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Rezensionen von PMelittaM:
Berührte und packte mich
The Rules of Magic. Eine zauberhafte Familie von Alice Hoffman
Die Familie Owens besteht aus Hexen. Susanna Owens hat sich allerdings von ihrer Familie losgesagt, und lebt mit ihrem Mann und den Kindern Frances, Franny genannt, Bridget, Jet genannt, und Vincent in New York, weitab vom Rest der Familie. Der Tradition, dass eine Owens, wenn sie 17 ist, den Sommer bei Tante Isabelle verbringt, beugt sie sich dennoch.
Frances, Jet und Vincent sind unzertrennlich, und so kommt es, dass alle drei zusammen nach Massachusetts reisen, als die Älteste von ihnen 17 wird. Hier erfahren sie nun auch mehr über ihren magischen Hintergrund – und über den Fluch, der auf der Familie liegen soll.
Vor Jahren war ich eine Zeit lang fast süchtig nach Romanen Alice Hoffmanns, bis diese irgendwann wieder von anderen überlagert wurden, und erst jetzt habe ich wieder zu einem Roman der Autorin gegriffen. Und Alice Hoffmanns „Zauber“ hat mich direkt wieder erreicht. Für mich ist ihr Schreib- und Erzählstil etwas besonderes, er packt und berührt mich sehr schnell, zieht mich mitten hinein in das Leben der Protagonist:innen, ich fühle mich schnell mittendrin – und kann mich am Ende nur schwer lösen.
Erzählt wird das Leben der drei Geschwister über mehrere Jahrzehnte, wobei immer wieder die Perspektive gewechselt wird. So lernt man Franny, Jet und Vincent sowie ihre Gedanken und Emotionen gut kennen –und trotzdem sind sie mir nicht so nahe gekommen, wie ich mir das gewünscht hätte, am ehesten ist das noch Vincent gelungen – anscheinend hat sein besonderes Charisma auch bei mir gewirkt – Franny und Jet blieben mir dagegen seltsam fremd. Und das, obwohl mich ihrer aller Geschichte sehr berührt hat. Beim Lesen war mir das immer bewusst, hat aber meine Lesefreude kaum geschmälert. Vincent ist übrigens eine Ausnahme, üblicherweise bekommen Owens-Frauen nur weibliche Kinder, magische Fähigkeiten hat er aber trotzdem bekommen.
„Rules of Magic“ ist ein im Original 2017 erschienenes Prequel zu „Practical Magic“, das bereits 1995 erschienen ist und 1998 mit Sandra Bullock und Nicole Kidman verfilmt wurde. Am Ende von „Rules of Magic“ lernt man die beiden Protagonistinnen aus „Practical Magic“ kennen, sie sind hier noch Kinder. Fischer Tor hat „Practical Magic“ 2022 übrigens neu herausgebracht.
Meine Wiederbegegnung mir Alice Hoffmann ist gut verlaufen, und hat mir erneut Lust gemacht, ihre anderen Werke zu lesen. Ich kann „Rules of Magic“ empfehlen, vor allem jenen, die sowohl Familiengeschichten als auch ein bisschen Magie in ihrer Lektüre mögen, hier gibt es noch einen Touch amerikanische Geschichte obendrauf. Von mir gibt es 4,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde.
Spannendes Wiedersehen mit geliebten Charakteren
Outlander - Das Schwärmen von tausend Bienen von Diana Gabaldon
1779 sind Brianna, Roger und die Kinder zurück in Frasers Ridge, wo man gedacht hatte, sie nie wiederzusehen – um so größer ist die Freude. Claires und Jamies neues Haus wächst zunehmend und auch das Gemeindehaus kann bald seinen Dienst aufnehmen, sonntags teilen die verschiedenen Glaubensgemeinschaften es sich, wobei es zum Zusammenhalt der Bewohner dient, dass man, wenn man schon einmal da ist, und ja sonst nichts Interessantes zu tun hat, man sich direkt alle Gottesdienste zu Gemüte führt.
Doch noch ist der Krieg nicht zu Ende, und die Einwohner von Frasers Ridge sind teilweise Rebellen und teilweise Royalisten. Vor allem der neu hinzugezogene Kapitän Cunningham ist königstreu durch und durch, und im Laufe des Romans wird es auch hier zu Problemen kommen.
Auf einen Brief John Greys hin, reisen Roger, Brianna und ihre Kinder nach Savannah, nicht ohne einen Zwischenstop in Charles Town, wo sie Germain bei Marsali und Fergus abliefern. In Savannah trifft Brianna auch ihren Halbbruder William, der sich nach erfolgloser Suche nach seinem Cousin Ben vorübergehend hier aufhält. Gleichzeitig erfüllt Brianna einen brisanten Auftrag ihres Vaters.
Auch Ian ist mit Frau, Mutter und Sohn unterwegs. Sie reisen nach New York, da Ian nach seiner ersten Frau, der Mohawk Emily sehen möchte.
Es ist für mich immer wieder ein Nachhausekommen, wenn ich einen neuen Band der Reihe aufschlage. Dieser ist bereits der neunte Band. Ich bin der Familie Jamie Frasers inzwischen sehr verbunden, vor allem in den Büchern. Ich schaue auch die Serie, kann mich dort aber nicht für jede:n Schauspieler:in erwärmen. Zum Glück sehe ich diese beim Lesen größtenteils nicht vor mir, sondern für mich passendere Gesichter. Der einzige, der sich komplett durchgesetzt hat, ist der John-Grey-Darsteller David Berry, der für mich perfekt passt.
Doch zurück zum Roman. Wie immer erzählt Diana Gabaldon sehr ausführlich. Wir sind dadurch wirklich mitten im Leben der Charaktere, und durch den bildhaften Erzählstil springt das Kopfkino sofort an. Ich mag es auch, wenn z. B. Claire, die als einzige in Ich-Form erzählt, ausführlich über Krankheiten und mögliche Heilungsformen referiert, auch wenn es manchmal blutig und/oder eklig wird. Die Bücher sind dick, aber haben für mich keinerlei Längen, zumal viel Historisches integriert ist.
Natürlich gibt es neben Claire wieder eine ganze Reihe anderer Perspektiven, Jamie, Roger, Brianna, Ian, Rachel, John, William – alle sind vertreten, und so erhält man umfassende Einblicke, da die Perspektiven auch oft ineinander übergehen. Es passiert wieder sehr viel, und oft ist es richtig spannend, manche:r gerät in Lebensgefahr, es gibt Tote und neues Leben. Und mancher Charakter taucht auf, mit dem man nicht (mehr) gerechnet hätte. Und auch die Bienen aus dem Titel spielen natürlich eine Rolle.
Am Ende gibt es einen Cliffhanger, und ich hoffe, es dauert nicht mehr allzu lange, bis Band 10 erscheint. Auch die Anmerkungen der Autorin im Anhang sind lesenswert.
Band 9 der Reihe hat mich, wie schon die Vorgängerbände, wieder sofort abgeholt. Mir wird bei dieser Familiengeschichte einfach nie langweilig, und ich könnte immer weiter lesen. Wer die Familie um Claire und Jamie mag, und die bisherigen Bände kennt, macht auch hier nichts falsch. Alle anderen sollten besser mit Band 1 starten.
Mystisch, poetisch und berührend
Als wir Vögel waren von Ayanna Lloyd Banwo
Darwin ist ein Rastafari, daher muss er sich von Toten fernhalten. Seine einzige Chance auf einen Job ist allerdings die des Totengräbers, und so trennt er sich von Dreads, Bart und Mütze und nimmt den Job an.
Yejide stammt aus einer Familie mit einem mythologischen Hintergrund. Die Frauen der Familie haben eine besondere Beziehung zu Toten, und nach dem Tod ihrer Mutter, ist es nun an ihr, deren Platz einzunehmen.
Die Autorin ist selbst auf Trinidad geboren, der Roman wurde im Original in trinidad-kreolischem Englisch verfasst, auch das Titelbild weist nicht nur mit seinen Farben auf die Karibik hin, sondern macht auch Lust, nach dem Buch zu greifen. Der Autorin gelingt es gut, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, sie einen sehr bildreichen, manchmal fast poetischen Sprachstil und erzählt abwechselnd aus Darwins und Yejides Perspektive.
Darwins Szenen sind dabei leichter zu lesen. Ich empfehle jenen, die sich nicht mit Rastafari auskennen, sich zu diesem Thema ein bisschen zu belesen, Darwin ist dann leichter zu verstehen. Mir kam er schnell nahe, und ich mochte ihn schon nach wenigen Seiten. Er hat es nicht leicht auf dem Friedhof, aber nicht nur wegen seines kulturellen/religiösen Hintergrundes, auch seine Kollegen machen es ihm nicht immer leicht, und erst nach und nach erkennt man, dass hinter ihnen mehr steckt, als zunächst gedacht, und es wird noch richtig spannend.
Bei Yejide ist es schwieriger, ihre Szenen sind voller Mystik (hier erklärt sich dann auch der Titel), und als Leser:in versteht man nicht immer die Hintergründe, vieles kann man deuten und erahnen, aber bis zum Ende bleibt manches unklar. Ich hätte mir hierzu ein erklärendes Nachwort gewünscht, zumal ich auch nichts ergoogeln konnte. Handelt es sich hier um eine tatsächliche karibische Mythologie oder ist es eine fiktive, von der Autorin erdachte? Für mich wird das leider nicht klar. Und mit Yejide geht es mir teilweise ähnlich, ich kann sie nicht ganz greifen, komme ihr nicht so nahe wie Darwin.
Im Laufe des Romans treffen Darwin und Yejide aufeinander, und schon das erste, noch nicht körperliche, Zusammentreffen zeigt, dass es eine besondere Verbindung zwischen ihnen geben muss. Als sie sich dann tatsächlich treffen, wird das in kurzen Abschnitten aus ihren abwechselnden Perspektiven beschrieben, was ich erzählerisch sehr gelungen finde. Sprachlich und erzählerisch ist der Roman überhaupt sehr gelungen.
Neben den beiden Hauptcharakteren gibt es relativ wenige weitere Personen. Ich könnte nicht bei jedem Namen eine konkrete Charakterisierung liefern, doch einige sind wichtiger als andere, und diese finde ich gut gezeichnet, so dass ich mir ein deutliches Bild von ihnen machen konnte. Auch die Orte kommen gut zur Geltung, was dem bildhaften Erzählstil geschuldet ist, vor allem den Friedhof, auf dem Darwin arbeitet, kann man sich gut vorstellen.
„Als wir Vögel waren“ ist kein Roman für zwischendurch, man muss ihm Aufmerksamkeit schenken und offen sein für seine Mystik.
Lesenswerter Roman mit einer guten Botschaft
In all seinen Farben von George Lester
Robins Leben läuft gerade nicht so gut, sein Wunschtraum hat sich nicht erfüllt und die Beziehung zu seinem Freund Connor ist schwierig. Connor hat sich, im Gegensatz zu Robin, noch nicht geoutet, im Gegenteil, sein Freundeskreis ist homophob, und hat es vor allem auf Robin abgesehen.
Als seine besten Freunde Natalie und Greg Robin an seinem 18.
Geburtstag zu einer Dragshow einladen, ist das für ihn eine Offenbarung, er weiß nun, was er möchte und hat wieder eine Vorstellung von seiner Zukunft. Doch ganz so einfach macht es ihm sein Umfeld dann doch nicht.
Ich bin ein großer Drag-Fan, und so habe ich mich gefreut, einmal einen Roman zu lesen, der in diesem Umfeld spielt. Der Autor ist selbst Drag-Queen, der Roman somit auf gewisse Weise autobiographisch, wie man auch in Interviews lesen kann.
Mich haben vor allem die Szenen im Club unterhalten und berührt. Die verschiedenen, größtenteils fiktiven, Drag-Künstler im Roman haben mir gut gefallen. Auch Robin selbst mochte ich sehr gerne, ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen, auch wenn seine Lebenswelt meiner doch sehr wenig gleicht. Der Autor hat ihn mir sehr nahegebracht und ihn lebendig werden lassen. Robin hat das Glück, einige gute Freunde und weitere Menschen zu haben, die ihm zur Seite stehen, und ihn so akzeptieren, wie er ist. Gern mochte ich auch Seth, einen neuen Schüler an Robins Schule, der seine eigenen Probleme mitbringt, aber auch eine Unterstützung für Robin sein kann.
Es gibt aber auch Szenen, die mich gestört, zum Teil auch geärgert haben, und das nicht nur, wenn Connor und seine Freunde aufgetauchen. Auch seine Vertrauenspersonen verändern sich im späteren Verlauf in meinen Augen negativ. Ich kann nicht nachvollziehen, warum auch sie Robin Steine in den Weg legen müssen bzw. ihm gegenüber weniger verständnisvoll auftreten. Für mich ist das tatsächlich ein Charakterbruch. Sicher hat auch Robin Fehler gemacht, aber das Verhalten dieser wichtigsten Menschen in seinem Leben erscheint mir hier sehr übertrieben. Womöglich sollte das Dramatik erzeugen, ist aber gar nicht nötig, Probleme gibt es ja sonst auch schon genug.
In meinen Augen hat es dem Roman nicht gut getan, aber auch nur wenig geschadet, denn er ist weiterhin lesenswert, und seine Botschaft von Selbstfindung, Akzeptanz und Toleranz bleibt bestehen – in diesem Zusammenhang finde ich auch den deutschen Titel sehr passend gewählt.
„In all seinen Farben“ ist ein Roman, dem ich viele Leser:innen wünsche. Hier wird die Lebenswelt einer queeren Person auf einfühlsame Weise dargestellt, aber auch Nöte und Ängste nicht ausgespart. Und man erhält einen guten Einblick in die Drag-Kunst.
Lässt mich zwiegespalten zurück
Institut für gute Mütter von Jessamine Chan
Überfordert lässt Frida ihre 18 Monate alte Tochter Harriet zweieinhalb Stunden alleine zu Hause. Als sie wiederkommt, ist Harriet in Obhut genommen, ein Nachbar hat Frida angezeigt. Aufgrund eines neuen Gesetzes werden Frida die Elternrechte entzogen, ein Jahr lang muss sie nun, zusammen mit anderen Müttern, lernen, eine gute Mutter zu sein.
Selbst Mutter von – bereits erwachsenen – Kindern, war dieser Roman für mich ein Auf und Ab der Gefühle. Natürlich geht es gar nicht, was Frida gemacht hat, aber, was dann mit ihr gemacht wurde, geht ebenfalls nicht. Zusammen mit anderen Müttern wird sie regelrecht inhaftiert, das Anwesen von einem elektrischen Zaun umgeben, Kameras überall, in Uniformen gesteckt. Zum Üben erhält jede Mutter eine mit KI ausgestattete lebensechte Puppe, die dem jeweiligen Kind ähnelt. Der Kontakt zu ihren echten Kindern wird willkürlich gehandhabt, meistens eingeschränkt. Da fragt man sich schnell, wer den Kindern wirklich schadet.
Beim Lesen hat man dauernd ein ungutes Gefühl. Erzählt wird durchgehend aus Fridas Perspektive, was das ungute Gefühl noch verstärkt, man begleitet sie regelrecht durch ihre Verzweiflung, aber auch durch ihre Hoffnungen. Auch wenn Frida es als „schlechten Tag“ abtut, ihr Vergehen ist letztlich schlimmer als das mancher der anderen Mütter, mit denen sie nun zusammenlebt, und sie hätte wohl wirklich Hilfe gebraucht, nur eben auf eine andere Art, als sie hier bekommt.
Frida ist kein einfacher Mensch, und so sind auch meine Gefühle für sie nicht immer gleich, letztlich kommt sie mir nicht so nahe, wie ich mir das gewünscht hätte. Die meisten der anderen Mütter allerdings auch nicht. Das Personal der Anstalt überhaupt nicht, immerhin sind sie es, die die Willkür ausüben, die Mütter klein machen, und Dinge von ihnen verlangen, die oft fraglich und meistens kaum machbar sind. Muttersein wird hier als etwas dargestellt, das es gar nicht geben kann. Derweil werden die Kinder dieser Mütter, die man angeblich schützen will, bei Verwandten, oft aber auch bei Pflegeeltern untergebracht und ihnen der Kontakt zu ihrer Mutter genauso verwehrt, wie deren zu ihnen.
Der Roman ist eine Art Dystopie, etwas, was hoffentlich nie eintritt, hat aber auch eine ungute Aktualität, wenn man sich gesellschaftliche Entwicklungen anschaut, die leider im Moment oft eher rückwärtsgewandt wirken. Gut gefallen hat mir das Ende, denn es ist offen, und passt für mich sehr gut zum Rest der Geschichte.
Ich bin bei diesem Roman etwas uneins mit mir selbst. Natürlich hat er auf gewisse Weise meine Emotionen angesprochen, leider aber nicht immer für die Protagonistin, mir taten vor allem die Kinder (die echten wie die unechten) leid. Ich hätte mir eine andere Protagonistin gewünscht, mit der ich mehr hätte fühlen können. Andererseits lässt mich der Roman mit einem unguten Gefühl zurück, weil es derzeit (global) tatsächlich Tendenzen in eine ungute Richtung gibt. Außerdem: Mütter alleine auf ihr Muttersein zu reduzieren kann es einfach nicht sein, und nicht an allem ist die Mutter schuld. Wenn Jessamine Chan manche:n zum Nachdenken gebracht hat, hat der Roman schon einen Zweck erfüllt.
Naja
Die Hausboot-Detektei - Tödlicher Genuss von Amy Achterop
Ein ehemaliger Polizist, drei Vorbestrafte und eine Krimiautorin gründen gemeinsam eine Detektei auf einem Hausboot. Der erste Fall findet sich bald: Zwei Cateringunternehmen möchten die Hochzeit der Tochter eines finanzkräftigen, aber auch anspruchsvollen Vaters gestalten, Voraussetzung ist ein Gericht, das eine absolute Neuheit darstellt.
Gabriel Petit, der sich von dem Auftrag nicht nur beruflichen, sondern auch privaten Erfolg verspricht, heuert die Hausboot-Detektei an, herauszufinden, was seine Konkurrentin sich für eine Neuheit ausgedacht hat.
Die Aufzählung der Mitarbeiter:innen der Detektei lässt auf ein unterhaltsames Lesevergnügen hoffen, zumal noch zwei Haustiere dazukommen, ein, angeblich bisswütiger, Neufundländer und eine junge Eichhörnchendame. Leider hatte ich nicht das Vergnügen am Cast, auf das ich gehofft hatte. Alle haben nämlich so ihre Probleme, und alle diese Probleme sind eher weniger vergnüglich. Dazu kommt noch eine, in so frühem Stadium eigentlich unnötige, Liebes“beziehung“. Leider kam mir auch keiner der Protagonist:innen wirklich nahe. Der manchmal doch vorhandene Humor wird von den Nebencharakteren, den beiden Cateringkonkurrent:innen und ihrem Auftraggeber geliefert, denn hier kommt es dann doch zu der einen oder anderen skurrilen Szene.
Auch der Fall konnte mich nicht packen, auch wenn er recht originell ist, habe ich mich eher gelangweilt, im Grunde kann man nur von marginalen Ermittlungen sprechen, dazwischen ist der Roman recht langatmig. Erst gegen Ende kommt ein bisschen mehr „Stimmung“ auf, genauso wie ich erst am Ende den Protagonist:innen zugeneigter wurde. Da war es für mich dann aber zu spät, um Lust auf weitere Bände der Reihe zu bekommen. Die Auflösung ist okay.
Ich hatte mir skurrile Protagonist:innen, einen spannenden Fall und Humor erhofft – was ich leider so nicht bekommen habe. Skurril fand ich am ehesten den Cateringunternehmer, seine Konkurrentin und deren potentiellen Auftraggeber, die Protagonist:innen sind mehr mit privaten Problemen verbunden, kamen mir aber leider nicht nahe. Auch der (Kriminal)Fall kann bei mir weniger punkten als erwartet, da zu langatmig erzählt – ist aber recht originell. Insgesamt ein nur durchschnittlicher Krimi, den man lesen kann, aber nicht muss.
Absolute Leseempfehlung!
Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen von John Ironmonger
In einem Pub treffen der Student Tom Horsmith und der Politiker Monty Causley aufeinander. Ein Streit führt zu einer Wette, die 50 Jahre später eingelöst werden soll.
Wer „Der Wal und das Ende der Welt“ gelesen hat, kennt den kleinen Ort St. Piran an der Küste Cornwalls schon, damals war Tom noch ein kleiner Junge, jetzt ist er gerade 20 Jahre alt geworden – das ist im Grunde die einzige zeitliche Einordnung, die der Roman uns an die Hand gibt.
Wir befinden uns also in einer Zeit nach dem Wal. Dass die Zeit ungefähr die unsere ist, wird aber schnell klar. Im Roman vergehen zudem mehrere Jahrzehnte, jedoch wird nur wenig „Zukünftiges“ betrachtet, es geht hier nicht um Science Fiction, sondern um ganz aktuelle Probleme (wie auch schon im „Wal“).
Erzählt wird die Geschichte in Zeitsprüngen, jeweils soundsoviele Jahre nach der Wette, bis schließlich mehr als 50 Jahre vergangen sind. Tom und Monty treffen immer einmal wieder aufeinander, ihre Leben sind auf gewisse Weise miteinander verbunden, nämlich durch die Wette, die Monty als Politiker letztlich sogar etwas mehr trifft als Tom. Dazwischen findet für beide das normale Leben statt, das der Roman oft nur in Zusammenfassungen erzählt, was aber im Kontext vollkommen ausreicht. Das „normale Leben“ beider ist zwar wichtig, aber das wahre Thema des Romans ist die Wette. Eine Wette, die sich mit dem Thema „Klimawandel“ befasst, Monty ist ein bekannter Klimaleugner, Tom setzt sich dafür ein, dem entgegenzusteuern. So findet man ihn schon bald in Grönland, wo er u. a. das Schmelzen der Gletscher untersucht.
Tom und Monty sind ganz klar die Protagonisten des Romans, andere Charaktere nur Nebenfiguren, die aber trotzdem auch wichtige Rollen haben. Ein paar kennt man übrigens bereits aus dem „Wal“, was mir gut gefällt. Trotz der Zeitsprünge kann man die beiden gut greifen, sie sind nicht nur die Vertreter zweier gegensätzlicher Denkweisen, sondern durchaus mehr. Und teilweise machen sie ganz schön miteinander durch, vor allem in der zweiten Hälfte wird es ziemlich spannend, nicht nur, wenn der Eisbär – endlich – auftaucht.
John Ironmonger hat sich wieder eines aktuellen Themas angenommen, und bleibt seinem besonderen Erzählstil auch hier treu, er erzählt mit viel Herz und einer schönen Sprache, sehr fesselnd, sehr eindringlich und sehr treffend. Der Roman steckt voller Emotionen, vermittelt zudem, gut verpackt, einiges an Wissen und lässt einen schwer wieder los. Ich hoffe sehr, dass ihn sehr viele Menschen lesen, und erkennen, wie wichtig das Thema ist. Für mich ist der Autor spätestens jetzt zu einem meiner Lieblingsautoren geworden, dessen Romane ich unbedingt lesen muss.
Nach dem „Wal“ nimmt sich auch der „Eisbär“ eines aktuellen Themas an, das der Autor wieder mit viel Wissen, Emotionen und einer interessanten Geschichte verpackt. Auch hier wird man zum Nachdenken angeregt, so dass ich auch diesem Roman viele Leser:innen wünsche, weswegen ich ihn unbedingt empfehle.
Sehr gelungener und spannender zweiter Band
City of Dreams von Don Winslow
1988: Danny Murphy ist mit seiner Mannschaft und Familie auf der Flucht, taucht in Kalifornien unter, versucht sich dort ein neues Leben aufzubauen, und gleichzeitig unter dem Radar zu bleiben, denn einige sind hinter ihm her.
Der zweite Band um die beiden Mafia-Familien aus Providence setzt direkt am Vorgängerband an, und erzählt wieder aus verschiedenen Perspektiven die Schicksale verschiedener Menschen, und auch dieses Mal wird man sich von dem einen oder anderen verabschieden müssen.
Auch Danny kommt nicht ohne Schicksalsschläge davon
Dan Winslow hat einen sehr süffigen Erzählstil, und kann dadurch seine Leserschaft sofort packen, sowie ihr auch Charaktere sympathisch machen, die das eigentlich nicht unbedingt verdienen. Der Hauptcharakter auch in diesem Band ist Danny, und Danny ist Mafioso, hat Menschen bedroht, verletzt und getötet – und dennoch mag ich ihn, fühle mit und um ihn. Dan Winslow zeichnet ihn vor allem als Mensch, ein Mensch, der seiner Ehefrau treu war, und nun, nach ihrem Tod, um sie trauert, der sich um seinen Sohn kümmert und ihm ein guter Vater sein will, der loyal ist und Verantwortung für seine Männer trägt, und sich viele Gedanken macht, auch, ob seine Handlungen richtig sind – aber auch Fehler macht. Man kommt ihm auf diese Weise sehr nahe.
Aber auch die anderen Charaktere weiß der Autor tiefgehend zu zeichnen, sie zu echten Menschen zu machen, auch wenn sie fast alle aus einem zweifelhaften Milieu kommen, und auch diejenigen, die eigentlich auf der „guten“ Seite stehen, nicht immer ehrenhaft sind. Den meisten würde man im wahren Leben lieber nicht begegnen. Keiner davon kommt einem allerdings so nahe wie Danny, was auch gut ist.
Die Geschichte hat es in sich, da gibt es einige Szenen, die man nicht erwartet hat, und einiges, was klar scheint, läuft dann doch ganz anders. Das ist spannend, und macht den Roman zum Pageturner.
Auch der Settingwechsel ist gelungen, in Kalifornien, wie kann es anders sein, kommt die Filmwelt mit ins Spiel. Daneben spielt auch Las Vegas eine Rolle, wo Dannys Mutter lebt, die natürlich auch wieder dabei ist. Aber auch Providence bleibt weiterhin Schauplatz, denn auch die Morettis sind weiter mit im Spiel, und auch ihre Geschichte wird weiter erzählt.
Der mittlere Band der Trilogie um Danny Murphy, dessen Leben sich ungewollt auf den Kopf stellt, steht dem ersten Band nicht nach, gefällt mir sogar ein bisschen besser, packt von Anfang an und bringt einen gelungenen Settingwechsel mit. Ich empfehle dringend zuerst Band 1 zu lesen.
Gelungener Trilogie-Auftaktband
Der Siegelarmreif von Marlene von Hagen
Tristorien verleibt sich immer mehr Länder ein und blutet sie aus. Doch es gibt auch Widerstand, und so macht sich eine Gruppe Verbündeter auf den Weg, den Erben des Siegelarmbandes zu finden, der sich erfolgreich gegen Tristorien stellen könnte.
Ganz unterschiedliche Charaktere kommen hier zusammen, darunter ein Heiler, eine Bogenschützin, die von einem Einhorn begleitet wird, ein Prinz, manche von ihnen mit besonderen Fähigkeiten.
Nicht jeder schließt sich zunächst freiwillig an, doch letztlich halten alle zusammen, immerhin geht es gegen einen gemeinsamen Feind.
Sowohl die sieben Protagonist:innen als auch die beiden Antagonist:innen erhalten ihre eigenen Perspektiven, wodurch man sie besser kennenlernt und mehr über ihre Hinter- und Beweggründe erfährt. Manches wird aber noch nur angedeutet, wie etwa die Herkunft Norells, der sich der Gruppe auf Grund eines Orakelspruches angeschlossen hat.
Die Charaktere sind durchweg gut gezeichnet, und fast jeder bringt sein eigenes mehr oder weniger großes Geheimnis mit. Im Anhang erklärt die Autorin dass die neun Hauptcharaktere auf den Persönlichkeitstypen des Enneagramms beruhen. Auch wenn das für mich ein Touch zu esoterisch ist, haben mich die Charaktere alle auf ihre Weise berührt. Besonders Nathal, den Heiler, und Alsha die Bogenschützin, die von einem Einhorn begleitet wird, mochte ich schnell. Nur Nashiri, Nathals Schwester, ist mir nicht so nahe gekommen, obwohl sie eine wichtige Rolle einnimmt. Möglicherweise wird sich das in den beiden Folgebänden noch ändern.
Auch die Antagonistenseite ist gut besetzt, wobei sich vor allem Idoria, die Prinzessin von Tristorien, hervortut, die nicht nur böse, sondern regelrecht gruselig ist. Auf die Entwicklung ihres Generals Kreyn im weiteren Verlauf bin ich schon gespannt.
Die Welt, die Marlene von Hagen erschaffen hat, gefällt mir ebenfalls gut, es gibt manches magische, nicht nur Wesen wie das Einhorn, auch Fähigkeiten wie die Nathals, der mehr als ein „normaler“ Heiler ist. Insgesamt wirkt es wie aus einem Guss, auch hier kann man gespannt sein, was man noch erfahren wird.
Erzählt wird bildhaft, flüssig und spannend, so dass man den Roman kaum aus der Hand legen mag. Mein Kopfkino bekam viel zu tun. Der Roman endet – bis auf eine Sache – ohne allzu schlimmen Cliffhanger, doch die Weichen für den nächsten Band sind schon gestellt, ich bin gespannt darauf.
Der Auftaktband der Trilogie macht Lust auf mehr, bietet interessante Charaktere, eine gut durchdachte Welt und eine spannende Geschichte. Sehr gerne empfehle ich ihn weiter.
Sehr guter zweiter Band
The Atlas Paradox von Olivie Blake
Im zweiten Jahr müssen die Auserwählten der Alexandrinischen Gesellschaft sich eigenen Forschungsprojekten widmen, während Libby Rhodes immer noch verschwunden ist.
Der zweite Band knüpft direkt am ersten an. Im Gegensatz zu den anderen Auserwählten weiß man als Leser:in nicht nur wer hinter Libbys Verschwinden steckt, sondern auch, wo sie ist.
Letzteres muss auch Libby selbst erst noch herausfinden. Besonders Nico ist die Antwort auf Libbys Verbleib wichtig, so dass auch sein Freund Gideon, der nicht nur ein besonders Talent hat, sondern auch selbst besonders ist, seine Fähigkeiten zur Suche nutzt. Auch wenn Gideon hier mehr Raum erhält, bleiben in Bezug auf ihn immer noch viele Fragen offen, die hoffentlich zum Ende der Trilogie geklärt sind.
Wie gehabt, wird die Geschichte aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonist:innen erzählt, wobei ich es immer wieder interessant finde, was man aus den jeweiligen Perspektiven erfährt. In diesem Band ist besonders die Sicht Libbys interessant, denn als Leser:in erfährt man weiterhin mehr als die Charaktere über das, was mit ihr geschieht. Auch auf Dalton Ellery bezogen gibt es interessante neue Erkenntnisse, und ein bisschen mehr erfährt man auch über die Gegner der Alexandriner, aber auch hier bleibt noch viel offen.
Der erste Band hat bei mir vor allem durch die interessante Welt, die sehr verschiedenen Charaktere und den gelungenen Erzählstil gepunktet. Im zweiten Band gibt es in dieser Hinsicht naturgemäß wenig Neues, weswegen er mich nicht ganz so packen konnte – allerdings hat auch er viel Interessantes zu bieten, und vor allem, dass Gideon mehr Raum erhält, hat mir sehr gut gefallen. Und wer Band 1 spannend fand, wird dies auch diesem Band zuerkennen.
Am Ende haben die Auserwählten das Herrenhaus der Alexandrinischen Gesellschaft verlassen, und müssen sich nun auf viele Feinde und Gefahren einstellen, man darf auf den nächsten Band gespannt sein, der zudem das Finale der Trilogie ist. Ich hoffe sehr, dass dann alle meine Fragen beantwortet werden.
Der mittlere Band der Atlas-Trilogie konnte mich wieder überzeugen, ich hatte spannende und interessante Lesestunden und bin nun sehr gespannt darauf, wie es enden wird. Ich vergebe 4,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde.











