Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gaby2707:
True-Crime-Geschichten aus dem härtesten Gefängnis in Deutschland
Gangsterblues von Joe Bausch
Der Autor dieses Buches, Joe Bausch, ist mir aus verschiedenen Tatort-Folgen ein Begriff. Daher hat das Buch direkt mein Interesse geweckt.
Es geht in diesem Buch nicht um die schicksale oder Biografien einzelner Gefangener, sondern um den Alltag in deutschen Gefängnissen, um den Zustand des Strafvollzuges.
Der Autor hat die behandelten Fälle so dargestellt, wie sie hätten passiert sein können.
In zwölf völlig unterschiedlichen Geschichten treffe ich auf Mörder, Vergewaltiger, Dealer, Betrüger, auf durchgeknallte Typen, aber auch auf einen Mann, der unschuldig im Gefängnis sitzt; ein sogenannter Justizirrtum, der sich aber wohl nie aufklären wird.
Die Geschichten lassen mich traurig, entsetzt, sprachlos oder mit Gänsehaut zurück. Ich bin schockiert, wie ungerecht es doch hier und da zugeht.
Jede der Geschichten ist in sich abgeschlossen und daher kann ich selbst entscheiden, wann ich welche Story noch einmal lese. Denn die ein oder andere Sache werde ich mir ganz bestimmt noch mal anschauen.
Bei den Beschreibungen erkennt man beim Lesen die Erfahrung, die Joe Bausch in seinem Beruf als Medizinaldirektor in der Justizvollzugsanstalt Werl gesammelt hat. Er beschönigt nichts. Ich werde auch mit dem Schrecklichsten und Unglaublichsten konfrontiert. Was mir sehr gut gefällt, der Autor wertet nicht. Er überlässt es dem Leser in den einzelnen Geschichten das Gute oder das Böse zu sehen oder zu erkennen.
Ich hatte ein paar spannende, sehr interessante Lesestunden mit Menschen, denen ich in meinem wahren Leben, bis auf ein oder zwei, nicht begegnen möchte. Tolle Unterhaltung auf True Crime Basis.
Hat mich leider nicht erreicht
Liebe ist so scheißkompliziert von Sabine Schoder
Nele Klinger ist 17 und mit 180cm eine sehr große junge Frau. Mit ihrer Größe fällt es ihr sehr schwer Freunde zu finden. Der Einzige, der immer zu ihr hält ist Nachbarssohn Tom Falk. Da ist aber auch noch der Basketballstar der Schule Jerome Tessner, den alle Mädchen, ob klein oder groß, jung oder schon älter, anhimmeln.
So auch Neles jüngere Schwester Lea. Zusammen mit Tom besucht Nele eine Party, bei der sie Jerome näher kommt, die aber dann etwas aus dem Ruder läuft. Am nächsten Tag kursiert ein Video mit ihr als Hauptdarstellerin in der Schule – halbnackt. Hat Jerome dieses Video gedreht? Oder ist alles ganz anders als es sich im Moment darstellt?
Sabine Schoder nimmt sich mit ihrem Buch, das für mich das erste aus ihrer Feder ist, einiger Themen an, die hier die Jugendlichen betreffen. Es geht um Mobbing, den damit verbundenen Freitod, das Erwachsenwerden, die erste Liebe, die erste enttäuschte Liebe, um Rauchen, Drogen und Alkohol und die Jagd nach "Likes". Alles in Verbindung gebracht zu Nele Klinger, die die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt und Jerome Tessner.
Ich finde die einzelnen Personen sehr detailliert, mit Ecken und Kanten ausgestattet, sehr gut vorstellbar beschrieben. Ich habe Neles Gefühle zum Teil nachvollziehen können. Manchmal habe ich das Mädel allerdings nicht verstanden. Sie ist sehr ruhig und ihrem Alter, wie ich finde, schon ein paar Jahre voraus. Sie ist nicht unsympathisch, aber mein Herz hat sie nicht erreichen können. Genau so wie Jerome, der leicht zornig wird und das seine Umwelt auch spüren lässt. Zwei sehr unterschiedliche Protagonisten, die sich aber gegenseitig sehr gut tun.
Die Autorin hat trotz aller Probleme, die hier angesprochen werden, eine humorige, herzerfrischende, leichte und flüssige Art zu schreiben. Und obwohl ich immer wieder wissen wollte, wie es weiter geht, hat mich das Buch in einigen Belangen etwas enttäuscht zurück gelassen. Was aber auch an meinem Alter liegen kann. Mir war gerade das Verhalten von Nele, ihren Eltern und vor allem auch der Schule manchmal etwas fremd.
Eine nette, teils gefühlvolle (Liebes-)Geschichte mit interessanten und spannenden Themen, bei dem mir aber Tiefe und vor allem Konsequenzen gefehlt haben. Da das Buch für Jugendiche ab 14 Jahren freigegeben ist, hätte ich mir gerade beim Thema Drogenkonsum, das hier schon fast verharmlost wird, gewünscht, dass auch da näher und mehr drauf eingegangen wird.
Von mir bekommt das Buch 3,5 von 5 Sternen
Lecker - nicht nur für bayerische Leckermäuler
Liebe ist so scheißkompliziert von Sabine Schoder
Bei "Fingerfood – bayerisch gut – Tapas von dahoam" hat mich das Cover sofort angesprochen. Durch die weiß-blauen Körbchen, aus denen mich der Kartoffelsalat anlacht, weiß ich, dass diese Rezepte genau in meine Münchner Küche passen werden.
Allein das Inhaltsverzeichnis auf den ersten Seiten lässt mir das Wasser im Mund zusammen laufen und ich freue mich beim Anblick der kulinarischen Kleinigkeiten auf´s Ausprobieren.
Ich bekomme einen Einblick in kleine Gerichte im Glas; Snacks, die ich aus der Hand essen kann; aufgespießte Minihäppchen und Leckeres am Stück.
Zu jedem Gericht habe ich eine Zutatenliste, von denen ich die meisten Sachen dauernd im Haus habe. Kein Zutaten-Schnickschnack, deren Reste ich dann kaum wieder brauche. Die etwaigen Zubereitungszeiten machen die Planung leicht. Und die Rezepte, die ich bisher ausprobiert habe, gelingen dank der Zubereitungsanleitung schnell und schmecken einfach lecker.
Das einzige Manko dieses wirklich tollen regionalen Kochbuches: Ich brauche beim Kochen immer etwas, womit ich die Seiten fixieren kann. Es schlägt sich immer von alleine wieder zu. Aber auch dafürlässt sich bestimmt etwas finden und schmälert meine Lust auf Tapas von Dahoam keinesfalls.
Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Fest, wo ich eine Auswahl der kleinen Köstlichkeiten anbieten kann. Ich denke, unsere Gäste werden begeistert sein.
Siggi stickt im Knast
Stick oder stirb! von Tatjana Kruse
Siggi stickt im Knast
Siggi Seifferheld, der stickende Ex-Kommissar aus Schwäbisch Hall, hat einen Platz im Knast ergattert. Nein, er sitzt nicht ein, er bringt einer Handvoll Knastbrüder, die in den anderen Volkshochschulkursen keinen Platz mehr bekommen haben, das Sticken bei. Bichogge, Knudel, Chips, Pickel und Pjotr stellen sich nicht mal so ungeschickt an.
Dann gelingt Pjotr die Flucht und Siggi, zur falschen Zeit am falschen Ort, geht zusammen mit seinem Hund Onis als Geisel mit. Und nun? Das verrate ich nicht...
Endlich ist er wieder da, mein Lesefreund Siegfried „Siggi“ Seifferheld mit seiner Familie und seinen Freunden vom Kochclub aus Schwäbisch Hall im Hohenloher Land, den ich seit seinem ersten Fall begleite.
Ich liebe diese Protagonisten, bei denen man z.B. bei einem Pubs weiß, um wen es sich handelt. Alle haben ihre Eigenheiten, ihre Stärken und Schwächen, ihre Ecken und Kanten. Ich habe sie einfach in mein Herz geschlossen.
Tatjana Kruse stickt in die Geschichte so viele witzige Formulierungen oder kleine Begebenheiten ein, dass ich Mühe hatte, meine Mundwinkel, die permanent nach oben gezogen waren, wieder zu entspannen. Neben dem Humor kommt aber die Spannung auf keinen Fall zu kurz. Gerade in diesem Entführungsfall geht es recht spannungsgeladen zu. Vor allem das Ende und die Auflösung haben mich hier etwas unerwartet und nicht vorhersehbar getroffen.
Da ich Schwäbisch Hall von verschiedenen Besuchen einigermaßen kenne, springt mein Kopfkino bei den Beschreibungen der Stadt und der Umgebung gleich an.
Meine Leseempfehlung geht an alle, die ohne viel Blutvergießen auskommen und die Regionalität einer Geschichte lieben. Die sich eher von einem humorvollen, aber trotzdem spannenden und interessanten Fall unterhalten lassen wollen.
Ich hatte wieder ein paar sehr schöne unterhaltsame Lesestunden und freue mich schon auf mein nächstes Abenteuer mit Siggi Seifferheld.
Die Geschichte einer Frau, die ihren Traum lebt
Wie Träume fliegen lernen von Judith Williams; Antje Bähr
Ein Buch von der Frau, deren Produkte in meinem Schrank hängen und in meinem Schmuckkasterl liegen, die meine Haut verjüngen, meine Lippen beleben, meine Augen strahlen und die mich gut duften lassen und deren Tomatensuppe, Linseneintopf und Kartoffelsuppe der Brüder Gibisch aus der Höhle der Löwen ich liebe – das musste ich einfach lesen.
Den gleichen offenen, ehrlichen und liebenswerten Eindruck, den Judith Williams im Fernsehen macht, verbreitet sie auch in ihrem Buch, das sie mit Antje Bähr zusammen geschrieben hat. Ich höre beim Lesen ihr unvergleichbares Lachen. Ihre Stimme habe ich beim Lesen in jeder Zeile im Ohr.
Es hat mich fasziniert, ihr Leben von Kindheit an bis heute für ein paar Stunden begleiten zu dürfen.
Schmunzeln musste ich hier und da, wenn sie von ihrer Zeit als Working Mom erzählt.
Bei den Seiten, die der Höhle der Löwen gewidmet sind, habe ich einige Startups wiedergefunden, deren Auftritt ich im TV angeschaut habe. Interessant finde ich auch zu lesen, was alles und wie viel Arbeit hinter einer Investition steckt, wenn man sie getätigt hat.
Ich bin so froh, dass sich Frau Williams über die Bedenken ihrer Freunde und Bekannten hinweggesetzt hat und bei Let´s Dance dabei war. Ich habe jede Sendung und jeden ihrer Tänze mit Partner Erich Klann verfolgt und war begeistert, was diese Frau alles schafft und wie wandelbar sie ist.. Und es hat mich sehr gefreut, dass sie es bis ins Finale geschafft hat.
Bewundernswert finde ich, dass sie nie aufgegeben, ihre Träume gelebt hat und ich freue mich sehr, dass sie ihre verschiedenen Wege gefunden hat und sie auch gehen konnte.
In der Mitte des Buches finden sich 18 Seiten mit teils privaten Fotos, die mir auch sehr gut gefallen.
Alles in allem ein gelungenes Buch über eine Frau, die ich einfach bewundere. Den ein oder anderen Tipp bzw. Anregung werde ich mir merken.
Was am Totenmaar geschah
Wie Träume fliegen lernen von Judith Williams; Antje Bähr
Sie hatte sich so darauf gefreut: Endlich hatte sie Anschluss gefunden. Anette und Britta, die beiden Klassenlieblinge, wollen sie mitnehmen zum Zelten am Totenmaar in der Eifel. Aber dann verläuft der Karfreitag so ganz anders als Katharina, die moppelige Pfarrerstochter, ihn sich vorgestellt hat. Plötzlich sind 3 junge Menschen tot und zwei schwer verletzt.
Wie kam es dazu? Was ist in dieser Nacht passiert? Diese Frage stellen sich Kriminalhauptkommissar Helmuth Berg und seine Kollegin Janna Habena von der Mordkommission Eifelmaar. Werden sie den oder die Täter ausfindig machen?
Eva-Maria Silber orientiert sich bei diesem Kriminalfall an einen wahren Fall aus Finnland, der bis heute nicht geklärt werden konnte und setzt ihn kurzerhand in die Eifel um.
Der erste Teil der Geschichte um Anette, Britta, Katharina, Marc und Sebastian beginnt 1984 und endet am Karfreitag Abend für Drei von ihnen tödlich. Was geschah damals? Katharina, schwer traumatisiert, und Sebastian scheinen sich an nichts erinnern zu können.
Erzählt wird die Geschichte zum einen von einem „aussenstehenden“ Erzähler. Katharina erzählt ihre Geschichte aus ihrer Sicht in der Ich-Form. Sowohl zu ihr, als auch zu den weiteren Protagonisten bekomme ich keinen richtigen Draht. Keine der Personen ist mir sympathisch, eher ist das Gegenteil der Fall. Sogar mit Katharina, die an ihrer Amnesie leidet und nicht weiß, was ist real, was gaukelt ihr ihr Gehirn nur vor, kann ich kein Mitleid empfinden.
Etwas zu viel waren mir auch die Fachgespräche mit ihrem Psychologen. Hier musste ich immer wieder nachlesen, weil ich verschiedene Begriffe nicht kannte und nicht verstand. Das macht auch für mich die Spannung immer wieder zunichte.
30 Jahre später. KHK Berg ist lange im Ruhestand. Janna Habena lässt der Fall von damals nicht los. Sie will diesen Cold Case lösen. Sie ist mir zu schnell mit ihren Verdächtigungen, geht zu forsch an alles heran, was dann wieder unglaubwürdig wirkt.
Zum Schluss löst sich der Fall einigermaßen schlüssig auf. Ich als Leserin weiß Bescheid, die Polizei wird den Fall wohl nie lösen.
3,5 von 5 Sternen für einen spannenden Kriminalfall, der mich überzeugt und mitgenommen hat. Protagonisten, die mir zu matt sind und die mich nicht für sich einnehmen konnten. Teilweise stark überzogenen Klischees, die ich so gar nicht mag.
Diesmal wurden meine Erwartungen leider nicht erfüllt.
Ein unterhaltsamer Kunst-Krimi
Alles ist lebend tot von Natalie Mesensky
Barbara Aubert hat dem Stadtleben in Wien ade gesagt und sich in der Kleinstadt Tulln eine alte Villa gekauft und sich in eine Gärtnerei mit Blumenladen eingekauft. Nach dem Tod ihres Ehemannes muss die Inhaberin Leonie Bogner für ihre beiden kleinen Mädchen alleine sorgen und ist wohl froh, dass Barbara ihr so eine Sorge abgenommen hat.
Der Frieden der Stadt wird durch den Mord an Professor Erich Hinkel erschüttert. Aus der Villa des alten Kunstsammlers wurde auch ein Gemälde von Egon Schiele gestohlen.
Mich hat das Cover und der ungewöhnliche Titel veranlasst das Buch zu lesen. Und ich muss sagen, es war mein erster „Kunst“-Krimi und er hat mir sehr gut gefallen.
Durch den Mord gleich zu Beginn der Geschichte bin ich schnell in Tulln angekommen. Von den Ermittlungen bekomme ich noch nicht viel mit. Eher lerne ich Barbara, ihr Umfeld und einige Tullner Bürger kennen. Getratscht wird in Tulln wie in jeder Kleinstadt. Jeder weiß von jedem alles, oft früher als der Betroffene selbst. Viele verschiedene Namen der interessanten und vielschichtigen Protagonisten, die ich aber durch eine ausführliche Namensliste zu Beginn des Buches sehr gut auf die Reihe bekomme.
Der Schreibstil ist flott, sehr bildhaft und für mich sehr gut zu verstehen. Die österreichischen Begriffe sind als Fußnote erklärt oder sie erklären sich im Text selbst. Die Atmosphäre kommt sowohl zwischen den Personen als auch örtlich sehr gut rüber.
Nach einem weiteren Mord steigt auch die Spannung, die Ermittlungen nehmen Fahrt auf und nun war auch ich ans Buch gefesselt und hier und da richtig geschockt. Ich habe mich auf eine falsche Fährte führen lassen und es gibt ein paar Wendungen, die ich so nicht erwartet habe.
Egon Schiele kannte ich bisher nur dem Namen nach. Hier werden Bruchstücke seines Lebens, seiner Malerei und seiner Werke gut und passend neben den Mordfall eingeführt.
Hier und da kommt es zu Szenen, wo ich merke, hier fehlt mir etwas. Ist aber für die Mordfälle, um die es hier geht, nicht relevant.
Egon Schiele, ein interessanter Aufhänger, vier Morde, bei deren Aufklärung ich mittendrin war und eine österreichische Kleinstadt, die mein Interesse geweckt hat.
Mich hat „Alles ist lebend tot“ sehr gut unterhalten.
4,5 von 5 Sternen
Nichts ist wie es scheint
Sie finden dich nie von Cara Hunter
Boah, was für eine Geschichte, die mich bestimmt nicht so schnell los lässt.
Während einer Party im Garten ihrer Eltern mit ihren Schulfreunden und deren Eltern verschwindet die 8-jährige Daisy Manson spurlos. Niemand hat sie gesehen, niemand weiß etwas. Detective Inspector Adam Fawley und sein Team ermitteln fieberhaft, aber ausser Indizien finden auch sie keinen Hinweis auf das Verbleiben des Mädchens.
Daisy ist und bleibt verschwunden.
Sehr viele Dialoge, Rückblenden in die Vergangenheit und kleine Posts von Radio- oder tv-Sendern und vor allem auf Twitter lockern die Ermittlungen, die sehr zäh laufen, auf und die Spannung steigt stetig weiter an.
Cara Hunter erzählt eine spannende und sehr abwechslungsreiche Kriminalgeschichte. Von einem zum anderen Kapitel bin ich mehr dabei und spekuliere mit, was da wohl geschehen sein mag. Ich folge ihr auf Spuren, die sie für den Leser auslegt, um dann zu erfahren – hier geht´s nicht weiter. Ihr Schreibstil ist leicht, locker und flüssig und die Kapitel rauschen nur so an mir vorbei. Sie hat mich mit ihrem Debüt um Detective Inspector Adam Fawley richtig eingefangen.
Ab der ersten Seite bin ich mitten in den Ermitlungen und voll dabei. Viele kleine Spuren, die immer wieder ins Nichts führen oder sich nur schwer beweisen lassen. Eltern, die wie es den Anschein hat, keinen Wert auf tiefergreifende Ermittlungen haben und nur mit sich selbst beschäftigt sind. Nach aussen aber den Eindruck tiefer Trauer vermitteln wollen. Nachbarn, die bis auf ganz wenige, nichts gesehen und gehört haben wollen.
Sehr vielfältige und vielschichtige Personen begleiten mich auf meinem Weg durch das Buch. Die Mutter erscheint kalt und herzlos, der Vater liebt seine "Prinzessin" abgöttisch und Bruder Leo kämpft mit seinen eigenen Dämonen. Auch die Vergangenheit hält Tatsachen für mich als Leser bereit, die noch weit in die Gegenwart hineinspielen. Es ist schlimm zu lesen, was diese beiden Kinder in ihrer Familie erdulden müssen und wie die Erwachsenen miteinander umgehen.
Aber nicht nur die Familie Manson hat ihr Päckchen zu tragen, auch bei den Mitgliedern der Polizei läuft nicht alles rund. So hat z.B. Adam Fawley einen ganz besonderen Bezug zu diesem Fall. Und Detectiv Constable Chris Gislingham wird aus persönlichen Gründen vom Fall abgezogen. Aber mehr verrate ich nicht.
Ich hatte den Fall für mich schon gelöst geglaubt und abgeschlossen, da kommt ein Ende mit einer Auflösung daher, die ich so überhaupt nicht erwartet hatte. Ich bin begeistert von dieser letzten Wendung, aber auch irgendwie schockiert. Das I-Tüpfelchen, das den Fall so ganz besonders macht.
Eine für mich neue Autorin mit einem interessanten und spannenden Fall, der auch zeigt, was die sozialen Netzwerke so anstellen können. Ich bin begeistert!
Küsterin Kati ermittel wieder
Kati Küppers und der entlaufene Filou von Barbara Steuten
Johannes „Jo“ Heribert Matthäus Küpper stößt beim Gassigehen mit einem Hund der seiner Frau Katharina „Kati“ Teodora, der Küsterin des Ortes, und ihm zugelaufen ist, im Wald von Niederbroich auf einen Toten. Von Maden besiedelt und von Larven zerfressen wird der Unkenntliche in die Gerichtsmedizin gebracht.
Da aber weder die Entomologin Prof. Dr. Brigitte „Biggi“ Hamacher noch Kriminalhauptkommissar Philip Rommerskirchen und sein Kollege Björn Tiedke in diesem Fall weiter kommen, schaltet sich die Küsterin wieder mal ein. Und sofort geht a bisserl was voran…
Niederbroich, der kleine Ort am Niederrhein, ist für mich wie krimineller Urlaub. Bei Kati, Jo, Bene, Pfarrer Remigius und Kommissar Rommerskirchen fühle ich mich nach meinem letzten Aufenthalt schon wie bei guten Bekannten. Neue Dorfbewohner lerne ich hier auch wieder kennen. Alle mit Ecken und Kanten sehr liebevoll und farbig skizziert. Sympathien zu vergeben, bei dem einen mehr, beim anderen weniger, ist mir hier sehr leicht gefallen. Alle passen perfekt ins Bild des Dorfes.
Apropo Sympathien: Ein Blick hat genügt und ich war hin und weg von Filou, dem kleinen Jack-Rissel-Terier.
Es gibt zwar auch hier einen Toten, aber der sehr humorige und mit einem Augenzwinkern erzählte Krimi zielt nicht auf die Leser, die Blut, Mord und Totschlag brauchen. Gerade die Leichtigkeit gemischt mit Spannung macht für mich hier das Lesen zu einem Genuss.
Eingebettet ist hier auch ein sehr aktuelles Thema: Pflegenotstand im Seniorenheim. Zum einen mag ich es sehr, wenn solche Themen auch in einem Krimi zur Sprache kommen und hier hat das Thema noch einen besonderen Bezug.
Wer Krimi gepaart mit Humor und Lokalkolorit sucht, der ist hier genau richtig. Ich habe die spannenden Lesestunden sehr genossen.
Und ja, liebe Barbara, der Text ist auch ausserhalb des Rheinlandes gut zu lesen und zu verstehen.
Gänsehautfeeling
Narbensohn von Mika D. Mon
Zu allererst hat mich das Cover angezogen, bei dem ich zweimal hinschauen musste, um die beiden zerrissenen Gesichter zu erkennen.
Ein romantischer Thriller – wie soll das denn gehen? Diese Frage wollte ich mir beim Lesen des Buches beantworten. Ich habe es nicht bereut – es geht wirklich und sogar ganz gut.
Helena Weiß möchte Gefangenen eine Stimme geben und interviewt in einer JVA für ein Buch zuerst Kleinkriminelle, dann einen Mörder, Liam Winterfeld. Er zieht sie mit seinen stahlblauen Augen sofort in seinen Bann. Da er einen Großteil seiner Strafe abgesessen hat, kommt er bald auf Bewährung frei. Es bleibt nicht aus, dass sich Helena und Liam auf der Straße begegnen – unter sehr negativen Bedingungen. Und um nicht wieder einsitzen zu müssen, entführt Liam Helena in eine einsame Hütte im Wald.
Wie gefährlich ist dieser gewaltbereite junge Mann? Was hat er mit der jungen Frau vor? Helena versucht alles um ihn davon zu überzeugen, dass die Liebe alles schaffen kann. Immer wieder zeigt sie Liam, was es heißt geliebt zu werden.
Den ersten negativen Eindruck vom Buch hatte ich, als ich es in Händen hielt. Es ist, obwohl es nur 400 Seiten hat, sehr schwer und unhandlich. Was ich aber beim Lesen fast vergessen habe.
Helena und Liam, zwei Protagonisten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Beide sind sehr tiefgründig, menschlich und klar gestaltet, haben ihre Fehler, Schwächen und Stärken, die hier sehr gut rüberkommen. Beide durchleben auch eine Wandlung, die mir sowohl bei Liam als auch bei Helena sehr gut gefallen hat.
Liam, den seine Kindheit stark geprägt und ihm zu dem gemacht hat, was und wie er heute ist, öffnet sich langsam und lässt Gefühle zu. Er ist mir trotzdem etwas zu böse und zu attraktiv.
Helena, die alles versucht um aus dem Bad Boy einen „normalen“ Mann zu machen, war mir teilweise zu naiv und zu gutgläubig. Wenn ich bei einem Interwiev den Unterschied zwischen Mord und Totschlag nicht kenne, passt für mich etwas nicht.
Die wenigen weiteren Protagonisten wie Helenas Vater und ihr Bruder Florian, Daniel, Anna und Caleb werden ebenfalls sehr gut vorstellbar gezeichnet, haben ein Herz und eine Seele, und waren mir jeder auf seine Weise von Anfang an sehr sympathisch. Ganz im Gegensatz zu Balthasar und Markus, zwei derart widerliche Typen.
Alle lassen mich tief in ihre Seelen blicken, was beim Lesen nicht immer ganz leicht zu ertragen war.
Die Geschichte an sich greift ein sehr brisantes und immer wieder aktuelles Thema auf: Kindesmissbrauch. Da die Autorinnen die Geschehnisse sehr lebhaft, direkt und klar beschreiben, sowohl in der Vergangenheit von Liam, als auch in der Gegenwart, hatte ich mehr als einmal Gänsehaut und traute mich fast nicht weiter zu lesen. Es hat mich schon sehr mitgenommen.
Ab der ersten Seite haben es die beiden Autorinnen geschafft, mich total in die Geschichte hineinzuziehen und und zu fesseln. Bei den kurzen Kapiteln habe ich immer wieder gedacht: Ach nur eins noch. Aber zum Weglegen des Buches musste ich mich immer wieder zwingen.
Ein starkes Cover, eine fesselnde Geschichte zwischen Liebe und Gewalt, brutal, romantisch, leidenschaftlich, tiefblickend, die unter die Haut geht und Gänsehaut erzeugt. Ich habe die letzten Lesestunden sehr genossen. Nun warte ich sehnsüchtig auf eine Fortsetzung.









