne ich aber nicht alle Details seiner Karriere. Dafür bin ich zu breit an der Musikkultur interessiert. Ich habe also viele Neuigkeiten für mich entdeckt und so manche Anekdote gefunden. Eingefleischte Fans, die schon viele Bücher über die Beatles und co. gelesen haben, werden vielleicht weniger Neues erfahren. Trotzdem kann ich das Buch jedem Interessierten von Herzen empfehlen. Selbstverständlich wiederholen sich bei der Vielzahl der Interviews und Gesprächspartner manche Aussagen oder Stellungnahmen, doch das rundet das Bild eher ab und unterstreicht die Bedeutung mancher Geschehnisse, die sonst möglicherweise nebensächlich erscheinen mögen. Für mich als Musikbegeisterter und Sammler sind vor allem immer die einzelnen Musiker und ihre Verknüpfungen zu anderen Künstlern oder Bands interessant. Wer spielte mit wem? Wer produzierte welche Platte? So etwas macht mich neugierig. Und auch über dieses großartige Buch habe ich wieder neue Hörtipps erhalten, die das Buch wunderbar ergänzen. Wer Musik liebt, die Wings und McCartney kennt und schätzt, kann und wird mit diesem Buch nichts falsch machen.











