Im Detail
Waisenkind
Autor*in: Galit Dahan Carlibach
Übersetzt von: Ruth Achlama
Deutsch
2026 - Kein & Aber
Hardcover
Auch verfügbar als:
E-BOOK (EPUB)€ 17.99
Inhalt
Kurztext
Eine Frau auf der Suche nach dem Vater
Textauszug
Erster Teil
Gegenüberstellung
1
Um euch zu erzählen, wie ich Ramon ermordet habe, muss ich zunächst erzählen, wie ich Achituv erledigt habe. Und um zu erzählen, wie ich Achituv erledigt habe, muss ich erst mal erzählen, wie ich meine Mutter umgebracht habe.
Ich befinde mich hier im Marienkloster, und vielleicht ist ein Kloster nicht der beste Ort auf Erden, um dort Morde zu beichten, obwohl es hier einen Beichtstuhl gibt. Nicht, dass dieser Beichtstuhl jemandem helfen würde: Wer Schwerverbrechen begeht, soll nicht erwarten, in ein winziges Beichtschlupflöchlein entwischen zu können.
Dieses Kloster ist nach den drei Marias benannt: Jesu Mutter, Maria Magdalena und noch einer, die ich vergessen habe. Aber die ist ohnehin unwichtig. Hier bestimmt Maria Magdalena, wer reinkommt.
Die Überlieferung besagt: Bevor diese Maria Magdalena mit Jesus ging, an ihn glaubte und zur Heiligen wurde, war sie schlichtweg eine Hure. Jetzt sieht man sie überall im Kloster auf Gemälden an den Wänden, und mit ihrem komischen Lächeln heißt sie alle Nutten willkommen, die an die Tür klopfen. Und das ist ein Glück für sie: Hier werden sie nicht weggeschickt. Dieses Kloster ist für sie da.
Erst gestern tauchte eine verletzte Frau hier auf, der mordsmäßig viel Blut aus den Armen lief, und sagte, sie sei die Nichte des heiligen Lazarus und hätte ein Medikament gegen Aussatz. Die hat man gleich ins Irrenhaus nach Kfar Schaul geschickt. Die dumme Kuh hätte bloß sagen müssen, ein Zuhälter hätte sie bei der Arbeit mit einem Messer geschnitten, und schon hätte sie Kost und Logis bekommen, statt im Irrenhaus zu landen.
Das Kloster ist perfekt für jemanden, der sich verstecken will. Man muss bloß leicht rechts abbiegen, da, wo Jesus zum ersten Mal gefallen ist und seine Mutter ihn mit Leidensmiene angeschaut hat, dann bei einem Abfallhaufen die Nase zuhalten, weil der Traktor der Müllabfuhr es hier nicht herschafft, danach vorbei an einer Saftbude mit steinharten Granatäpfeln, die todsicher schon vor zweitausend Jahren gepflückt wurden, und schließlich hin zum Kloster, wo überm Tor ein Gemälde vom heiligen Georg prangt, der auf einem weißen Pferd reitet und gegen einen bunten Drachen kämpft.
Drinnen ist ein Hof mit Bänken, die im Halbkreis angeordnet sind. Vielleicht für Jesus, der eines Tages wiederkehren und hier einen großen Auftritt hinlegen wird.
Auf der rechten Hofseite ist ein schmaler Pfad, umgeben von Bougainvilleas. Der führt direkt zur Bibliothek, damit Männer in Ruhe dorthin stiefeln und alte Schriften aus dem Mittelalter studieren können, ohne unterwegs eine Nonne zu schwängern.
Als würde das was helfen. Kaum hat ein Kerl das Kloster betreten, geht Rosi oder Toni oder Sophie (sucht euch einen Namen aus, egal, die sind sowieso nicht echt), die in etwa so Nonne ist wie ich Christin, am Fenster der Bibliothek vorbei, in der Hand eine Bibel, die sie allerhöchstens mal aufgeschlagen hat, um dem Pfarrer bei der Sonntagspredigt schöne Augen zu machen, und blickt dann den Kerl an, in der Hoffnung, dass er zurückschaut, um gleich danach die Bibel zu küssen, so mit den Lippen, gänsemäßig, wobei gleich klar wird, dass die schon mal im Einsatz gewesen sind, diese Lippen.
Sie denken, man würde sie nicht sehen. Aber von da, wo ich sitze, sehe ich al-les.
Dies ist mein zweites Mal im Kloster. Das erste Mal war vor ungefähr vier Jahren, als ich sechzehn war, und mittlerweile hat sich echt allerhand geändert.
Damals war Theresa die Äbtissin, und heute ist es Agnes. Damals hat Jesus mich als Nutte hergebracht, und diesmal bin ich von allein gekommen, als Mörderin.
Nur Kamal, der arabische Gärtner, ist noch da und si
Hauptbeschreibung
Avitals Kindheit und Jugend verlaufen alles andere als glatt. Sie wächst am Rande Jerusalems bei ihren Großeltern in prekären Verhältnissen auf. Auch als sie Reißaus nimmt, wendet sich zunächst nichts zum Besseren: Avital schlittert von einem Unglück ins nächste und träumt dabei unermüdlich von einem Vater, der kommt und sie rettet - wie in den Waisenkindergeschichten, die sie so gerne liest. Und tatsächlich taucht eines Tages der ehemalige Mossad-Agent Achituv Porat auf und nimmt sie unter seine Fittiche. Endlich scheint Avitals Leben eine gute Wendung zu nehmen, doch war die Begegnung mit Achituv wirklich so zufällig, wie er vorgibt?
Mit Mut, Witz und Unerschrockenheit trotzt die junge Heldin allen Rückschlägen. Spannend und voller unerwarteter Wendungen - ein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann.
Autor*in
Galit Dahan Carlibach ist 1981 geboren und in Sderot, Aschdod und Jerusalem aufgewachsen. Sie ist Autorin mehrerer Romane und Novellen. Ihre Essays, Gedichte und Erzählungen erschienen in israelischen Zeitungen und internationalen Magazinen wie Haaretz, Maariv, Tablet, Lilith und anderen. Ihr Werk wurde mit mehreren Preisen und Stipendien ausgezeichnet, zuletzt 2025 mit dem ACUM-Preis für ein Werk in Arbeit. Galit Dahan Carlibach liest, hält Vorträge und lehrt kreatives Schreiben. Sie lebt in Jerusalem.
Ruth Achlama, 1945 in Deutschland geboren, übersetzt hebräische Literatur renommierter Autorinnen und Autoren ins Deutsche. Für Kein & Aber hat sie mehrere Romane von Ayelet Gundar-Goshen, Yishai Sarid, Dori Pinto sowie Daria Shualy ins Deutsche übertragen. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Ruth Achlama lebt in Tel Aviv.
Stichworte
weird girl fiction | Coming of Age | Waisenkind | Waise | Jerusalem | Geheimagent | Charles Dickens | Vater | Vatersuche | Spannung | Katze | Hunde | Junge Frau | Erwachsenwerden | Kloster | Geheimnisse | Großvater | Vaterfigur | Rothaarig | Weltliteratur | Betrug | Debütroman 2026 | Debütroman | Israelische Literatur | Erwachsen werden | Pubertät
Buchdetails
| Titel: | Waisenkind |
| Untertitel: | Übersetzt von: Ruth Achlama |
| Verlag: | Kein & Aber |
| Erscheinungsjahr: | 2026 |
| Sprache: | Deutsch |
| 336 Seiten | |
| 25 mm x 122 mm | |
| ISBN-13: | 978-3-0369-5067-9 |
Produktsicherheit
Hersteller: Kein & Aber AG
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E-Mail: berlin@keinundaber.deHersteller: Kein & Aber Verlag
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