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Rezensionen von Emmmbeee:

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Viel Freud, viel Leid

Mein Sternzeichen ist der Regenbogen von Rafik Schami

Was uns Rafik Schami in seinem neuesten Werk zu lesen (ich habe das Werk als Hardcover-Buch genossen) gibt, ist bunt wie der Regenbogen im Titel. Insgesamt 27 Geschichten zu sechs übergeordneten Themen beinhalten eine Welt zwischen Orient und Okzident. Es geht um Heimat, Flucht, Leben in der Diaspora bzw.

in der neuen Heimat, den Spagat zwischen Ost und West, Missverständnisse, Integration, Partnerschaft, Toleranz, Korruption, Ehe und Partnerschaft. Die Geschichten sind ebenso lustig wie tieftraurig. Ohne jeden Zweifel hat der Autor so viel erlebt wir kaum ein zweiter und kann aus eigener Erfahrung berichten.
Doch kein einziges Mal kommt Larmoyanz auf. Sogar das allergrößte Leid wird mit einer Leichtigkeit erzählt, die dennoch die Schwere der Fakten nicht unter den Teppich kehrt. Schamis heitere Sprache, sein Witz und seine intelligenten Betrachtungen gestalten das Lesen zu einem Abenteuer, zu einer Reise in die jüngste Vergangenheit und Gegenwart. Vor allem verhelfen die Erzählungen zu mehr Verständnis und Wissen, was sich tut in der Welt der Flüchtlinge, hinter den Fassaden der neuen Staaten und in deren Ämtern.
Ein Pflichtbuch für alle, besonders für jene Leser, die nicht gern hören oder lesen, was sich vor ihren gut zugesperrten Toren tut.

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Viel Freud, viel Leid
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Genauso spielt das Leben

Der Brand von Daniela Krien

Der Brand des ursprünglich vorgesehenen Ferienhauses veranlasst das Ehepaar Rahel und Peter, ihre Pläne zu ändern. Gleichzeitig muss durch einen Krankheitsfall der Bauernhof von Freunden betreut werden. In der ländlichen Einsamkeit sind die beiden auf sich selbst zurückgeworfen und stärker als zuvor mit der Brüchigkeit ihrer Beziehung konfrontiert.

Aus dem dreiwöchigen Aufenthalt entsteht auch ein Eintauchen in die Vergangenheit samt der drängend werdenden Frage Rahels: Ist der Erkrankte mein Vater?
Als Tochter Selma und ihre Kinder auftauchen, zeigt sich eine extreme Tochter-Mutter-Problematik, es geht um Erziehungs- und Liebesfragen. Auch die Zeit nach der Wende, was die mit sich gebracht hat, Nachholbedürfnis und Besitzgier werden zum Thema. Nicht nur das Ferienhaus hat gebrannt, auch die Familiensituation steht in Flammen. Doch der Schluss ist versöhnlich.
Eigentlich geschieht im Roman nichts Unerwartetes, vieles habe ich selbst ganz ähnlich erlebt. Das Leben geht eben nie glatt, sondern ist gespickt mit Stolpersteinen, Auseinandersetzungen, Generationsproblemen und Fragen. Mich hat nichts überrascht. Alles kommt im Leben ständig vor. Wie anders als unaufgeregt kann man die Situationen beschreiben? Für den Leser tröstlich, dass es anderen auch so ergeht.
Über die Sympathien bin ich mir nicht sicher. Ganz bestimmt sind sie auf Seiten der Eltern, die sich sehr um ihre Kinder bemüht haben, wenn auch – natürlich – nicht immer mit Erfolg.
Mir hat der Erzählstil sehr gefallen, das Schildern der Befindlichkeiten, des Auf- und Abschwellens der Emotionen. Für Rahel gibt es nie die rechte Ruhe, um auch nur eine heimliche Zigarette zu rauchen – meisterlich in Worte gekleidet.
Ich empfehle den Roman all jenen, die mit ähnlichen Eltern- und Partnerschaftsproblemen zu kämpfen haben. Aber auch der jüngeren Generation, um ihre eigenen Eltern besser zu verstehen.

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Genauso spielt das Leben
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Nicht überwältigend

Die Frau im Park von Ella Janek

Die Schauspielerin Eva Rosenberg hört mit ihrem Beruf auf, als ihre Tochter nach einem schweren Unfall querschnittgelähmt bleibt. Ganz ihrem Kind gewidmet, öffnet sich eine große Leere, als das Mädchen in eine Wohngemeinschaft zieht. Die Ehe mit dem vielbeschäftigten Johannes ist beinahe keine mehr, Eva ist meist allein, ihr Mann bis in die späte Nacht in seiner Firma oder auf Geschäftsreisen.

So ist sie empfänglich für den Charme einer Bekanntschaft aus dem Englischen Garten. Endlich kann sie wieder glücklich sein. Doch ist sie immer noch verheiratet. Welche Schritte soll sie als nächstes setzen, zumal der Wiedereinstieg in den Film möglich geworden ist?
Den soeben erschienenen Roman „Die Frau im Park“ hatte ich schnell durch. Er liest sich rasch und leicht. Meine Sympathien gelten hauptsächlich der Freundin, die trotz ihrer Berufstätigkeit und ihrer eigenen Familie meist für Eva da ist und ihr aus manchem Tiefpunkt hilft. Auch der Sportlehrer Ben macht in jeder Hinsicht bella figura, während der Ehemann nicht ganz klar einzustufen ist.
Die Sprache ist flüssig und farbig, der Erzählstrom hat Drive und Leben. Die Personenzahl ist übersichtlich, die Seitenzahl auch. Soweit alles okay und angenehm.
Aber stets hatte ich das Gefühl, dass ich diesen Stoff bereits kenne. Jedenfalls ließ sich bereits zu Beginn eine Prognose erstellen, wie das Buch endet und welche Komplikationen sich bei der neuen Liebesbeziehung ergeben werden. Es gibt wenig wirklich Überraschendes, höchstens die Szenen in der Kneipe, wenn sich Eva auf der Impro-Bühne versucht. Ja, und dass der Ehemann ein so braver sein soll. Nein, ich bin nicht gerade überwältigt von diesem Buch.
Doch ist es eine leichte Lektüre, gerade recht für heiße Sommertage. Der Roman wird bestimmt seine Liebhaber finden.

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Nicht überwältigend
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Wuchtig

Otmars Söhne von Peter Buwalda

Im klapprigen Hotel Mithos auf der Insel Sachalin begegnen sich Ludwig Smit und Isabelle Orthel. Es stellt sich heraus, die sich nicht vollkommen fremd sind. Allmählich entrollt sich die Vergangenheit mit ihren Untiefen, den Zusammenhängen, den Irrtümern und Verhängnissen. Es gibt zwei Väter, die unterschiedlicher nicht sein könnten: einen biologischen, der sich schon bald verflüchtigt hat, und einen Stiefvater mit zwei eigenen Kindern.

Auch die sind außergewöhnlich.
Was das Lesen nicht gerade erleichtert, sind die übergangslosen Zeit-, Szenen-, Personen- und Ortswechsel. Gerade noch wurden Isabels Gedankengänge erhellt, im nächsten Absatz sind es die von Johan oder Ludwig, der eigentlich Dolf heißt. Viel ist von Beethoven die Rede, dem ein kleiner Junge bis zur Gehörlosigkeit nacheifert. Wenn von der Kette die Rede ist, war mir nicht immer klar, ob es das Lederband mit dem Absinth-Löffel oder die fesselnde Eisenkette um Isabels zarten Hals war.
Buwalda malt Bilder, die an Hieronimus Bosch denken lassen, etwa bei den Horrorzähnen von Timothy Spade. Da ist von sexuellen Exzessen die Rede, absurde Passagen geben Neurosen und Besessenheit bei Kindern die Hand. Und auch die Namensähnlichkeit mit dem ehemaligen US-Präsidenten kommt nicht von ungefähr. Es geht um Fehler und Versäumnisse, Reue und Bemühen. Unerwartete Querverbindungen überraschen immer wieder aufs Neue.
In diesem Buch kommt vieles wuchtig daher, nicht nur sein Umfang. Gewaltig ist der Bogen, welchen Peter Buwalda spannt in dieser breit gefächerten Familiengeschichte, die quasi hinten anfängt, bei Kapitel 111. Der nächste Band der Trilogie wird folgerichtig bei 74 beginnen.
Nicht leicht verdaulich ist auch die Kost, die dem Leser mit dem Inhalt serviert wird. Auch räumlich holt der Autor aus: die Niederlande, Amerika, Nigeria, Japan und Russland sind die (vorläufigen) Schauplätze. Weitere werden bestimmt noch hinzukommen.
Welchem Protagonisten kann ich meine Sympathie schenken? Schwierige Frage. Am ehesten Ludwigs geduldiger Frau Juliette. Eine meisterhafte Sprache, souverän nennt sie auch Heikelstes beim Namen, beschreibt schonungslos das Ungeheuerlichste und Unverständlichste. Doch hat sie in etlichen zähen Passagen auch ihre Schwachpunkte.
Die Umschlaggestaltung ist die einzig mögliche, ein Nonplusultra. Hier haben keinerlei Schnörkel Platz, und sie springt in einer Auslage sofort ins Auge. Ebenso der Titel: Er dürfte nicht länger sein.

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Ein Vater zum Gernhaben

Vati von Helfer Monika

Kein Mensch ist vollkommen, auch Josef Helfer nicht. Der völlig mittellose beinamputierte Invalide ohne viel Bildung oder Berufserfahrung hat es geschafft, Leiter eines Kriegsopfer-Erholungsheimes, beinahe Hotelier zu werden. Das hat ihn aufgerichtet und über sich selbst hinauswachsen lassen. In dieser Funktion hat er viel Gutes bewirkt.

Doch gerade diese Funktion und seine Sorge um die kostbare Bibliothek des Heimes stellt ihm ein Bein. Der nachfolgende Sturz und vor allem der Tod seiner Frau, Monika Helfers Mutter, vermag ihn zu brechen.
Josef Helfer scheint mir ein liebevoller Ehemann und Vater zu sein. Doch Monika Helfer verschweigt auch seine Schwächen nicht. Umfassend und objektiv werden die Erinnerungen durch die Befragung von nahen Personen, der Stiefmutter, der Schwestern und anderen Verwandten. Alles in allem ein Teppich, der sich aus vielen Bildern und Blickpunkten zusammensetzt. Ein Vater, von verschiedenen Seiten beleuchtet, aber immer respekt- und liebevoll.
Mir gefällt, wie genau der Sprache und ihrer Ausdrucksstärke auf den Zahn gefühlt wird. Auch das hat Vati der kleinen Monika mitgegeben. Ebenso die Liebe zu den Büchern und dem geschriebenen Wort.
Monika Helfer gewährt uns Lesern seit der „Bagage“ einen tieferen Blick in ihre Herkunft und ihre Verwandtschaft. Sie berührt auch private Punkte, die ihre eigene Familie betreffen: die verunglückte Tochter Paula, den Ehemann im damaligen Status als Freund, ihre täglichen Spaziergänge. Da auch mein Vater zu den Kriegsopfern gehörte, kenne ich die genannte Erholungsmöglichkeit von anderen Heimen, leider ohne Bibliothek, die auf der Tschengla eine so wichtige, große und verhängnisvolle Rolle gespielt hat.
Ich durfte Monika Helfer schon mehrmals begegnen und habe fast alle Bücher gelesen. Ihren neuesten Roman habe ich als Hörbuch genossen. Doch in gedruckter Form sind mir Helfers Werke lieber. Freilich, Emotionen werden beim Hören deutlicher. Doch dieses Vorlesen war mir durch die auffallende Schnappatmung fast unangenehm. Die hat mich bei diesem Hörbuch zeitweise abgelenkt.

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Ein Vater zum Gernhaben
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Von Nordlichtern und griechischen Inseln

flüchtig von Hubert Achleitner

Eine Frau mit dem umfangreichen und bedeutungsschweren Vornamen Eva Maria Magdalena ist von einem Tag auf den anderen verschwunden. Einfach auf und davon. Ihr Mann Herwig, kurz Wig genannt, sucht sie überall, obwohl er über ihre Abwesenheit eigentlich erleichtert sein sollte, wird er doch mit 60 zum ersten Mal Vater.

Doch seine Freundin lässt ihn im Ungewissen, ob er es wirklich ist. Maria indessen hat sich in Wigs Volvo auf den Weg Richtung Süden gemacht. Zusammen mit der Autostopperin Lisa (zugleich Erzählerin an Achleitners Stelle) kommt sie bis nach Griechenland.
Der Leser erfährt abwechselnd, wie es Maria und Wig ergeht und von ihrer Liebe, die völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Der Autor schildert mit einem grösseren Wortschatz, als man normalerweise in Romanen antrifft, eine örtliche und seelische Odyssee von zwei Menschen, die eigentlich füreinander bestimmt sind. Achleitner arbeitet mit der Sprache, als sei sie frisch aufgebrochener Boden, fruchtbar und offen für alle Möglichkeiten. Literarisch unverbraucht, originell in den Wendungen und Wortbildern, kraftvoll, urwüchsig. Hubert Achleitner schöpft sprachlich aus dem Vollen. Und es kommt mir wie bedächtiges Schreiten durch die Handlung vor. Keine künstlichen Konstruktionen, sondern alles folgerichtig. So finde ich jedenfalls.
Besonders gefiel mir die Geschichte vom Joik, dieser ganz persönlichen Melodie für die samischen Neugeborenen. Als Hubert von Goisern bekannt, ist der Autor mit der Musik natürlich auf Du und Du. So sind auch die anderen musikalischen Einstreuungen sehr stimmig und feinfühlig ausgewählt, sie sind eins mit dem Geschehen.
Über den Inhalt und den sprachlichen Ausdruck hinaus ist mir aufgefallen, dass der Text sehr sorgfältig korrigiert worden ist. Da findet sich kein einziger Fehler, kein Versehen bei der Eingabe. Ich hoffe, dass «flüchtig» nicht Hubert Achleitners einziges Buch bleibt.

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Fallen und wieder aufstehen

Pandatage Roman. Gebunden. von Gould-Bourn James

Danny Maloony verliert bei einem Unfall seine geliebte Frau, Will seine Mutter. Bei ihr hat er sich immer geborgen und verstanden gefühlt hat. Weil er selbst unmittelbar am Unfall beteiligt gewesen ist und er sich nicht anders zu helfen weiss, spricht er seitdem kein Wort mehr. Obwohl Danny sich auf jede erdenkliche Weise bemüht, steht er dem Unglück seines Sohnes hilflos gegenüber.

Überdies verliert er auch noch seine Arbeit und findet keinen neuen Broterwerb. Da er auch noch mit der Miete im Rückstand ist, bedroht ihn sein herzloser Vermieter auf beängstigende Weise. Ein Zufall beschert Danny einen Ausweg, doch auch der ist mit spitzen Steinen gepflastert.
Wenn eine kleine Familie auf so brutale Art auseinandergerissen und reduziert wird, geht das zutiefst nahe. Es ist ein Buch der unterdrückten Schreie, der Demütigungen am Laufmeter, des Wiederaufstehens, der Tapferkeit, der Kreativität, der Selbstverleugnung, des unermüdlichen Abstrampelns, der unerwarteten Hilfe, der alles überragenden Liebe eines Vaters zu seinem leidenden Kind. Manchmal fand ich den Inhalt fast unerträglich.
Der Roman ist in einem schlichten, ruhigen Stil geschrieben, ohne jede Wehleidigkeit. Eine Reihe von Fakten wird aneinandergereiht, aber in einem äusserst farbigen, lebendigen Erzählen. Der Schreibstil ist gepflegt, empathisch, zu Herzen gehend. Es ist nicht möglich, unbeteiligt zu bleiben. Man möchte – man möchte vieles tun, um zu helfen. Vor allem aber ein wenig über Will wachen.
Doch nicht nur Vater und Sohn finden meine Sympathie, sondern auch (im Lauf der Handlung) die Poletänzerin Krystal. Viele Facetten des zwischenmenschlichen Lebens werden auf subtile Art angesprochen. Um dem Inhalt ein wenig die Schwere zu nehmen, lockern etliche humorvolle Passagen das Geschehen auf. Wie überhaupt Humor in schwierigen Lebenslagen sehr notwendig ist. Aber komisch oder gar «saukomisch» fand ich den Roman gar nicht. Ich empfehle das Werk besonders denen, die vom Leben auch schon arg gebeutelt wurden. Es hat viel Tröstliches.

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