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Rezensionen von dorli:

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Liv im Visier eines Killers

Zornige Flut von Sabine Weiß

Sabine Weiß beginnt den siebten Band ihrer Sylt-Krimi-Reihe mit einem mitreißenden Prolog: Liv Lammers und ihre Tochter Sanna entgehen nur ganz knapp einer Katastrophe - Flammen wüten mitten in der Nacht im Erdgeschoss ihres Flensburger Kapitänshauses. Eindeutig Brandstiftung. Es soll nicht der einzige Anschlag auf das Leben der sympathischen Kommissarin bleiben…

Liv hat nur wenig Zeit, den Schrecken zu verarbeiten.

Ein neuer Fall auf Sylt verlangt ihre ganze Aufmerksamkeit - ein Kollege aus der Kriminaltechnik hat während seines Kuraufenthalts in einer Fastenklinik einen menschlichen Schädel entdeckt. Hinweise auf Gewalteinwirkung lassen keinen Zweifel daran, dass der unbekannte Tote einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Da aber der Täter jegliches Gewebe sowie alle Zähne entfernt hat, kann der Schädel zunächst keinem aktuellen Vermisstenfall zugeordnet werden. Dann erfahren die Ermittler, dass eine prominente Sylter Galeristin seit einem halben Jahr wie vom Erdboden verschluckt ist…

„Zornige Flut“ hat mich schon nach wenigen Seiten fest im Griff gehabt. Sowohl die Ermittlungsarbeit in dem undurchsichtigen Mordfall wie auch die aufreibenden privaten Angelegenheiten der Ermittler und ganz besonders Livs lebensbedrohliche Situation werden spannend geschildert, so dass man durchweg mit den Akteuren mitfiebern und bis zum Schluss prima über Motive, Hintergründe und die Identität der Täter miträtseln und mitgrübeln kann.

Besonders gut gefällt mir an dieser Krimireihe, dass jede Figur einen ganz eigenen Charakter und eine individuelle Geschichte hat. Das „Stammpersonal“ macht seit dem ersten Band eine stetige Entwicklung durch, die ich als authentisch und nachvollziehbar empfinde. Es macht Spaß, die Wege der einzelnen Akteure zu verfolgen und ihr lebhaftes und abwechslungsreiches Zusammenspiel zu beobachten.

Neben interessanten Themen wie die forensische Gesichtsweichteilrekonstruktion oder die Herstellung von Waffen mittels 3D-Drucker sind auch die Beschreibungen der Handlungsorte auf Sylt und in Flensburg in diesem Band wieder äußerst gut gelungen - die technischen Erläuterungen sind leicht verständlich und die einzelnen Schauplätze kann man sich alle prima vorstellen.

„Zornige Flut“ hat mir sehr gut gefallen - ein kurzweiliger Krimi, der mich mit spannenden Ermittlungen und einer gut durchdachten Handlung bis zur letzten Seite gefesselt hat.

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Liv im Visier eines Killers
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Auf den Spuren von Melody

Melody von Martin Suter

Der 30-jährige Tom Elmer hat einen Doppelabschluss in Jura und ist nach dem Tod seines Vaters gezwungen, sich mangels erhofftem Erbe einen Job zu suchen. Wochenlang vergeblich. Dann stößt er auf eine altmodische Chiffre-Anzeige in der Zeitung, bewirbt sich eher halbherzig und bekommt wider Erwarten eine Zusage.

Tom soll den Nachlass des 84-jährigen superreichen und sterbenskranken Alt-Nationalrats Dr. Peter Stotz ordnen und dabei bitteschön das ein oder andere, das am Image des alten Herrn kratzen könnte, verschwinden lassen. Da die Bezahlung neben Kost und Logis äußerst großzügig ist, tritt Tom die Stelle an und beginnt sich durch unzählige Kartons und Ordner voller Dokumente, Fotos und Handschriften zu wühlen.

Auffällig in der Villa am Zürichberg: überall Bücher, viele Stickereien an den Wänden und immer wieder das Porträt einer jungen Frau. Eine Erklärung lässt nicht lange auf sich warten: bei der jungen Frau handelt es sich um Melody, einst die Verlobte des ehemaligen Nationalrats. Sie verschwand vor über vierzig Jahren spurlos. Bei täglichen Gesprächen vor dem Kamin erzählt Stotz ausgiebig von Melody - wie er die aus Marokko stammende Buchhändlerin damals kennengelernt hat, von der geplanten Hochzeit, ihrem plötzlichen Verschwinden und ganz besonders von der intensiven Suche nach ihr, die jedoch bis heute erfolglos blieb.

Je mehr Tom über die Vergangenheit seines Arbeitgebers erfährt, desto neugieriger macht ihn die Geschichte - besonders der Verbleib von Melody interessiert ihn. Er beschließt, mehr über die geheimnisvolle Frau herauszufinden und fragt sich schon bald, wie viel Wahrheit eigentlich in dem steckt, was Stotz ihm nach und nach über die Liebe seines Lebens erzählt.

Martin Suter hat einen wunderbaren Schreibstil. Ich war schon nach wenigen Seiten von der Handlung gefesselt. Die feine Charakterisierung der Figuren, die bildhaften Beschreibungen der Handlungsorte, die stimmige Atmosphäre in der herrschaftlichen Villa und die Schilderungen des abwechslungsreichen Geschehens auf beiden Zeitebenen haben mich durchweg bestens unterhalten.

Was für Tom und auch für mich als Leserin zunächst wenig spektakulär beginnt, wandelt sich dank Suters geschickter Erzählweise schnell zu einer raffiniert gestrickten Geschichte. Obwohl alles, was der Alt-Nationalrat über Melody und ihr Verschwinden erzählt, Hand und Fuß zu haben scheint, schleichen sich langsam Zweifel ein. Suter streut hier und dort eine Ungereimtheit oder einen kleinen Widerspruch in die Handlung ein und lässt die Spannung so Seite um Seite langsam ansteigen. Das Geschehen wird wendungsreich, gleicht mehr und mehr einem Krimi und entwickelt dabei einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann.

„Melody“ hat mir sehr gut gefallen - ein anschaulich und lebendig erzählter Roman, der mir ein paar kurzweilige Lesestunden beschert hat.

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Auf den Spuren von Melody
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Weltumrundung mit dem Fahrrad

Die Radfahrerin von Susanna Leonard

In ihrem Roman „Die Radfahrerin“ erzählt Susanna Leonard aus dem Leben der Anzeigenverkäuferin Anna Cohen Kopchovsky, die Mitte der 1890er Jahre als Annie Londonderry zu Ruhm gekommen ist, weil sie als erste Frau die Welt mit dem Fahrrad umrundet hat. Trotz dieser erstaunlichen Leistung ist Annie heute fast in Vergessenheit geraten.

Die 23-jährige Anna lebt mit ihrem Mann Max und ihren drei kleinen Kindern im jüdischen Ghetto von Boston. Da Max mehr Zeit in der Synagoge verbringt, als für den Familienunterhalt zu sorgen, muss Anna neben ihren Aufgaben als Hausfrau und Mutter auch die karge Haushaltskasse auffüllen. Jeden Abend klappert sie die Läden in Bostons Straßen ab und versucht Ladenbesitzer davon zu überzeugen, Werbeanzeigen in den Tageszeitungen zu schalten. Eines Tages bittet ein Fahrradhändler darum, neben der üblichen Werbung noch eine Suchanzeige in den Zeitungen zu platzieren - gesucht wird eine junge Frau, die für ein Preisgeld von 10.000 Dollar bereit ist, mit dem Fahrrad um die Welt zu fahren. Anna sieht die Chance für sich und ihre Familie, dem tristen Leben und der Armut zu entkommen und bewirbt sich. Was Anna erst jetzt erfährt: das Ganze basiert auf einer Wette zwischen zwei reichen Bostoner Geschäftsmänner, von denen einer behauptet, dass eine Frau niemals zu den gleichen Leistungen fähig ist, wie ein Mann. Eine Aussage, die Anna erst recht anspornt - sie hat nicht mehr nur ihr eigenes Wohlergehen im Blick, sie sieht sich auch als Botschafterin für die Stärkung der Frauenrechte und für mehr Gleichberechtigung und will beweisen, dass auch Frauen derart kräftezehrende Herausforderungen meistern können. Trotz irrwitziger Wettbedingungen und entgegen dem Willen ihres persönlichen Umfeldes schwingt Anna sich Ende Juni 1894 als Annie Londonderry auf ihr Fahrrad…

Susanna Leonard hat mich in dieser Romanbiografie mit einer faszinierenden Persönlichkeit bekannt gemacht - Anna Kopchovsky, eine temperamentvolle, willensstarke Frau, die sich nicht mit dem zufrieden gegeben wollte, was das Schicksal für sie bereitgestellt hatte. Sie wollte mehr vom Leben und hat zugegriffen, als sich die Gelegenheit dafür bot.

Da es kaum historische Belege über diese Weltumrundung gibt, bestand für Susanna Leonard die Aufgabe darin, die riesigen Lücken mit stimmiger Fiktion zu füllen - und das ist der Autorin ausgesprochen gut gelungen. Annies Reise ist von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Anfangs macht ihr ihre Ausstattung Probleme, später sind es neben Wetter, Hunger und Schmerzen auch Banditen, sture Zollbeamte und sogar menschenfressende Raubkatzen, die sie fast verzweifeln und manchmal auch an Aufgabe denken lassen. Doch sie schiebt beharrlich alle Steine, die ihr in den Weg rollen, beiseite und genießt die zahlreichen aufmunternden Begegnungen mit anderen Fahrradbegeisterten.

Annie Londonderry wird nachgesagt, dass sie es mit der Wahrheit nicht immer so ganz genau genommen hat. Da sie aber Geld für ihre Reisekasse brauchte und auch die Wettbedingung, am Ende der Reise 5000 Dollar verdient zu haben, erfüllen musste, kann ich es ihr nicht krummnehmen, dass sie ihre Erlebnisse werbewirksam aufgerüscht hat, um ihre vielen Vorträge und Interviews interessanter zu gestalten und so neue Werbeverträge - ihre einzige Einnahmequelle - an Land zu ziehen. Auch, dass sie einen Großteil ihrer Tour mit Schiff und Zug zurückgelegt hat und bei einigen Erlebnissen wohl viel Fantasie im Spiel war, kann ich ihr verzeihen, da sie die Menschen rund um den Globus mit ihren lebhaften Reiseberichten damals prima unterhalten hat und dank dieses kurzweiligen Romans auch mich über hundert Jahre nach ihrer Weltumrundung mit ihren Geschichten begeistern konnte.

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Weltumrundung mit dem Fahrrad
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Einblicke in das Leben eines Ausnahmeathleten

Inspiration Federer von Simon Graf; Simon Cambers

Roger Federer hat mich viele Jahre mit seinem Tennis begeistert. Wann immer es mir möglich war, habe ich seine Spiele im TV verfolgt. Auch ohne Roger Federer je persönlich begegnet zu sein, habe ich den Eindruck gewonnen, dass er ein lockerer Typ ist. Bodenständig und nahbar. Respektvoll und wertschätzend.

Seine Persönlichkeit, seine Präsenz auf und neben dem Tennisplatz und die fesselnde Aura, die ihn umgibt, haben mich immer fasziniert.

In ihrem gemeinsamen Buch „Inspiration Federer: Vorbild, Rivale, Freund, Gamechanger“ versuchen die Sportjournalisten Simon Graf und Simon Cambers dem Grund für diese besondere Wirkung, die Roger Federer auf seine Mitmenschen hat, auf die Spur zu kommen. Dafür haben die beiden Journalisten über vierzig Menschen interviewt, die alle auf die eine oder andere Weise eine Verbindung zu Federer haben bzw. hatten. Neben Wegbereitern, Weggefährten und Freunden kommen auch Fans und Persönlichkeiten aus Politik und Kultur zu Wort - sowohl die abwechslungsreiche Auswahl der Teilnehmer wie auch die Zusammenstellung der einzelnen Artikel in unterschiedliche Rubriken habe ich als sehr gelungen empfunden. Es ist eine unterhaltsame Lektüre entstanden, die nicht nur den sportlichen Werdegang des Ausnahmeathleten beleuchtet, sondern vor allen Dingen tiefe Einblicke in seinen Charakter ermöglicht.

Den Leser erwarten in diesem Buch interessante, amüsante und auch bewegende Anekdoten. Jeder einzelne der Interviewpartner erzählt von seinen besonderen Momenten mit Roger Federer. Von vielen guten Dingen, fröhlichen Zeiten und spannenden Erlebnissen, aber auch von emotionalen Krisen, die es zu überstehen galt. So unterschiedlich diese einzelnen Geschichten auch sind, in einem Punkt ähneln sich alle - sie heben Federers aufgeschlossene, sympathische Art, seine inspirierende Kraft und seinen großartigen Sinn für Humor hervor und bestätigen damit das Bild, dass ich mir über die Jahre hinweg von ihm gemacht habe.

Neben den facettenreichen Texten enthält das Buch auch einen mehrseitigen Bildteil - Fotos, die die Geschichten ganz hervorragend abrunden.

Es hat mir großen Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Die vielfältigen Einblicke in Roger Federers Leben und Charakter lassen „Inspiration Federer“ sowohl für Tennisfans wie auch für Nicht-Tennisfans zu einem kurzweiligen Lesevergnügen werden.

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Einblicke in das Leben eines Ausnahmeathleten
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Rosa, Rudi und Henner ermitteln in ihrem 10. Fall

Tote Lämmer lügen nicht von Christiane Franke; Cornelia Kuhnert

Neuharlingersiel. Das vom Häkelbüdel-Club veranstaltete Wohltätigkeitsessen neigt sich dem Ende entgegen. Einige Teilnehmer wundern sich, dass Lenny Kramer nicht aufgetaucht ist, wo er doch nie eine der genauso leckeren wie günstigen Mahlzeiten verpasst. Lehrerin Rosa Moll erklärt sich bereit, bei dem Eigenbrödler nach dem Rechten zu sehen und findet Lenny mausetot in seinem Wohnzimmer: Erschossen! Hauptkommissar Siegfried Haueisen von der Kripo Wittmund rückt an und nimmt gemeinsam mit Dorfpolizist Rudi Bakker und Oberkommissar Helmut Schnepel die polizeilichen Ermittlungen auf.

Auch Hobbydetektivin Rosa ist sofort wieder in ihrem Element und stellt eigene Nachforschungen an - wie nicht anders zu erwarten, gerät sie dabei einmal mehr in eine äußerst brenzlige Situation…

In „Tote Lämmer lügen nicht“ schicken Christiane Franke und Cornelia Kuhnert ihr munteres Ermittlertrio bereits zum zehnten Mal auf Verbrecherjagd - auch diesmal erwarten den Leser wieder eine kurzweilige Handlung, spannende Ermittlungen und jede Menge Lokalkolorit. Rosa, Henner und Rudi haben mich mit ihrer Spurensuche und der Art, wie sie aus ihrem Alltag erzählen, wieder durchweg begeistert - wer amüsante Krimis mit genauso originellen wie warmherzigen Figuren mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Auch wenn der Humor und die abwechslungsreichen Ermittlungen im Vordergrund stehen, scheuen die Autorinnen sich auch diesmal nicht, in ihrem Krimi auf tatsächliche Probleme in der Region aufmerksam zu machen. Diesmal geht es zum einen um windige Geschäfte rund um die Immobilienleibrente und zum anderen um die Konflikte zwischen Artenschutz und Weidetierhaltung - die Rückkehr des Wolfes hält die Küstenbewohner und ganz besonders die Deichschäfer in Atem.

Eine Übersicht über das Stammpersonal der Serie sowie die Rezepte der Leckereien, die im Verlauf der Handlung gekocht werden, befinden sich im Anhang und runden diesen Küstenkrimi perfekt ab.

„Tote Lämmer lügen nicht“ hat mir sehr gut gefallen. Vor allem das amüsante Dorfleben und der herrlich dröge Humor haben mich wieder bestens unterhalten.

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Die erdrückende Last der Schuld

Als die Welt zerbrach von John Boyne

Mit „Als die Welt zerbrach“ knüpft John Boyne an seinen erfolgreichen Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ an. Seit dem tragischen Verschwinden des 9-jährigen Brunos im Jahr 1943 sind fast achtzig Jahre vergangen. Brunos mittlerweile 91-jährige Schwester Gretel führt heute ein zurückgezogenes Leben in London.

Als sich in der Wohnung unter ihr ein Familiendrama abspielt, werden Erinnerungen wach - an ihren Bruder, an die schrecklichen Ereignisse, die sie ihr Leben lang zu Verschweigen versucht hat und an die schwerwiegende Schuld, die sich tief in Gretels Seele eingebrannt hat.

John Boyne geht in diesem Roman der Frage nach, wo Schuld eigentlich beginnt. Ist das Kind eines KZ-Kommandanten mitschuldig am Holocaust? Kann eine 12-Jährige für die Gräueltaten ihres Vaters mitverantwortlich gemacht werden? Hat ein junges Mädchen den Tod ihres Bruders verschuldet, weil sie ihn ermuntert hat, etwas Unbedachtes zu tun? Gretel selbst redet sich ein, unschuldig zu sein, fragt sich aber gleichzeitig, warum sie dennoch immer darauf bedacht ist, ihre Identität geheim zu halten.

„Als die Welt zerbrach“ wird fesselnd erzählt und entwickelt schnell einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Der Roman ist eine emotionale Reise zu unterschiedlichen Stationen in Gretels Leben, an denen sie mit ihrer Vergangenheit und ihrer Schuld konfrontiert wird. In Paris werden sie und ihre Mutter vor eine Art Tribunal aus Résistance-Mitgliedern gezerrt; in Sydney trifft sie unerwartet auf Kurt, einen ehemaligen Mitarbeiter ihres Vaters, für den sie als 12-Jährige geschwärmt hat; in London verliebt sie sich in einen Juden, dessen Familie von den Nazis ermordet wurde. In jedem einzelnen Abschnitt wird dabei greifbar, wie groß Gretels Furcht ist, entdeckt zu werden und wie schwer die Last der Schuld wiegt.

Acht lange Jahrzehnte bestand Gretels Leben aus Angst und Schuldgefühlen. Die immerwährende Schuld hat sie geprägt. Als sie Zeugin wird, wie ihr neuer Nachbar seine Familie misshandelt, ist sie fest entschlossen, nicht wieder tatenlos wegzusehen, wenn wehrlosen Menschen Leid angetan wird. Heute will sie handeln, egal, was es sie kosten wird…

„Als die Welt zerbrach“ hat mir sehr gut gefallen - eine tiefgründige Geschichte, die kurzweilig erzählt wird und mich auch nach dem Lesen noch lange beschäftigt hat.

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Mit Büchern die Welt entdecken

In 80 Büchern um die Welt von John Boyne

„In 80 Büchern um die Welt“ ist ein reich bebildertes Nachschlagewerk, das einlädt, die Welt anhand literarischer Werke zu erkunden. Eingeteilt in vier Rubriken - Expedition und Reisen (ca. 725 v. Chr. bis 1897); Zeitalter des Reisens (1897-1953); Postmoderne. Neue Wege (1954-1999) und Reisen in der Gegenwart (2000 bis heute) - werden fast 80 bekannte und auch weniger bekannte Werke der internationalen Belletristik vorgestellt und näher beleuchtet.

Die jeweils zwei bis vier Seiten umfassenden Beiträge über die Werke stammen aus der Feder von mehr als 50 Autoren - Professoren, Journalisten, Kritiker, Übersetzer und andere dem Literaturbetrieb angehörende Schreibende haben an diesem Buch mitgearbeitet, so dass eine bunte Mischung stilistisch unterschiedlicher Artikel mit Inhaltsangaben, Hintergrundinformationen, Analysen und Interpretationen entstanden ist.

Die Auswahl der besprochenen Bücher ist ein wenig anders, als ich erwartet hatte. Laut Einleitung will das Buch „ein Reisebegleiter in verschiedene Ecken der Welt“ sein. Das abenteuerliche Bereisen bzw. Erkunden fremder Länder steht allerdings nicht immer im Mittelpunkt der Geschichten. In manchen Titeln geht es auch um Reisen im übertragenen Sinn. Um innere Reisen, die einen Prozess der Selbstfindung und der Selbstreflexion zum Thema haben.

Die Aufmachung des Buches ist eine Augenweide. Die informativen Artikel werden ansprechend präsentiert und sind mit zahlreichen Fotos, Reproduktionen von Gemälden, Illustrationen sowie einigen Landkarten versehen.

„In 80 Büchern um die Welt“ hat mir sehr gut gefallen - ein genauso unterhaltsames wie informatives Buch, das den Leser auf die unterschiedlichsten Reisen mitnimmt. Da mir viele der vorstellten Werke gänzlich unbekannt waren, ist dieses illustrierte Nachschlagewerk zu einem Füllhorn an Inspiration für mich geworden.

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Ein mörderischer Rachefeldzug

Der Henker von Hamburg von Anja Marschall

Anja Marschall wartet auch im 5. Fall für Kommissar Hauke Sötje mit einer großen Portion Zeit- und Lokalkolorit auf - den Leser erwartet eine fesselnde Zeitreise ins Hamburg 1899.

Ein Abend in der Oper steht an und Hauke Sötje ist wenig begeistert. Doch seine Frau Sophie ist unerbittlich - als Leiter eines Kommissariats hat er gesellschaftliche Verpflichtungen und dazu gehören eben auch kulturelle Veranstaltungen.

Kurz vor Beginn der Aufführung dann die Erlösung: Kriminalassistent Schröder meldet einen Leichenfund in der Kirche St. Gertruden. Haukes Anwesenheit am Tatort ist dringend erforderlich.

Sophie beschließt, „Tristan und Isolde“ auch ohne Begleitung zu genießen. Im Verlauf des Abends lernt sie die talentierte Sopranistin Carlotta Francini kennen und findet in der jungen Frau eine Freundin, die mit ihrer Unternehmungslust Sophies mittlerweile recht eintönigen Alltag ein wenig aufpeppt.

Der Mord an dem Pastor der St. Gertruden-Gemeinde entpuppt sich schnell als Beginn einer Serie - ein mörderischer Rachefeldzug, der Hauke und seinen Kollegen einige Rätsel aufgibt. Dass jedes der Opfer eine prägende Rolle in der Vergangenheit von Carlotta Francini gespielt hat, finden Hauke und Sophie erst nach und nach heraus…

Besonders begeistert hat mich das stimmige historische Bild, das Anja Marschall auch in diesem 5. Band der Reihe wieder zeichnet. Es ist ihr ganz wunderbar gelungen, den Zeitgeist des ausgehenden 19. Jahrhunderts einzufangen und den Alltag ihrer Figuren authentisch darzustellen. Die Eigenarten und Denkweise der Menschen um 1900 fließen genauso wie die Gepflogenheiten, Mode und Sprache in die Handlung ein.

Auch wenn der ereignisreiche Kriminalfall - in dem man manches erahnen kann und vieles dann doch ganz anders kommt, als man denkt - mit den spannenden Ermittlungen in Hamburgs Straßen im Mittelpunkt des Krimis steht, beleuchtet Anja Marschall noch ein weiteres großes Thema: die Situation und Rolle der Frau in der damaligen Gesellschaft. Als Ehefrau eines höherrangigen Beamten und Mutter einer kleinen Tochter wird von Sophie erwartet, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten der Familie zurückstellt. Das ist Sophie bewusst, dennoch wächst ihre Unzufriedenheit. Sie sehnt sich nach früheren Freiheiten, die Hauke ihr allerdings nur widerstrebend gewährt. Irgendwann muss dann aber auch er einsehen, dass die Ermittlungen ohne Sophie einfach nicht voranzubringen sind.

Neben den fiktiven Figuren bevölkern auch einige historische Persönlichkeiten diesen Krimi. So hat Polizeirat Gustav Roscher, der sich seinerzeit dafür eingesetzt hat, dass die Hamburger Kriminalpolizei mit den modernsten Methoden zur Verbrechensbekämpfung ausgestattet wird, als Haukes Vorgesetzter mehrere Auftritte. Außerdem begegnet man dem preußischen Scharfrichter Friedrich Reindel und seinem Sohn Wilhelm, die Einblicke in die Arbeit eines Henkers gewähren.

Die jedem Kapitel vorangestellten Originalauszüge aus unterschiedlichen Hamburger Zeitungen des Jahres 1899 sowie einige plattdeutsche Einschübe in den Dialogen runden diesen historischen Krimi perfekt ab.

„Der Henker von Hamburg“ hat mir sehr gut gefallen - ein historischer Kriminalroman, der mit interessanten Charakteren, stimmigem Zeitkolorit und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß.

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Anton und Zofia auf Spurensuche

Am Ende zu viel von Kathrin Heinrichs

Anton Wieneke steht kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag und befindet sich gerade in einer depressiven Phase - gesundheitlich steht es nicht zum Besten, er empfindet das Leben nur noch als beschwerlich und glaubt, jedem in seinem Umfeld zur Last zu fallen.

Für seine aus Polen stammende Pflegerin Zofia eine schwierige Zeit.

Es ist nicht einfach, Anton aufzumuntern, dabei möchte die Mittdreißigerin doch, dass jeder Tag für Herrn Anton ein fröhlicher Tag ist.

Der Besuch des Bestatters Reinold „Nolli“ Weitmann verspricht ein wenig Abwechslung. Nolli braucht Antons Rat. Der Bestatter soll die Leiche des angeblich an einem Herzinfarkt verstorbenen Bankers Markus Hammecke zurechtmachen und glaubt, Hinweise auf ein Fremdverschulden entdeckt zu haben. Anton informiert seinen Sohn Thomas, der bei der Mordkommission Dortmund arbeitet. Es stellt sich heraus, dass Nollis Zweifel berechtigt waren: Hammecke wurde ermordet! Während Thomas in das offizielle Ermittlerteam berufen wird, lassen es sich Anton und Zofia nicht nehmen, ihrerseits auf Spurensuche zu gehen…

„Am Ende zu viel“ heißt es für fast jeden in diesem Krimi. Opfer, Täter, Ermittler - jeder von ihnen stößt auf die eine oder andere Art an seine Belastungsgrenze. Überlastung im Alltag - dieses doch ernste Thema hat Kathrin Heinrichs mit einer guten Portion Spannung und feinsinnigen Humor verknüpft und lässt den dritten Band rund um ihr ungleiches Ermittlertrio damit zu einem äußerst unterhaltsamen Krimi werden.

Kathrin Heinrichs erzählt die Geschichte sehr schwungvoll. Die lebhafte Handlung ist von Anfang bis Ende bestens durchdacht und kommt ohne übertriebene Action aus. Dafür gibt es viele spannende Verstrickungen - das Leben des Opfers war äußerst konfliktreich, so dass irgendwie jeder aus Markus Hammeckes Familien- und Bekanntenkreis der Mörder sein könnte.

Anton und Zofia sind zwei Hobbyermittler, denen man gerne folgt. Anton ist höflich und zuvorkommend und Zofia, die mit ihrer holperigen deutschen Grammatik besonders authentisch daherkommt, ist eine Seele von Mensch. Zwei liebenswerte Charaktere, die durch den Umgang miteinander auf eine sehr charmante Art unterhaltsam sind. Die beiden nutzen für die Spurensuche ihre persönlichen Vorteile - Zofia ist umsichtig und besticht durch eine gute Kombinationsgabe und Anton kann mit seiner guten Ortskenntnis und einem großen Bekanntenkreis punkten. Sie stellen Fragen, gehen Hinweisen nach, nutzen den Klatsch und Tratsch aus ihrem Umfeld (vor allem an den angesagten örtlichen Hotspots: Bushaltestelle und Frittenbude) und beobachten, spekulieren und kombinieren.

Die dörfliche Atmosphäre in der kleinen sauerländischen Gemeinde ist Kathrin Heinrichs hervorragend gelungen - jeder kennt hier jeden, doch eigentlich weiß niemand so richtig, was seinen Nachbarn bewegt, beschäftigt oder belastet. Dass hier vieles unter den Teppich gekehrt wird, mancher nicht so ganz bei der Wahrheit bleibt oder die Dinge nur halb erzählt, bremst die polizeilichen Ermittlungen erheblich aus. Irgendwann platzt Thomas der Kragen. Danach bekommt er die Informationen, die er braucht und kann schließlich - dank einiger wertvoller Hinweise von Seiten der Amateurdetektive - den Täter dingfest machen.

„Am Ende zu viel“ hat mir sehr gut gefallen - ein Krimi, dessen Figuren und Handlung wie aus dem Leben gegriffen wirken. Wer amüsante Krimis mit originellen Figuren und spannenden Verstrickungen mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

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Hinter dem hellen Schein

Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein von Hanna Caspian

In ihrer Familiensaga rund um das im nördlichen Brandenburg gelegene Schloss Liebenberg nimmt Hanna Caspian ihre Leser mit in die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts und erzählt aus der Perspektive der Dienstboten von der Harden-Eulenburg-Affäre, die zu einem der größten Skandale des deutschen Kaiserreiches wurde.

Die Handlung dieses ersten Bandes beginnt im Sommer 1906. Adelheid Schaaf, 18-jährige Tochter eines Tagelöhners, kann ihr Glück kaum fassen - sie soll auf Anordnung des Fürsten neues Stubenmädchen im Schloss werden und dass, obwohl sie über keinerlei Erfahrung als Hausangestellte verfügt. Adelheid ist klar, dass Neid und Missgunst auf sie warten, denn unter den Dienstboten herrscht eine strenge Hierarchie, in der man sich normalerweise über die Jahre hinweg Stufe für Stufe hocharbeiten muss. Und so wundert es eigentlich niemanden, dass das Hausmädchen Lydia Keller, die sich entsprechend der Rangfolge Hoffnung auf die höhere Stelle als Stubenmädchen gemacht hatte, nicht müde wird, Adelheid zu piesacken wo es nur geht.

Neben der Eulenburg-Affäre sind es vor allen Dingen die harten Lebens- und Arbeitsbedingungen der kleinen Leute in der von großen sozialen Klassenunterschieden geprägten Gesellschaft des Deutschen Kaiserreichs, die Hanna Caspian in den Vordergrund ihres Romans rückt. Arbeiten bis zur Erschöpfung für einen geringen Lohn, strenge Benimmregeln und immer der Willkür der Herrschaft ausgesetzt - so sah der Alltag für Adelheid, Constanze, Viktor und die anderen Bediensteten auf Schloss Liebenberg aus. Nicht zu vergessen die persönlichen Sorgen und Probleme in ihren jeweiligen Familien.

Hanna Caspian hat mich mit ihrer Greifenau-Saga begeistert. Entsprechend vorfreudig war ich auf den Start dieser neuen Reihe - und bleibe nach dem Lesen des ersten Bandes recht zwiegespalten zurück. Die Autorin hat ein gutes Händchen für Figuren und versteht es zudem ganz ausgezeichnet, auch eine große Anzahl Akteure zu koordinieren, das hat sie bereits eindrucksvoll bewiesen. Es ist schade, dass sie dieses wunderbare Talent hier nicht ausgeschöpft hat. Die meisten der Liebenberger-Figuren sind eindimensional und entwickeln sich kaum. Es ist mir schwer gefallen, mit ihnen mitzufiebern und mitzufühlen. Hinzu kommt, dass es kein lebhaftes Zusammenspiel gibt, sondern mehrere „Einzelkämpfer“, die sich durch Eifersüchteleien, Geheimnisse, Schikanen und Intrigen das sowieso schon schwere Leben noch schwerer machen. Das ganze Miteinander oder eben auch Gegeneinander des Personals war durchweg nicht so ausgefeilt, wie ich es erwartet hatte.

Gestört haben mich auch die vielen Wiederholungen. Ereignisse und Gegebenheiten werden mehrfach erwähnt und ganz besonders die schwierigen Lebensumstände der Protagonisten werden wieder und wieder aufgegriffen - das trübt die Lesefreude.

Gut gefallen hat mir dagegen der historische Hintergrund. Die Fakten zur Eulenburg-Affäre, die politische Entwicklung und die damals geltenden gesellschaftlichen Konventionen sorgen für Authentizität und bereichern die Handlung.

„Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein“ konnte mich nicht so fesseln, wie ich es mir erhofft hatte.

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