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Rezensionen von Bücherfreundin:

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Lesenswerter Roman über ein emotionales Thema

Elternhaus von Ute Mank

Der dtv Verlag hat "Elternhaus", den zweiten Roman von Ute Mank, veröffentlicht.
 
Sanne ist die älteste von drei Schwestern und hat sich in letzter Zeit neben ihrem Beruf verstärkt um ihre alt gewordenen Eltern gekümmert, die ganz in der Nähe immer noch ihr vor Jahrzehnten gebautes Haus mit großem Garten bewohnen.

Die ständigen Besuche bei den Eltern und die damit verbundenen Hilfeleistungen überfordern Sanne, und sie beschließt, dass die Eltern in eine altersgerechte Wohnung umziehen sollen. Ihre Schwester Gitti, die jüngste der Schwestern, ist dagegen, die mittlere Schwester Petra, die weit entfernt wohnt, ahnt nichts von den Umzugsplänen. Sanne setzt sich durch, ist nach dem Umzug der Eltern erst einmal erleichtert. Dann aber plagt sie doch das schlechte Gewissen, und sie fühlt sich nach wie vor verpflichtet, täglich bei den Eltern vorbeizuschauen. Diese haben ihr das Haus bereits überschrieben, und Sanne möchte es verkaufen, wovon weder die Eltern noch ihre Schwestern etwas wissen.
 
Im Mittelpunkt der gefühlvollen Geschichte stehen Sanne und Petra, über Gitti erfahren wir eher wenig. Abwechselnd erleben wir Sannes und Petras Alltag und blicken dabei tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Die Frauen erinnern sich an die Zeit, als sie noch Kinder waren und mit den Schwestern im Elternhaus lebten. Mit ihrem Auszug aus dem schmalen Haus haben sie sich auseinandergelebt, das Verhältnis ist schwierig, und sie haben wenig Kontakt zueinander. 
 
Das Buch hat mich sehr berührt, und ich konnte mich sehr gut in die Eltern hineinversetzen, die wenig begeistert von den Umzugsplänen ihrer Tochter sind, aber auch in Sanne, die durch die Situation völlig überlastet ist und einen Ausweg sucht. Das aktuelle Thema ist emotional, fast jeder von uns steht irgendwann vor der Frage, was zu tun und vor allem richtig ist, wenn die Eltern alt werden und "nicht mehr können". Die Autorin schildert die Problematik des Älterwerdens und den Umgang der jüngeren Generation damit äußerst einfühlsam und lebensnah. Auch das Verhältnis der Schwestern untereinander, die zutage tretenden alten Konflikte und die emotionale Belastung, die mit der aktuellen Situation verbunden ist, hat Ute Mank ganz wunderbar beschrieben, die unterschiedlichen Charaktere äußerst authentisch und bildhaft skizziert.
 
Ich habe die in ruhigem und klarem Sprachstil erzählte Geschichte sehr gern gelesen, sie hat mich berührt und sehr nachdenklich gemacht.
Absolute Leseempfehlung!

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Lesenswerter Roman über ein emotionales Thema
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Großartige und intelligente Unterhaltung

Elternhaus von Ute Mank

In seinem beeindruckenden Roman "Reitmayr machte immer alles mit links" erzählt Jan C. Behmann die Geschichte des Rechtsanwalts Frederic Reitmayr, der es geschafft hat, Partner in der Sozietät Flachs & Delk in Frankfurt zu werden. Der 43-jährige kommt aus einfachen Verhältnissen, der Vater war Beamter, die Mutter Hausfrau, Geschwister hat er keine.

Er ist stolz auf das Erreichte, schließlich beschäftigt die Firma fast 200 Juristen, aber nur 22 davon sind Partner. Den erarbeiteten Luxus weiß er zu genießen, hat sich ein Penthouse direkt am Main gegönnt, relaxt gern in seinem Eames-Lounge-Chair und genießt den Kaffee aus seiner Siebträgermaschine . Seinen Audi TT wird er in Kürze durch einen Porsche 911 ersetzen, er trägt nur noch Maßanzüge, und bald wird er handgefertigte Maßschuhe aus Wien sein Eigen nennen. Er liebt es, bei einem edlen Wein gepflegt speisen zu gehen, gern in Begleitung seines besten Freundes aus Studientagen, Balthasar Seydler, der Jurist in einer anderen Großkanzlei ist.

Reitmayr widmet sich mit Hingabe seinem Luxusleben, vernachlässigt darüber jedoch seine Anwaltstätigkeit, und bald steht ihm großer Ärger ins Haus wegen eines für die Kanzlei unverzichtbaren Mandanten. Außerdem entdeckt eine Wirtschaftsprüferin Unregelmäßigkeiten bei Zahlen in wichtigen Dokumenten. Plötzlich geschieht etwas, das Reitmayr in seinen Grundfesten schwer erschüttert ...

Der Roman, mit dem uns der Autor ins Anwaltsmilieu entführt, hat mir sehr gut gefallen. Er liest sich sehr flüssig, ist spannend und in intelligentem Sprachstil geschrieben. Mit viel Humor beschreibt der Autor das private und berufliche Leben seines sympathischen Protagonisten und lässt uns dabei tief in dessen Gedanken- und Gefühlswelt blicken. Die Charaktere sind bildhaft und präzise skizziert. Das Ende hat mich überrascht, es ist stimmig und regt einmal mehr zum Nachdenken darüber, was wirklich wichtig ist im Leben, an. Ich habe die Geschichte mit sehr viel Freude gelesen, der feine Humor des Autors machte den Roman für mich zu einem äußerst unterhaltsamen und kurzweiligen Leseerlebnis.

Das Buch kommt als Taschenbuch im handlichen Pocketformat daher und passt dadurch in fast jede Tasche. Hervorzuheben ist das wunderschön gestaltete Cover, das mich bereits auf den ersten Blick begeistert hat.

Absolute Leseempfehlung von mir für diesen intelligenten, humorvollen und spannenden Roman!

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Lesenswerter Roman über ein emotionales Thema
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Berührende Geschichte vor faszinierender Kulisse

Zwei Wochen für ein ganzes Leben von Dierk Breimeier

Dierk Breimeier erzählt in seinem Roman "Zwei Wochen für ein ganzes Leben" die Geschichte des jungen Raimund, der einst als Matrose auf einem Frachtschiff zur See gefahren und nun als Theaterregisseur tätig ist. Er ist fasziniert von der Schönheit Lapplands und tritt Ende August zum dritten Mal die lange Reise von Hamburg nach Lappland an.

Diesmal hat er für 8 Monate eine abgelegene Hütte gemietet, um dort den arktischen Winter zu verbringen und sich auf eine neue Theaterproduktion vorzubereiten. Die Hütte ist klein, sie hat keinen Strom, besteht nur aus einem einzigen Raum und ist zweckmäßig eingerichtet. Während der ersten Tage ist Raimund mit der Beschaffung von Brennholz beschäftigt, Wasser holt er sich aus dem nahe gelegenen See.

Im nächstgelegenen Ort befindet sich eine Cafeteria, die von Kajssa und Jokki sowie deren Tochter Lilija bewirtschaftet wird. Hier kann Raimund nicht nur einkaufen und telefonieren, man kümmert sich dort auch um seine Wäsche. Zwischen Lilija und Raimund kommt es zur behutsamen Annährung, und auch Lilijas Eltern begegnen Raimund mit viel Herzlichkeit. Dieser steht bald vor der Frage, ob eine Liebe zwischen zwei Menschen aus derart unterschiedlichen Kulturkreisen möglich ist ...

Das in ruhigem und klarem Sprachstil geschriebene Buch liest sich flüssig und hat mir gut gefallen. Es nimmt den Leser mit auf die Reise in ein außergewöhnliches Land. Wir lernen die Samen, ihre Bräuche und Traditionen kennen und begleiten Raimund auf seinen mehrtägigen abenteuerlichen Wanderungen. Beeindruckend sind die faszinierenden und intensiven Naturbeschreibungen. Die sich langsam entwickelnde Zuneigung zwischen Raimund und Lilija hat mich sehr berührt, Raimunds Überlegungen, seine innere Zerrissenheit und seine Entscheidung konnte ich gut nachempfinden.

Diese schöne und berührende Geschichte hat ein größeres Publikum verdient. Allerdings gibt es einen Kritikpunkt: anscheinend hat das Buch vor der Veröffentlichung kein professionelles Lektorat durchlaufen. Das sollte vor einer Neuauflage nachgeholt werden, da der Roman leider viele Rechtschreib- und Zeichenfehler, aber auch Setz- und stilistische Fehler enthält.

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Berührende Geschichte vor faszinierender Kulisse
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Geschichte über eine junge Frau, die für ihren Traum kämpft

Wunder gibt es immer wieder von Beate Sauer

Der Heyne Verlag hat "Wunder gibt es immer wieder", den neuen Roman von Beate Sauer, veröffentlicht. Es handelt sich um den ersten Band der Trilogie "Die Fernsehschwestern". Die beiden Fortsetzungen werden im Oktober 2023 bzw. Januar 2024 erscheinen.

Die Geschichte spielt in München, wir schreiben das Jahr 1953.

Im Mittelpunkt steht die junge Eva Vordemfelde, die mit ihren Eltern und den beiden Zwillingsschwestern Franzi und Lilly in München lebt. Ihr Vater Axel ist Journalist beim Münchner Abend, die Mutter Annemie ist Hausfrau. Das Fernsehen hält Einzug in viele Haushalte, und auch die Familie Vordemfelde erlebt vor dem Bildschirm live die Krönung von Queen Elizabeth. Zwei Jahre später arbeitet Eva als Sekretärin in einer Druckerei. Sie ist nicht glücklich damit, sie entwirft und näht mit Leidenschaft ihre Kleider und wäre viel lieber Schneiderin geworden. Aber der Vater hat es ihr nicht erlaubt, war der Meinung, das sei etwas für kleine Leute. Während eines Urlaubs mit ihrer Cousine Margit in Ischgl hat Eva in dem Film "Sissi" mit Romy Schneider einen kurzen Einsatz als Statistin. Sie bewundert die wunderschönen Kostüme der Schauspieler und beschließt, Kostümbildnerin zu werden. Ihr Vater torpediert ihren Plan, doch er hat nicht mit der Zielstrebigkeit und dem Mut seiner Tochter gerechnet ....

Das Buch führt uns in die Welt der fünfziger Jahre, wir erleben die historischen Ereignisse und die Anfänge des Fernsehens. Das alles ist bestens recherchiert und sehr unterhaltsam. Die Autorin beschreibt das Leben einer typischen Familie der fünfziger Jahre, als die Rolle der Frau noch eine ganz andere war als heute. Die Väter verdienten das Geld und erwarteten, dass die Familienmitglieder sich nach ihren Wünschen richteten. Das ist auch bei den Vordemfeldes so. Axel hat das Sagen, seine Frau Annemie ordnet sich ihm vollkommen unter. Eva hingegen verfolgt ihre eigenen Ziele, für die ihr Vater kein Verständnis hat. Nach dem Umzug nach Bonn vermittelt er ihr eine Stelle als Sekretärin beim NWDR, dem späteren WDR. Aber Eva ist nicht glücklich in ihrem Beruf und setzt alles daran, ihren Traum zu verwirklichen, auch gegen den Willen des konservativen Vaters.

Der Roman hat mir in weiten Teilen gut gefallen. Der Autorin ist es ganz wunderbar gelungen, den damaligen Zeitgeist einzufangen. Der Roman liest sich flüssig, die Charaktere sind authentisch und bildhaft beschrieben. Die Handlung ist stimmig und für mich nachvollziehbar. Im letzten Drittel nimmt das Buch dann gewaltig an Fahrt auf. Die Ereignisse innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne überschlagen sich. Diese vielen Geschehnisse wirkten auf mich sehr unglaubwürdig und haben mir dann letztlich die Lesefreude genommen. Auch die Liebesgeschichte von Eva und Paul konnte mich leider nicht begeistern, ich fand sie am Ende eher kitschig und wenig glaubhaft.

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Geschichte über eine junge Frau, die für ihren Traum kämpft
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Dramatisch und beklemmend

Institut für gute Mütter von Jessamine Chan

Der Ullstein Verlag hat "Institut für gute Mütter", den beeindruckenden Debütroman der amerikanischen Autorin Jessamine Chan, veröffentlicht.
 
Im Mittelpunkt der verstörenden Geschichte steht die alleinerziehende 39-jährige Frida Liu, die mit der Betreuung ihrer 18 Monate alten Tochter Harriet und ihrer Tätigkeit im Homeoffice vollkommen überfordert.

ist. Ihr Ehemann Gust hat sie 3 Monate nach Harriets Geburt verlassen, seitdem teilen sie sich das Sorgerecht für ihre Tochter. Es ist für Frida "ein schlechter Tag", an dem sie total übermüdet einen folgenschweren Fehler begeht und Harriet über zwei Stunden allein in der Wohnung zurücklässt, um sich einen Kaffee zu besorgen und anschließend kurz ihren Arbeitsplatz aufzusuchen. Nachbarn hören das Kind schreien und benachrichtigen die Polizei, die es umgehend aus der Wohnung holt. Die eingeschaltete Kinderschutzbehörde entzieht der Mutter mit sofortiger Wirkung das Sorgerecht und gibt die Kleine in die Obhut ihres Vaters Gust und dessen Lebensgefährtin Susanna. 
 
Frida darf ihre Tochter fortan nur kurzzeitig und in Anwesenheit einer Sozialarbeiterin besuchen. Es kommt zu einer Gerichtsverhandlung, und Frida muss für die Dauer eines Jahres an einem Rehabilitierungsprogramm teilnehmen. In einem ehemaligen College absolviert sie gemeinsam mit anderen Müttern zahlreiche Unterrichts- und Trainingsstunden mit dem Ziel, eine gute Mutter zu werden und dabei stets das Wohl des Kindes über das eigene zu stellen. Dabei wird ihr eine KI-Puppe, die ihrer Tochter ähnlich sieht und die sie Emmanuelle nennt, zur Seite gestellt. Das Projekt unterliegt strengster Geheimhaltung, im Institut gelten zahlreiche Regeln, Verbote und Strafen sind an der Tagesordnung.
 
Die Autorin führt uns in eine neue dystopische Welt, in der mütterliche Verfehlungen drakonisch geahndet werden. Wir erleben Fridas verzweifelte Bemühungen, das Rehabilitierungsprogramm erfolgreich zu absolvieren und leiden mit ihr, wenn ihr - oft aus nichtigen Gründen - untersagt wird, mit Harriet zu telefonieren. Das Training mit der Puppe ist fordernd und bringt Frida immer wieder an ihre Grenzen. Neben Frida lernen wir auch weitere Mütter mit unterschiedlichen Schicksalen und Lebenswegen kennen. Sie alle sind ständigen Demütigungen und Schikanen durch die Mitarbeiter des Instituts ausgesetzt, werden ständig überwacht. Was den Frauen angetan wird, ist oft nur schwer zu ertragen. In der Besserungsanstalt gibt es auch Väter, die sich Verfehlungen haben zuschulden kommen lassen, jedoch werden diese weniger hart behandelt als die weiblichen Insassen.
 
Das Buch liest sich flüssig und ist fesselnd geschrieben. Die Charaktere sind sehr authentisch und bildhaft skizziert. Frida war mir sympathisch, ich habe mitgelitten und gehofft, dass sie Harriet bald wiedersehen darf. Allerdings konnte ich nicht verstehen, dass sie als Auslöser ihrer Situation immer nur den "richtig schlechten Tag" sieht und keine wirkliche Einsicht zeigt.
Der Roman zeigt ein beunruhigendes Schreckensszenario auf, das betroffen macht und unter die Haut geht. Er behandelt auch Themen wie Rassismus, Sexismus und Diskriminierung. Die Geschichte bietet viel Diskussionsstoff und regt zum Nachdenken an. Das Ende hat mir gefallen, ich fand es sehr stimmig. 
 
Leseempfehlung für diesen dramatischen und beklemmenden Roman, der bald als TV-Serie verfilmt wird. 

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Dramatisch und beklemmend
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Großartige und mit feinem Humor erzählte Familiengeschichte

Schönwald von Philipp Oehmke

Der Piper Verlag hat "Schönwald", den Debütroman von Philipp Oehmke, veröffentlicht.
 
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die gut situierte Familie Schönwald. Sie besteht aus Hans-Harald - bis auf seine Frau nennen ihn alle Harry -, seiner Ehefrau Ruth sowie ihren Kindern Christopher, Karolin und Benni.

Der 80-jährige Harry ist pensionierter Oberstaatsanwalt, seine über 70-jährige Frau absolvierte ein Germanistikstudium, verzichtete aber zum Wohle der Familie auf eine eigene Karriere. Das Paar lernte sich auf einem Militärball kennen, ist seit über 50 Jahren verheiratet und lebt in Köln. Christopher ist mit seinen 49 Jahren der Älteste der Geschwister, er lebt seit langem in New York und ist Literaturprofessor an der Columbia Universität. Seine Schwester Karolin ist 2 Jahre jünger. Sie hat Kunstgeschichte studiert und ist dabei, sich in Berlin ihren Lebenstraum zu erfüllen. Benni ist mit seinen 37 Jahren der Nachzügler, hat Jura und Mathematik studiert und lebt mit seiner Frau Emilia, Tochter eines schwerreichen Vaters, und den zwei Kindern in der Uckermark. Er hat nicht den Ehrgeiz seiner Geschwister, dafür verfügt er über eine hohe soziale Kompetenz und eine rasche Auffassungsgabe.
 
Aus Anlass der Eröffnung von Karolins queerem Fachbuchladen trifft sich die Familie in Berlin, um das Ereignis gemeinsam zu feiern. Dabei kommt es zu einem unschönen Zwischenfall, als junge Internet-Aktivisten Farbbeutel gegen die Schaufensterscheiben werfen. Sie protestieren damit gegen die Finanzierung des Geschäfts durch sogenanntes "Nazigold".
 
In Rückblicken wird die Familiengeschichte der Schönwalds aufgeblättert. Alle Familienmitglieder haben ihre Probleme und Geheimnisse, von denen die anderen nichts wissen. Die Unfähigkeit, über Probleme zu kommunizieren, gehört für sie zur Normalität, und besonders Ruth ist der Meinung, dass nicht alles thematisiert werden muss. Nach und nach wird nun so manches Geheimnis aufgedeckt, und bisher Ungesagtes kommt zur Sprache. Wir erfahren nicht nur die Gründe für Christophers berufliche Veränderungen in den USA, auch die lange Zeit verdrängten Geschehnisse während Ruths Aufenthalt mit Karolin in Hamburg werden endlich thematisiert.
Das Buch widmet sich vielen Themen, so geht es neben Kindesmissbrauch und Homosexualität auch um die Trump-Bewegung und Sexismus. 
 
Philipp Oehmke erzählt die Geschichte in sehr schönem und anspruchsvollem Sprachstil. Die vielschichtigen Charaktere beschreibt er sehr authentisch und bildhaft. Ich konnte mich dadurch sehr gut in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten hineinversetzen. Besonders sympathisch waren mir Harry und Benni. Die enge und liebevolle Bindung zwischen Christopher und Benni hat der Autor mit viel Empathie beschrieben, sie hat mich sehr berührt. Der Roman hat mich von Beginn an bis zum überraschenden Ende gefesselt. Ich habe die Geschichte mit sehr viel Freude gelesen, der feine Humor des Autors machte das Buch zu einem äußerst unterhaltsamen Leseerlebnis. 
 
Absolute Empfehlung von mir für diesen großartigen Debütroman, der einmal mehr aufzeigt, wie wichtig Offenheit und Kommunikation innerhalb der Familie sind!

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Großartige und mit feinem Humor erzählte Familiengeschichte
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Meisterhaft erzählt, faszinierend und spannend!

Die Affäre Alaska Sanders von Joël Dicker

Der Piper Verlag hat "Die Affäre Alaska Sanders", den neuen Erfolgsroman des Schweizer Autors Joël Dicker, veröffentlicht. Das Buch ist nach "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" und "Die Geschichte der Baltimores" der dritte Band der Marcus Goldman-Reihe. Sicherlich ist es hilfreich, die beiden Vorgänger zu kennen, das Buch kann jedoch auch gut ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

 

Die faszinierende Geschichte beginnt im Jahr 1999. In Mount Pleasant, einem Ort an der amerikanischen Ostküste, findet eine Joggerin in den frühen Morgenstunden am Ufer eines Sees die Leiche einer jungen Frau. Es handelt sich um die 22-jährige Alaska Sanders, die erst vor einem halben Jahr zu ihrem Freund gezogen war und in einer Tankstelle arbeitete. Die zuständige Staatspolizei New Hampshire unter der Leitung von Sergeant Perry Gahalowood überführt innerhalb kurzer Zeit die Schuldigen, und der Fall scheint trotz einer unvorhersehbaren Katastrophe abgeschlossen zu sein.

Die Handlung springt in das Jahr 2010, und wir begegnen dem Autor Marcus Goldman, der die Verfilmung seines Romans "G wie Goldstein" verfolgt. Die Ereignisse um Harry Quebert liegen mittlerweile 2 Jahre zurück, damals arbeitete er eng mit Sergeant Perry Gahalowood zusammen. Perry erhält nach 11 Jahren einen beunruhigenden anonymen Brief. Wurde damals wirklich der Richtige eingesperrt? Gemeinsam mit Marcus rollt er den Fall neu auf, um herauszufinden, was tatsächlich mit Alaska Sanders passierte. 

Das Buch ist in schönem und klugem Sprachstil geschrieben und liest sich sehr flüssig. Bereits die erste Seite ist spannend, die Spannung steigert sich immer weiter und bleibt bis zum Ende auf hohem Niveau. Die Auflösung ist verblüffend und gleichzeitig sehr bewegend. Der Roman ist auf zwei Zeitebenen erzählt, blickt darüber hinaus aber auch auf viele Ereignisse der Vergangenheit zurück. Diese Zeitsprünge sind sehr übersichtlich dargestellt, so dass man der Handlung jederzeit gut folgen kann. Den authentisch und äußerst bildhaft skizzierten Charakteren räumt der Autor breiten Raum ein. 

Die geschickt konstruierte Geschichte ist äußerst spannend und steckt voller Überraschungen. Der Autor hat mich nicht nur einmal auf falsche Fährten geführt, immer wieder gab es raffinierte Wendungen, neue Spuren und Erkenntnisse. Nach und nach wurden alle Geheimnisse aufgedeckt. Ich konnte das spannende Buch kaum aus der Hand legen und fühlte mich von Anfang bis Ende bestens unterhalten.

Absolute Leseempfehlung für diesen meisterhaft erzählten Krimi!

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Meisterhaft erzählt, faszinierend und spannend!
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Hinreißender Debütroman über zwei Freunde

Leonard und Paul von Rónán Hession

Der Debütroman "Leonard and Hungry Paul" des irischen Autors Rónán Hession wurde bereits 2019 in Irland und England veröffentlicht. Damit das erfolgreiche Buch auch in deutscher Übersetzung erscheinen konnte, haben Frauke Meurer & Torsten Woywod eigens einen Verlag gegründet.
 
Leonard, schüchternes Kind schüchterner Eltern, lebt auch mit über dreißig noch bei seiner verwitweten Mutter.

Sie schätzen sich, leben friedlich miteinander und gehen gemeinsam auf Reisen. Beide lieben es, zusammen in Museen zu gehen und Kirchen zu besichtigen. Nachdem seine Mutter überraschend an einem Herzinfarkt verstirbt, muss Leonard sich einem neuen Alltag stellen.
Sein bester und einziger Freund ist Paul, der wie er über dreißig ist, noch bei seinen Eltern lebt und sich dort wohlfühlt. Paul arbeitet aushilfsweise als Briefträger, Leonard verfasst als Ghostwriter Sachbücher und Lexika für Kinder. Beide sind introvertiert, zufrieden mit ihrem Leben, und sie treffen sich regelmäßig, um Gesellschaftsspiele zu spielen. Doch bald gibt es Veränderungen in ihrem Leben, neue Chancen eröffnen sich.
 
Der Autor erzählt die vollkommen kitschfreie Geschichte, die mich von der ersten Seite an begeistert hat, in ruhigem und brillantem Sprachstil. Der Leser lernt neben Leonard und Paul sowie dessen Eltern auch Pauls Schwester Grace kennen, die sich mitten in den stressigen Vorbereitungen für ihre Hochzeit befindet. Sie liebt ihren Bruder, der zu ihrem Leidwesen nicht daran denkt, aus seinem Kinderzimmer auszuziehen, um endlich ein eigenständiges Leben zu führen.
 
Warmherzig und humorvoll beschreibt Rónán Hession seine Protagonisten. Sie sind sehr speziell, etwas unbeholfen im Umgang mit anderen, in ihren Gewohnheiten fest verankert und wissenschaftlich interessiert. Das Miteinander der Freunde ist geprägt von großem Interesse am anderen, Achtung und Freundlichkeit. Beide sind sehr sympathisch und mir schnell ans Herz gewachsen. Sehr gern habe ich Leonard und Paul begleitet und mitgefiebert, wenn sie vor besonderen Situationen standen. Immer wieder bringt uns der Autor zum Schmunzeln, z.B. beim Anzugkauf, dem Konfekt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum bereits lange abgelaufen ist oder dem Deppenaprostoph.
 
Es hat mir sehr viel Freude bereitet, dieses außergewöhnliche und berührende Buch zu lesen.
Ich freue mich schon jetzt auf den zweiten Roman des Autors, der hoffentlich bald auch in deutscher Übersetzung zu lesen sein wird. 
Absolute Leseempfehlung von mir für diesen unterhaltsamen, humorvollen und tiefgründigen Roman, den ich mir auch sehr gut als Vorlage für einen Film vorstellen kann.

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Hinreißender Debütroman über zwei Freunde
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Harmonisches Miteinander in der Wohngemeinschaft

Unsere Stimmen bei Nacht von Franziska Fischer

Der Dumont Verlag hat "Unsere Stimmen bei Nacht", den neuen Roman von Franziska Fischer, veröffentlicht.
Gloria und Herbert, Eigentümer einer alten Berliner Villa, haben sich dafür entschieden, vier Räume unterzuvermieten, da ihre Kinder längst erwachsen sind und eigene Wege gehen. Die ersten Mieter sind der Chemieprofessor Gregor und seine Tochter Alissa, es folgt der Student Jay, und als letzte Mieterin wird Lou, die Tanzkurse für Jugendliche gibt und in einem Programmkino arbeitet, in die Wohngemeinschaft aufgenommen.

Gloria bekocht ihre Mieter, Herbert fällt es schwer, sich auf die neue Situation einzustellen. Er betreibt im Erdgeschoss des Hauses ein Antiquariat.

Die Geschichte über die Wohngemeinschaft, in deren Mittelpunkt Lou steht, ist in ruhigem und angenehmem Sprachstil erzählt und liest sich flüssig. Nach und nach lernen wir die Bewohner kennen und erleben ihr Zusammenleben und ihren Alltag.

Ich bin davon ausgegangen, auf sechs vollkommen unterschiedliche Personen mit Ecken und Kanten zu treffen, die sich zusammenraufen und im Alltag ihre kleinen und größeren Meinungsverschiedenheiten haben. Aber das trifft auf die Geschichte absolut nicht zu. Es geht immer freundlich und harmonisch in der Wohngemeinschaft zu, man gibt Mitbewohnern Lebenshilfe und ist stets mit Rat und Tat zur Stelle, kocht und chillt später sogar gemeinsam. Das alles ist sehr warmherzig erzählt, aber in meinen Augen doch eher unrealistisch. Nie kommt es zu Konflikten, nie wird gestritten. Das mag vielen gefallen, mir ging die Geschichte zu sehr in Richtung Wohlfühlroman. Die mir fehlende Spannung kam leider erst kurz vor dem Ende auf und scheint eine Fortsetzung des Buches anzudeuten.

Trotz flachem Spannungsbogen habe ich das Buch der leisen Töne gern gelesen, der Sprachstil hat mir gefallen, die Protagonisten sind sympathisch und bildhaft beschrieben und führen schöne und anregende Gespräche.

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Harmonisches Miteinander in der Wohngemeinschaft
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Spannendes und berührendes Buch über eines der wichtigsten Themen unserer Zeit

Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen von John Ironmonger

Der Fischer Verlag hat "Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen", den neuen Roman von John Ironmonger, veröffentlicht.

In einem Pub des kleinen Fischerortes St. Piran in Cornwall, das wir bereits aus dem Bestseller "Der Wal und das Ende der Welt" kennen, kommt es zwischen dem 20-jährigen Studenten Tom Horsmith und dem 40-jährigen Abgeordneten Monty Causley zu einem hitzigen Streitgespräch über den Klimawandel, den Monty leugnet.

Unter Alkoholeinfluss schließen sie eine folgenschwere Wette auf die Zukunft ab. Tom wettet mit dem Politiker, dass dieser in 50 Jahren bei Flut nicht im Wohnzimmer seines unmittelbar am Meer gelegenen Hauses sitzen kann, sondern ertrinken würde. Diese Wette bestimmt fortan ihr Schicksal, und die beiden Männer werden sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder begegnen.

In brillantem Sprachstil bringt uns John Ironmonger die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels nahe. Die informativen Schilderungen über das Klima, die Naturgewalten, das Abschmelzen der grönländischen Gletscher und das Ansteigen der Meeresspiegel sind hochinteressant. Der Autor erzählt die faszinierende Geschichte in teils größeren Zeitsprüngen und verknüpft sie mit einer berührenden Liebesgeschichte, die das Buch aber nicht dominiert. Der Roman ist spannend, zugleich humorvoll und poetisch. Es geht nicht nur um den Klimawandel, sondern auch um Freundschaft, Liebe und Trauer. Das überraschende Ende ist stimmig und macht Hoffnung.

Dem Autor ist es gelungen, nicht nur die Charaktere der beiden sehr unterschiedlichen Hauptprotagonisten, sondern auch die sämtlicher Nebenfiguren äußerst authentisch und bildhaft zu zeichnen. Die Entwicklung von Tom und Monty über die Jahrzehnte ist ganz wunderbar beschrieben. Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an gefesselt und in ihren Bann gezogen. Die Zeitsprünge haben mir sehr gut gefallen, ebenso die interessanten Einblicke in die politische Medienarbeit und der Ausblick auf das Leben der nächsten Generation. Die Begegnung mit dem Eisbären ist sehr berührend.

Ich habe das großartige Buch, das mich keine Minute gelangweilt hat und bereits jetzt zu meinen diesjährigen Highlights gehört, mit sehr viel Freude gelesen. Es ist ein eindringlicher Appell an uns, es geht um unsere Zukunft und die unserer Kinder und Enkel!
Absolute Leseempfehlung von mir für diesen faszinierenden Roman, der mich noch lange beschäftigen wird!

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Spannendes und berührendes Buch über eines der wichtigsten Themen unserer Zeit