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Rezensionen von KimVi:
Mitreißende Fortsetzung
Jahre an der Elbchaussee von Lena Johannson
Hamburg, Ende der zwanziger Jahre: Endlich scheint Frieda den Platz im Leben gefunden zu haben, von dem sie immer geträumt hat. Ihr Vater bindet sie immer mehr in die Geschicke des Familien-Kontors ein und ihre Schokoladenmanufaktur feiert große Erfolge. Ihr Verlobter Per Möller unterstützt ihren Wunsch, sich als Frau in der Geschäftswelt zu behaupten.
Die Hochzeit der beiden steht kurz bevor. Doch dann taucht Friedas Jugendliebe wieder auf. Frieda muss herausfinden, ob ihr noch etwas an diesem Mann liegt, denn sonst kann sie nicht mit Per vor den Traualtar treten. Doch nicht nur ihr Privatleben fordert Entscheidungen von Frieda, denn auch im Geschäft kommt es zu einigen Unabwägbarkeiten. Die politische Lage wird außerdem immer kritischer, sodass Frieda Angst um ihre jüdische Freundin Clara bekommt...
"Jahre an der Elbchaussee" ist nach "Die Villa an der Elbchaussee" bereits der zweite Band der Hamburg-Saga von Lena Johannson. Der Folgeband schließt beinahe nahtlos an die Ereignisse des ersten Teils an. Da die Autorin wichtige Hintergrundinformationen aus dem Auftaktband in die Handlung einfließen lässt, kann man den zweiten Teil sicher auch ohne Vorkenntnisse lesen. Dennoch ist es sinnvoller, wie bei jeder anderen Bücherserie auch, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da man so die Weiterentwicklung der Charaktere beobachten kann.
Der Einstieg in den Folgeband gelingt mühelos, denn Lena Johannson versteht es hervorragend, Charaktere und Handlungsorte so zu beschreiben, dass man das Gefühl hat, selbst vor Ort zu sein. Außerdem fließt der damalige Zeitgeist authentisch ins Geschehen ein. Dadurch kann man ganz in die Handlung eintauchen und Friedas weiteren Lebensweg verfolgen. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und passt ausgesprochen gut zur Erzählung. Ganz nebenbei fließen historisch belegte Ereignisse ein, die das Ganze noch authentischer wirken lassen.
Frieda hat in diesem Band beruflich und privat einige Entscheidungen zu treffen. Dass das nicht immer einfach ist, wird mitreißend und authentisch beschrieben. Frieda wirkt sehr sympathisch, auch wenn man sie gelegentlich schütteln möchte. Doch daran erkennt man ja, wie lebendig diese Protagonistin wirkt, sodass man einfach mit ihr mitfiebert und hofft, dass sie die richtigen Entscheidungen trifft. Auch die anderen Charaktere werden so detailliert und authentisch beschrieben, dass sie beim Lesen zum Leben erwachen. Man kann sich alles mühelos vorstellen und ganz in die damalige Zeit eintauchen. Das Buch liest sich dadurch quasi von selbst, sodass man viel zu schnell am Ende ankommt und darauf hofft, die Fortsetzung schnell in die Händen zu halten.
Spannender Pageturner!
Jahre an der Elbchaussee von Lena Johannson
Die dreißigjährige Ally überlebt als Einzige den Absturz eines kleinen Privatflugzeugs in den Rocky Mountains. Sie ist verletzt und völlig auf sich gestellt. Sie weiß, dass sie den Absturzort schnell verlassen und sich durch die unwegsame Wildnis kämpfen muss. Denn schon bald wird man nach ihr suchen, um sicherzustellen, dass niemand das Unglück überlebt hat.
Verzweifelt nimmt sie den Kampf ums Überleben auf. Allys Mutter Maggie, die jahrelang keinen Kontakt zu ihrer Tochter hatte, will nicht glauben, dass Ally tot ist. Sie beginnt Nachforschungen anzustellen. Dabei erfährt sie einiges über ihre Tochter. Diese scheint nicht mehr der Mensch zu sein, den Maggie gekannt hat. Doch Allys Mutter lässt sich nicht beirren und ahnt nicht, dass sie dadurch selbst in große Gefahr gerät.
Der Einstieg in die Handlung gelingt mühelos, denn Jessica Barry versteht es vom ersten Moment an, das Interesse an dem Flugzeugabsturz und seinen Hintergründen zu wecken. Man ist dadurch sofort mitten im Geschehen und kann sich ganz darauf einlassen. Dabei betrachtet man die Ereignisse aus wechselnden Perspektiven. Zum einen schaut man Abby bei ihrem Kampf durch die Wildnis zu und erfährt dabei nach und nach etwas aus ihrer Vergangenheit. In der anderen Perspektive steht Maggie, die Mutter von Abby, im Zentrum der Ereignisse. Auch hier erfährt man nicht nur wie sie mit den aktuellen Ereignissen umgeht, sondern bekommt Puzzleteile aus der gemeinsamen Vergangenheit präsentiert.
Die ständig wechselnden Perspektiven, die häufig an entscheidenden Stellen stoppen, sorgen für ein hohes Tempo, das durchgehend gehalten werden kann. Atemlos verfolgt man die Ereignisse und fragt sich ständig, was passiert ist und wie es nun weitergehen wird. Dabei tappt man lange Zeit im Dunkeln und wird zum Miträtseln angeregt. Die Charaktere wirken dabei so lebendig, dass man gebannt in die Handlung eintaucht. Die bereits früh aufgebaute Spannung kann nicht nur durchgehend gehalten werden, sondern steigert sich im Verlauf stetig, um am Ende in einem rasanten Finale zu gipfeln. Zugegebenermaßen werden erfahrene Thrillerleser die Zusammenhänge schon vor dem großen Showdown erahnen, dennoch wird man durchgehend spannend unterhalten.
Ein temporeicher Pageturner, den man, einmal angefangen, kaum noch aus der Hand legen mag.
Temporeicher Thriller
Jahre an der Elbchaussee von Lena Johannson
Die Leiche einer jungen Frau wird auf einem Berg gefunden. Die Todesursache ist zunächst nicht klar. Doch die Blutprobe gibt Aufschluss darüber, dass Drogen im Spiel waren. Allerdings war die Tote dafür bekannt, Medikamente und Drogen komplett abzulehnen. Die Leiterin einer Wohltätigkeitsorganisation, die stets auf ihren Körper geachtet hat, soll am Missbrauch von Schlankheitstabletten gestorben sein.
Ist hier ein äußerst perfider Täter am Werk? Und hängen die Fälle zusammen? DI Callanach und DCI Turner nehmen die Ermittlungen auf. Die Zeit drängt, denn der Täter könnte schon das nächste Opfer im Visier haben....
"Die perfekte Strafe" ist nach "Die perfekte Gefährtin" und "Die perfekte Unschuld" bereits der dritte Band der Thriller-Reihe um die Ermittler Luc Callanach und Ava Turner. Da die Fälle in sich abgeschlossen sind, können sie unabhängig voneinander gelesen werden. Wenn man allerdings an der Weiterentwicklung der beruflichen und privaten Nebenhandlungen interessiert ist, empfiehlt sich, wie bei jeder anderen Bücherserie auch, die Einhaltung der Reihenfolge.
Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Man beobachtet nicht nur die Ermittlungsarbeit, sondern kann auch dem Mörder bei seinem perfiden Treiben über die Schulter schauen. Dieses Mal hat es das Team nicht nur mit der Suche nach dem Täter zu tun, denn Ava Turner stößt auf Ungereimtheiten beim angeblichen Selbstmord ihres ehemaligen Chefs. Dadurch ist sie nicht nur von den aktuellen Ermittlungen ein wenig abgelenkt, sondern sticht in ein Wespennest mit äußerst gereizten Exemplaren. Dabei kommt etwas ans Tageslicht, das sie kaum mit ihrem Gewissen vereinbaren kann. Beide Handlungsstränge sind durchgehend interessant und bieten einige spannende Momente.
Der Schreibstil ist flüssig und äußerst angenehm lesbar. Handlungsorte und Protagonisten werden so lebendig beschrieben, dass man beinahe meint, selbst vor Ort zu sein und alles zu beobachten. Relativ kurze Kapitel, die oft an entscheidenden Stelle stoppen, sorgen für einen temporeichen Thriller, den man nach kurzer Zeit nicht mehr aus der Hand legen mag. Allerdings hat man gelegentlich das Gefühl, dass der Zufall hier ein wenig zu oft eingreift. Deshalb wirken einige Ereignisse etwas konstruiert. Wenn man darüber großzügig hinwegsieht, wird man mit spannenden Lesestunden, die in einem rasanten Finale gipfeln, belohnt.
Spannender Pageturner!
Tod und kein Erbarmen von Elias Haller
Kriminalhauptkommissar Erik Donner ist noch immer dabei, sich von dem schweren Schicksalsschlag, der ihn erneut getroffen hat, zu erholen. Um dem Alltag und den ewig kreisenden Gedanken zu entgehen, verbringt er spontan ein paar Tage in einem kleinen Ort im Erzgebirge. Hier verschwand vor zehn Jahren auf dem Schulweg die achtjährige Violetta, von der, trotz akribischer Suche, nie wieder eine Spur gefunden wurde.
Ihre Cousine hat die Hoffnung, Violettas Verschwinden aufzuklären, niemals aufgegeben. Da sie neue Hinweise entdeckt und erfahren hat, dass mit Erik Donner gerade ein Kriminalkommissar im Ort ist, sucht sie ihn auf, um ihn für diesen Fall zu begeistern. Das Gespräch läuft allerdings aus dem Ruder. Am nächsten Morgen erwacht Donner völlig verkatert in seinem blutigen Pensionsbett. Donner kann sich an nichts erinnern, gerät allerdings schnell ins Visier der ortsansässigen Polizei....
Dieser Band ist bereits der siebte Fall für Erik Donner. Um den aktuellen Ereignissen zu folgen, ist es nicht unbedingt nötig die Vorgänger zu kennen, da wichtige Hintergrundinformationen in die Handlung eingestreut werden. Wenn man allerdings an den beruflichen und privaten Weiterentwicklungen der Hauptcharaktere interessiert ist, empfiehlt sich, wie bei jeder anderen Bücherserie auch, die Einhaltung der Reihenfolge.
"Tod und Erbarmen" ist anders als die Vorgänger, denn Erik Donner wird vom Jäger zum Gejagten. Das ist für Donner eine vollkommen neue Erfahrung, mit der er auf seine ganz besondere Art und Weise umgeht. Doch nicht nur das macht Donner zu schaffen, denn es stellt sich schon bald heraus, dass der alte Fall der damals verschwundenen Violetta der Schlüssel zu den aktuellen Vorgängen sein könnte. Sonst ist Donner eher dafür bekannt, sich mit Tätern herumzuschlagen, die ihre Rachegelüste ausleben, doch dieses Mal muss er nicht nur seine Unschuld beweisen, sondern auch noch einen Cold Case lösen.
Dabei wird er von einigen bekannten Charakteren aus den vorherigen Bänden unterstützt, die er, ganz nach Donner-Art, am liebsten gar nicht um sich hätte. Es gibt allerdings auch neue, interessante und offenbar noch schrägere Typen als Donner selbst, die an den Ermittlungsort eilen. Der Fall selbst entwickelt sich zunächst eher gemächlich, doch schon bald gerät man in einen Sog, dem man sich kaum noch entziehen kann. Die durchgehend spannende Handlung und die schrägen Charaktere machen auch diesen Teil der Reihe zu einem wahren Pageturner, den man erst aus der Hand legen mag, wenn man am Ende angekommen ist.
Für mich hätte es ruhig ein wenig spannender sein dürfen
Draußen von Elias Haller
Gemeinsam mit ihrem Anführer Stephan, leben die Geschwister Cayenne und Joshua außerhalb der Gesellschaft. Sie kennen kein Zuhause, leben meistens draußen und das Survival- und Outdoortraining nimmt einen großen Teil ihrer Zeit in Anspruch. Freunde und Bekanntschaften gibt es für die beiden nicht.
Stephan drillt sie und bereitet sie auf mögliche Bedrohungen vor. Den Grund dafür kennen die beiden nicht. Mittlerweile hat Cayenne genug von diesem Leben. Sie sehnt sich nach einem normalen Alltag. Als Cayenne im Wald brutal angegriffen wird, ahnen die Geschwister, dass Stephans Vorsicht und sein harter Drill einen Grund haben. Doch Stephan schweigt und lässt sich nicht in die Karten schauen. Der Kampf ums Überleben hat begonnen, doch wer ist hinter ihnen her? Und wem kann man eigentlich vertrauen?
Ohne langatmiges Vorgeplänkel, wird man sofort mitten ins Geschehen geworfen. Die Atmosphäre ist düster, bedrohlich und man ist sich der Gefahr, die zwischen den Zeilen schwebt, von Anfang an bewusst. Da man nicht ahnt, was eigentlich los ist, verfolgt man gebannt die Ereignisse und kann sich keinen Reim darauf machen. Die Spannung ist sofort spürbar und das Interesse an der Handlung wird unmittelbar geweckt. Allzu zartbesaitet sollte man beim Lesen allerdings nicht sein, da es einige sehr brutale und actionreiche Szenen gibt, die detailliert beschrieben werden.
Die bereits früh aufgebaute Spannung kann allerdings leider nicht durchgehend gehalten werden, da das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird, die man zunächst nicht miteinander in Verbindung bringen kann. Es gibt Phasen, in denen man regelrecht an den Seiten klebt und es vor Spannung kaum noch aushalten kann, doch, gerade am Anfang, überwiegen die Szenen, in denen man zum Beobachter von Ereignissen wird, die scheinbar nichts mit dem Überlebenskampf der Geschwister zu tun haben. Man stellt sich zwar die Frage, wie sich das alles verbinden wird, doch zunächst hat man eher das Gefühl, dass man auf der Stelle tritt und dass die Handlung nicht vorangetrieben wird. Im Nachhinein ergibt alles einen Sinn, denn die unterschiedlichen Fäden verknüpfen sich schlüssig miteinander und gipfeln in einem hochspannenden, dramatischen Finale.
Ein Thriller, der mit einem hohen Spannungslevel startet, der aber leider nicht durchgehend gehalten werden kann, sondern zwischendurch stark abflacht, um dann am Ende allerdings wieder steil anzusteigen.
Fesselnder Krimi, der Einblicke in tiefste menschliche Abgründe gewährt
Draußen von Elias Haller
Die Kommissare Hannah Lundgren und Christoph Wengler glauben ihren Augen nicht zu trauen, als ihre Ermittlungen sie zu einem Acker in der Nähe von Flensburg führen. Dort sind die Leichen von sechs Frauen vergraben. Diese befinden sich in unterschiedlichen Verwesungsstadien, wobei die Todeszeitpunkte zum Teil Jahre auseinander liegen.
Schon bald stellt sich heraus, dass es sich um die Überreste von vermisst gemeldeten Frauen handelt, die offenbar vor ihrem Tod gefangen gehalten und grausam misshandelt wurden. Trotz intensiver Ermittlungen fehlt vom Täter zunächst jede Spur. Die Zeit drängt allerdings, da eine siebte vermisste Frau genau in das Schema passen würde. Da ihre Leiche fehlt, besteht die Hoffnung, dass es für sie noch nicht zu spät ist....
Der Einstieg in diesen Küsten-Krimi gelingt mühelos. Denn Beeke Dierksen versteht es hervorragend, die neblige und düstere Atmosphäre, die über dem Acker liegt, in dem die Überreste der Frauen gefunden werden, zu vermitteln. Man ist dadurch sofort mitten im Geschehen und kann sich das Grauen nur allzu lebhaft vorstellen. Gemeinsam mit den Ermittlern stellt man sich die Frage, was hier geschehen ist und wer zu solch perfiden Taten fähig ist.
Die Protagonisten wirken äußerst lebendig. Sie haben nicht nur Ecken und Kanten, sondern auch mit privaten Problemen zu kämpfen. Diese drängen sich allerdings nicht zu sehr in den Vordergrund, vielmehr sorgen diese Einblicke ins Privatleben dafür, dass die Charaktere glaubhaft und authentisch wirken. So kann man die jeweiligen Handlungen mühelos nachvollziehen, sich mit den Akteuren identifizieren und sich ganz auf den spannenden Fall einlassen.
Auch wenn es den Anschein hat, als ob die Ermittlungen zunächst eher gemächlich anlaufen, kommt keine Langeweile auf. Denn die Spurensuche ist nachvollziehbar und äußerst interessant. Man mag kaum glauben, in welch finstere menschliche Abgründe man im Verlauf der Handlung blickt. Denn das, was hier ans Tageslicht kommt, sorgt für einige Gänsehautmomente. Die Spannung ist deshalb durchgehend spürbar und kann sich zum Ende hin sogar noch steigern.
Dieser Küsten-Krimi begeistert nicht nur durch eine spannende Handlung, bei der man in tiefste menschliche Abgründe blickt, sondern kann außerdem durch lebendige Charaktere und eine äußerst düstere Atmosphäre überzeugen.
Magisch
Hexenrot von Maria Röhreich
Alice hält sich für ein ganz normales, durchschnittliches Mädchen. Nichts an ihr
scheint irgendwie besonders zu sein. Doch mit dieser Einschätzung irrt sie sich
gewaltig, denn plötzlich stellt die Sechzehnjährige fest, dass sie eine Hexe
ist. Ihre Großmutter erkennt das und gibt ihr ein Armband, das sie schützen
soll.
Außerdem warnt sie Alice eindringlich vor den Gefahren, die mit dieser
Gabe verbunden sind. Alice ist fasziniert von den Fähigkeiten und beginnt damit
zu experimentieren. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Meisterin Luna und
Hexenschwester Darkness. Niemals vorher hat sie sich so lebendig und anerkannt
gefühlt. Ihr neues Leben scheint perfekt zu sein. Doch die Warnungen der
Großmutter sind nicht grundlos. Denn die Macht hat einen hohen Preis. Alice muss
schon bald erkennen, dass sie dabei ist die Kontrolle über sich und ihre
Fähigkeiten zu verlieren. Sie weiß nicht mehr, wem sie vertrauen kann und das
fängt schon bei ihr selbst an....
Durch einen geheimnisvollen Prolog wird die Neugier auf die magische Geschichte,
die sich zwischen den Buchdeckeln verbirgt, sofort geweckt. Man ahnt bereits,
dass es zu spannenden Ereignissen kommen wird. Dadurch fällt der Einstieg in die
Handlung leicht, denn man lässt sich erwartungsvoll darauf ein.
Das Geschehen wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Da die Wechsel
gut gekennzeichnet sind, fällt es allerdings leicht, die Übersicht zu behalten.
Die Perspektive, in der Alice im Zentrum des Geschehens steht, wird in der
Ich-Form, aus ihrer Sicht, geschildert. Dadurch kann man die Gedanken und
Gefühle der Hauptprotagonistin hautnah erleben. Alice wirkt jugendlich und
außerdem sehr sympathisch. Stellenweise hat man allerdings das Gefühl, dass sie
ziemlich naiv ist und nicht immer einschätzen kann, was oder wer gut für sie
ist. Deshalb kann man ihr Handeln nicht immer nachvollziehen, doch dadurch büßt
Alice nichts von ihrer Sympathie ein. Im Gegenteil, denn dieser Wesenszug lässt
sie glaubhaft und authentisch wirken. Auch die anderen Charaktere wirken so
lebendig, dass man sie beim Lesen mühelos vor Augen hat und sich ganz auf die
Geschichte einlassen kann.
Dabei wird einiges geboten, denn diese magische Hexenerzählung punktet von
Anfang an durch einen flüssigen Schreibstil und einen interessanten Plot. Die
Spannung wird früh geweckt und kann durchgehend gehalten werden. Dadurch gibt es
keine Längen. Einmal angefangen, gerät man früh in den Sog der Ereignisse. Es
fällt schwer, das Buch zur Seite zu legen und sich vom Gelesenen zu lösen. Hier
trifft man auf einige magische Wesen und interessante Hintergründe. Ein wenig
Romantik ist auch dabei, allerdings nimmt dieser Teil nicht zu viel Raum ein,
sondern fügt sich harmonisch in die spannende Handlung ein. Es gibt immer wieder
Überraschungen, mit denen man nicht gerechnet hat. Das Ganze gipfelt in einem
äußerst spannenden Finale.
"Hexenrot" ist eine magische Fantasygeschichte, die durch eine durchgehend
spannende Handlung, lebendige Charaktere und überraschende Wendungen überzeugen
kann.
Hätte für mich deutlich spannender sein dürfen
Hexenrot von Maria Röhreich
Bei einer Gletscherwanderung entdeckt eine Touristengruppe die Leiche eines seit Jahrzehnten vermissten Geschäftsmannes. Sein Verschwinden konnte niemals aufgeklärt werden. Damals stand der ehemalige Geschäftspartner des Verschwundenen im Visier der Ermittlungen, doch dieser bestritt vehement etwas mit dem Verschwinden zu tun zu haben.
Kommissar Konráð konnte diesen Fall niemals lösen. Mittlerweile ist er Pensionär. Der Fund der Leiche lässt Konráð keine Ruhe. Er beginnt auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen, denn diesen rätselhaften Fall würde er nur allzu gerne lösen....
Der Einstieg in diesen Island-Krimi gelingt relativ mühelos. Denn der Autor versteht es, das Interesse an diesem Cold Case vom ersten Moment an zu wecken. Bei Island-Krimis ist es ja häufig der Fall, dass eine düstere und eher schwermütige Grundstimmung zwischen den Zeilen spürbar ist. Das braucht man hier allerdings nicht zu befürchten.
Der Krimi startet eher gemächlich, was bei einem sogenannten Cold Case ja auch kein Wunder ist, da das eigentliche Verbrechen lange zurückliegt. Kommissar Konráð rollt den Fall wieder auf und geht unzähligen Spuren nach. Er verhört dabei so viele Personen, dass es nicht ganz einfach ist, die Übersicht zu erlangen und alles richtig miteinander ins Verhältnis zu setzen. Was wichtig oder unwichtig ist, kann man nur schwer einschätzen, da einiges schnell wieder im Sande verläuft. Die geradezu akribischen Verhöre, werden detailliert und in aller Ausführlichkeit beschrieben. Man hat deshalb schon bald das Gefühl, dass Konráð eher hilflos umherstochert und dabei der Lösung des Falls keinen Schritt näher kommt. Die Nachforschungen werden häufig dadurch unterbrochen, dass man Konráð besser kennenlernt. Nach und nach erfährt man einiges aus seiner Vergangenheit. Der Verlust seiner Frau und seine wenig bilderbuchhafte Kindheit nehmen großen Raum ein. Dadurch wird schnell klar, dass der so gemächlich wirkende Pensionär eine bewegte Vergangenheit hat. Der eigentliche Fall entwickelt sich dadurch eher zur Hintergrundkulisse.
Ob Glück oder Können dafür verantwortlich sind, dass dieser Fall schließlich doch noch gelöst wird, kann man für sich selbst entscheiden. Der Weg dorthin ist jedenfalls sehr gemächlich und stellenweise sogar etwas zäh zu lesen. Obwohl man bei einem Cold Case sicher keine Hochspannung erwarten kann, wäre wenigstens ein Hauch von Spannung wünschenswert gewesen.
Tragische Liebesgeschichte
We Will Fall von Shannon Dunlap
Die sechzehnjährige Izzy zieht mit ihrer Familie von Manhattan nach Brooklyn. Ihr Leben ändert sich komplett. Sie muss neue Freunde finden, sich an der Schule einleben und im neuen Viertel orientieren. Nie hätte Izzy gedacht, dass sie ausgerechnet hier die berühmte Liebe auf den ersten Blick finden würde.
Doch genau das passiert, als sie Tristan zum ersten Mal sieht. Bei beiden schlägt der Blitz sofort ein. Tristan führt ein komplett anderes Leben und schwimmt im Schatten seines Cousins Marcus. Marcus gibt den Ton im Viertel an. Allen ist klar, dass er der Boss ist. Seinem Willen beugt man sich, denn sonst muss man mit Konsequenzen rechnen. Und nun hat Marcus sich in den Kopf gesetzt, dass Izzy seine neue Freundin wird. Da Tristan nicht den Mut hat, seinem Cousin zu gestehen, dass er in Izzy verliebt ist, treffen sich Izzy und Tristan heimlich. Damit fordern sie das Schicksal geradezu heraus....
Diese Liebesgeschichte ist angelehnt an "Tristan und Isolde". Da man das beim Lesen stets im Hinterkopf hat, ahnt man bereits früh, dass Izzys und Tristans Geschichte kein gutes Ende nehmen wird. Da beide aber so sympathisch wirken und wahre Liebe doch eigentlich alles überwinden sollte, hofft und bangt man mit den beiden, dass es einen Ausweg geben wird.
Die Handlung wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, die auf dem Schachspiel, das in Tristans Leben und diesem Roman eine hohe Bedeutung einnimmt, beruhen. Das sind Izzy die Queen/Königin, Tristan der Knight/Springer und außerdem kommt Izzys neue Freundin Brianna der Rook/Turm zu Wort. Durch die verschiedenen Sichtweisen bekommt man einen guten Eindruck von den Gedanken und Gefühlen der Hauptprotagonisten. Die Akteure sind interessant und facettenreich beschrieben. Man kann sich zwar nicht unbedingt mit ihnen identifizieren, beobachtet aber dennoch fasziniert das Geschehen und fiebert mit ihnen mit. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen. Man kann sich sowohl die unterschiedlichen Handlungsorte, als auch die Protagonisten mühelos vorstellen. Zwischen den Zeilen schwebt eine weitgehend düstere und angespannte Atmosphäre, sodass mein beim Lesen das Gefühl hat, dass etwas Bedrohliches vor sich geht. Man hofft und bangt allerdings, dass man sich irrt. Das Ende erwischt einen unverhofft und eiskalt.
"We will fall" ist eine tragische Liebesgeschichte, die zum Nachdenken anregt. Die Charaktere wirken zwar facettenreich und interessant, allerdings beobachtet man sie eher distanziert. Das Ende kommt unverhofft und knallhart.
Spannende Cold-Case-Ermittlungen
Wisting und der Tag der Vermissten von Horst Jørn Lier
Katharina Haugen ist seit 24 Jahren spurlos verschwunden. Dieser ungeklärte Fall lässt Kommissar William Wisting keine Ruhe. Deshalb wälzt er immer wieder die Ermittlungsakten und hofft darauf, dass ihm irgendetwas auffällt, was zur Lösung des Falls beitragen könnte. In all den Jahren ist es zu einem festen Ritual geworden, dass Wisting sich am Tag von Katharinas Verschwinden mit ihrem Ehemann Martin, der damals zunächst als Hauptverdächtiger galt, trifft.
In diesem Jahr steht Wisting allerdings vor verschlossener Tür. Martin ist nicht da. Das kommt Wisting merkwürdig vor. Als dann noch Wistings Osloer Kollege Adrian Stiller anreist, weil er in einem weiteren Cold Case auf Martin Haugens Fingerabdrücke gestoßen ist, gerät Bewegung in den alten Fall....
Die Krimi-Reihe um Kommissar William Wisting gibt es bereits seit über 10 Jahren. "Wisting und der Tag der Vermissten" ist allerdings der erste Band der Wisting-Reihe, der zur Cold-Case-Serie gehört. Deshalb kann man diesen Krimi auch dann problemlos lesen, wenn man noch keinen anderen Band der Reihe gelesen hat. Man wird hier nach und nach mit dem Hauptprotagonisten und seinem Umfeld vertraut gemacht, sodass man nicht das Gefühl hat, dass wichtige Vorkenntnisse fehlen.
Der Einstieg in diesen Krimi gelingt deshalb mühelos, denn das Interesse an dem alten Fall wird sofort geweckt. Die Handlung wird dabei aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, was dafür sorgt, dass das Tempo manchmal eher gemächlich wirkt, dann aber plötzlich wieder steigt. Dadurch kann man sich ganz auf das Gelesene einlassen und gerät bereits früh in den Sog der Ereignisse. Auch wenn die Ermittlungen manchmal etwas gemächlich voranschreiten, versteht Jørn Lier Horst es trotzdem, so fesselnd zu erzählen, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. Da es stellenweise recht kurze Kapitel gibt, unterstützen diese die Sogwirkung zusätzlich.
Die Protagonisten wirken sehr lebendig, sodass man das Geschehen lebhaft nachvollziehen und sich mit ihnen identifizieren kann. Da die Handlungsorte ebenfalls so authentisch beschrieben werden, dass man sie mühelos vor Augen hat, fällt es leicht, sich auf die Ermittlungen in diesem alten Fall einzulassen. Es liegt ja in der Natur der Dinge, dass ein Cold Case nicht so spannend sein kann, wie ein brandaktueller Fall. Doch das, was hier an Spannung geboten wird, da man gemeinsam mit Wisting und seinem Team ermitteln kann, ist einfach enorm. Auch wenn man ahnt, was sich damals zugetragen haben könnte, kann man sich doch nicht sicher sein und beobachtet deshalb fasziniert, wie die ersten Puzzleteilchen an die richtigen Stellen fallen.
Ein spannender Fall, den man bereits nach kurzer Zeit nicht mehr aus der Hand legen mag. Hier kommen Krimifans voll auf ihre Kosten!







