Kunden em pfehlungen
Rezensionen von froschman:
Düsteres Kristinestad
Gerächt sein sollst du von Kaisu Tuokko
Bei den Kanuunakallio-Klippen in der Nähe von Kristinestad wird von Seglern die Leiche des 17-jährigen Jonas gefunden. Es wird vermutet, dass er sich das Leben genommen hat, er war als Einzelgänger bekannt und wurde in der Schule gemobbt. Dann tauchen Anschuldigungen gegen ihn auf, er soll sich Verbrechen schuldig gemacht haben, im Internet tauchen Videos auf.
Schließlich stellt sich bei der Obduktion heraus, dass er ermordet wurde. Eevi Manner, Journalistin der lokalen Zeitung Suupohjan Kaiku, beginnt zu recherchieren und trifft dabei auf Kriminalkommissar Mats Bergholm, mit dem sie in Jugendzeiten zusammen war, beide sind jetzt verheiratet. Gemeinsam versuchen sie, herauszufinden, was wirklich geschehen ist.
Kaisu Tuokko hat einen Krimi im Kleinstadtmilieu geschrieben. Jeder kennt jeden – oder vielleicht auch doch nicht? Gewalt, Mobbing, Körperverletzung und Vergewaltigung, sowie Rache und Vergeltung spielen eine große Rolle. Wechselnde Perspektiven sowie namenlose Tagebucheinträge machen den Krimi interessant, der Spannungsbogen steigt bis zum Finale an. Ein wirklich gut gelungener Auftakt einer neuen Krimireihe.
Churchill am Gardasee
Was am Ufer lauert von Lenz Koppelstätter
Gianna Pitti, Journalistin der kleinen Provinzzeitung Messagero, wird von ihrem Vater, einem Investigativ-Journalisten, gebeten, einen Informanten zu treffen, um von diesem geheime Unterlagen zu erhalten. Doch beim vereinbarten Treffpunkt kann sie niemanden sehen, ein schwarzer Jeep steht am anderen Ende des Parkplatzes.
Im Wasser des Gardasees entdeckt sie dann eine Frauenleiche, sie zieht diese Leiche an das Ufer. Unterlagen findet sie keine, allerdings eine leere CD-ROM-Hülle. Mit Mühe kann sie den Text entziffern: Churchills Geheimnis. Gianna sieht sich um, der Jeep verlässt den Parkplatz. Sie flüchtet, ohne dass sie die Polizei verständigt, da sie hofft, eine weitere große Geschichte für den Messagero schreiben zu können. Gemeinsam mit der Chefredakteurin Elvira Sondrini, ihrem Vater und dessen Bruder versuchen sie herauszufinden, was die Informantin ihrem Vater übermitteln wollte. Von der Polizei wurde keine Meldung über den Fund einer Toten veröffentlicht, allerdings über eine Schießerei in Malcesine. Die Polizei vermutet einen verhinderten Banküberfall, allerdings flüchtete ein britischer Historiker, der einen Vortrag über Churchill und seine Zeit am Gardasee und seine Verbindungen zu Mussolini halten wollte, vom Tatort. Gibt es Zusammenhänge zwischen den beiden Vorfällen?
Koppelstätter beschreibt die Gegend rund um den Gardasee sehr bildhaft, sein Schreibstil ist unterhaltend, aber es kommt nur wenig Spannung auf. Da es sich bei diesem Krimi um den zweiten Teil einer Serie handelt, wäre es von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich, auch das Buch Was der See birgt zu lesen. Einige Fragen bleiben am Ende offen, sodass man auf den nächsten Teil hoffen kann.
Tödliche Nachhilfe
Killer Potential von Hannah Deitch
Evie Gordon gibt als Nachhilfelehrerin Serena Victor aus reichem Haus jede Woche zwei Stunden Unterricht. Als sie am Sonntag das Haus der Victors erreicht, war die Tür offen und sie findet Dinah Victor, die Mutter Serenas, erschlagen auf dem Boden liegend. Kurz darauf sieht sie auch den Vater, ertränkt im Pool des Hauses.
Als Evie die Polizei verständigen will, hört sie krächzende Hilfe-Schreie aus dem Haus. Sie findet eine dehydrierte Frau, mit Kabel an den Händen an ein Rohr gefesselt und sie befreit die Unbekannte. Serena Victor kommt nach Hause, findet ihre toten Eltern und die beiden Frauen, von denen sie glaubt, dass diese die Mörder sind und beginnt auf Evie einzuschlagen. Diese wehrt sich mit einer schweren Vase und schlägt Serena nieder, die daraufhin kein Lebenszeichen mehr von sich gibt.. Jetzt ist Evie nicht mehr Zeugin, sondern Täterin und begibt sich mit der unbekannten und bislang stummen Frau namens Jae auf eine Flucht durch mehrere Staaten, in den Medien werden die beiden als brutale Killerinnen verurteilt. Um ihre Unschuld zu beweisen, müssen sie den wahren Täter finden, denn die Polizei bzw. der FBI ermittelt nur in eine Richtung.
In teilweise langatmigen Stil schreibt Hannah Ditch einen Krimi, eigentlich in sehr moderner Sprache, einige der Abkürzungen musste ich allerdings erst einmal googeln, was den Lesefluss störte. Über weite Strecken fehlte es an Spannung und Tempo. Nach der Leseprobe hatte ich mir mehr erwartet,
Nachdenklicher Thriller
Eisenblume von Frida Skybäck
Im Jahr 2022 wird in der längst aufgelassenen psychiatrischen Klinik durch Zufall eine Leiche gefunden, eingemauert in einer Rigips-Wand im Aufenthaltsraum im dritten Stock des Gebäudes. Sofort wird man daran erinnert, dass im Jahr 1987 zwei junge Patienten aus der Klinik spurlos verschwunden sind, der 23jährige Tommy und die 17jährige Ann-Luise.
Damals wurde nur oberflächlich ermittelt, da ja keine Straftat vorlag. Angehörige von Ann-Sophie beschuldigen die Polizei, mit der Anstaltsleitung zusammengearbeitet zu haben und deshalb die Ermittlungen rasch eingestellt wurden. Sie vermuteten, dass Tommy das Mädchen ermordete und geflüchtet ist. Doch bei der Obduktion stellt sich heraus, dass Tommy das Opfer in der Mauer ist, angeblich gestorben an einem Herzstillstand durch zu hohe Dosierung eines Beruhigungsmittels.
Fredrika Storm und ihr Partner Henry Calment rollen den alten Fall wieder auf, haben allerdings große Probleme, da viele Beteiligte von damals bereits verstorben sind und die Patientenunterlagen nicht mehr auffindbar sind. Die wenigen noch lebenden Beschäftigten können sich an nahezu nichts erinnern, allerdings fällt auf, dass sie teilweise die gleiche Wortwahl verwenden, und das ist verdächtig.
Frida Skybäck hat einen Thriller mit einer bedrückenden Atmosphäre geschrieben, zumal nicht nur in Skandinavien psychiatrische Patienten als Testpersonen verwendet wurden. Die Ermittlungen bringen einige Wendungen mit sich, vor allem gegen Ende des Buches, das man nicht aus den Händen legen konnte. Die beiden Protagonisten konnten wieder überzeugen, vor allem im Privatbereich bleibt einiges offen, sodass man sich schon auf den nächsten Teil freuen kann.
Familientragödie
Die unsichtbare Hand von Julie Clark
Olivia Dumont hat sich als Schriftstellerin mit einem frauenfeindlichen, aber sehr erfolgreichen Kollegen angelegt und ist dadurch bei den Verlagen in Ungnade gefallen, sie bekommt praktische keine Aufträge mehr. Der Kollege hat sie auch noch erfolgreich wegen Rufschädigung verklagt, sodass sie eine Unsumme an Schadenersatz zahlen muss.
Unerwartet bekommt sie jedoch einen Auftrag als Ghostwriterin, bei dem der Auftraggeber gezielt sie verlangt hatte. Es handelt sich um den berühmten Bestseller-Autor Vincent Taylor, ihren Vater! Olivia hatte sich in jungen Jahren von ihm losgesagt, durch Heirat ihren Namen geändert und geheim gehalten. Vor 50 Jahren wurden zwei Geschwister ihres Vaters im Teenageralter im eigenen Haus brutal ermordet, ein Verdacht fiel auf ihren Vater, ihre Mutter hat ihn daraufhin verlassen. Es konnte ihm nichts nachgewiesen werden und er schweigt seither über diesen Skandal. Jetzt soll Olivia die Lebensgeschichte von Vincent nach seiner Vorlage in Form bringen. Es wird eine Reise in die Vergangenheit ihrer Familie, Olivia muss lange zurückliegende Vorkommnisse rekonstruieren, da ihr Vater wegen einer unheilbaren Krankheit immer unzuverlässiger berichten kann, aber sie hat Filme ihrer ermordeten Tante Poppy gefunden, die ihr dabei behilflich sind.
Julie Clark hat ein großartiges Familiendrama in zwei Zeitebenen geschrieben, zum einen die 70er Jahre (Jugendzeit des Vaters) und zum anderen das Jahr 2024. Ein Krimi, in dem Olivia viel über ihre Familie erfahren muss. Vor allem das Ende war stimmig und rundete die Story perfekt ab.
Alles andere als idyllisch
Die Bucht von Liz Webb
Calder, der vor über 20 Jahren die kleine schottische Insel verlassen hat, zieht nach dem Tod seiner Mutter mit seiner Freundin Nancy von London zurück ins Elternhaus. Sie wagen einen kompletten Neuanfang vom geschäftigen London auf die kaum bewohnte Insel. Calder kennt jeder, aber Nancy ist eine Zugereiste, keine heimische, und hat es daher sehr schwer, Kontakte aufzubauen.
Eine morgens erwacht Nancy und das Bett von Calder ist leer. Auf der Suche nach ihm sieht sie auf dem Meer Calders umgestürztes Boot, daneben treibt ein regungsloser Körper im eiskalten Wasser. Mit Hilfe des Pfarrers gelingt es Nancy, Calder zu bergen und er kann im Krankenhaus wiederbelebt werden. Doch nach der Rückkehr ist er ein anderer, er will von Nancy nichts mehr wissen, verhält sich zunehmend aggressiv gegen sie, er verheimlicht etwas!
Der lebendige Schreibstil von Liz Webb mit den bildhaften Beschreibungen konnte mich überzeugen. Ein Thriller, ausschließlich aus der Sicht von Nancy geschrieben. Viele Wendungen, bis zum Ende weiß man nicht, wem Nancy überhaupt noch trauen kann. Und gerade das machte es total spannend.
Fesselnder Islandkrimi
Schmerz von Jón Atli Jónasson
Die Polizistin Dora, nach einer im Einsatz erlittenen Hirnverletzung, sollte eigentlich nur Innendienst, also Schreibarbeiten verrichten, aber nachdem alle anderen Polizisten mit Ausnahme von Rado an einer riskanten Razzia teilnehmen, wurde sie mit der Ermittlung nach einem bei einem Schulausflug verschwundenen Mädchen betraut.
Rado hat serbische Wurzeln und ist deshalb nicht bei der Razzia gegen seine Landsleute dabei. Er soll Dora unterstützen. Auf Grund ihrer Kopfschussverletzung hat Dora eine Gabe, sie kann Zusammenhänge erkennen, die anderen entgehen und Rado, durch seine familiären Beziehungen etwas ins Abseits geschoben, will unbedingt Gerechtigkeit. Gemeinsam bilden die beiden ein eigenwilliges Ermittlerduo.
Jon Atli Jonasson hat einen angenehm flüssigen Schreibstil, die Zusammenhänge der Geschichte werden erst im Lauf der Zeit erkennbar. In kurzen Kapiteln wird aus der Sicht verschiedener Personen eine Story erzählt, die ständig Spannung aufbaut. Die beiden Ermittler verwenden allerdings auch unerlaubte Methoden, um an Ergebnisse zu kommen. Man möchte nicht ins Visier der beiden kommen.
Mord im Porno-Milieu
Wintersonnenwende von Pascal Engman; Johannes Selåker
Kommissar Thomas Wolf, selbst von seinem Trauma in Mitleidenschaft genommen, muss mit seinem Partner Zingo in einem grausamen Mord ermitteln. In der Silvesternacht 1994 wird ein Mann in einem Bordell mit einem Kopfschuss hingerichtet, die Prostituierte Lucy kann nackt in die eiskalte Luft Stockholms entkommen, der Täter ruft ihr jedoch vom Fenster mit ihrem richtigen Namen nach, den eigentlich niemand kennt! Der Fall entwickelt sich zu einem komplexen Fall, in dem Geheimdienste mitwirken.
Die Journalistin Vera Berg, die sowohl in der Arbeit als auch privat mit Problemen zu kämpfen hat, ermittelt ebenfalls, sie hat Thomas in Verdacht, beim Verschwinden seines Bruders eine Rolle zu spielen. Was verbirgt Thomas? Als jedoch ein weiterer Mord geschieht, müssen sich die beiden trotz ihrer Differenzen arrangieren, um das Leben von Lucy zu retten.
Das Duo Engman und Selaker hat wieder ein Buch geschrieben, in dem sich die Spannung bis zum Schluss steigert. In kurzen Kapiteln wechseln die Akteure und Perspektiven. Mit dem Untergang der Estonia-Fähre wurde ein reales Ereignis eingearbeitet. Die sehr brutalen Schilderungen des Geschäfts der Sexarbeiterinnen sind nichts für zartbesaitete Leser!
Menschliche Abgründe
Dunkler Abgrund von Ruth Lillegraven
Kurz nach dem mysteriösen Tod ihres Ehemannes, er ist einen Wasserfall hinabgestürzt und wurde nie gefunden, wird Clara Lofthus zur Justizministerin Norwegens ernannt. Trotz einer gewissen Gefährdungslage verzichtet sie auf polizeilichen Personenschutz. In einem Brief wird behauptet, jemand wisse, was sie getan habe.
Clara nimmt dies nicht ernst, sind doch ihre tiefsten Geheimnisse gut verborgen. Als jedoch einige Tage später ihre beiden Zwillingsöhne Andreas und Nikolai verschwunden sind, bittet sie ihren Fahrer und Leibwächter Stian um Hilfe. Clara wird von ihrer Vergangenheit gnadenlos eingeholt.
Auch im zweiten Band der Clara-Lofthus-Trilogie versteht es Lillegraven gekonnt, Spannung aufzubauen. In kurzen Kapiteln, die mit dem Namen der jeweiligen Hauptperson betitelt sind, werden die wechselnden Perspektiven erzählt. Vor allem die Person Clara Lofthus wird mit großer Sorgfalt gezeichnet, ihre nach außen sichtbare selbstbewusste Persönlichkeit, die aber letztendlich schwer verletzlich ist. Immer wieder glaubt man, den Täter zu kennen, doch man muss bis zum Schluss warten, um ein überraschendes Ende zu erfahren.
Düstere Atmosphäre
Im Unterholz von Sara Strömberg
Die ehemalige Journalistin Vera Bergström, derzeit Schulbegleiterin, wird von ihrem ehemaligen Chef auf einen Mordfall angesetzt. Eine Frau wurde unter einem Hochsitz bestialisch ermordet. Vera soll Hintergrundberichte schreiben, da dieser Vorfall weit im Hinterland nahe der Grenze zu Norwegen stattfand und weit und breit keine Reporter einsetzbar waren.
Für die heimische Bevölkerung war klar, dass nur ein Durchreisender für eine brutale Tat verantwortlich sein kann. Es gibt kaum polizeiliche Ermittlungen, nur die Recherchen von Vera, die letztendlich ihren Job in der Schule aufgibt, um wieder mit allen Mitteln als Journalistin tätig zu werden.
Strömberg erzählt in zwei Handlungssträngen, den in der Gegenwart und den Nebenstrang in der Vergangenheit. In ruhiger Schreibweise werden Veras Probleme aufgezeigt, die sich nach Scheidung und dann dem Rauswurf aus der Zeitung ergaben. Teilweise etwas langatmig, vor allem im ersten Teil. Schließlich entwickelt sich das Buch zu einem spannenden Krimi.











