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Rezensionen von KimVi:
Vom Wolf zum Hund
Der Hund und sein Mensch von Josef H. Reichholf
Der Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf nimmt in diesem Buch das ganz besondere Verhältnis des Menschen zu seinem Weggefährten, dem Hund, unter die Lupe. Diese Beziehung begann vor tausenden von Jahren, als der Hund noch ein Wolf war. Gemeinsam mit dem Autor blickt man zurück und erfährt dabei einiges über die Entwicklung vom Wolf zum Hund und welche Rolle dabei die Beziehung zum Menschen gespielt haben könnte.
Besonders gerne möchte man sicher glauben, dass die Menschen damals Wolfwelpen aufgezogen und sie so an Menschen gewöhnt und im Lauf der Zeit als Jagd- und Wachhunde eingesetzt haben. Denn diese Annahme klingt schön und schmeichelt uns Menschen. Doch bei genauerer Betrachtung wirkt sie unplausibel. In diesem Buch wirkt das Augenmerk darauf gerichtet, dass der Wolf sich selbst und uns Menschen domestizierte.
Der erste Abschnitt befasst sich deshalb intensiv mit der Frage, wie aus Wölfen Hunde geworden sein könnten. Hier wird nicht nur weit zurückgeblickt, sondern verschiedene Perspektiven dazu betrachtet, in die Forschungs- und Studienergebnisse und Spekulationen einfließen. Hier sollte man konzentriert lesen, um dem Ganzen folgen zu können. Doch wenn man sich auf die Ausführungen interessiert einlässt, kann man einige informative Lesestunden mit diesem Buch verbringen. Der Schreibstil ist angenehm lesbar. Manchmal hat man das Gefühl, dem Autor gegenüber zu sitzen und seinen Ausführungen zu lauschen. Denn man fühlt sich beim Lesen direkt angesprochen. Gelegentlich neigt Josef H. Reichholf allerdings dazu, etwas abzuschweifen, wodurch die Konzentration und leider auch das Interesse etwas leidet.
Im zweiten Abschnitt fließen die persönlichen Erfahrungen des Autors, mit dem Familienhund Branko, ein. Hier erfährt man, wie sich die Beziehung zu Branko innerhalb der Familie entwickelt hat und es gibt Einblicke in den Alltag mit ihm. Erfahrene Hundebesitzer werden hier nichts Neues für sich entdecken können, obwohl sich dieser Abschnitt wunderbar liest.
Im dritten Abschnitt wird auf den Unterschied und die Gemeinsamkeiten, zwischen Hund und Katze und ihre Beziehung untereinander - und zum Menschen näher eingegangen. Ein interessantes Vor- und Nachwort runden das informative Leseerlebnis ab.
"Der Hund und sein Mensch - Wie der Wolf sich und uns domestizierte" regt dazu an, sich genauer mit der ganz besonderen Beziehung zum besten Freund des Menschen zu befassen, darüber nachzudenken und gegebenenfalls mit anderen Hundefreunden zu diskutieren. Das Buch liest sich, bis auf die gelegentlichen Ausschweifungen, recht flüssig und vermittelt bemerkenswerte Informationen.
Spannender Auftakt
Get Even - Unsere Rache ist süß von Gretchen McNeil
An der Bishop-DuMaine-Schule ist Mobbing durch Lehrer und Schüler ein von der Schulleitung ignorierter Zustand. Kitty, Bree, Olivia und Margot haben sich dazu entschlossen, nicht länger wegzusehen, sondern die Mobber zu entlarven und bloßzustellen, um den Opfern ein wenig Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Aus diesem Grund haben die Mädchen, die sorgsam darauf bedacht sind, nicht miteinander in Verbindung gebracht zu werden, die geheime Gruppe DGM ( Don't get mad!) gegründet. Die Schulleitung setzt alles daran, die Identität von DGM zu entlarven. Bisher erfolglos! Doch als ein Mord geschieht, der den Verdacht auf DGM lenkt, beginnt eine wahre Hexenjagd. Schon bald wissen die vier Mädchen nicht mehr, wem sie trauen können. Wer hat es auf DGM abgesehen? Oder kommt die Mörderin etwa aus ihren eigenen Reihen?
"Unsere Rache ist süß" ist der Auftakt der "Get Even-Reihe" von Gretchen McNeil. Im Zentrum der Handlung stehen Kitty, Bree, Olivia und Margot, die es sich mit ihrem Anti-Mobbing-Projekt "DGM" zum Ziel gesetzt haben, nicht länger wegzuschauen, sondern zurückzuschlagen. Es handelt sich um einen äußerst spannenden Jugendroman. Der Schreibstil ist dementsprechend locker und leicht, wodurch sich der Inhalt unheimlich schnell lesen lässt.
Beim Einstieg sollte man allerdings konzentriert lesen, da einige Protagonisten eingeführt werden, die man zunächst kennenlernen und zuordnen muss. Dabei ist es wichtig, die Übersicht über die Schüler und ihre jeweiligen Verbindungen untereinander zu bekommen. Da die Autorin es allerdings hervorragend versteht, ihre Charaktere lebendig zu beschreiben, gelingt das bereits nach einer recht kurzen Eingewöhnungszeit.
Relativ kurze Kapitel und schnelle Szenenwechsel sorgen dafür, dass ein rasantes Tempo aufgebaut wird. Man gerät dadurch früh in den Sog der Ereignisse und möchte unbedingt erfahren, wer DGM auf den Fersen ist und dabei sogar vor Mord nicht zurückschreckt. Dabei schwebt eine angespannte, manchmal sogar bedrohlich wirkende Atmosphäre zwischen den Zeilen, der man sich kaum entziehen kann. Genau wie die vier Mädchen, ist man hin- und hergerissen und weiß nicht, was man glauben soll oder wem man eigentlich noch vertrauen kann. Diese Ungewissheit macht einen großen Reiz der Handlung aus. Das Buch entwickelt sich deshalb nach kurzer Zeit zu einem wahren Pageturner. Die früh aufgebaute Spannung kann nicht nur durchgehend gehalten werden, sondern steigert sich bis zum Schluss stetig. Der Cliffhanger am Ende sorgt dafür, dass man sofort zum nächsten Teil greifen möchte.
Ein spannender Auftakt, der dafür sorgt, dass man unbedingt erfahren möchte, wie es weitergeht.
Spannender Krimi
Wer auf dich wartet von Lodge Gytha
Abends, gegen 23 Uhr, loggt Aidan sich bei Skype ein. Er kann es kaum erwarten, seine Freundin Zoe zu sehen. Doch als die Verbindung endlich steht, sieht er nur ihr leeres Zimmer. Im Hintergrund huscht ein Schatten vorbei. Aidan wundert sich, dass Zoe um diese Zeit Besuch hat. Doch dann sind Kampfgeräusche zu hören - und plötzlich ist alles still.
Totenstill! DCI Jonah Sheens und sein Team von der Kriminalpolizei Southampton nehmen die Ermittlungen auf. Dabei stellt sich ihnen die Frage, warum Aidan keine genauen Angaben zum Wohnort seiner Freundin machen konnte und warum er stundenlang gezögert hat, seine Beobachtungen zu melden...
"Wer auf dich wartet" ist nach "Bis ihr sie findet" bereits der zweite Fall für DCI Jonah Sheens und sein Team. Da die Bände in sich abgeschlossen sind, kann man sie unabhängig voneinander lesen. Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Neben den aktuellen Ereignissen, gibt es auch immer wieder Rückblicke in Zoes Vergangenheit. Da diese entsprechend gekennzeichnet sind, fällt es leicht, diese zeitlich einzuordnen.
Gemeinsam mit dem Ermittlerteam begibt man sich auf Spurensuche. Zoes Tod ist rätselhaft, denn scheinbar hatte niemand einen Grund sie zu töten. Zoe war der Mittelpunkt ihres Freundeskreises und immer für alle da. Durch die Rückblicke in Zoes Vergangenheit ist man dem Team der Kriminalpolizei einen Schritt voraus. Doch dieses Wissen trägt nicht dazu bei, dass man bei den eigenen Ermittlungen Fortschritte macht. Im Gegenteil, niemand scheint ein Motiv gehabt zu haben, die junge, sympathische Frau zu ermorden.
Der Schreibstil ist flüssig und äußerst angenehm lesbar. Handlungsorte und Protagonisten werden so authentisch beschrieben, dass man mühelos in die Handlung eintauchen und die eigenen Ermittlungen aufnehmen kann. Hinweise und Verdächtige gibt es genug. Doch immer wenn man meint, dass man auf der richtigen Spur ist, sorgen überraschende Wendungen dafür, dass man die eigenen Überlegungen verwerfen und neu ansetzen muss. Der Fall bleibt äußerst rätselhaft. Es kommt zwar keine Hochspannung auf, dennoch werden die Ermittlungen der Polizei so authentisch beschrieben, dass man mitfiebert und nach dem Täter sucht. Damit werden die Voraussetzungen, die einen guten Krimi ausmachen, definitiv erfüllt.
Krimifans dürften hier voll auf ihre Kosten kommen, da man eigene Ermittlungen anstellen kann und immer wieder auf falsche Fährten gelockt wird.
Mitreißend erzählt
Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis von Petra Grill
Colina ist auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann und hat ihren Sohn bei Freunden vor ihm versteckt. Nun schlägt sie sich als Schankmädchen durch und spart so viel wie möglich, von ihrem mehr als kargen Lohn, um irgendwann ihren Sohn wiederzusehen. Colina träumt von einem besseren Leben.
Mit einer List gelingt es ihr, eine Stelle als Gouvernante im Haus des gerade zugezogenen Unternehmers Prank zu ergattern. Colinas Aufgabe ist es, Pranks Tochter Clara zu beaufsichtigen und ihr Gesellschaft zu leisten, bis Prank einen geeigneten Ehegatten für Clara gefunden hat. Ein heimlicher Ausflug der beiden Frauen setzt allerdings Ereignisse in Gang, die das Schicksal von Colina und Clara unumkehrbar wenden...
Der Einstieg in diesen historischen Roman gelingt mühelos, denn Petra Grill versteht es vom ersten Moment an, die damalige Zeit zum Leben zu erwecken, sodass man sich ganz auf die Ereignisse einlassen kann. Handlungsorte und Protagonisten werden dabei so authentisch beschrieben, dass man manchmal das Gefühl hat, die entsprechende Geräuschkulisse oder die passenden Düfte wahrzunehmen, und dadurch selbst vor Ort zu sein.
Der Blick in die damalige Zeit ist allerdings nicht immer angenehm, denn Colinas Leben als Schankmädchen ist hart und auch der Aufstieg zur Gouvernante alles andere als leicht. Da die Charaktere so lebendig wirken, fiebert man früh mit ihnen mit. Man hofft und bangt mit ihnen und fühlt die Wut im Bauch, wenn Ungerechtigkeiten überhandnehmen. Die Sitten und Gebräuche fließen dabei glaubhaft in die Handlung ein. Man merkt, dass die Autorin sehr gut recherchiert hat. Das Oktoberfest bildet eine lebendige Hintergrundkulisse für die Ereignisse, mit denen die Hauptprotagonisten konfrontiert werden.
Die Handlung ist durchgehend interessant und hat weitaus mehr zu bieten als einen kurzen Gang über die Wiesn. Denn Mord, Intrigen, Neid, Missgunst, familiäre Geheimnisse und natürlich auch eine gut abgestimmte Prise Romantik, sorgen dafür, dass man früh in den Sog der Ereignisse gerät und das Buch erst aus der Hand legen mag, wenn man am Ende angekommen ist.
Ein empfehlenswerter Roman, der durch lebendige Charaktere und eine authentische Hintergrundkulisse überzeugt.
Spannend!
Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis von Petra Grill
Vor etwa drei Jahren hat Detective Inspector Anjelica Henley den "Jigsaw Killer" Peter Olivier zur Strecke gebracht. Bei diesem Fall wurde sie so schwer verletzt, dass sie fast ihr ungeborenes Kind verloren hätte. Henley arbeitet weiterhin bei der Spezialeinheit für Serientäter, allerdings im Innendienst.
Das ändert sich schlagartig, als an verschiedenen Orten in London Leichenteile gefunden werden. Henley beginnt mit ihrem Team zu ermitteln. Schon bald stellt sich heraus, dass es Parallelen zum damaligen Fall des Jigsaw Killers gibt. Peter Olivier sitzt allerdings weiterhin in Haft. Gibt es einen Nachahmer oder erteilt Olivier Anweisungen aus dem Gefängnis heraus? Da der Killer äußerst brutal und immer schneller zuschlägt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit...
"Jigsaw Man - Im Zeichen des Killers" ist das Debüt der Autorin Nadine Matheson, die als Strafverteidigerin praktiziert und Kriminalrecht unterrichtet. Ihrem Thriller merkt man an, dass sie weiß, wovon sie schreibt. Ohne langatmiges Vorgeplänkel befindet man sich sofort mitten im spannenden Geschehen. Der Einstieg in diesen Thriller gelingt deshalb problemlos. Allerdings sollte man am Anfang konzentriert lesen, da einige Protagonisten eingeführt werden, die man zunächst kennenlernen und richtig zuordnen muss.
Die Hauptprotagonisten Anjelica Henley wirkt sympathisch. Man merkt sofort, dass sie noch etwas angeschlagen ist, als sie vom Innendienst zur direkten Ermittlungsarbeit zurückkehrt. Diese Hinweise sorgen zunächst dafür, dass man das Gefühl hat, dass einem Kenntnisse zu ihrer Vorgeschichte fehlen. Dabei stellt man sich die Frage, ob es vielleicht vorher schon einen Teil dieser Reihe gegeben hat, doch das ist nicht der Fall. Im Verlauf der Handlung bekommt man allerdings genug Informationen, um alles richtig zuzuordnen.
Die Ermittlungsarbeit ist durchgehend spannend. Allzu zartbesaitet sollte man beim Lesen allerdings nicht sein, da der Killer nicht gerade zimperlich mit seinen Opfern umgeht und die Autorin es hervorragend versteht, die entsprechenden Szenen äußerst lebendig zu schildern. Gerade an diesen Stellen folgt man dem Geschehen atemlos und mag das Buch kaum aus der Hand legen. Neben den spannenden Ermittlungen erfährt man auch einiges aus Anjelica Henleys Privatleben. Denn das läuft gerade alles andere als rund. Obwohl diese Einblicke manchmal etwas zu Lasten der Spannung gehen, sorgen sie doch dafür, dass die Protagonistin authentisch wirkt. Zum Ende hin steigt die Spannung allerdings rasant an, um schließlich in einem äußerst rasanten Finale zu gipfeln.
Ein spannendes Debüt, das darauf hoffen lässt, bald einen weiteren Teil mit DI Anjelica Henley zu lesen.
Spannender Fall für Hardy Finkel und Greta Silber
Meereskalt von Elias Haller
Auf dem Spätsommerfest, das der Landtagsabgeordnete und ehemalige Wirtschaftsminister Johannes Vetterick jedes Jahr mit Bekannten und Freunden feiert, herrscht eine ausgelassene Stimmung. Das ändert sich schlagartig, als seine beiden Kinder Finn und Frieda spurlos verschwinden. Da Johannes Vetterick gute Kontakte hat, werden die Kommissare Hardy Finkel und Greta Silber umgehend nach Rügen geschickt, um die Suche nach den vermissten Kindern zu koordinieren.
Die Hoffnung, Finn und Frieda schnell und unversehrt zu finden, schwindet allerdings, als auf dem Meer ein Ruderboot mit zwei Kindern geborgen wird - eines tot und das andere schwer traumatisiert. Hardy Finkel und Greta Silber beginnen mit Hochdruck zu ermitteln und stoßen dabei auf Spuren, die auf weitere Verbrechen hindeuten...
"Meereskalt" ist nach "Möwentod“ und "Küstenstill“ bereits der dritte Fall für Greta Silber und Hardy Finkel. Da die Bände in sich abgeschlossen sind, kann man den aktuellen Ermittlungen auch dann problemlos folgen, wenn man die ersten beiden Teile nicht gelesen hat.
Der Einstieg in den Thriller gelingt mühelos, denn Elias Haller versteht es wieder hervorragend, früh das Interesse zu wecken und Spannung aufzubauen. Die Ermittlungen gestalten sich äußerst rätselhaft. Man wird dazu angeregt, eigene Überlegungen anzustellen. Doch nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Immer wenn man meint, dass man bei den eigenen Ermittlungen einen Schritt vorangekommen ist, sorgen überraschende Wendungen dafür, dass man die angestellten Vermutungen überdenken und neu ansetzen muss. Dieser Fall hat es wirklich in sich. Die Spannung ist nicht nur durchgehend spürbar, sondern kann sich im Verlauf der Handlung sogar noch steigern, um schließlich in einem hochspannenden Finale zu gipfeln.
Der Schreibstil ist flüssig und äußert angenehm lesbar. Handlungsorte und Charaktere werden so authentisch beschreiben, dass man beim Lesen alles mühelos vor Augen hat und ganz in den Fall eintauchen kann. Dabei gerät man in den Sog der Ereignisse und fliegt förmlich durch das Buch. Man mag es erst aus der Hand legen, wenn man am Ende angekommen ist. Die Protagonisten wirken so lebendig, dass man sich mit ihnen identifizieren und mit ihnen mitfiebern kann. Berufliche und private Hintergrundinformationen zu Greta Silber und Hardy Finkel drängen sich nicht zu sehr in den Vordergrund. Deshalb kann man diesen Fall auch dann genießen, wenn man noch keinen Band der Reihe gelesen hat.
Ein spannender Fall für Hardy Finkel und Greta Silber, der es wirklich in sich hat. Bitte mehr davon!
Ein Roman für wunderbare Lesestunden, in denen man die Seele baumeln lassen kann
Das Glück in vollen Zügen von Lisa Kirsch
Marie lebt in einem umgebauten Wohnwagen auf dem Grundstück ihrer Mutter direkt am Ammersee. Sie ist Produktdesignerin und pendelt täglich mit der Bahn zur Arbeit. Dort fällt ihr ein Mann auf, der die Bahn ebenfalls täglich nutzt. Dieser Mann heißt Johannes und ihm ist Marie auch aufgefallen. Doch keiner von beiden traut sich, den anderen anzusprechen.
...
Die Handlung wird unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, dabei stehen Marie und Johannes abwechselnd im Zentrum der Ereignisse. Das hat den Vorteil, dass man beide genau kennenlernt und dabei bemerkt, was sie bewegt und wie sie aufeinander wirken. Beide Charaktere wirken sehr sympathisch. Denn es gelingt der Autorin hervorragend, sie glaubhaft und lebendig zu schildern. Man muss sie einfach mögen und beobachtet gespannt, was sich in ihrem Leben tut und welche teilweise falschen Rückschlüsse sie aus den Gesprächen oder Telefonaten ziehen, die sie zufällig vom jeweils anderen aufschnappen.
Der Schreibstil ist locker und stellenweise sehr humorvoll. Recht kurze Kapitel sorgen außerdem dafür, dass man förmlich durch die Geschichte fliegt und sich dabei ganz auf das Geschehen einlassen kann. Lisa Kirsch beschreibt Haupt- und Nebencharaktere so authentisch, dass man sie regelrecht vor Augen hat und mit ihnen mitfiebern kann. Auch wenn es sich um einen Liebesroman handelt, braucht man keine allzu klischeehafte oder vorhersehbare Handlung zu befürchten. Denn die Story bleibt abwechslungsreich und hält einige Wendungen bereit. Außerdem ist sie teilweise überraschend tiefgründig. Das Ende kommt zwar etwas abrupt, da man sich noch nicht von den liebgewonnenen Charakteren trennen mag. Dennoch ist es rund, sodass man dieses Buch mit einem zufriedenen Gefühl zusammenklappen kann.
Lebendige Charaktere und eine abwechslungsreiche Handlung sorgen für wunderbare Lesestunden, in denen man einfach mal die Seele baumeln lassen kann.
Faszinierender Auftakt
Vortex - Der Tag, an dem die Welt zerriss von Anna Benning
Vor beinahe 80 Jahren veränderte sich die Welt durch die Entstehung eines Urvortex. Dieser mächtige Energiewirbel hat dafür gesorgt, dass einige Menschen und Tiere mit den Elementen von Feuer, Wasser, Luft und Erde vermengt wurden. Die Vermengten werden von den Menschen, dich nicht durch den Energiewirbel verändert wurden, als "Splits" bezeichnet.
Da von einigen Vermengten große Gefahren ausgehen, da sie ihre Kräfte nicht kontrollieren können oder absichtlich einsetzen um anderen zu schaden, werden sie von den Menschen gnadenlos gejagt. Das Kuratorium bildet Läufer aus, die durch Vortexe springen, um Vermengte einzufangen und so deren Ausbreitung verhindern. Elaine träumt schon lange davon eine Läuferin zu werden und dieser großen Sache zu dienen. Am Tag ihrer Abschlussprüfung gelingt ihr etwas Unglaubliches. Dadurch wird sie für das Kuratorium äußerst interessant. Doch schon bald weiß sie nicht mehr, wem sie eigentlich vertrauen kann...
"Der Tag an dem die Welt zerriss" ist der Auftaktband der Vortex-Trilogie. Die Handlung trägt sich in der Zukunft zu, beinahe 80 Jahre nachdem der Urvortex 2020 die bisherige Welt durcheinanderwirbelte. Der Autorin gelingt es hervorragend, die Besonderheiten dieser Welt so zu vermitteln, dass man dem Ganzen mühelos folgen kann und alles lebhaft vor Augen hat. Man befindet sich sofort mitten im Geschehen und beobachtet Elaine an ihrem großen Tag. Die Aufregung und Spannung, wie die Abschlussprüfung verlaufen wird, ist sofort spürbar und so lässt man sich gespannt auf die folgenden Ereignisse ein.
Elaine steht voll und ganz hinter dem Kuratorium. Da sie von Kindesbeinen an nichts anderes gelernt, gehört und gesehen hat, ist das nicht verwunderlich. Doch dann nimmt ihr Leben eine vollkommen andere Wendung, die sie zunächst so nicht hinnehmen will. Denn das, was sie nun kennenlernt, widerstrebt den Grundsätzen ihrer bisherigen Welt. Dadurch wirkt sie zwar zunächst nicht unbedingt sympathisch, doch als Protagonistin authentisch und glaubhaft. Man nimmt ihr den Konflikt, dem sie sich stellen muss, ab und lässt sich ganz darauf ein, ihren Weg zu begleiten.
Handlungsorte und Protagonisten werden so lebendig beschrieben, dass man diese fremde Welt beim Lesen vor Augen hat. Anna Bennings Schilderungen sind faszinierend. Es gelingt ihr, selbst die theoretischen Grundkenntnisse, über die man verfügen muss, um sich in dieser Welt zurechtzufinden, so interessant ins Geschehen einfließen zu lassen, dass man sich keinen Moment langweilt. Einmal angefangen, fliegt man förmlich durch das Buch. Die Mischung aus Fantasy, Spannung, Action und ein wenig Liebe ist äußerst gelungen. Das Ende des Auftaktbands wirkt rund, auch wenn es sofort die Neugier darauf weckt, wie es weitergeht.
Ein faszinierender Auftakt, der dafür sorgt, dass man sofort zum nächsten Band greifen möchte.
Spannend!
Lost You - Ich werde dich finden von Haylen Beck
Libby ist alleinerziehend. Zum ersten Mal gönnt sie sich mit ihrem dreijährigen Sohn Ethan einen Urlaub in einem Luxus-Resort. Ethan ist fasziniert von den Knöpfen im Fahrstuhl. Als Libby eines Abends für einen kurzen Moment unaufmerksam ist, läuft der Junge alleine in einen Fahrstuhl. Er drückt wild auf die Knöpfe und die Türen schließen sich, bevor Libby den Fahrstuhl erreichen kann.
Trotz sofortiger Suche bleibt Ethan verschwunden. Libby ist in Panik. Sie ahnt, dass die Geister der Vergangenheit sie eingeholt haben, denn Libby hat ein schreckliches Geheimnis....
Durch einen rasanten Prolog ist man sofort mitten im spannenden Geschehen. Da man dort einen kleinen Jungen beobachtet, der von einer Frau in große Gefahr gebracht wird. Das Interesse an diesem Thriller wird unmittelbar geweckt und die Spannung ist sofort spürbar.
Dann gibt es einen Rücksprung in die Vergangenheit. Man beobachtet Libby und ihren Sohn an den ersten Urlaubstagen. Libby wirkt sympathisch und scheint mit ihrem Leben als alleinerziehende Mutter äußerst zufrieden zu sein. Doch man merkt auch, dass sie Ethan immer im Auge hat und wachsam ist. Als Ethan verschwindet, überschlagen sich die Ereignisse. Dass Libby ein schreckliches Geheimnis hütet, das sie unter keinen Umständen preisgeben will, schwebt unheilvoll zwischen den Zeilen.
Die dann folgende Handlung führt weiter in die Vergangenheit zurück und wird aus wechselnden Perspektiven betrachtet. Obwohl die Hochspannung, die am Anfang spürbar ist, etwas nachlässt, kann man sich ganz auf die Ereignisse der Vergangenheit einlassen. Denn die Protagonisten und Handlungsorte werden so lebendig beschrieben, dass man alles mühelos vor Augen hat. Der Schreibstil ist dabei flüssig und sehr angenehm lesbar. Zwischen den Zeilen schwebt eine angespannte und unheilvolle Atmosphäre, sodass man unbedingt erfahren möchte, was Libby verbirgt. Und das, was nach und nach ans Tageslicht kommt, hat es wirklich in sich!
Auch wenn die bereits früh aufgebaute Spannung im Verlauf der Handlung etwas nachlässt, sorgen die unheilvolle Atmosphäre und die unerwartete Wendung, die die Ereignisse nehmen, dafür, dass man das Buch erst aus der Hand legen mag, wenn man am Ende angekommen ist.
Wunderbare Fortsetzung
Ein Gefühl von Hoffnung von Eva Völler
Essen, Ende der 1950er Jahre: Nach dem dramatischen Ende des ersten Teils der Ruhrpott-Saga sind mittlerweile 7 Jahre vergangen. Johannes, der nach seinem schweren Unfall als Gewerkschafter arbeitet, hat alle Hände voll zu tun, die Bergleute in ihrem Kampf gegen das Zechensterben zu unterstützen und ist inzwischen mit Katharinas bester Freundin Hanna verlobt.
Inge arbeitet nur halbtags in der Buchhandlung, um mehr Zeit für die Familie zu haben und den kleinen Jakob aufzuziehen. Ihr Verlobter Peter kann es kaum erwarten, Inge endlich zu heiraten. Doch Bärbel ist in einer rebellischen Phase. Die Schule ist eine echte Qual für sie, denn ein Lehrer macht ihr das Leben schwer. Auf die Familie kommen turbulente Zeiten zu....
"Ein Gefühl von Hoffnung" ist nach "Ein Traum vom Glück" der zweite Band der Ruhrpott-Saga von Eva Völler. Obwohl man den Ereignissen des zweiten Teils sicher auch dann folgen kann, wenn man den ersten nicht gelesen hat, ist es empfehlenswert beide Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da die Teile aufeinander aufbauen und man sich sonst die Lesefreude verderben könnte, wenn man erst zum Auftaktband greift, wenn man die Fortsetzung bereits gelesen hat.
Der erneute Einstieg in die Saga gelingt auch im Folgeband mühelos. Denn Eva Völler versteht es wieder hervorragend, die Stimmung der damaligen Zeit und das ganz besondere Flair des Ruhrpotts zwischen den Zeilen schweben zu lassen. Man freut sich über das Wiedersehen mit der Familie und beobachtet gespannt, was sich in der Zwischenzeit zugetragen hat. Die Protagonisten wirken wieder äußerst lebendig und die Hintergrundkulisse des damaligen Ruhrpotts ist mehr als gelungen. Dadurch kann man sich ganz auf die Ereignisse in dieser Fortsetzung einlassen.
Den Protagonisten stehen turbulente Zeiten ins Haus. Denn sie werden nicht nur vor große Herausforderungen gestellt, sondern müssen sich mit heiklen Situationen auseinandersetzen. Gerade Bärbel und Jakob, die noch zur Schule gehen, haben dort mit einigen Problemen zu kämpfen, die einem als Leser nahe gehen und dafür sorgen, dass man beim Lesen wütend wird und manchmal kaum glauben mag, was man dort liest. Allerdings sind diese Szenen leider äußerst glaubhaft, sodass das Ganze authentisch und nachvollziehbar wirkt. Doch auch die anderen Familienmitglieder müssen für ihr Glück kämpfen. Denn von einer erfüllten und harmonischen Liebe scheinen alle nur träumen zu können. Gut, dass Oma Mine einen klaren Kopf behält und in ihrer unnachahmlichen Art darauf hinweist, auf was es im Leben eigentlich ankommt. Die Sorgen und Nöte, aber auch die Hoffnungen der Charaktere, werden so authentisch vermittelt, dass man sich schon beinahe selbst als Teil dieser Gemeinschaft fühlt. Deshalb gehen einem die Schicksalsschläge, bei denen man sich leider von einigen liebgewonnenen Charakteren trennen muss, sehr nah. Die Handlung ist durchgehend interessant und hält einige Überraschungen bereit. Sie driftet dabei allerdings nicht ins klischeehafte ab, denn Eva Völler gelingt es, den Bogen nicht zu überspannen, sodass die Glaubwürdigkeit erhalten bleibt.
Eine wunderbare, gefühlvoll erzählte Fortsetzung, die begeistert!










